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Die Evangelische Kirche in Erkelenz

Der erste Kirchenbau der evangelischen Gemeinde in Erkelenz wurde am 06.01.1904 eingeweiht und beim Bombenangriff am 23.02.1945 fast vollständig zerstört. Im Dezember 1950 wurde der Neubau fertig und schon nach acht Jahren musste die Kirche erweitert werden. Im Jahre 1975 wurde die Fassade verklinkert und erhielt ihr heutiges Aussehen.

Geschichte der evangelischen Gemeinde Erkelenz

Reformatorische Bestrebungen hatten im Umland von Erkelenz schon um sich gegriffen, da war die Stadt Erkelenz noch ein weißer Fleck auf der reformatorischen Landkarte. Dies hing auch damit zusammen, dass Erkelenz als Geldrische Exklave zu der Zeit zu den Spanischen Niederlanden gehörte und rechtlich in das Aachener Marienstift eingegliedert war, wohingegen im Umland zum Teil durch den Adel die Ausbreitung protestantischer Ideen gefördert wurde. Im Jahre 1568 bestätigte der Bischof von Roermond -Erkelenz gehörte seit 1560 zum Bistum Roermond- der Stadt Erkelenz, dass „ihre Bewohner der katholischen Lehre stets treu geblieben sind“. Dreißig Jahre später (im Jahre 1599) war das schon anders, jetzt wurde gewettert, dass die Stadt Erkelenz durch das Umland von der Refomation angesteckt sei. So wird z.B. im Jahre 1611 der Schöffe Goßen seines Amtes enthoben, weil seine religiöse Einstellung der des Ratskollegiums widersprach. Auch die Gründung des Franziskanerklosters im Jahre 1645 war im Zuge der Gegenreformation eine entsprechende Maßnahme der katholischen Kirche. Es ist davon auszugehen, dass es zu dieser Zeit in Erkelenz reformierte Gläubige gab, die sich in privaten Räumen zum Gottesdienst trafen.

Während der Franzosenzeit in Erkelenz (1794 bis 1814) bestand weitgehend ein Nebeneinander der beiden Religionen. Ab dem Jahre 1817 gehörte das Rheinland zu Preußen und damit erhielten die Protestanten eine andere rechtliche Stellung. Durch zugezogene preußische Beamte und Militärs wuchs die protestantische Bevölkerung in Erkelenz. Ein weiterer Zuwachs von außerhalb ergab sich ab 1900 durch die Ansiedlung der Internationalen Bohrgesellschaft durch Anton Raky. Bis 1901 -zu dieser Zeit lebten etwa 200 Evangelische Christen in Erkelenz- gehörte Erkelenz zur Kirchengemeinde Schwanenberg, dann zu Lövenich, war aber ein eigener Seelsorgebezirk. Eine selbstständige Gemeinde wurde Erkelenz erst im Jahre 1959. Schon 1901 wurde überlegt, in Erkelenz ein Gotteshaus einzurichten. Die Überlegungen, das leerstehende Gebäude der ehemaligen Bezirkskommandantur (Aachener Straße/Ecke Westpromenade) zu kaufen, scheiterten am Kaufpreis.

Bau der Kirche

Die erste Kirche

Im Jahre 1899 bildete sich ein „provisorischer Kirchenvorstand“, der u.a. die Aufgabe hatte, in Erkelenz für ein geeignetes Gebäude zur Abhaltung des Gottesdienstes zu sorgen. Nachdem der Kauf der Bezirkskommandantur gescheitert war, plante man den Neubau eines Gotteshauses. Zunächst war dafür ein Grundstück an der Ostpromenade/Ecke Brückstraße vorgesehen, dies befand sich aber im Bereich des ehemaligen Stadtgrabens und war deshalb nicht geeignet. Es fand sich dann ein Grundstück an der Hermann-Josef-Straße (heute Martin-Luther-Platz) und so wurde im November 1902 der Grundstein zur ersten evangelischen Kiche in Erkelenz gelegt. Der Plan stammte vom Rheydter Architekten Wilhelm Maack, die Maurerarbeiten verrichtete die Erkelenzer Firma Wilhelm Meissen und die Innenausstattung der Kirche leistete die Bildhauerwerkstatt Laumen/Winkelnkemper. Der Bau erfolgte zügig und am 06. Januar 1904 wurde die Kirche feierlich eingeweiht.

Die Grundrissform war die eines griechischen Kreuzes mit gestauchten Querarmen. An der Eingangsseite befand sich ein Orgelhaus. Der Altar und die Kanzel standen an der Ostseite des Querarmes. Der Dachreiter über der Vierung nahm ein kleines Geläute aus zwei Glocken auf. Die Backsteinwände waren verputzt, ein Sockel aus Bruchsteinen sowie aus Bruchsteinen geformte Ecken bildeten den äußeren Schmuck.

