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Der Johannismarkt

Stichworte: Platz
14. Jhrd. bis 1958

Der heutige Johannismarkt in Erkelenz, nördlich der Pfarrkirche Sankt Lambertus, ist seit dem 15. Jahrhundert ein Platz, auf dem Märkte abgehalten wurden. Seit 1819 heißt er Johannismarkt.

Der Markt

© Archiv Heimatverein | Josef Dressen nach einer alten Katasterkarte | Stadtplan, etwa 1818

Wie lange das Marktrecht in Erkelenz zurückreicht, ist nicht geklärt. Der älteste erwähnte Markt ist der zu Simon und Judä (28. Oktober), der wohl schon vor der Stadterhebung (1326) eingerichtet und vom Aachener Marienstift gefördert wurde. In einer geldrischen Landesrechnung von 1294/95 wird ein Markt in Erkelenz am Tage der beiden Heiligen erwähnt. 1 Dieser Markt dauerte zunächst drei Tage vor und nach dem Fest, wurde aber im Jahre 1465 durch Herzog Adolf auf jeweils zwei Tage vor und nach dem Festtag gekürzt. Gehandelt wurde überwiegend mit Getreide, Tuch und Vieh.

Dieser Markt wurde aber außerhalb der Stadt abgehalten, ca. 500 Meter südöstlich der Stadt an den Schnittpunkten der Kirchwege von Kückhoven und Bellinghoven. Das ergibt sich daraus, dass dieses Gebiet (heute ehem. Firma Wirth) die Flurbezeichnung „Symon Juden mart“ trägt. 2

Im Jahre 1422 verlieh Herzog Rainald von Geldern und Jülich, Graf von Zuyphen, der Stadt Erkelenz das Recht, einen freien Wochenmarkt innerhalb der Stadt abzuhalten, und zwar das ganze Jahr immer an einem Donnerstag. 3 Es muss davon ausgegangen werden, dass dieser Markt auf dem „Alten Markt“ (dem heutigen Johannismarkt stattfand), denn bereits im Jahre 1420 wird von einem Markt in der Stadt gesprochen. 4

Im Jahre 1452 taucht dann der Name „Wolmart“ auf, etwas später (1480) der Niewe Mart südöstlich des „Alten Marktes“ am Gewandhuys bzw. Rathaus gelegen. Jetzt hat der „Alte Markt“ (Johannismarkt) seine Bedeutung als Platz des Marktes verloren.

Seit spätestens 1819 hieß dieser Markt „Johannismarkt“. Am 4. April 1933 wurde der Johannismarkt in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. Seit 1945 hat er wieder den alten Namen.

1865 war der Platz schon zum größten Teil gepflastert. Am 1. Juni 1865 beschloss der Rat, die „noch nicht gepflasterten Stellen des Johannismarktes sollen ebenfalls gepflastert werden“.

© Hans Peter Jans | unbekannt | Johannismarkt um 1915

Auf Veranlassung von Anton Raky erhielt der bis dahin gepflasterte Platz 1903 eine gärtnerische Anlage. In dieser Anlage wurde eine Portrait-Büste von Kaiser Friedrich aufgestellt, ebenfalls von Raky gestiftet. Im 2. Weltkrieg wurde sie eingeschmolzen .

© Archiv Heimatverein | Hermann Schwingens | Rund um den Lambertiturm
Rund um Sankt Lambertus, unten rechts der Johannismarkt

Bebauung

Bebauung zwischen Kirche und Platz

© Archiv Heimatverein | Wilh. Schmitter | Johannismarkt

Bis zur Zerstörung im 2 . Weltkrieg schob sich zwischen Kirche und Johannismarkt eine Zeile kleiner Häuschen , die z. T. um 1890 dem vergrößernden Umbau des Gasthofes Langers weichen mussten (früher Otten, später Schiffers und Hotel Licht).

Auf dem Johannismarkt stand das „alte Brauhaus“ (vorne links), früher einmal städtisch, um 1821 an Dreling, dann an den Brauer Otten verkauft. Es wurde 1903 wegen Baufälligkeit abgebrochen .

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Nach der Zerstörung 1945 wurde diese Häuserreihe nicht wieder aufgebaut .
Seitdem ist der Johannismarkt nur noch durch die Pfarrkirche vom Markt getrennt .

Auf dem Johannismarkt lagerte in den ersten Jahren nach dem Krieg der Schutt der Kirche. Dieser wurde gemahlen und für den Bau des Hochchores verwendet.

In den 1980er Jahren wurde diskutiert, zwischen Kirche und Johannismarkt die neue Bücherei zu bauen. Dieser Gedanke wurde aber verworfen.

