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Theo Clemens

sonstiger Name: Ehrenbürgermeister Theo Clemens
Kategorien: Persönlichkeiten
1966 bis 2018

© Forg | Theo Clemens

Vorbemerkung

Theo Clemens ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in Keyenberg in der Zeit vor und nach der Jahrtausendwende. Er war Schulleiter, Kommunalpolitiker, Bürgermeister und entschiedener Gegner gegen den Abbau der Ortschaften am östlichen Rande von Erkelenz durch die Braunkohlebagger.

Lebenslauf

Theo Clemens stammt gebürtig aus Kreuzau, Kreis Düren, wo er 1935 das Licht der Welt erblickte. Sein Vater war Beamter und seine Mutter besaß in Kreuzau einen Tante-Emma-Laden. Dort erlebte er auch mit seiner Familie die Kriegswirren, der Vater wurde eingezogen und die Mutter musste im November 1944 mit der Familie vor der nahenden Front fliehen. Sie wurden nach Wunstorf/Niedersachsen evakuiert. 1945 kehrten sie auf abenteuerliche Weise in Güterwagen nach Kreuzau zurück.

Trotz der finanziell sehr angespannten Lage ermöglichten die Eltern ihrem Sohn auf dringendes Anraten der Grundschullehrerin den Besuch auf dem Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasium in Düren, wo er das Abitur ablegte. Er wechselte zum Lehrerstudium zur Akademie (spätere Pädagogische Hochschule) nach Aachen, wo er 1957 die Ausbildung zum Volksschullehrer mit dem Examen abschloss.

1959 heiratete er seine Ehefrau Annegret, mit der er im Jahre 2019 das Diamantene Hochzeitsjubiläum feiern wird. Beide bekamen 2 Söhne.

Laufbahn als Lehrer

Seine erste Lehrerstelle führte ihn nach Ratheim. Am Ende seines 1. Schuljahres wurde er allerdings wegen Lehrerüberschusses nach Wegberg versetzt und von dort 1959 aus nach Gerderhahn abgeordnet, um einen erkrankten Lehrer zu vertreten. Diese Abordnung dauerte 7 Monate. Allerdings verstarb der Kollege, den er vertrat, noch im gleichen Jahr. Der Schulrat bat ihn auf der Beerdigung, die Stelle in Gerderhahn wieder zu übernehmen, weil auch die Eltern der Kinder ihn darum gebeten hätten. So übernahm Theo Clemens bis 1966 die einklassige, zeitweilig auch zweiklassige Schule. Zeitweilig unterrichtete er 62 Kinder in einem Klassenraum mit Koksofen. Er bezeichnete diese Zeit als zwar schwere, aber auch sehr schöne und erfahrungsreiche Zeit. Die Schüler und Schülerinnen vom 1. bis 8. Schuljahr wurden nach einem ausgeklügelten Zeitplan unterrichtet. Das heute als besonders pädagogisch wertvoll hervorgehobene Prinzip des individuellen Lernens war in der einklassigen Schule eine Notwendigkeit, denn der Lehrer konnte nicht alle Kinder gleichzeitig unterrichten. Theo Clemens hebt besonders hervor, dass das gegenseitige Helfen auch in höchstem Maße das Verantwortungsbewusstsein und Zusammenhörigkeitsgefühl förderte.

1966 kam er dann als Schulleiter in die neue Schule nach Keyenberg.  „Vor meiner Bewerbung habe ich mir die alte Schule in Keyenberg angeschaut. Die hat mich abgeschreckt. Hier wollte ich nicht hin. Da kam aber die neue Schule in den Blick. Das war schon ein Zugpferd. Aber die Wohnung war das Problem. Der Amtsdirektor Schmitz bot mir sofort eines der neugebauten Häuser mit Lehrerwohnungen an. Da war die Entscheidung gefallen“, sagt Theo Clemens zu seiner Entscheidung, nach Keyenberg zu kommen. An dieser Grundschule wirkte er bis zu seiner Pensionierung 1999. Anfangs wurde die Schule noch als 4-klassige Volksschule geführt, er musste aber auch von Anfang an das 9.Schuljahr einführen. „Ich hatte gleichzeitig das 1. und 9. Schuljahr zu unterrichten. Für das 9. Schuljahr musste ich mir die Materialien selbst erstellen, denn es gab anfangs noch keinen Lehrplan und keine Schulbücher“, sagt Theo Clemens.

1972 stand die Aufteilung der Volksschule in Grund- und Hauptschule an. Es gab Diskussionen zwischen Immerath und Keyenberg, wer die Hauptschule bekommen sollte. Letztlich erhielt Keyenberg den Zuschlag für die Grundschule. „Im Nachhinein waren wir froh darüber“, sagt Theo Clemens mit Blick auf die Entwicklung der Hauptschule am Ende des 20. Jahrhunderts.

