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Die Friedhöfe in Erkelenz - Mitte

sonstiger Name: Kirchhof, jüdischer Friedhof,, Friedhof Brückstraße, Friedhof Zehnthofweg
14. Jhrd. bis 21. Jhrd.

Die Stadt Erkelenz unterhält folgende städtische Friedhöfe:

In Erkelenz Stadtmitte gibt es außerdem noch den Alten Friedhof an der Brückstraße, der jedoch seit 1969 nicht mehr benutzt werden darf.

Die Geschichte der Friedhöfe in Erkelenz-Mitte

Bis zum 19. Jh. war in der Regel die nächste Umgebung der Kirche der Begräbnisplatz. Dabei blieb es auch in Erkelenz, bis in der Franzosenzeit (1794 bis 1814) das Beerdigungswesen durch Polizeiverordnungen geregelt wurde, insbesondere durch ein Dekret vom 12. 6. 1804. Darin wurden erstmalig gesundheitspolizeiliche und im Grunde noch heute gültige Bestimmungen über Tiefe, Größe und Abstand der Gräber erlassen. Seitdem hatten die Gemeinden die Anlage von Friedhöfen außerhalb der Wohngebiete anzustreben.

Das war bei der Anlage der Friedhöfe in Erkelenz auch so. Die bauliche Entwicklung der Stadt führte im Laufe der Zeit dazu. dass die Friedhöfe innerhalb des Stadtgebietes liegen.

Der Kirchhof

Von diesem ältesten Erkelenzer Friedhof wissen wir nur, dass seit Jahrhunderten die Erkelenzer im Schatten ihrer Kirche zur letzten Ruhe gebettet wurden. Vermutlich ist der Friedhof so alt wie die älteste Erkelenzer Kirche. Archäologen entdeckten unter der 1945 zerstörten Kirche Brandspuren und
schließen daraus auf eine Holzkirche, die vielleicht im 9. Jh. dem Normannensturm zum Opfer fiel. Wir wissen im übrigen, dass der Kirchhof bis ins 19. Jahrhundert benutzt wurde. Den genauen Zeitpunkt seiner Aufhebung kennen wir nicht, er wird aber 1825 gewesen sein, denn da wurde der Friedhof an der Brückstraße eingeweiht.

Karte Kirche um 1800

Größe und Lage des Kirchhofes zeigt die Katasterkarte von 1819. Hier wird die Kirche in Flur P Nr. 665 völlig von der Parzelle 664, dem Kirchhof, umschlossen. Er erstreckte sich vor allem nach Norden zum Johannismarkt und nach Süden zum Alten Markt.

An der Nordseite grenzte der Friedhof an die Hintergebäude einer Häuserzeile, die sich zwischen Johannismarkt, dem 1926 abgebrochenen schmalen Gebäude der „Deutschen Schule“ (siehe Foto) und der Rückseite der Wirtschaft Lemmen erstreckte.

© Archiv Heimatverein | Wilhelm Schmitter | Altes Schulhaus am Markt

© Bernhard Zabell | Buchhandlung Wild, Eigentuemer Kehren bis 2018 am Markt

An der Stelle der ehemaligen Buchhandlung Kehren stand ein schlichtes Bürgerhaus, das vor 1879 von dem Bildhauer H. J. Braun bewohnt wurde. Dann verlegte Bernhard Herle seine Buchhandlung von der Brückstraße hierher. Der Eingang des Hauses lag zur Marktseite. Die der Kirche gegenüberliegende Seite war zugleich die Grundstücksgrenze des Kirchhofes.

Das Foto zeigt den Neubau, etwa 1960.

Die städtische Chronik von 1834 erwähnt die Bepflanzung des Marktes mit Bäumen, vom Kirchhof ist keine Rede. Es ist auch nicht bekannt, ob ihn eine Mauer vom Markt trennte. Bis 1957 erinnerte ein altes, steinernes Kreuz – es stammte noch vom alten Kirchhof – am Durchgang vom Markt zur Kirchstraße an den Kirchhof. Was die Bomben 1944/45 verschonten, fiel jedoch der Neugestaltung des Marktes zum Opfer.

