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St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Keyenberg

sonstiger Name: St. Sebastianus Schützenbruderschaft
Keyenberg
1449 bis 2019

Die Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Keyenberg blickt auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück. Im Jahre 2019 feiert sie ihr 570-jähriges Bestehen, vielleicht zum letzten Mal im alten Ort. Wichtigstes Fest der Schützen ist das jährliche Schützenfest mit Königsschießen. Die Schützenbruderschaft ist seit jeher ein fester Bestandteil im kulturellen Leben des Dorfes. Sie feiert nicht nur eigene Feste, sondern sie ist fest eingebunden in die Traditionen der Kirche und des Dorfes.

Schützenfest

Der Ort ist geschmückt

Schützenfest 2018: Der Brudermeister ist König.

Beispiel für Abholung der Majestäten im Jubiläumsjahr 1999 und eine Parade (2012)

Geschichte

Gründung

Die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Keyenberg wurde im Jahre 1449 unter dem damaligen Pfarrer Johann von Gevenich gegründet, der bereits im Jahre 1437 eine Landstiftung zugunsten der damals bereits be­stehenden Bruderschaft der allerseligsten Jungfrau und des hl. Sebastianus eingerichtet hatte. Die Landstiftung besteht zwar seit 1437, jedoch wurde als Gründungsjahr — keiner weiß aus welchem Grunde — in allen noch vorhandenen Unterlagen der Bruderschaft mit 1449 angegeben.1

Der ursprüngliche Anlass zur Gründung einer Schützenbruderschaft lag darin, die Gemeinde vor Unbilden und Überfällen zu schützen.

Von der Reformationszeit bis zum 1. Weltkrieg

Die Reformationsgedanken Luthers drangen zwar auch in den linksrheinischen Raum, konnten allerdings in Keyenberg nicht Fuß fassen. Der Ort blieb weitgehend katholisch, so dass auch die Schützenbruderschaft erhalten blieb. Dadurch überstanden auch die Traditionen die Zeiten des Umbruchs, zu denen von Anfang an der Vogelschuss mit der Armbrust in Keyenberg gehörte. Der Vogelschuss diente zunächst dazu, den wirklich besten Schützen zu ermitteln. In der Reformationszeit wandten sich die Schützen neben dem weltlichen, vermehrt dem „Schutz und er sicheren Vermittlung des katholischen Glaubens“2 zu. Aus dieser Zeit stammen noch die Hellebarden, die in der Kirche ausgestellt sind. Sie schützten etwa Prozessionen vor protestantischen Überfällen. Plünderungen und Zerstörungen großer Heere, etwa 1642 durch das Hessische Heer, konnten die Schützen in Keyenberg leider nicht verhindern.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhundert liegen kaum Zeugnisse über das Leben in der Schützenbruderschaft vor. Bekannt sind allerdings die Schützenkönige seit 1650.

In der Preußenzeit des 19. Jahrhunderts nahm die paramilitärische zugunsten der gesellschaftlichen Funktion immer weiter ab. Was aber blieb, waren die militärischen Strukturen. „Uniformen, Aufzüge und Paraden im Stechschritt wurden vom preußischen Vorbild übernommen und zur Unterhaltung der Bevölkerung abgehalten.“3 In der Keyenberger Schützenbruderschaft wurden auch nach preußischem Vorbild Manöver durchgeführt. Die Tradition, dass jede Gruppe eine eigene Uniform trägt, geht auf diese Zeit zurück.

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

Bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts konnten die Keyenberger Schützen ihre hergebrachten Traditionen ungehindert leben. Mit der Machtergreifung des NS-Regimes mussten sie sich auch wie alle anderen Bruderschaften dem Deutschen Reichsschützenbund anschließen und dadurch ihren religiösen Charakter, zumindest offiziell, ablegen. In Keyenberg ließen die Schützen allerdings das kirchliche Leben im Untergrund weiter stattfinden: Prozessionen wurden nur in der Kirche durchgeführt, „Generalversammlungen fanden in Zivil und in den Räumlichkeiten der Pfarre statt“4.

