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Altes Rathaus Erkelenz

Lage

Das Alte Rathaus liegt im Zentrum der Stadt Erkelenz am nördlichen Rand der Fußgängerzone auf dem Marktplatz. In unmittelbarer Nähe steht die Pfarrkirche Sankt Lambertus Erkelenz. Es bildet durch die zentrale Lage einen Blickfang für die Besucher, die sich in der Innenstadt von Erkelenz befinden.

Geschichte

Neubau nach Brand

In diesem Film zeigen wir die Geschichte unseres Alten Rathauses in bewegten Bildern
© Wolfgang Lothmann | Wappen mit Jahr der Renovierung

Das Alte Rathaus wurde von 1545 bis 1546 im spätgotischen Stil erbaut, nachdem durch den großen Stadtbrand am 21. Juni 1540 ein Vorgängerbau zerstört worden war. Bereits 1326, als Erkelenz Stadtrechte bekam, gab es diesen Vorgängerbau, ein Markthaus (domus fori), das auch „Gewanthuys“ (Gewandhaus) genannt wurde. Nach der Zerstörung durch den Brand erteilte die Stadt dem Steinmetz Johann van Vyrß (heute würde man wahrscheinlich Johann von Viersen sagen) im Jahre 15451 per Vertrag den Auftrag, ein „steinernes Rathaus mit allem Zubehör sowie entsprechenden Säulen und Pfeilern“2 zu bauen. Dabei hatte der Rat eine genaue Vorstellung von den Ausmaßen des Gebäudes. Es sollte 38 x 38 Fuß Grundfläche3 haben und eine in sechs Bogen gespannte Untermauerung erhalten. Oben sollte das Gebäude mit einer „umlaufenden, vierkantigen Zinnen(mauer) mit vier Türmchen“4 versehen werden. Unten sollte es vollständig eingewölbt sein. Es musste so viele Fenster haben, wie notwendig waren.

Der realisierte Bau wich von den Vertragsunterlagen etwas ab. Statt der sechs Arkaden gab es nur fünf mit 3 x 5 Jochen5.

Das Rathaus wurde ursprünglich mit einer vollständig offenen Erdgeschosshalle errichtet, die als Markthalle diente. Im Dachgeschoss befand sich ein Getreidespeicher und die „Gerkammer“, wo wichtige Stadtdokumente aufbewahrt wurden. „Eine solche Raum- und Funktionsdisposition entsprach dem Konzept einer Vielzahl mittelalterlicher Rathäuser in Deutschland. Diese enge Verbindung von Selbstverwaltung und Wirtschaft war gewollt …“, urteilte Dr. Udo Mainzer in seiner Festrede zum 450-jährigen Bestehen des Alten Rathauses.6

Eine gute Vorstellung vom Rathaus nach 1546 gibt ein Ausschnitt aus dem Film „Erkelenz 1550“ von Willi Wortmann, der modellhaft das Aussehen der Stadt zu dieser Zeit darstellt.

Das Alte Rathaus von 1546 im Video

Ausschnitt aus dem Film „Erkelenz 1550“ von Willi Wortmann

Umbau im 18. Jahrhundert

© Wolfgang Lothmann | Eingang

Mit der Einverleibung der Stadt Erkelenz in das Herzogtum Jülich im Jahre 1713 ging ein wirtschaftlicher Niedergang einher. Das Marktleben der Stadt verebbte, so dass die Laubenhalle nicht mehr benötigt wurde. So wurden im Jahre 1756 die Bögen zugemauert und der entstandene Raum zur Wachstube mit Gefängniszellen umgewidmet. Der Ratssaal wurde in verschiedene kleinere Räume unterteilt, und wahrscheinlich wurden dabei gleichzeitig Zinnenkranz und Ecktürmchen abgebrochen. Von diesem Umbau stammt die Jahreszahl über der Eingangstür.7 Das Haus erhielt ein neues Portal im Rokkokostil, das die Jahreszahl 1756 enthält.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Entsprechend der schlechten wirtschaftlichen Lage der Stadt verfiel auch das Alte Rathaus zusehends. Ab 1907 verließ die Stadtverwaltung das Gebäude, weil die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten. Durch die Anbindung an das Eisenbahnnetz und die Ansiedlung von Industrieanlagen (etwa Anton Raky mit der Internationalen Bohrgesellschaft) stieg der Wohlstand in Erkelenz in einem ungeahnten Maße. Die Bürger der Stadt suchten nach einem repräsentativen Ausdruck dieser Situation und wollten das Alte Rathaus abreißen lassen und es nach den Plänen des Erzdiözesanbaumeisters Heinrich Renard mitten auf dem Markt und etwas erhöht in einstiger Form neu entstehen lassen. Das Projekt scheiterte an den Kosten und dem Ausbruch des 1. Weltkrieges.

