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Erkelenzer, die man kennen sollte!

Kategorien: Persönlichkeiten
1581 bis 1956

Unter dieser Überschrift wollen wir Ihnen Personen vorstellen, die man kennen sollte. Natürlich ist dies nur eine Auswahl, es sind solche Personen, von denen wir meinen, dass man sie kennen sollte.

Das Virtuelle Musuem hat die nachfolgenden Personen in einem eigenen Bericht vorgestellt: Arnold von Harff, Mathias Baux, die Erkelenzer Bildhauer, Cornelius Burgh, Hermann-Josef Gormanns, Petrus Wymari de Ercklentz, Dominicus de Gentis, Will Völker, Gottfried von Berg und Arno Platzbecker.

In diesem Bericht wollen wir Ihnen Personen vorstellen, die in Erkelenz geboren wurden. Wer verbirgt sich hinter dem Namen? Und welche Bedeutung hat die Person?

Conrad Anton Beumers

Conrad Anton Beumers war Goldschmied und wurde am 01. März 1837 in Erkelenz geboren. Er starb im Jahre 1921 in Düsseldorf.

Er absolvierte seine Lehre in Erkelenz oder Aachen und gründete nach seiner Gesellenwanderung u. a. in Paris im Jahre 1859 in Düsseldorf eine Goldschmiedewerkstatt. Charakteristisch für Beumers Stil ist die Verwendung neogotischer und besonders romanischer wie auch neoromanischer Formen. Seine Gestaltungstechniken zeigen oft Anleihen bei spätmittelalterlichen Werken des 12./13. Jahrhunderts, etwa die Verwendung von Grubenschmelz, Schneckenfiligran oder auch Schmucksteinen. 1902 wurde er Hoflieferant und 1913 Hofjuwelier.1

Im Jahre 1987 widmete das Stadtmuseum, ehem. Palais Graf Spee, Düsseldorf, C. A. Beumers eine große Ausstellung.

Joseph Emonds

Joseph Emonds wurde am 15. November 1898 in Erkelenz-Terheeg geboren. Er starb am 7. Februar 1975 in Euskirchen-Kirchheim. Emonds war ein katholischer Priester, Pazifist, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Helfer der jüdischen Mitbürger.

Die frühen Jahre

Joseph Emonds besuchte zunächst das Progymnasium in Erkelenz, ab 1915 das Gymnasium in Mönchengladbach, um hier das Abitur zu machen.

Ab 1917 musste er als Soldat am Ersten Weltkrieg teilnehmen, er wurde an der Westfront eingesetzt. Nach Kriegsende war er lebenslang Pazifist, er lehnte die christliche Begründung eines gerechten Krieges ab. Im Zuge der Novemberrevolution von 1918 bildete sich in Erkelenz ein Arbeiter- und Soldatenrat sowie ein Bauernrat, in den Joseph Emonds als Vertreter der Bauernschaft gewählt wurde.

Joseph Emonds studierte ab 1918 in Bonn katholische Theologie, trat in das Bensberger Priesterseminar der Erzdiözese Köln ein und wurde am 13. August 1922 zum Priester geweiht.

Erste Einsatzorte waren als Kaplan an Herz-Jesu in Aachen (1922–1924) und als Vikar in Dormagen (1924–1926), wo er auch geistlicher Kurator am Krankenhaus war. 1926 wurde er für zwei Jahre nach St. Peter in Köln-Ehrenfeld versetzt.

Danach war er zehn Jahre Kaplan (oder Vikar?) in St. Laurentius Essen-Steele, wo er unter anderem auch Bezirkspräses der Katholischen Gesellenvereine (seit Oktober 1933 Kolpingsfamilien) war.

Ein frühzeitiges Engagement für Juden, Sozialdemokraten und Kommunisten, für die er Unterlagen und Pässe besorgte und geheime Grenzübergänge koordinierte, erwarb ihm eine besondere Vertrauensstellung bei vielen Flüchtlingen, brachte ihm aber gleichzeitig die besondere Aufmerksamkeit der staatlichen Sicherheitsbehörden ein. So stand er seit 1933 unter Beobachtung der Gestapo, die am 31. Januar 1935 nachträglich eine Personalakte über ihn anlegte, denn spätestens seit April 1934 versuchten die Dienststellen mehrfach vergeblich, ihn wegen „staatsabträglicher“ Äußerungen in Predigt und Gespräch zu belangen, galt er doch als „staatsfeindlich eingestellt“ und als „fanatischer Gegner der Bewegung“.