Als man nach dem 2. Weltkrieg ans Aufräumen und den Wiederaufbau der Kirche und ihrer nächsten Umgebung ging, stieß man allenthalben auf Knochen- und Schädelreste. Zahlreiche Funde beweisen, dass aber auch in der Kirche selbst viele ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Bei verschiedenen Bauarbeiten, z. B. dem Bau der Orgelbühne 1905/06, der Anlage der Heizung 1912 und der Höherlegung des Chores, stieß man auf viele Gräber, die zum Teil dicht unter dem Boden der Kirche lagen.2

© Paul Borgs | Grabkreuz von 1826/1827

Dieses Grabkreuz – es steht jetzt an Sankt Lambertus – stammt vom ehemaligen Kirchhof.3

Der jüdische Friedhof

Schon im Mittelalter fanden in Erkelenz jüdische Begräbnisse statt. Im Jahre 1474 starb in Erkelenz ein Jude und wurde auf „dem Juden- oder Hundskirchhof“ am Alten Bellinghovener Weg begraben, die Juden zahlten hierfür der Stadt einen Rheinischen Gulden an Grabgeld, so die Chronik der
Stadt. Ob es sich um einen offiziellen jüdischen Friedhof der kleinen Gemeinde, die hier damals lebte, gehandelt hat, ist bei der obigen Bezeichnung aber zweifelhaft.

Nachdem sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts wieder Juden in Erkelenz ansiedelten, wurde ein Friedhof benötigt. Vermutlich hatten die ersten Begräbnisse noch auf dem Friedhof in Lentholt stattgefunden.
Nachdem die jüdische Gemeinde 1862 einen Betsaal in der Burgstraße einrichtete, nahm man 1865 das Projekt Friedhof in Angriff. Am 24. März 1865 schrieb der Bürgermeister Reinkens an den Regierungspräsidenten wegen der „Anlage eines Judenfriedhofes“. Er wähnte, dass in Erkelenz zuletzt 29 Juden … und in Matzerath, Venrath und Anhoven 16 Juden wohnten. Am 4. 8. 1865 genehmigte dann der Regierungspräsident den Friedhof.

Der Friedhof lag am Rande von Erkelenz, schräg gegenüber dem Güterbahnhof. Dieser existiert heute nicht mehr. Einige hundert Meter weiter befand sich die alte Bellinghovener Mühle. Frucht- und Kohlenhändler hatten sich nach dem Bau der Eisenbahn im Jahre 1848/49 an der Straße, dem Bahnabfuhrweg, heute Neusser Straße, nach und nach angesiedelt. Hinter dem Friedhof begann die freie Feldflur.

Am 6. Januar 1869 fand die erste Bestattung auf dem Friedhof statt. Johanna Mendel, eine Tochter des Händlers Bernhard Mendel, wurde beerdigt. Dies erregte im katholischen Erkelenz derart die Neugierde, dass zahlreiche Bürger zum Friedhof kamen.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | Anlageplan jüdischer Friedhof von 1892

1892 war der Friedhof zu klein geworden, sodass die Synagogengemeinde Geilenkirchen-Heinsberg-Erkelenz „die neben dem Begräbnisplatz …gelegene Ackerparzelle 5,76 Ar zum Zwecke der Vergrößerung des Begräbnisplatzes zum Betrag von 390 Mark“ kaufte. Aber wieder musste der Regierungspräsident um Erlaubnis gefragt werden. Der Schriftwechsel zog sich ein ganzes Jahr hin. Für die Vergrößerung spielte auch eine Rolle, dass nach jüdischem Ritus eine Wiederbelegung der Gräber aus geschlossen ist, so nach Belegung der vorhandenen Gräber eine weitere Vergrößerung des Friedhofes erforderlich. ist. Auch musste von der Synagogengemeinde eine Benutzungsordnung für den Friedhof erstellt werden.

Das Reglement und damit auch die Erlaubnis für die Erweiterung des Friedhofes wurde dann am 29. August 1893 vom Regierungspräsidenten in Aachen genehmigt.