© Wikipedia.de.com | LeSch | Notgeld mit Erkelenzer Rathaus 1921
Auf dem Notgeldschein von 1921 ist der Entwurf und der Zustand des alten Rathauses zu sehen.

Nach dem Krieg gab es sowohl Bürger, die sich für den Erhalt des Alten Rathauses einsetzten, als auch solche, die es abreißen lassen wollten. Auf der 600-Jahrfeier der Stadt Erkelenz im Jahre 1926 führte der Geschichts- und Altertumsverein eine Tombola zur Renovierung des Rathauses durch. Er wollte in dem Gebäude ein Heimatmuseum einrichten. Diese Idee wurde in Verbindung mit dem Rathausbauverein und dem Museumsverein in den Jahren 1930/31 verwirklicht. Zu diesem Zweck öffnete man auf der südlichen Schmalseite die Arkaden und versah das Walmdach mit Dachgauben, so dass es als Museumsräumlichkeit benutzt werden konnte. Das Gebäude erhielt wieder einen weißen Anstrich.

Im Jahre 1940 (20. Juni) ging das Rathaus leider in einem Luftangriff in Flammen auf. Der gotische Dachstuhl war Opfer der Flammen. Dabei wurden auch große Teile der Sammlungsgegenstände des Museums zerstört. Das Haus wurde notdürftig mit einem Flachdach versehen. Dieses Gebäude erhielt am 23. Februar 1945 wieder einen schweren Treffer, der das Dach, die Südostecke und das Gewölbe des Erdgeschosses völlig zerstörte.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es zunächst Bestrebungen, die Trümmer des Alten Rathauses abzureißen. Dann aber enttrümmerten etwa 30 Bürger in Eigeninitiative das Rathaus. Sie nötigten dadurch die Stadtverwaltung, das Wahrzeichen der Stadt wieder zu errichten, was nach Plänen des Architekten Gustav Mattar geschah. 1951 wurden diese Arbeiten abgeschlossen. 1956 konnte das Alte Rathaus offiziell eingeweiht werden. Bei diesem Wiederaufbau wurden die Arkaden zur Straßenseite wieder geöffnet, der Dachstuhl mit Schiefer gedeckt und mit schlanken Dachgauben versehen. Erst 1960 bis 1962 wurde auch das Innere des Gebäudes ausgebaut. Es erhielt eine Bleiverglasung durch Hermann Gottfried. Bis zum Ankauf des Hauses Spieß durch die Stadt Erkelenz diente der Saal des Rathauses neben den repräsentativen Zwecken auch als Raum für Wechselausstellungen. Bis zum Bau der Stadthalle (1957) spielte man im Saal auch Theater und veranstaltete Konzerte.

Heute dient der Saal im Alten Rathaus als „gute Stube“ der Stadt Erkelenz, in der Sitzungen des Stadtrates, Tagungen, Ausstellungen sowie Konzerte stattfinden und in die die Stadt ihre Gäste zu Empfängen bittet. Ein Heimatmuseum wurde nach dem Kriege nicht mehr eingerichtet.

Im Jahre 2013 musste das Rathaus noch einmal renoviert werden. Weitere Arkaden wurden geöffnet, eine mit Glas versehen, so dass man ins Innere schauen kann. Das Dach wurde neu mit Schiefer eingedeckt. Um eine weitgehende Barrierefreiheit zu erlangen, wurde im Jahre 2020/21 ein Aufzug eingebaut, so dass auch behinderte Menschen ohne Mühe in den ersten Stock gelangen können.