© Archiv Heimatverein | Lambert Schwingens | Johannismarkt, Sankt Lambertus, 1945
© Archiv Heimatverein | Johannismarkt-etwa-um-1900

Blick in Richtung „An der Kirche“ (links), etwa 1910

© BIldband Pinzek | unbekannt | Johannismarkt, etwa 1960

Der gleiche Blick nach dem 2. Weltkrieg. So ab der 1960ziger Jahre wurde der Johannismarkt als Parkplatz genutzt.

Rathaus

Seit dem Mittelalter diente das Alte Rathaus am Markt dem Bürgermeister und seinen Gehilfen als Amtssitz. Der Platz reichte allerdings jetzt nicht mehr, so dass der Bürgermeister und die Verwaltung eine neue „Bleibe“ suchten. Seit dem 19. Jh. standen an der Westseite des Johannismarkt zwei große Häuser, eins davon war das sog. Drelingsche Haus (auf dem Foto rechts), das andere das sog. lnderfurtsche Haus. Im Drelingschen Haus hatte der Landrat Gustav Claessen (1852 – 1875) seinen Amtssitz. Im Jahre 1918 kaufte Bürgermeister Johannes Spitzlei für die Stadt die Häuser, in die dann der Bürgermeister und die Verwaltung einzogen. Im Februar1945 wurden die Gebäude vollkommen zerstört und an der Stelle das neue Rathaus gebaut.

Pfarrhaus und Nebenhäuser

© Günther Merkens | Wilhelm Schmitter | Die "Türkei"

An der Stelle des heutigen kath. Pfarrhauses stand bis um 1908 ein Patrizierhaus, nach dem früheren Besitzer Türk die „Türkei‘ genannt. Es wurde zuletzt von Peters bewohnt, der Mitbesitzer der Leimfabrik (in der Ziegelgasse) war. Das Haus soll in schlechtem Zustand gewesen sein. Daher ließ Anton Raky es abreißen und 1908 das jetzige Pfarrhaus als Geschenk für die katholische Pfarrgemeinde erbauen .

© Günther Merkens | Wilhelm Schmitter | Johannismarkt, etwa 1942
Oben links das neue Pfarrhaus, rechts daneben die Häuser Terstappen und Dreling, später Dr. Lukas

Neben dem Pfarrhaus rechts steht das Haus von Friedrich Wilhelm Franz Hubert Terstappen. Er besaß ein ausgeprägtes Gespür für die technischen Neuerungen und den Fortschritt. So eröffnete er schon 1854 eine Öl-Dampfpresse, später dann eine Getreide-Dampfmühle, welche die fortschrittlichste Anlage im alten Erkelenz war. Er war Initiator der Gründung einer Molkerei und auch der ersten Strom- und Wasserversorgung in Erkelenz. Er entstammte einer alten Erkelenzer Familie, die oft Bürgermeister, Schöffen oder Drosssarde stellte (Dreling und Hasenbach). Von 1890 bis zu seinem Tode im Jahre 1908 gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an. 5
Auch das daneben liegende Haus war ursprünglich ein landwirtschaftliches Anwesen. Besitzer war bis 1818 Franz Josef Dreling, dann Franz Pangels. Das Haus wurde „Im goldenen Ring“ genannt , war also wahrscheinlich ein Wirtshaus. In den 1860ziger Jahren ließ Geheimrat Dr. Herman Lukas das von ihm im Jahre 1835 erworbene Haus umbauen.

Die Ostseite des Platzes nahmen Bürgerhäuser ein, von denen das alte Eckhaus zur Burgstraße mit seinem Treppengiebel (angeblich 1494) das interessanteste war. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dieses Haus durch einen repräsentativen Bau ersetzt. Im 2. Weltkrieg wurde das Haus völlig zerstört.

Das Missionskreuz

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | Roswitha Hagel | Friedenskreuz

Das alte Missionskreuz wurde bei der Neugestaltung des Platzes 1903 an die Stirnseite versetzt und 1945 zerstört. Ein neues Kreuz aus Stahl errichtete man 1947 an der gleichen Stelle. Dieses Kreuz wiederum wurde nach der Errichtung des Friedenskreuzes 1958 (gestaltet von Peter Haak) als Hagelkreuz an die Tenholter Straße versetzt.

6
  1. Kümper, a.a.O., Seite 110
  2. Siehe Rheinischer Städteatlas ERKELENZ, 1976, Seite 2 und Schriftenreihe der Stadt Erkelenz, Band 2
  3. Chronik der Stadt Erkelenz, Seite 352 ff
  4. Siehe Rheinischer Städteatlas ERKELENZ, 1976, Seite 4
  5. Friedel Krings, EVZ, „Alt-Erkelenzer – und was sie leiteten“
  6. Text von Günther Merkens 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande unter Benutzung des Berichtes von Josef Lennartz/Theo Görtz „Erkelenzer Straßen“, Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande, Band 3, Seite 119ff
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 3, 1982. Josef Lennartz, Theo Görtz: Erkelenzer Straßen. Materialien zu Namen und Geschichte.

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