Der Friedhof war in zwei Teile geteilt, in dem größeren Teil (A) befanden sich die 76 vorgesehenen Erwachsenengräber, in dem kleineren Teil (B) 36 Grabstellen für die Kinder. Die Grabstellen erhielten fortlaufende Nummern. Vom Eingang war ein Weg vorgesehen, der mit seinem geraden Verlauf den Begräbnisplatz in zwei Hälften teilte. Inwiefern später die Einteilung in Erwachsenen- und Kindergräber eingehalten wurde, ist nicht mehr ersichtlich. Einige vorhandene Grabsteine zeigen mit ihren Daten an, dass der Friedhof nicht in der Reihenfolge der nummerierten Gräber belegt worden ist.

Die letzte Beerdigung auf dem jüdischen Friedhof während der NS-Zeit war vermutlich die Beerdigung der Witwe Laura Strauß am 18.09.1940.
Die Reichsvereinigung der Juden musste den Friedhof an die Stadt Erkelenz verkaufen, der Kaufpreis für das Grundstück betrug 429,75 Reichsmark. Dies geschah vermutlich 1943. Wann der Friedhof nach der Pogromnacht 1938 geschändet und teilweise zerstört wurde, ist nicht überliefert.

Nach dem Krieg forderte das Erkelenzer Arbeitsamt ehemalige Mitglieder der Hitler-Jugend auf, „Aufräumungsarbeiten“ vorzunehmen, weil diese 1943 oder 1944 den jüdischen Friedhof zerstört hätten.

Im Juni 1946 beschloss der Stadtrat, den Friedhof wieder instand zu setzen. Der Friedhof wieder hergestellt, und es hat seither auch wieder Bestattungen gegeben – mehrere Grabsteine datieren aus den 1950er Jahren, der jüngste aus dem Jahre 1999.

© Archiv Heimatverein | Lageplan jüdischer Friedhof x

Auch heute führt der Weg vom Eingang geradeaus und teilt den Friedhof in zwei Hälften.

Nach dem Krieg waren auf der linken Seite keine Grabsteine mehr vorhanden. Auf der rechten Seite fehlen auf einigen Grabstätten die Grabsteine, fünf Grabstellen ohne einen Grabstein sind noch zu erkennen. Der Friedhof weist insgesamt 24 Grabsteine auf.4

© Stadtarchiv Erkelenz | Ehrenmal

Ein Ehrenmal mit der Inschrift „Den toten jüdischen Mitbürgern der Stadt Erkelenz zum Gedenken“ wurde im Dezember 1970 von der Stadt errichtet.


Noch immer wird der Friedhof von einem Zaun sowie von einer Mauer zur Straße hin eingefriedet. Heute ist der 1029 qm große Friedhof im Eigentum der Jüdischen Kultusgemeinde Mönchengladbach. Die Pflege übernimmt die Stadt Erkelenz, die Gemeinschaftshauptschule Erkelenz hat eine Patenschaft für das Gelände übernommen.

© Wolfgang Lothmann | jüdischer Friedhof
Der jüdische Friedhof an der Neusser Straße

2007 wurde dem Rat der Stadt Erkelenz die Eintragung des Friedhofes in die Denkmalliste vorgeschlagen, im Januar 2008 wurde er in die Denkmalliste eingetragen. Zum Denkmalwert wird in der Liste geschrieben: „Als der seit 1865 bis in die Zeit des Nationalismus und dann wieder seit Kriegsende belegte Friedhof der jüdischen Gemeinde von Erkelenz ist die Anlage bedeutend für Erkelenz. Der Charakter als Friedhofs ist mit Freiraumgestaltung, Grabsteinen und Gedenkstein anschaulich erhalten.5

Bei Renovierungsarbeiten an dem Haus Kölner Straße 27 wurde auf dem Hof des ehemaligen Wohnhaus der Familie Salomon ein gepflasterter Davidsstern gefunden. Auf Initiative von Hubert Rütten, Heimatverein der Erkelenzer Lande, wurde dieser vor dem Eingang des jüdischen Friedhof neu verlegt.

Die folgende Grafik zeigt den Lageplan des Friedhofes im Jahre 1998. Er entspricht bis auf ein Grab dem heutigen Aussehen. Diese Grabstelle wurde noch in den Lageplan eingefügt. Ein Klick auf den entsprechenden Grabstein zeigt ein Bild des angewählten Steines.

