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Bernhard Hahn

⁎ 22.02.1855 † 13.12.1931
01.02.190031.05.1916Bürgermeister in Erkelenz
22.02.1855 bis 13.12.1931

Vorbemerkung

Bernhard Hahn trug als Bürgermeister der Stadt Erkelenz in Nordrhein-Westfalen, Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts entscheidend dazu bei, dass aus dem ländlichen Ort eine aufstrebende moderne Stadt wurde. Unterstützt durch den Unternehmer Anton Raky konnte er viele städtische Projekte verwirklichen, die wir im heutigen Zeitalter für selbstverständlich halten.

Vita

Bernhard Hahn wurde am 22. Februar 1855 in Soller bei Düren geboren.

Nach seiner Schulzeit erlernte er den Beruf des Feldmessers (Landvermessers) und arbeitete von 1877 bis 1884 auch in diesem Beruf. Von 1884 bis 1894 war er Bürgermeister in Imgenbroich in der Eifel. In dieser Zeit heiratete er am 30. April 1892 Gertrud Scholteis aus Aachen. Beide bekamen 5 Kinder, 3 Mädchen und 2 Jungen, wovon der älteste, Richard Hahn, im 1. Weltkrieg bereits 1914 als Soldat fiel. 1894 wechselte Bernhard Hahn dann als Bürgermeister zur Stadt Heinsberg. Am 08. Januar 1900 wurde er unter 44 Bewerbern zum Bürgermeister von Erkelenz gewählt und am 13. Februar des gleichen Jahres eingeführt. Am 19. Februar 1900 wurde er auch zum Bürgermeister von Kückhoven ernannt.1 16 Jahre blieb er Bürgermeister in Erkelenz und musste am 01. Juni 1916 dieses Amt wegen einer schweren Verletzung, die er sich als Hauptmann im 1. Weltkrieg bereits 1914 an der Flandernfront zuzog, aufgeben. In diesen 16 Jahren trug Bernhard Hahn wesentlich zur Entwicklung der Stadt Erkelenz bei. Wegen seiner Verdienste für die Stadt wurde er mit seinem Ausscheiden als Bürgermeister zum Ehrenbürger der Stadt Erkelenz ernannt.

Seine Pensionierung als Bürgermeister bedeutete nicht, dass er sich aus der Öffentlichkeit zurückzog. Er war nach dem 1. Weltkrieg Vorsitzender des Kriegervereinswesens und Kyffhäuserbundes und kümmerte sich um das Schicksal der Kriegshinterbliebenen und Ausgewiesenen aus den deutschen Kolonien. Ab 1928 war er der 1. Vorsitzende der Schützenbruderschaft Unserer Lieben Frau Erkelenz, die nach dem Kriege wieder neu ins Leben gerufen wurde.2

© Familie Bauer | Wolfgang Lothmann | Schützenkönig
Schützenkönig
Grabstein-Hahn

Am 15. Juli 1926 verstarb seine Frau Gertrud nach 34 gemeinsamen Ehejahren. Bernhard Hahn selbst verstarb am 13. Dezember 1931. Er hatte Tage zuvor im Gottesdienst einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich nicht mehr erholte, auch weil er zum Schlaganfall noch eine Lungenentzündung bekam. Seine Frau und Bernhard Hahn liegen auf dem alten Friedhof in Erkelenz begraben.3 Bis zu seinem Tod wohnte er in einem von ihm errichteten Patrizierhaus an der Hindenburgstraße (heute Kölner Straße)4.