Im gleichen Jahr wurde die Schule erweitert, weil die Schülerzahl wuchs und zwischenzeitlich die Aula in 2 Klassenräume geteilt werden musste. „Wenn ein Kind aus den hinteren Räumen zum Klo ging, musste es immer durch einen dieser Klassenräume gehen.“

Zu seiner Pensionierung 1999 war die Keyenberger Grundschule das Zentrum für die Ortschaften Keyenberg, Borschemich, Immerath, Holzweiler, Kuckum und Venrath. Sie war zeitweilig 3-zügig mit 300 Schülerinnen und Schüler und 13 KollegenInnen.

Politische Laufbahn

Als Lehrer wollte Theo Clemens sich zunächst nicht politisch betätigen. Er war allerdings von 1972 bis 1974 Ehrenbeamter der Stadt Erkelenz. Zahnarzt Boljahn hat ihn allerdings zur ersten Wahl nach der kommunalen Neugliederung bekniet, in die CDU einzutreten, was er dann auch tat. Von 1974 an war er als so genannter Klammeraffe tätig. Er musste dem Ratsherren in den Rat folgen, wenn dieser sein Mandat aufgab. Da Ratsherr Boljahn 1976 aus Krankheitsgründen zurücktreten musste, wurde er Mitglied im Rat der Stadt Erkelenz und blieb dies bis zu seinem Ausscheiden 2009. Er bekleidete das Amt des Sportausschussvorsitzenden, baute die Jugendhilfe und den entsprechenden Ausschuss mit auf, dessen 1. Vorsitzender er wurde. Ab 1989 führte er die CDU-Fraktion im Erkelenzer Rat. Von 1994 bis 1999 wurde er zum Bürgermeister der Stadt Erkelenz gewählt und berufen. Er wollte mit seiner Pensionierung auch politisch kürzer treten und verzichtete 1999 auf eine weitere Kandidatur, auch weil in diesem Jahr die ehrenamtliche Funktion des Bürgermeisters wegfiel. Allerdings war er noch 10 Jahre stellvertretender Bürgermeister. 2010 wurde er einstimmig zum Ehrenbürgermeister der Stadt Erkelenz ernannt.

Neben der Jugend war ein Schwerpunkt seiner politischen Arbeit der Kampf gegen den Braunkohleabbau. Er war Vorsitzender des Unterausschusses Nord und saß im Braunkohleausschuss. Er gründete in Keyenberg die Bürgerinitiative gegen Rheinbraun und war auch schon beim ersten Fackelzug dabei. „Leider habe ich diesen Kampf verloren. Das ist mir besonders bei der Schlüsselübergabe meines Hauses 2017 an die Mitarbeiterin von RWE-Power schmerzlich bewusst geworden“, resümiert er diese Arbeit resignierend.

Wirken in Keyenberg

© Theo Clemens | unbekannt | Schützenkönig
Theo Clemens mit seiner Frau als Königspaar

Nicht nur kommunalpolitisch und als Schulleiter wirkte Theo Clemens in Keyenberg. Er war auch in allen Vereinen Mitglied. 20 Jahre stand er dem Fußballverein TuS 08 Keyenberg vor, obwohl er selbst von Hause aus Handballer war. 1989 wurde er Schützenkönig der Keyenberger Schützenbruderschaft. Dieses Amt bekleidete er bereits 25 Jahre vorher in Gerderhahn. Zum Karneval hatte er eine besondere Beziehung. Bereits in Gerderhahn gründete er einen Kinderzug, der heute noch existiert. Als die Keyenberger Schule Grundschule wurde, errichtete er auch hier im Dorf einen Veilchendienstagszug mit den Grundschulklassen, dem sich später auch Erwachsenengruppen anschlossen. Dieser Zug war eine Institution im Ort. Er begründete mit dem Sankt-Josefs-Musikverein und Heinz Laumanns den Sitzungskarneval.

© Theo Clemens | unbekannt | 1100-Jahr-Feier
1100-Jahr-Feier. Theo Clemens als Ratsherr

1993 organisierte er die 1100-Jahr-Feier der Ortschaft Keyenberg. Der historische Umzug bleibt allen Keyenbergern noch in guter Erinnerung.

Lange Zeit waren Theo Clemens und seine Frau auch in der Pfarre ehrenamtlich tätig. Sie bereiteten Kommunionkinder und Firmlinge vor. Sie gehörten zu den ersten Pfarrmitgliedern, die als Kommunionhelfer tätig waren und sie leiteten über 10 Jahre Gottesdienste, als wegen des Priestermangels nicht mehr jeden Sonntag eine Messe gefeiert werden konnte.

Theo Clemens organisierte den Widerstand gegen den Braunkohleabbau auf Ortsebene und als Bürgermeister leitete er die Verhandlungen mit RWE-Power für die gesamte Stadt.

Letztlich konnten aber alle seine Bemühungen nicht bewirken, dass die Ortschaft Keyenberg erhalten blieb. So musste Theo Clemens mit seiner Frau 2017 auch dem nahenden Bagger weichen und sein Haus aufgeben. Beide wohnen seither in Erkelenz Mitte.

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