Ehrenmal Grabmal Martha Vasen Grabmal Gustav Herz Grabmal Helene Herz Grabmal Familie Gottschalk Grabmal ohne Inschrift Grabmal Helene Rubens Grabmal Frau Max Hes Grabmal Max Hes Frau Josef Salomon Grabmal Kahn - Kaufmann Grabmal Andreas Salomon Grabmal Henriette Salomon Grabmal Moses Strauß Grabmal Familie Weinberg Grabmal Lisa Leiser Grabmal Alfred Küppers Grabmal Edgar Gottschalk Grabmal Adolf Rubens Grabmal Kaufmann Grabmal Greenberg

Neun Grabsteine weisen Inschriften in Hebräisch auf.6. „Auf den Grabsteinen von Moses Strauß und Ida Leiser ist nur die Einleitungsformel „Hier ist begraben“ zu lesen. Auf den anderen sieben Steinen steht auch die traditionelle Schlussformel „Ihre/Seine Seele sei eingebunden im Bündel des Lebens“, ein Segensspruch aus der Bibel (1. Samuel 25, 29). Die jüdischen Namen der Verstorbenen und deren Todesdaten werden auf vier dieser Grabsteine genannt.“7

Auf drei Grabsteinen findet sich ein Davidstern, wovon zwei beschädigt bzw. völlig zerstört.

Der Friedhof an der Brückstraße

Die schon in der Franzosenzeit angestrebte Anlage der Friedhöfe außerhalb der Stadtgebiete kam in Erkelenz erst in der preußischen Zeit zur Durchführung. Während der Kirchhof kircheneigenes Gelände war, entstand die neue Anlage an der Straße nach Oestrich (Brückstraße) durch die Stadt.

Die Geschichte des Friedhofes an der Brückstraße lesen Sie hier: Der Alte Friedhof Brückstraße in Erkelenz – Das Virtuelle Museum der verlorenen Heimat

Der evangelische Friedhof

Die evangelischen Einwohner der Stadt Erkelenz gehörten bis 1900 zum Pfarrverband Schwanenberg. Am 17. 6. 1900 erfolgte die Umpfarrung nach Lövenich. Wenn davor ein evangelischer Bürger der Kreisstadt starb, wurde er nach Schwanenberg überführt und dort begraben.

Obschon der Regierungspräsident in Aachen schon am 14.10.1884 den von der kommunalen Verwaltung in Erkelenz vorgelegten Gräberplan für einen evangelischen Friedhof in Erkelenz an der Oerather Straße genehmigte, wurde dort noch 17 Jahre lang niemand beerdigt. Die Einweihung erfolgte am 5. Januar 1902. Einen Tag später erfolgte die erste Beerdigung. Warum die Anlage erst so spät in Gebrauch genommen wurde, ist nicht bekannt, kann aber vielleicht mit dem geringen Bevölkerungsanteil der evangelischen Christen in Erkelenz erklärt werden.

Zwei Monate nach der Einweihung beschloss die Stadtverordnetenversammlung am 3.3.1902 die Errichtung einer Mauer mit Einfahrtstor an der Provinzialstraße. Eine Erweiterung des Friedhofs wurde 1929 vom Regierungspräsidenten genehmigt.8

© Bernd Limburg | Erkelenz, Ev. Friedhof
Der ehemalige evangelische Friedhof an der heutigen Roermonder-Straße


Die großflächige Zusammenführung und Erweiterung der Friedhofsanlagen im Bereich Zehnthofweg/Roermonder Straße (im Zusammenhang mit dem Baugebiet VI )fand maßgeblich im Zeitraum zwischen 1960 und 1973 statt. In dieser Phase wuchsen die verschiedenen Bestattungsareale geografisch zum heutigen Zentralfriedhof-Komplex zusammen.9

Nach der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin teils konfessionell oder durch Einzelgemeinden verwalteten Friedhöfe unter eine einheitliche städtische Verwaltung gestellt. Dies wurde durch die erste gemeinsame Friedhofssatzung von 1972 und eine umfassend aktualisierte Fassung im Jahr 1979 rechtlich abgeschlossen.10

Der Friedhof Zehnthofweg

Schon bei der Durchführung des Umlegungsverfahren in den Jahren 1906 – 1910 hat die Stadtverwaltung die Anlage eines neuen Friedhofs außerhalb der Stadt geplant und ein entsprechendes Grundstück dafür reserviert.