Baugeschichte und Rundgang durch die Kirche im Video

In dem folgenden Video, erstellt von Willi Wortmann für den Heimatverein der Erkelenzer Lande, können Sie die Baugeschichte der evangelischen Kirche in Wort und Bild nachvollziehen und die Kirche von innen erleben, das sollten Sie nicht verpassen!

Zerstörung der Kirche

Gut vierzig Jahre nach der Einweihung wurde die Kirche durch den schweren Bombenangriff vom 23. Februar 1945 fast vollständig zerstört. Auch die gesamte Innenausstattung ging bis auf eine Altarbibel und eine Glocke verloren.

Wiederaufbau

Nach Kriegsende wurde der evangelische Gottesdienst zunächst in einigen Privaträumen und dann im erweiterten ehemaligen Wintergarten des Pfarrhauses abgehalten. Schnell gab es Überlegungen, wieder ein Gotteshaus zu schaffen. Vorwiegend in Eigenregie wurden die Trümmer beseitigt. Nach ausführlichen Vorberatungen konnten die Bauarbeiten an der neuen Kirche am 2. Mai 1950 beginnen, am 18.05.1950, dem Himmelfahrtstag, wurde durch den Superintendenten Friedrich Drobny der Grundstein gelegt.

Im nächsten Halbjahr schritt der Bau trotz einiger Verzögerungen unter der Bauaufsicht des Erkelenzer Architekten Horst Neßler rasch voran, schon im Herbst war der Rohbau fertig. Der Fußboden wurde mit weinroten Asphaltplatten und im Altarraum mit sogenannten Sonthofener Platten belegt. Zur Beheizung wurden zwei Öfen aufgestellt. Für die Fenster der Seitenwände war einfarbiges, helles Antikglas vorgesehen; die Fenster wurden von der Düsseldorfer Firma Fenestra geliefert. Das Altarfenster zierte die Figur des auferstandenen Christus. Am 10. Dezember 1950 wurde der erste Gottesdienst gefeiert.

Erkelenz Evangelische Kirche

Schon acht Jahre später war die Kirche zu klein geworden; die Zahl der Gemeindemitglieder war inzwischen auf ca. 3.000 angestiegen (damalige Erkelenzer Gesamtbevölkerung: ca. 11.000). Das zunächst nur angedeutete Querschiff wurde ausgedehnt. Am 8. August 1958 war der Erweiterungsbau im Rohbau fertig. Schon vorher, am Konfirmationssonntag Judika 1958, konnte die eingebaute Empore genutzt werden.

© Frank Lücke | Frank Lucke | evangelische Kirche

Im Herbst 1975 erhielt die Kirche die heute noch bestehende äußere Gestaltung des Mauerwerks, sie wurde verklinkert. Ende der 1970er-Jahre waren Arbeiten zur Überholung, zum Umbau und zur Erweiterung der Orgel von 1954 unumgänglich geworden. Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen führten im Jahr 2001 zu einem helleren und freundlicheren Kirchenraum.

Die Fenster

Das Osterfenster

© Heimatverein ERK | Michael Franke | Auferstehungsfenster von Köpke

Das Südostfenster in der Altarapsis aus dem Jahre 1951 zeigt den auferstandenen Christus in triumphierend-tänzerischer Körperhaltung. Das Bild stellt im unteren Bereich die von Dunkelheit umhüllte Erde dar, während im oberen Bereich das himmlische Licht leuchtet. Im untersten Horizont ist der Grabhügel Golgatha angedeutet, dessen drei rote Kreuze symbolhaft mahnen. Der rechte Fuß der Figur, auf der Grenzfläche der beiden unteren Horizonte, tritt auf Erde, Gestirne und Halbmond.

Der auferstandene Christus strebt dem Himmel zu. Sein Körper leuchtet hell, das linke Bein ist angewinkelt und weist in die Aufwärtsbewegung hinein. Mit dieser Körperhaltung verleiht der Künstler der Figur einen dynamischen, tänzerischen Ausdruck.

Geschaffen wurde das Fenster von Ernst Otto Köpke aus Düsseldorf.

Die Pfingstfenster

© Heimatverein Erkelenz | Michael Franke | Pfingstfenster

Rund 40 Jahre nach der Gestaltung des Auferstehungsfensters wird im westlichen Querhaus das Pfingstfenster gestaltet.

Im mittleren Fenster ist in der Mitte die Taube als Symbol des Heiligen Geistes zu erkennen. Sie steht als Teil der Trinität, oben dargestellt durch ein Dreieck und geht aus Gottvater und Christus hervor. Im Flug stürzt sie sich hinab auf die Erde, die hier offenbar durch ein Quadrat mit einem Kreuz symbolisch dargestellt ist. Ein Wasserfall umströmt sie, der an die Taufe erinnert.