Umzüge zu Schützenfesten erfolgten mit Hakenkreuzfahnen. Im 2. Weltkrieg fanden keine Schützenfeste statt.

Vom 2. Weltkrieg bis heute

Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg war die Bruderschaft als paramilitärische Einrichtung von den Alliierten verboten worden. Nach der Aufhebung des Verbotes lebte die Schützenbruderschaft 1949 in Keyenberg wieder auf und es wurden regelmäßige Schützenfeste durchgeführt. Der Fest- und Kirmesplatz befand sich bis 1972 auf der Wiese an der Bushaltestelle „Westricher Straße“. Danach zog man zum heutigen Standort auf dem Bolz- und Spielplatz an der neuen Schule um. Die Kirmesstände waren in der Nachkriegszeit vielfältig, was allerdings in den 90iger Jahren nachließ. Heute muss man von Glück reden, wenn noch ein Kinderkarussell auf der Kirmes steht. Entsprechend musste sich auch die Musik im Festzelt anpassen, damit der Zeitgeist der Menschen vor Ort getroffen werden konnte.

Bis in die 90iger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden auch eine Früh- und Spätkirmes abgehalten. Auf der Spätkirmes im Herbst ermittelte man den Schützenkönig für das neue Jahr. Da die Resonanz zum Besuch der Spätkirmes nach ließ, ließ man den Herbstkirmestermin fallen und  ermittelte den neuen Schützenkönig bereits während des Schützenfestes im Frühjahr.

Vom 7. bis 10. Mai 1999 feierte die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft in würdiger Weise das 550-jährige Jubiläum. Es war ein hervor­ragendes Fest, das nicht nur die Keyenberger, sondern die Menschen in der gesamten Region so schnell nicht vergessen werden.5

2019 feiert die Bruderschaft ihr 570-jähriges Bestehen, was mit einem Bezirksschützenfest begangen wird. Es wird das letzte Schützenfest im alten Ort werden. Die Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft ist allerdings so gut aufgestellt, dass eine Weiterführung im neuen Ort nicht gefährdet ist.

Statuten

Aus noch vorliegenden Statuten der Bruderschaft vom 14. Juni 1868, die vom damaligen Erzbischöflichen Generalvikariat in Köln im glei­chen Jahr genehmigt wurden, heißt es unter anderem:

„Die Bruderschaft bezweckt durch Gebet und christliche Liebeswerke

a)  für ihre lebenden Mitglieder die Abwendung von geistlichen und leib­lichen Übeln, von Gefahren und Gelegenheiten zur Sünde, von Pest, Krieg und Hungersnot,

b)  für die Verstorbenen Nachlassung der zeitlichen Sündenstrafen im Reinigungsorte.“

Weiter ist in diesen alten Statuten festgelegt, dass auch Frauen in die Bruderschaft aufgenommen werden dürfen, weil es dort heißt:

„Alle Christgläubigen beiderlei Geschlechts, welche dieser Bruder­schaft einverleibt sein wollen, werden vom Pfarrer oder dessen Stell­vertreter in das Bruderschaftsbuch eingeschrieben und versprechen, die der Bruderschaft zugrunde liegenden Verpflichtungen zu erfüllen.“

In neueren Statuten wird dieser religiös caritative Zweck dahingehend erweitert:

„Die Bruderschaft ist Träger der Kirmesfeierlichkeiten und pflegt das damit zusammenhängende heimische Brauchtum.“6

Weiter heißt es in den alten Statuten, dass jedes Mitglied verpflichtet ist, einen echt christlichen Lebenswandel zu führen und als treuer Sohn der Kirche deren Gebote zu beachten. Außerdem sollen die Schützen­brüder die kirchlichen Feste der Bruderschaft feierlich begehen. Am Patronatsfest, dem St.-Sebastianustag, ist ein feierliches Hochamt, an dem die Mitglieder — soweit sie dazu in der Lage sind — geschlossen teilzunehmen haben und, wie es weiter heißt: „Jeder Schützenbruder soll bei gebührlicher Zeit unter der hl. Messe mit der Fahne zum Opfer gehen und das bei einer Straf‘ von 4 Alben.“ Bei diesem Opfergang erhält jeder Teilnehmer einen oder mehrere Gutscheine für Bier.