Der Viehhändler Gustav Herz bot der Stadt noch im November 1926 das hinter dem „alten Friedhof“ an der Vereinsstraße (heute Anton-Heinen-Straße) liegende Wiesengrundstück zum Kauf oder Tausch an. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung entschied sich jedoch für die Neuanlage an der Wassenberger Straße (heute Zehnthofweg). Erste Arbeiten sollen dort bereits während des passiven Widerstandes 1923 als Notstandsarbeiten geleistet worden sein. In den kommenden Jahren erfolgte dann die Anlage von Wegen und die Bepflanzung mit Bäumen. Dabei wurden damals in großer Zahl vorhandene Arbeitslose eingesetzt. 1932/33 war die Anlage dann im wesentlichen fertig. Die Erkelenzer Bevölkerung nannte sie den Volksgarten, bis dann 1934 der neue Friedhof eingeweiht wurde. Am 1. Juli 1934 zog eine lange Prozession über die Wassenberger Straße und versammelte sich um ein in der Mitte aufgestelltes provisorisches Kreuz.

Am 10. Juli 1934 starb die Frau des Erkelenzer Ehrenbürgers Justizrat Meyer und wurde am 14. Juli begraben. Es war der erste Leichenzug, der über die Gasthaus- und Wassenberger Straße zum kaum geweihten Friedhof ging. Frau Meyer blieb nicht lange allein. Bereits am Tage nach ihrem Begräbnis starb unerwartet der Studienassessor Franz Knapp. Er wurde am 18. Juli beerdigt und dem ersten Grab gegenüber beigesetzt.11

Bei der Anlage des Friedhofes wurde vom Eingang Zehnthofweg eine Birkenallee als Hauptachse angelegt. Diese hatte Bestand bis in die 1960er Jahre. Dann wurde die Mittelallee zugunsten weiterer Grabflächen beseitigt.

© Archiv Heimatverein | Günther Merkens | Eingang Friedhof Zehnthofweg

Den Eingang bildete ein Tor, rechts und links wurden zwei gleiche Gebäude errichtet, die als Geräteräume genutzt wurden. Etwa 2010 wurden in den beiden Häuschen Grabkammer eingerichtet.

Friedhof Zehnthofweg

Der „neue“ Friedhof lag wie seiner Zeit der „alte“ Friedhof vor den Mauern der Stadt, quasi im Feld. In den 1960er Jahren, mit dem Beginn des Baugebietes Vl, wurde rund um den Friedhof gebaut, so dass er jetzt innerhalb der Wohnbebauung liegt.

Das Foto ist zeigt den Zustand von 1966.

Nach dem 2. Weltkrieg und der folgenden rasanten Einwohnerentwicklung wurde der Friedhof mehrfach erweitert bzw. umgestaltet. In den Jahren 1960 bis 1973 wurde die Friedhofsfläche erweitert.12 Auch wurde nach dem Bau der Friedhofshalle im Jahre 1965 ein Zugang von der Roermonder Straße geschaffen (siehe blaue Markierung rechts im nachfolgenden Foto).

Im Jahre 1979 beschloss der Stadtrat die Einführung von Bestattungen in Tiefengräbern auf dem Zentralfriedhof. Dadurch wurden zusätzliche Beerdigungsmöglichkeiten geschaffen.13

Ab den 2010er Jahren stieg die Nachfrage nach Urnenbestattungen (71 % Urnenbestattungen). Deshalb wurden 252 neue Urnengrabkammern geschaffen und ein neues Grabfeld für Urnen eingeweiht. In den ehemaligen beiden Eingangsbauten am Zehnthofweg (Geräteräume) wurden Kolumbarien geschaffen. Zudem wurden kaum noch genutzte Aufbahrungsräume in der Friedhofskapelle zu einem Kolumbarium umgebaut.14

© tim-online | Friedhof und Joseh-Emonds-Hof

Schon in den 1960iger Jahren waren am Friedhof nach Norden angrenzende Flächen für eine Erweiterung vorgesehen. Im Jahre 2012 erfolgte dann eine Umwidmung von Friedhofsflächen. Da der Bedarf an klassischen Sarggräbern sank, wurde ein Teil des ursprünglichen Erweiterungsgeländes für Wohnbebauung freigegeben. 15

Das umgewidmete Gebiet – heute Joseph-Emonds-Hof (blauer Straßenverlauf) – wurde dann bebaut. Das Foto zeigt auch das Friedhofsgelände im Jahre 2026.