Ausstattung

Ein Kleinod der Backsteingotik am Niederrhein wird das Alte Rathaus genannt. Zu dieser Wertung haben verschiedene Kriterien beigetragen, etwa die harmonischen Proportionen mit gotischen Spitzbögen, die auf viereckigen Pfeilern ruhen, die Flachbogenblenden über den Obergeschossfenstern und das steil aufragende Walmdach.

Nicht nur das Haus selbst ist ein Kleinod, es enthält auch einige geschichtlich wertvolle Gegenstände.

Im Eingangsbereich befindet sich ein römischer Weihestein. Er wurde im 18. Jahrhundert in Erkelenz gefunden und enthält eine Widmung des Centurio Gaius Julius Proculus der Legio XXX Ulpia Victrix an Jupiter.

Im Rathaussaal hängen drei große Tapisserien vermutlich aus der Manufaktur Jan Seghers, Brüssel. Sie sind im Jahre 1630 aus Wolle und Flachsgarn gefertigt worden und enthalten die Motive „Hochzeit kurz vor der Brautnacht, Prügelei um einen Falschspieler und Bauernpaar beim Schweineschlachten“.8 Zwei kleinere und schmalere Wandbehänge zeigen Vogelszenen. Sie stammen aus dem 17. Jahrhundert und sind vermutlich in flandrischen Oudenaarde (heute Belgien) entstanden.9

Im Jahre 1961 hat Hermann Gottfried die elf Fenster im Sitzungssaal neu gestaltet. Er fasste sie in Bleiglas mit abstrakten Motiven. Die Fenster wurden in der Linnicher Glasmalerei Oidtmann hergestellt.

Der Erkelenzer Bildhauer Peter Haak schuf die Madonnenstatue an der Südostecke des Rathauses. Sie ersetzte im Jahre 1958 die frühere Statue. Die Madonna trägt das Jesuskind auf dem rechten Arm und hält in der linken Hand eine Lilie. Das Kind erhebt segnend die rechte Hand und in der linken Hand trägt es die Weltkugel. Madonna und Kind tragen beide eine Krone. Auf dem Sockel sind die Worte AVE MARIA KAISERIN eingraviert. Die Figur erinnert an die Verbundenheit der Stadt mit dem Marienstift in Aachen, das jahrhundertelang die Grundherrschaft ausübte. Die Lilie findet sich im Siegel und Wappen des Aachener Marienstifts.10

11

  1. Der Vertrag ist erhalten geblieben. Er wurde am 28.08.1545 unterzeichnet
  2. Georg Kehren, Willi Wortmann: Das alte Rathaus in Erkelenz, a. a. O., Seite 7
  3. 18,5 x 18,5 m
  4. Georg Kehren, Willi Wortmann: Das alte Rathaus in Erkelenz, a. a. O., Seite 9
  5. 38 x 25 Fuß oder 18,5 x 12,15 m
  6. Georg Kehren, Willi Wortmann: Das alte Rathaus in Erkelenz, a. a. O., Seite 16
  7. Georg Kehren, Willi Wortmann: Das alte Rathaus in Erkelenz, a. a. O., Seite 17
  8. Kümper u. a.: Erkelenz, a. a. O., Seite 6
  9. siehe Kümper u. a.: Erkelenz, a. a. O., Seite 6
  10. siehe https://www.wikipedia.de.org/wiki/Altes_Rathaus_(Erkelenz)#Kunstwerke (Stand: 11.02.2021)
  11. Text von Wolfgang Lothmann und Günther Merkens 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 16, Georg Kehren, Willi Wortmann: Das alte Rathaus in Erkelenz. Die 450-jahrige Geschichte eines Baudenkmals. 1997
  2. Hiram Kümper, Christina Clever-Kümper, Erkelenz. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.): Rheinische Kunststätten, Heft 556, Köln, ISBN: 978-3-86526-109-0, 2015
  3. Wikipedia, https://de.m.wikipedia.org. https://de.m.wikipedia.org, /wiki/Altes_Rathaus_(Erkelenz)#Kunstwerke (Stand: 11.02.2021)

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