Diese Scheine tragen folgende Aufschrift: „Wir wollen nach St.-Sebastianus-Weise stets nüchtern sein auf dieser Pilgerreise.“

Wie beliebt die Bruderschaft damals war, zeigt das Verzeichnis der Bruderschaftsmitglieder, die sich gleich bei der Gründung aufnehmen ließen. Es dürfte kaum eine Familie gegeben haben, aus der nicht eine Person Mitglied der Bruderschaft gewesen ist.

Gepflogenheiten

Der Präses der Bruderschaft ist der Pfarrer, ihm zur Seite stehen die Brudermeister. Das mittelalterliche Schützenwesen brachte es mit sich, dass die Mitglieder auch den Vogelschuss pflegten. Dieser Vo­gelschuss, bei dem jährlich der neue Schützenkönig ermittelt wird, war lange Jahre noch in Keyenberg eine Attraktion, weil der Vogel bis vor kurzem noch nach althergebrachter Weise mit der Armbrust und Pfeilen geschossen wurde. Da die Armbrust inzwischen defekt ist und den  Sicherheitsstandards nicht mehr Genüge leistet, findet der Vogelschuss nun seit einigen Jahren auf einem Schießstand mit dem Luftgewehr statt.

© A.Voormanns | 2018-07-21-Inventar Kirche Keyenberg Voormanns_023-2

Der König wird mit dem Königssilber geschmückt, das er bei allen Auf­zügen der Bruderschaft, vornehmlich beim Schützenfest und bei der Fronleichnamsprozession, tragen muss. Inzwischen besitzt die Bru­derschaft zwei Königssilber.

Die älteste noch vorhandene Silberplakette datiert aus dem Jahr 1693 und trägt die Namen „Jacob Abels — Anna Caumanns a Zours“7. Die alte Königskette mit den Silberplaketten der Könige bis zum Beginn des 2. Weltkrieges wird in der Kirche aufbewahrt. Diese Königspla­ketten weisen rein religiös gehaltene Bilder und Inschriften auf. Der jeweilige Schützenkönig gehört für ein Jahr dem Vorstand an. Neben den Brudermeistern besteht der Vorstand aus dem Geschäftsführer, Kassierer, General, Kommandanten, Fähnrich und dem /der Jungschützenmeister / in. Das Schützenfest wird jährlich am fünften Sonn­tag nach Ostern gefeiert.

 

Ein kirchliches Hochfest der Bruderschaft war früher immer das Fron­leichnamsfest. An der Prozession an diesem Tag teilzunehmen, war nicht nur Ehrensache, sondern Pflicht. Die Bruderschaft stellte wäh­rend der Prozession nicht nur die Ordner, die Brudermeister, sondern auch die Hellebardiere zum Schutz des Allerheiligsten. Die alten und wertvollen Hellebarden — wie bei der Schweizer Garde im Vatikan — befinden sich heute noch teilweise im Besitz der Bruderschaft und wor­den in der Kirche aufbewahrt.