Kriegsgräber auf Erkelenzer Friedhöfen

Nach dem 1. Weltkrieg

Die tödlichen Folgen der beiden Weltkriege können wir auch an den Kreuzen und Tafeln der Erkelenzer Friedhöfe ablesen. Wir finden diese sowohl auf dem „alten“ als auch auf dem „neuen“ Friedhof. Auch der evangelische Friedhof hatte ursprünglich einen „Ehrenfriedhof“.

Der Erkelenzer Stadtrat trat am 10.8.1914 zu seiner ersten Sitzung nach Kriegsbeginn zusammen. In dieser Sitzung schlug Dechant Kamp vor: „… alle in Erkelenz sterbenden Feldzugsteilnehmer, ohne Unterschied der Konfession, auf dem von den Katholiken benutzten paritätischen Friedhof an gemeinsamer Stelle zu beerdigen.“ Die evangelische Kirchengemeinde folgte jedoch dem Vorschlag nicht. Deshalb beschloss der Stadtrat am 20.11.1914, dass die Beerdigung der in Erkelenz sterbenden bzw. zu beerdigenden Krieger sowohl auf dem evangelischen Friedhof an der Oerather Straße als auch auf dem „katholischen“ Friedhof an der Brückstraße, jeweils an besonderer Stelle, zu erfolgen hat.

Das erste Kriegerbegräbnis fand 1914 auf dem evangelischen Friedhof statt.

Nach dem ersten Weltkrieg ehrte die Stadtgemeinde ihre Gefallenen durch die Anlage einer Gedenkstätte. Sie setzte ihnen ein steinernes Ehrenmal, geschaffen von Franz Xaver Haak, und 20 Steine nennen die Namen der hier ruhenden Soldaten. Vier weitere Soldaten sind in Familiengräbern dieses Friedhofs bestattet. Hinter dem Ehrenfriedhof ruhen außerdem sechs russische Kriegsgefangene, die zwischen 1941 und 1945 hier starben. Ein gemeinsamer Gedenkstein verzeichnet ihre Namen in kyrillischer Schrift. Auf dem Friedhof an der Brückstraße ruhen insgesamt 30 Kriegstote.

Geplante Krieger-Ehrungsanlage

Während der NS-Zeit in Erkelenz war eine Krieger-Ehrungsanlage auf dem Friedhof am heutigen Zehnthofweg geplant. Diese wurde von Prof. Veil aus Aachen im Mai 1940 geplant. Sie war gedacht für die Gefallenen des Englandkrieges. Es sind nur die Pläne, aber keine Einzelheiten bekannt. Realisiert wurde die Ehrenanlage nicht.16

Nach dem 2. Weltkrieg

Soldatengräber, etwa 1950
Eine erste Gestaltung des Ehrenfriedhof erfolgte 1947. Er befand sich gegenüber dem Eingang vom Zehnthofweg an der Ostseite des Friedhofes.
Hier Foto von etwa 1950.

Als man 1943 nach einem schweren Bombenangriff auf Baal die dabei ums Leben Gekommenen auf dem Ehrenfriedhof beisetzte, entstanden die ersten Gräber. Wahrscheinlich war damals eine gemeinsame Gedenkstätte für den Kreis Erkelenz geplant, die aber nie realisiert wurde.

Auf dem Ehrenfriedhof ruhen im Erkelenzer Krankenhaus gestorbene und in den letzten Kriegsmonaten in Erkelenz gefallene Soldaten, aber auch von Bomben getötete Zivilisten. Nach Kriegsende wurden aus den Feldern und Gärten der Umgebung noch 45 gefallene Soldaten hierher umgebettet. Bei der Anlage dieses Ehrenfriedhofs kamen auch die beiden Soldaten des 1. Weltkrieges vom evangelischen Friedhof hierher. Auf dem Ehrenfriedhof ruhen heute 126 durch Kriegseinwirkung ums Leben gekommene Soldaten und Zivilisten. 1959 kamen noch drei Gräber hinzu, als bisher in Terheeg auf einem Privatgrundstück begrabene Opfer hierher umgebettet wurden.