Die Kirchheimer Zeit

Wegen zunehmender Gefährdung seiner Person wurde Emonds 1938 als Pfarrer in die Eifel in die Kirchengemeinde St. Martinus in Kirchheim bei Euskirchen versetzt.

Dort weniger unter Beobachtung als in der Großstadt, konnte er sich noch stärker für verfolgte Menschen einsetzen. Durch gute Kontakte zu einem ehemaligen Kommilitonen aus dem Priesterseminar, der mittlerweile als SS-Angehöriger in der Staatspolizeileitstelle Düsseldorf tätig war, wurde er von dort regelmäßig mit chiffrierten Listen über katholische Geistliche, Angehörige sogenannter Mischehen und Juden versorgt, die für den Abtransport in ein Konzentrationslager vorgesehen waren. Dadurch war es ihm möglich, viele Menschen vor Verhaftung und Verschleppung zu bewahren. Auch gehörte er einer Gruppe an, die Juden versteckte, so u. a. den Düsseldorfer Maler Mathias Barz und seine Frau auf dem Dachboden des Pfarrhauses.

Von 1944 bis 1975 war Emonds Dechant des Dekanates Bad Münstereifel; 1974 wurde ihm der Titel „Päpstlicher Ehrenkaplan“ verliehen. Ein Jahr später verstarb er. Joseph Emonds fand seine letzte Ruhe in der Priestergrabstätte des Erkelenzer Friedhofes an der Roermonder Straße.

Ehrungen

Die bedeutendste Ehrung für Joseph Emonds ist, dass die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem im August 2013 bekannt gab, dass sie Joseph Emonds und dem Ehepaar Pankok den Ehrentitel Gerechter unter den Völkern zuerkannt habe. In Erkelenz wurde 2013 ein neuer Straßenzug am Schulring neben dem Erkelenzer Friedhof mit dem Namen Joseph-Emonds-Hof versehen. Am „Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf“ wird in Text und Bild an Joseph Emonds erinnert.2

Franz Frings

Franz Frings war ein Erkelenzer Musiker. Er wurde am 25.03.1879 in Erkelenz geboren und starb am 23.12.1956 in Erkelenz.

Franz Frings war der Sohn des Kupferschmiedes Franz Leonhard Frings und wurde wie sein Vater ebenfalls Schmied. Als Anton Raky im Jahre 1896 nach Erkelenz kam, gehörte Franz Frings zu den ersten 10 Mitarbeitern hier in Erkelenz.

Neben seiner Tätigkeit als Schmied bei der Internationalen Bohrgesellschaft (IBG) war Franz Frings auch Musiker, er spielte u. a. die Klarinette. Anton Raky, der ja vielerlei förderte, hatte in der IBG auch eine Werkskapelle geschaffen, in der Franz Frings seinen musikalischen Lebensweg begann.

Als am 01.07.1902 der erste Erkelenzer Musikverein gegründet wurde, war Franz Frings der erste Dirigent und sollte es 50 Jahre bleiben. Zum 50jährigen Dirigentenjubiläum im Jahre 1952 gab er, wie so oft in den Jahrzehnten vorher, ein letztes Platzkonzert auf dem Markt als Dirigent.

Im Jahre 1923 feierte der Musikverein sein 25jähriges Bestehen. Im Erkelenzer Kreisblatt heißt es dazu u. a.: „[…] es war ein langer dornenvoller Weg, den die kunstbegeisterten Musikliebhaber zu gehen sich entschlossen hatten, doch wagemutig unternehmen sie es, bereits im August 1902 unter dem Dirigentenstab von Franz Frings in die Öffentlichkeit zu treten und im Saale des Schwarzen Adlers ein größeres Konzert zu veranstalten.“

Weitere Konzerte folgten, so bereits im Jahre 1903 und da schrieb das Erkelenzer Kreisblatt u. a., dass unter der zielbewussten Leitung seines Kapellmeisters Franz Frings das Orchester schon sichtlich erstarkt war.