Verdienste für die Stadt Erkelenz

Bernhard Hahn hatte in seiner Zeit als Bürgermeister das Glück, mit Anton Raky einen Unternehmer im Stadtverordneten-Gremium an seiner Seite zu haben, der wie er selbst den technischen Fortschritten der Zeit offen gegenüberstand und dessen Firma der Stadt das notwendige Geld für Reformen ins Stadtsäckel fließen ließ. Die städtischen Einnahmen stiegen von 68.000 Mark im Jahre 1900 auf das Zehnfache im Jahre 1910. Dadurch konnten die Ideen Bernhard Hahns in der Stadt Erkelenz, wenn auch teilweise nach großen Widerständen, umgesetzt werden. Er sorgte in seiner Amtszeit dafür, dass

  • viele Straßen ausgebaut und gepflastert wurden (1902),
  • ab 1903 ein Wasserwerk mit Wasserturm errichtet wurde. Im Jahre 1902 begannen die Bauarbeiten am Wasserwerk. Ab 1903 erhielt die Stadt eine zentrale Wasserversorgung und Kanalisation,
  • im Jahre 1903 der Gemeinnützige Bauverein gegründet wurde, der speziell die Wohnungsnot für die Arbeiter der Internationalen Bohrgesellschaft durch den Bau von Wohnungssiedlungen in den Folgejahren linderte,
  • die Stadt 1905 ein neues Post- und Telegrafenamt erhielt,
  • im gleichen Jahr die Mädchenbildung durch die höhere Töchterschule, die errichtet wurde, auch Sankt Canisius Schule genannt, gewährleistet wurde, um auch den Mädchen eine angemessene Bildung zu ermöglichen. Dazu führte er mit Oberpfarrer Hermann-Josef Kamp erfolgreich Verhandlungen mit der Genossenschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi zur Übernahme dieser Mädchenschule,
  • eine Flurbereinigung im Jahre 1906 durchgeführt wurde,
  • das Progymnasium 1907 neu gebaut wurde,
  • die Stadt mit elektrischem Strom versorgt wurde. Er ließ in den Jahren 1908 und 1909 ein Elektrizitätswerk bauen, das die Stromversorgung durch die Molkerei-Genossenschaft ersetzte,
  • ein Schlachthof 1908 gebaut wurde,
  • im Jahre 1910 die Stadt Erkelenz eine Kläranlage mit Rieselfeldern erhielt,
  • im Jahre 1912 eine Turnhalle und 1914 eine Badeanstalt gebaut wurden.5

Der 1. Weltkrieg stoppte die Entwicklungstätigkeit, auch weil durch den Krieg der Geldhahn nicht mehr so üppig floss und weil Bernhard Hahn als Hauptmann der Reserve in den Krieg zog und dort verwundet wurde. Die Stadt Erkelenz ehrte die Verdienste ihres Bürgermeisters durch die Ernennung der Ehrenbürgerschaft beim Ausscheiden aus dem Amt 1916 und durch die Umbenennung einer Straße in Bernhard-Hahn-Straße am 22. Februar 1930, also noch zu Lebzeiten Bernhard Hahns.6

Schaut man auf die Liste der Projekte, die die Stadt Erkelenz unter der Ära Bernhard Hahns verwirklichte, so wird deutlich, wie agil und durchsetzungsfähig er war. Er hatte allerdings auch das Glück, dass durch die aufblühende Wirtschaft seine Ideen finanziert werden konnten. Für die Stadt Erkelenz war er sicher der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.7

  1. siehe Kreisblatt vom 14.12.1931. Artikel: Der Ehrenbürger der Stadt Erkelenz, Bürgermeister i. R. Bernhard Hahn, verstorben
  2. siehe Kreisblatt vom 14.12.1931, a. a. O.
  3. Beschreibung siehe heimatverein-erkelenz.de/download (Stand: 07.2022) Alter Friedhof Erkelenz Seite 234 – 237
  4. siehe Kugelpanorama zum Inneren des Hauses.
  5. Maßnahmen dem Zeitungsartikel der Aachener Volkszeitung von 1986, a. a. O., entnommen.
  6. siehe Lennartz, Görtz: a. a. O., Seite 48 f.
  7. Text von Wolfgang Lothmann 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 3, 1982. Josef Lennartz, Theo Görtz: Erkelenzer Straßen. Materialien zu Namen und Geschichte, Seite 48 - 49
  2. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), heimatverein-erkelenz.de. /download (Stand: 07.2022) Alter Friedhof Erkelenz Seite 234 - 237
  3. unbekannter Autor, Aachener Volkszeitung. Nr. 47 vom 26.02.1986. Alt-Erkelenzer Bürger und was sie leisteten

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