Im Rahmen der Erweiterung des Friedhofes in den 1960er Jahren erfolgte 1967 auch die Neuanlage einer Kriegsgräberstätte in dem neuen Teil des Friedhofes. Der Zugang wurde am neuen Eingang an der Friedhofshalle geschaffen. Gleichzeitig wurde ein großes Steinkreuz aufgerichtet. Die gesamte Umgestaltung war 1968 beendet.

Am Hochkreuz findet jedes Jahr am Volkstrauertag die Gedenkfeier für die Opfer aller Kriege statt.

Die Friedhofshalle

Die Gärten zwischen Roermonder Straße und Friedhof mussten 1964 dem Bau einer Friedhofshalle weichen. Der eigenwillige Baukörper entstand nach dem Entwurf des Erkelenzer Architekten Dipl.-Ing. Heinrich Egger. Nach Fertigstellung des Rohbaues begann 1965 der Innenausbau der Trauerhalle und der fünf Totenzellen. Die schlichte, aber gediegene Halle ist für Trauerfeiern vorgesehen. Zur Ausstattung gehört neben dem Katafalk und 6 Kerzenständern vor allem ein Kruzifixus, den der Erkelenzer Bildhauer Peter Haak schuf. Ein kleiner Glockenturm trägt die Totenglocke. Ihre
Inschrift lautet: Mors sua quequa rnanet tcivitas Ercliniensis +1965 (Jeden erwartet sein Tod; die Erkelenzer Bürgerschaft +1965). Zur Anlage gehören auch eine Rasenfläche und ein gepflasterter Parkplatz an der Roermonder Straße.

Im Jahre 2020 wurden kaum noch genutzte Aufbahrungsräume in der Friedhofskapelle zu einem Kolumbarium umgebaut.17

18
  1. https://service.erkelenz.de/detail/-/vr-bis-detail/dienstleistung/1519/show
  2. Informationen aus „Josef Lennartz, Die Erkelenzer Friedhöfe“, Heimatkalender 1969, Seite 109
  3. Siehe Agnes Borgs, Das Grabkreuz an Sankt Lambertus – Das Virtuelle Museum der verlorenen Heimat
  4. Informationen aus „Hubert Rütten, Jüdisches Leben im ehemaligen Landkreis Erkelenz“, Band 22 der Schriftenreihe des Heimatvereins, Seite 48ff
  5. Liste der Baudenkmäler in Erkelenz – Wikipedia (Stand: 05.2026)
  6. siehe Rütten, 2008, Seite 52 ff.
  7. ebda
  8. Informationen aus „Josef Lennartz, Die Erkelenzer Friedhöfe“, Heimatkalender 1969, Seite 113
  9. Mitteilung Stadtarchiv Erkelenz; Signatur: E1 C/ 812
  10. Mitteilung Stadtarchiv Erkelenz; Signatur: E4/180
  11. Informationen aus „Josef Lennartz, Die Erkelenzer Friedhöfe“, Heimatkalender 1969, Seite 114
  12. Mitteilung Stadtarchiv Erkelenz; Signatur: E1 C/ 812
  13. Mitteilung Stadtarchiv Erkelenz; Signatur: E4/223
  14. Mitteilung Stadtarchiv Erkelenz; Signaturen: EV 16.08.2023, EV 13.09.2023 und EV 24.01.2025
  15. Mitteilung Stadtarchiv Erkelenz; Signatur: E4/1092 und E4/1553
  16. Freundliche Überlassung vom Stadtarchiv Erkelenz
  17. Mitteilung Stadtarchiv Erkelenz; Signaturen: EV 16.08.2023, EV 13.09.2023 und EV 24.01.2025
  18. Beitrag von Günther Merkens für den Heimatverein der Erkelenzer Lande, unter Verwendung der angegeben Quellen, 2026. Dank an Karoline Meyntz vom Stadtarchiv Erkelenz und Wolfgang Lothmann, Heimatverein der Erkelenzer Lande, für die Unterstützung
  1. Landkreis Erkelenz und Heimatverein der Erkelenzer Lande, Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz, 1969, Seite 108 ff
  2. Hubert Rütten, Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V. Nr. 22 Jüdisches Leben im ehemaligen Landkreis Erkelenz. Erkelenz, 2008, Seite 48ff

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