Im Jahre 1926 feierte Erkelenz groß sein 600jähriges Stadtjubiläum, an dem natürlich auch der Musikverein maßgeblich beteiligt war. Wie sehr Franz Frings mit der vaterstädtischen Musik verhaftet war, zeigte, dass er im Jahre 1926 seine Tätigkeit bei der Bohr für ein Jahr unterbrach, um nur für die musikalische Gestaltung des Jubelfestes da zu sein. Dies beschwor für die Familie, zu der 8 Kinder gehörten, eine recht schwierige Situation herauf. Und so kam es , dass seine Frau Theresa den ersten Kaisers Kaffee-Laden in Erkelenz eröffnete.3

Joseph Hahn

Joseph Hahn wurde am 18. Oktober 1883 in Erkelenz geboren, wo er am 10. November 1944 starb. Hahn war Jurist, Zeitungsverleger und Politiker der Deutschen Zentrumspartei.

Sein Leben

Joseph Hahn wurde 1883 in Erkelenz als Sohn des Arztes und Zeitungsverlegers Dr. Franz Hahn und Anna Maria Fischer-Brandt geboren. Lebenslang geprägt wurde er von der katholischen Erziehung in seinem Elternhaus. Er studierte Jura in Bonn und promovierte in Würzburg zum Dr. jur. Anschließend führte er den Verlag des Erkelenzer Kreisblattes fort, den 1854 Joseph Brandts, ein Vorfahre mütterlicherseits, gegründet hatte.

Er trat in die Zentrums-Partei ein, später wurde er auch Vorsitzender auf Kreisebene. Er war Mitglied des Stadtrates in Erkelenz und des Kreistages des Kreises Erkelenz. Joseph Hahn wirkte in zahlreichen Vereinen seiner Heimatstadt mit; so war er Vorsitzender des Städtischen Gesangvereins 1834. Er war u. a. Mitgründer des Geschichts- und Altertumsvereins für den Kreis Erkelenz, dem Vorgänger des Heimatvereins der Erkelenzer Lande.

Als monatliche Beilage erschienen in seiner Zeitung von 1921 bis 1944 die Heimatblätter. In dieser Reihe wurden viele heimatkundliche Themen behandelt, er veröffentlichte auch selbst einige Aufsätze.

Politische Verfolgung im Nationalsozialismus

Joseph Hahn galt als konsequenter Nonkonformist gegenüber der NSDAP. Seine Zeitung wurde nach 1933 immer mehr von dem NS-Blatt Westdeutscher Beobachter mit seiner Erkelenzer Lokalausgabe bedrängt. Gleichwohl gelang es ihm bis 1944 die Zeitung herauszugeben.

Nach dem Attentat auf Hitler wurden auch im Landkreis Erkelenz einige ehemalige Zentrumsmitglieder verhaftet. Unter ihnen befand sich Joseph Hahn. Es war die sogenannte Aktion „Gitter“, in der im gesamten Deutschen Reich ehemalige Reichstagsabgeordnete und Politiker demokratischer Parteien verhaftet wurden. Joseph Hahn wurde zunächst in das Aachener Gefängnis Adalbertsteinweg überführt. Einen Tag später wurde auch sein Freund Mathias Jäger aus Baal eingeliefert.

Joseph Hahn wurde mit einigen anderen Gefangenen in das Arbeitserziehungslager in den Messehallen Köln-Deutz verschleppt. Hier erkrankte er an Flecktyphus. Nach dem Bombenangriff auf die Kölner Messe am 14. Oktober 1944 wurden die Gefangenen in das ursprünglich zur Internierung der Kölner Juden geschaffene Barackenlager Müngersdorf verlegt. Wenige Tage später wurde Hahn am 20. Oktober nach Hause entlassen. Schwerkrank kehrte er auf einem LKW auf Kartoffelsäcken liegend nach Erkelenz zurück, begleitet von Mathias Jäger. Dort starb Hahn an den Folgen der Haft am 10. November 1944. Seine letzte Ruhestätte fand er in Erkelenz auf dem Alten Friedhof.4

Katharina Hardy

Katharina Hardy, in Erkelenz liebevoll „Hardy Katrinchen“ genannt, wurde am 20.01.1899 in Erkelenz geboren und ist am 05.05.1966 ebenfalls in Erkelenz gestorben. Sie war eine Gastwirtin auf der heutigen Kölner Straße (wo heute die Parfümerie Becker ist).