Auf den beiden äußeren Fenstern scheinen die Strukturen und Farben zu explodieren, möglicherweise das himmlische Brausen darstellend, von dem die Bibel berichtet. Vielfältige Formen und Farbschattierungen steigern die Dynamik. Die Mitte wird beherrscht von einem kühlen, vergeistigten Blau. Die Seiten glühen in den verschiedensten Rottönen, die wie Feuerzungen emporlodern – im Wechsel mit den eher vergeistigten Weiß- und Blautönen.

Der Maler und Grafiker E. O. Köpke hat diese Fenster in den Jahren 1991/1992 geschaffen.

Die Schöpfungsfenster

© Heimatverein der Erkelenzer Lande | Michael Franke | Schöpferfenster

Zusammen mit den Schöpfungsfenstern in der Ostwand, den Pfingstfenstern in der Westwand und dem Auferstehungsfenster in der Apsis hinter dem Altar, sind jetzt die wesentlichen Aussagen des Glaubensbekenntnisses in den Kirchenfenstern enthalten. Die Gemeinde verfügt nun mit dem Dreiklang von Vater, Sohn und Geist über ein visualisiertes Glaubensbekenntnis.

Das Hauptfenster mit der Darstellung des Schöpfungsaktes wird flankiert von zwei Nebenfenstern, die wegen der möglichen Blendwirkung der Süd-Sonne und zur Hervorhebung des Hauptfensters mitgestaltet wurden. Sie tragen die Bibelworte: „Im Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott. Gott war das Wort“ (Joh. 1,1) sowie „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31).

Mit diesen Texten wird deutlich, dass die Schöpfung durch das Wort Gottes wurde und dieses selbst vor dem Schöpfungsakt da gewesen ist. Das Wort ist auch Sinnbild für Jesus Christus („…und das Wort ist Fleisch geworden…“). So ist im Hauptfenster im Bereich der Schöpferhände das Kreuz erkennbar, das für seinen Erlösertod steht.

Der Erkelenzer Künstler Michael Franke hat die Fenster 2018 konzipiert. 2019 gelangten sie zur Ausführung in der Glasmalerei Oidtmann / Linnich. Hier wurde mundgeblasenes Echtantikglas aus der Glashütte Lamberts in Waldsassen / Oberpfalz in Mischtechnik verarbeitet; dazu zählen die Verwendung von Bleistegen, mehrstufiges Ätzen, Sandstrahltechnik, Handbemalung und Einbrennverfahren.

Das Emporenfenster

© Heimatverein ERK | Michael Franke | Emporenfenster Kartonentwurf

Für das Fenster im Emporenbereich hatte Michael Franke im September 2019 einen Entwurf mit dem Thema des bekannten Luther-Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott“ vorgelegt, der dann im Frühjahr 2020 von der Fa. Oidtmann zum Abschluss der umfassenden Erneuerung der Kirchenfenster ausgeführt wurde.1

Die Orgeln

Bereits ein halbes Jahr vor der Fertigstellung der Kirche (Mitte 1903) wurde eine Orgel bei der Firma Gebrüder Link aus Giengen a.d. Brenz in Auftrag gegeben. Diese Firma hatte schon vorher Orgeln u.a. in Myhl und Scherpenseel gebaut und war auch beim Bau der großen Orgel in Sankt Lambertus Erkelenz in die engere Wahl gekommen. Die Orgel stand auf der Empore vor der Fensterrosette zur Hermann-Josef-Straße, heute Martin-Luther-Platz.

Für den Neubau der Kirche nach der Zerstörung im Krieg wurde im Jahre 1954 durch den Orgelbaumeister Willi Palm aus Köln eine kleine Orgel gebaut, die oberhalb des Altares -man sprach vom „Orgelloch“- platziert war. Mitte der siebziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts überlegte man die Orgel zu erweitern. Eigens dafür wurde eine Orgelempore über dem Eingang gebaut und im August 1980 erklang die erweiterte Orgel erstmals.

Die Altarbibel

Zur Einweihung der ersten Kirche schenkte die Kaiserin Auguste Viktoria der Gemeinde eine Altarbibel, in die sie eigenhändig ein Bibelzitat schrieb. Wie durch ein Wunder blieb diese Bibel bei der Zerstörung der Kirche erhalten und liegt heute wieder auf dem Altartisch.

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  1. Einzelheiten zu den Fenstern siehe „Bedeutende Bau- und Kunstwerke in Erkelenz, Faltblatt 23, herausgegeben vom Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V.
  2. Text von Günther Merkens unter Verwendung der Informationen im Band 19 a.a.O., 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Gaspers/Sels, Geschichte der Stadt Erkelenz . Erkelenz, 1926, Seite 116 ff
  2. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 19, Evangelisch im Erkelenzer Land, Hans Josef Broich und Günter Wild

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