Gruppen

Im Jahre 2019 existierten noch 10 Gruppen in der Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Keyenberg, obwohl hier noch 11 kurz vorgestellt werden. Eine Gruppe löste sich 2017 auf. Unter diesen Gruppen befindet sich nur eine Frauengruppe, obwohl Frauen seit jeher in der Bruderschaft aufgenommen werden durften. Die Gruppen im Einzelnen:

Offiziere Keyenberg: Offiziere sind ein grundsätzlicher Bestandteil der Schützenbruderschaften, so auch in Keyenberg. Sie existieren schon so lange, wie man die Bruderschaft zurückverfolgen kann. Die hohen Offiziersgrade wie General, Adjutanten, Fähnrich mit seinen Offizieren werden von dieser Gruppe gestellt. Da die Anzahl der Mitglieder dieser Gruppe altersbedingt zurückgeht, wird der Offiziersdienst in einigen Bereichen auch von anderen Gruppen übernommen.

Alte Herren: gegründet 1977 aus der Alte-Herren-Fußballgruppe. Sie stellte in dieser Zeit acht Schützenkönige.

Marineoffiziere „Blau-Weiß“: gegründet 1981. Sie stellte vier Schützenkönige.

Jägerzug „Armbrust“: gegründet ebenfalls 1981, wobei der Grundstein bereits in den späten 70er Jahren gelegt wurde. Die Gruppe stellte neun Mal den Schützenkönig.

Marinegruppe „Seebären“: im Jahre 1990 gegründet. Gemeinsam mit der freiwilliger Feuerwehr organisiert die Gruppe die Maiwache zum 1. Mai. Sie stellte 4 Schützenkönige.

Jägerzug ,,Wilde 13″: gegründet 1999. Der Name bezieht sich auch auf die Anzahl der Gründungsmitglieder. Zwei Schützenkönige gingen aus der Gruppe hervor.

Jägerzug „Blattschuss“: gegründet 1995 aus Freunden und Weggefährten des Fußballs vom damaligen Schützenprinzen.

Jägerzug „Waldeslust“: kurz nach der Jahrtausendwende gegründete Gruppe. Sie bestand zu diesem Zeitpunkt aus vorwiegend Jugendlichen und stellte zweimal den Schützenprinzen. Mit 15 Mitgliedern ist sie die stärkste Schützengruppe.

Jägerzug „FALKEN“: gegründet 2005 aus einer Vereinigung von Jungschützen. Ursprünglicher Name: „Wilden Falken. Sie stellten insgesamt sieben Mal der Schützenprinzen und einmal den König. 2017 wurde aus den „Wilden Falken“ die Gruppe „Falken“.

Marinegruppe „Meerjungfrauen“: gegründet 2008 aus ehemaligen Ehrendamen. Einzige Frauengruppe. 2019 stellte sie die Schützenkönigin.

Zylindergruppe: aus den „Schwarzen Herren“ hervorgegangen, musste sie sich leider 2017 auflösen, weil einige Mitglieder starben oder aus Altergründen nicht mehr am Festzug teilnehmen konnten.

 

 

 

  1. siehe: St. Sebastianus Schützenbruderschaft, a. a. O., Seite 12
  2. siehe: St. Sebastianus Schützenbruderschaft, a. a. O., Seite 14 f.
  3. St. Sebastianus Schützenbruderschaft, a. a. O., Seite 54
  4. siehe: St. Sebastianus Schützenbruderschaft, a. a. O., Seite 19
  5. Aus: Merkens / Pisters a. a. O., S. 170 – 177
  6. zitiert aus: Merkens, Pisters, a. a. O. Seite 171 ff.
  7. Merkens, Pisters, a. a. O. Seite 175
  1. St. Sebastianus Schützenbruderschaft Keyenberg gegr. 1449 e. V. (Hrsg.), St. Sebastianus Schützenbruderschaft. 570 Jahre Schützenwesen in Keyenberg. Keyenberg, 2019, Seite 12 ff.
  2. Rainer Merkens, Hans-Josef Pisters, Pfarrkirche und Gemeinde Heilig-Kreuz in Keyenberg. Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e. V. Band 28, Neustadt an der Aisch, ISBN: 978-3-9815182-5-2, 2014, Seite 171 - 180

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