Katharina Hardy war gelernte kaufmännische Angestellte, die nach einem Schulabschluss mit Bestnoten – ihre Zeugnisse gibt es noch – bei „der Bohr“ (Firma Wirth) eine kaufmännische Ausbildung machte. Hardy verließ jedoch die Firma nach dem Tod ihrer als „Elberns Niesgen“ bekannten Mutter Agnes Hardy, geb. Niesgen, um in den 1920er Jahren deren Gastwirtschaft an der Hindenburgstraße 35, heute Kölner Straße (Nähe Bahnhof), weiterzuführen. Das hat sie bis zu Ihrem Tode im Jahre 1966 gemacht.

Die Gaststätte war ein Traditionstreffpunkt („Hier saß der Arzt neben dem Bauern“, berichten Zeitzeugen) im alten Erkelenz, eine Bierwirtschaft, die ganz bewusst das alte Ambiente mit Mobiliar aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts beibehielt. Menschen, die „Kathrinchen“ kannten, schildern sie als resolute, der Mundart kundige Wirtin mit Herz, die sehr darauf achtete, dass keiner „sturzbetrunken“ ihre Wirtschaft verließ. Der Bierhahn wurde abgedreht, wenn die Glocke von St. Lambertus die Mitternachtsstunde schlug. Und sonntag mittags, so sagte man, wurden die Väter rechtzeitig zum Familienessen nach Hause geschickt.

Ihr Verdienst ist aber ein anderer: Die Gastwirtin vermachte bei ihrem Tod 1966 ihr gesamtes Vermögen der Stadt Erkelenz mit dem Wunsch, das Geld in den Bau eines Altenheims zu investieren. Das war dann der Grundstock für das Hermann-Josef-Altenheim, das dann von der Hermann-Josef-Stiftung 1976 am Zehnthofweg gebaut wurde.

Theodoor van Loon

Theodoor van Loon wurde 1581/1582 in Erkelenz geboren, gestorben ist er im Februar 1649 in Maastricht. Er war ein flämischer Maler des Barocks.

Theodoor van Loon lebte in Brüssel, Löwen und zuletzt in Maastricht. Er hielt sich zweimal in Italien auf, von 1602 bis 1608 und von 1628 bis 1629 und war ein Schüler von Caravaggio. Er schuf Kunstwerke für Kirchen in der Region Brüssel, u. a. das Altarbild in der Basilika von Scherpenheuvel. In der Beginenhofkirche Sint-Jan Baptist in Brüssel sind die „Anbetung der drei Weisen, die Heilige Dreifaltigkeit und Heilige Katharina, knienend vor der heiligen Magd“ oder „Die Anbetung der Hirten„, 1613, Brüssel, zu sehen. Königliche Museen der Schönen Künste

August Monforts

August Monforts wurde am 18. September 1850 in Gerderath (heute Erkelenz) geboren, er starb am 07. Juli 1926 in Mönchengladbach. Er war Ingenieur, Erfinder und Industrieller.

August Monforts stammte aus einer bäuerlichen Familie und sein Weg, ebenfalls Bauer zu werden, schien vorgezeichnet. Monforts entschied sich anders und brach mit der Familientradition. Sein Ziel war es, Ingenieur für Maschinenbau zu werden. Zu seiner Jugendzeit war die Textilmaschinenfabrik Franz Müller die größte ihrer Art in Gladbach. Dort begann seine Laufbahn als einfacher Mitarbeiter. Als August Monforts 34 Jahre alt war, reifte die Idee, an der Kronprinzenstraße ein eigenes Unternehmen für Rauhmaschinen zu gründen. Der erste Auftrag, den seine Firma erhielt, datiert auf den 18. Dezember 1884.

