Beitrag von Wilhelm Borgs
Vorbemerkung
Vor einigen Tagen stand auf der Speisekarte eines Erkelenzer Restaurants als Vorspeise: Schnibbelbohnensuppe. Spontan habe ich meine Kindheitserinnerungen aufgeschrieben und mit einer Zeichnung illustriert.
Vorratshaltung
In den 1950er Jahren hatten nur wenige Haushalte einen Kühlschrank mit Tiefkühlfach oder eine Kühltruhe. Vergängliche Lebensmittel, wie frisches Gemüse, konnte also nicht kühl gelagert werden. Folglich mussten für die Monate, wo es diese Gartenerzeugnisse nicht gab, die Wintermonate, Vorräte angelegt werden.
Wie dieses gemacht wurde, möchte ich an dem Beispiel „Schnibbelbohnen“ zeigen.
Herstellung
Opa kam mit einem Weidenkorb (Kunststoffgefäße gab es noch nicht), mit Stangenbohnen gefüllt, aus seinem Garten nach Hause. In der Küche nahm Oma das Gemüse in Empfang. Die Bohnen wurden im Waschbecken gewaschen, beide Enden abgeschnitten und die typischen Stangenbodenfäden abgezogen. Eine am Küchentisch befestigte „Schnibbelbohnen-Maschine“ hatte Opa schon angeschraubt. Durch Drehen mit der Handkurbel und Einschieben der Bohnen in zwei seitliche Öffnungen kamen auf der anderen Seite die zerschnittenen Stücke heraus, eben die Schnibbelbohnen.
Fermentierung
Zur Konservierung stand ein Steinzeug Fass von ca. 85 Liter bereit, in das die Schnibbelbohnen mit einer Salzlake eingefüllt wurden. War das Gefäß gefüllt, so kam zur luftdichten Abschließung ein Holzdeckel samt einem Gewicht (schwerer Stein) darauf. Die Bohnen mussten immer mit Flüssigkeit bedeckt bleiben. Nach ca. sechs Wochen war die Fermentierung, wie bei der Sauerkrautherstellung, abgeschlossen. Dann konnten die Bohnen entnommen und zubereitet werden. Vorwiegend im Winter gab es dann den schmackhaften und gesunden Schnibbelbohnen-Eintopf mit würzigem Fleisch oder als Suppe. Heutzutage haben einige Lokale diese Gerichte wieder auf dem Speiseplan.
Guten Appetit!
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