Monforts hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Sein Unternehmen erlebte gleich zu Beginn eine starke Nachfrage, und so konnte der Fabrikant 52 Mitarbeiter beschäftigen. Um am Markt zu bestehen, beschränkte er sich nicht darauf, bereits vorhandene Maschinen zu produzieren, sondern entwickelte neue. Die erste Rauhmaschine, die das Unternehmen verließ, hatte fünf Walzen. August Monforts gelang es, innerhalb von drei Jahren eine Maschine mit 14 Walzen zu entwickeln, die ab 1889 verbessert und weiterentwickelt wurde. So gelang es, 1891 die erste 24-walzige Strich- und Gegenstrich-Rauhmaschine auf den Markt zu bringen. Für diese Revolution in der Maschinenbranche erhielt August Monforts bei der Weltausstellung 1893 in Chicago die höchste Auszeichnung.

Um das Unternehmen zu erweitern, kaufte Monforts 1894 ein Gelände an der Schwalmstraße. Drei Jahre später konnte die Produktpalette erweitert werden. Das gelang durch die Gründung einer eigenen Eisengießerei an der Hofstraße. Bis zum Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Beschäftigten auf rund 1200 an. Weil das ursprüngliche Firmengelände nicht mehr ausreichte, wurde im Jahre 1916 eine neue Fabrik mit modernsten Maschinen errichtet. Dort wurde 1920 zusätzlich zum bisherigen Fertigungsprogramm auch der Bau von halbautomatischen Werkzeugmaschinen aufgenommen. Im Jahr 1911 wurde August Monforts Sohn Joseph Teilhaber und ab 1925 alleiniger Geschäftsführer der Firma. Ein Jahr später verstarb der Firmengründer.

Pauline Sels

Pauline Sels, geborene Hoffstadt, wurde am 29. Januar 1828 in Erkelenz geboren und starb am 27. April 1908 in Neuss. Sie begründete mit einer Stiftung in Neuss das Clemens-Sels-Museum.

Pauline Sels war die Tochter von Carl Hoffstadt und Maria Anna Constantia Dreling. Ihr Vater war von 1827 bis 1851 Bürgermeister von Erkelenz sowie Königlich Preußischer Steuereinnehmer und Posthalter. Ihre Mutter entstammte den zwei ortsansässigen Patrizierfamilien Dreling und Hasenbach, die gleichfalls Bürgermeister gestellt hatten, unter ihnen auch der letzte Drossard von Erkelenz.

Nach dem Tod ihrer Mutter kam Pauline Hoffstadt im Alter von elf Jahren zu Verwandten nach Neuss. In dieser Stadt heiratete sie 1850 Clemens Sels, Apotheker und später Besitzer einer Stearinkerzenfabrik. Clemens Sels sammelte schon in jungen Jahren Kunstwerke sowie Altertümer und errichtete so eine große private Sammlung.

Er förderte die Errichtung eines Museums in Neuss. Am 25. Dezember 1893 verstarb er. Das Museum, untergebracht im Obertor, brannte im Juni 1900 aus.

Seine Ehefrau vermachte in ihrem Testament der Stadt Neuss „als unteilbares Vermächtnis den Betrag von 250.000 Mark zum Bau eines städtischen Museums„. Im August 1912 wurde das neu erbaute Museum eingeweiht. Die verstorbene Pauline Sels hatte dem Museum auch die große Sammlung ihres Mannes geschenkt. 1950 erhielt das Museum den Namen Clemens-Sels-Museum.

© Clemens-Sels-Museum Neuss | Günther Merkens | Pauline Sels; Porträt

Reinhold Vasters

Reinhold Vasters wurde am 2. Januar 1827 in Erkelenz geboren und starb am 14. Juni 1909 in Aachen. Er war ein deutscher Goldschmied, aber auch ein Kunstfälscher.

Reinhold Vasters, Sohn eines Erkelenzer Schlossers, wurde bereits mit acht Jahren Vollwaise und wuchs bei einem Onkel auf. Nach seiner Schulzeit ließ er sich in Krefeld zum „Goldarbeiter“ ausbilden. Zwischenzeitlich vertiefte er seine Fertigkeiten an renommierten Werkstätten in London, Paris und Wien. Einige seiner während dieser Zeit entstandenen Gegenstände stellte er auf der Weltausstellung 1851 in London aus und errang dabei für neun von ihm gefertigte in Gold getriebene große Staatswappen den ersten Preis. Im Jahre 1851 legte Vasters seine Meisterprüfung ab und zog danach nach Aachen. Hier fertigte er u.a. auch sakrale Gegenstände, was ihm die Ernennung zum „Stiftsgoldschmied“ einbrachte, er war auch Chefrestaurator des Domschatzes in Aachen. Darüberhinaus war er auch in bedeutenden Kunstausstellungen vertreten.

Dank seiner exzellenten Fertigkeiten und seiner guten Beobachtungsgabe während seiner Besichtigungsreisen zu den verschiedenen Fachausstellungen, aber auch durch das Studium der umfangreichen von ihm erworbenen Literatur, entwickelte sich bei Vasters bereits früh der Hang, wertvolle Schmuckstücke als Imitate im Stil der Renaissance anzufertigen. Vasters hatte, gemeinsam mit dem Pariser Goldschmied Alfred Andre, in der zweiten Hälfte des 19. Jhds. täuschend echte Nachschöpfungen historischer Goldschmiedearbeiten gefertigt, die als Renaissance-Schmuck in berühmte Sammlungen gelangten.5

Vasters war stets bemüht, „seine Vorbilder zu übertrumpfen, um den hochgespannten Ansprüchen seiner Abnehmer entgegenzukommen.“ Dabei behandelte er seine Arbeiten mit gefälschten Tremolierstichen, künstlichen Altersspuren, absichtlichen Ergänzungen, gefälschten und teilweise unlesbaren Marken, um so jeweils das Alter und die Herkunft des jeweiligen Gegenstandes vorzutäuschen. In dieser Zeit entwickelte Vasters ein reges Doppelleben: Zum einen war er in seinem Aachener Wohn- und Werkstatthaus öffentlicher und direkter Ansprechpartner für offizielle in- und ausländische Auftraggeber, vor allem für sakrale Kunstgegenstände sowie für umfangreiche Restaurierungsarbeiten an Kirchenschätzen, zum anderen, meist kontaktiert über Mittelsmänner von bekannten Kunstsammlern, als Hersteller wertvoller – gefälschter? – Sammlerstücke.

Siebzig Jahre nach seinem Tod ließ es sich anhand von gefundenen Entwurfszeichnungen im Londoner Victoria & Albert Museum beweisen, dass beispielsweise zahlreiche dort ausgestellte Exponate des damals kursierenden „Renaissance-Schmucks“ sowie mindestens 45 weitere aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art von seiner Hand stammten. Auf der Internetseite des Museums sind zahlreiche Werke abgebildet.fussnote]https://www.metmuseum.org/art/metpublications/Reinhold_Vasters_Goldsmith_The_Metropolitan_Museum_Journal_v_19_20_1984_1985 oder 6

7
  1. https://emuseum.duesseldorf.de/people/25790/conrad-anton-beumers-erkelenz-18371921-dusseldorf/objects#info (Stand: 01.2022)
  2. Siehe auch http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/joseph-emonds/DE-2086/lido/58298a30b8fe41.52552087#related-objects
  3. Informationen und Fotos von der Enkelin Angela Böttger
  4. Heimatverein der Erkelenzer Lande: Route gegen das Vergessen. Erkelenz erinnert sich, 2. erw. Aufl., Erkelenz 2011
  5. Siehe Krautwurst, Reinhold Vasters, ein niederrheinischer Goldschmied des 19. Jhds. in der Tradition Alter Meister, Sein Zeichnungskonvolut im Victoria und Albert Museum London, Trier 2003, S. 144 f, A13.
  6. https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Reinhold_Vasters?uselang=de
  7. Text von Günther Merkens für den Heimatverein der Erkelenzer Lande 2022. Teilweise unter Verwendung von Informationen aus Wikipedia zu den einzelnen Personen.

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