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Wilhelm Terstappen

⁎ 1836 † 1908
sonstiger Name: Kaufmann, Stadtverordneter, Ideengeber
1836 bis 1908

Wilhelm Terstappen, der zum Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts einige wichtige Entwicklungen in Erkelenz angestoßen hat, ist heute weitgehend vergessen.

Sein Leben

Friedrich Wilhelm Franz Hubert Terstappen wurde 1836 in Erkelenz geboren. Er entstammte einer uralten Erkelenzer Familie. Mütterlicherseits waren dies die Familien Dreling und Hasenbach, die mehrfach in Erkelenz Bürgermeister, Schöffen und Drossarde stellten. Von 1890 bis 1908 gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an und war zeitweilig 1. oder 2. Beigeordneter (Stellvertreter des Bürgermeisters).1 Im Jahre 1908 ist er gestorben. Am 07.11.1908 wurde er auf dem Friedhof an der Brückstraße beerdigt. Die Familiengrabstätte ist heute noch dort.2

© Archiv Heimatverein | Ulrich Wendt | Grabstaette-Wilhelm-Terstappen
Grabstätte Terstappen auf dem Friedhof Brückstraße

In seinem Testament vom 02. November 1908 vermacht Terstappen der Stadt Erkelenz zwei Grundstücke, einmal an der Westpromenade – danach Garten des Krankenhauses, heute Grüngürtel (gegenüber der heutigen Hauptschule) – und am Weg nach Matzerath. Bei diesem Grundstück -Ackerland – machte er die Auflage, dass die Erträge der Hermann-Josef-Stiftung zufließen sollten. Von der Stadt erwartete er, dass u. a. die Grabstätte auf ewige Zeiten unterhalten werde.3

Sein Wirken

Allgemein

Terstappen war Kaufmann, besaß aber ein Gespür für viele technische Neuerungen, die gerade im 19. Jahrhundert auch in Erkelenz eine industrielle Entwicklung einleiteten. Insoweit hat er ein Stück weit die industrielle und technische Entwicklung in Erkelenz geprägt.

Dampf-Ölpresse und Dampf-Getreidemühle

Das Erkelenzer Land war lange Zeit ein Schwerpunkt des Flachsanbaues. Dabei fiel Leinsamen an, und so war es Terstappen, der im Gegensatz zu den bisherigen wassergetriebenen Ölmühlen ab den 1860ziger Jahr eine Dampf-Ölpresse betrieb. Als der Flachsanbau durch die Baumwolle verdrängt wurde, wandelte er seinen Betrieb in eine Getreide-Dampfmühle um. Sein Betrieb befand sich am Johannismarkt.

© Günther Merkens | Wilhelm Schmitter | Johannismarkt, etwa 1942
Das Haus von Terstappen (links) am Johannismarkt

Molkerei

Das Erkelenzer Land war landwirtschaftlich geprägt, u. a. wuchs Ende des 19. Jahrhunderts die Rinderhaltung. Deshalb plädierte Terstappen für den Bau einer Molkerei. Die Bauern griffen den Vorschlag auf, gründeten 1895 die Molkerei-Genossenschaft und bauten an der Hermann-Josef-Gormanns-Straße eine Molkerei. Terstappen, obwohl kein Landwirt, wurde zum Direktor des Molkereivorstandes berufen. Hier vertraute man seinem technischen Wissen und seiner Erfahrung.

Innerhalb kürzester Zeit rüstete er das Molkereigebäude mit den neuesten und modernsten Maschinen sowie mit einer 12 PS starken Dampfmaschine aus. 1897 wurde ein Dynamo angeschlossen und somit elektrischer Strom für den Eigenbedarf produziert.

© Archiv Heimatverein | unbekannt | Molkerei
Die Molkerei an der Hermann-Josef-Gormanns-Straße

Strom-, Gas- und Wasserversorgung

Seit 1890 gehörte Terstappen der Stadtverordnetenversammlung an, und es ist nicht verwunderlich, dass er Ideen für eine städtische Elektrizitäts-, Gas- und Wasserversorgung entwickelte.

Die Beleuchtung des Marktplatzes im Jahre 1897 auf Initiative Anton Raky’s führte dazu, dass die Stadtverwaltung die Frage der „Errichtung eines Elektrizitätswerkes“ diskutierte. Der Plan, ein eigenes städtisches Werk einzurichten, stieß damals in der Stadtverordnetenversammlung auf Widerstand. Der 1. Beigeordnete Wilhelm Terstappen schlug vor, mit der seit 1896 bestehenden Molkereigenossenschaft, die seit 1898 auch Elektrizität erzeugte, einen Zehnjahresvertrag zur Lieferung von Elektrizität abzuschließen. Dies geschah dann auch im Jahre 1898, der Beginn der Stromlieferung war der 01.01.1899.4

Nach mehreren Jahren zeigte sich, dass der Bedarf an elektrischer Energie zu Licht- und Kraftzwecken immer größer wurde, so dass er von der Molkerei nicht mehr gedeckt werden konnte. Deshalb wurde der Vertrag zum 31. Dezember 1908 gekündigt. Erkelenz entschied sich zum Bau eines eigenen Elektrizitätswerkes auf dem Grundstück gegenüber dem Wasserturm (in den Jahren 1908/1909), das gleichzeitig mit einem auch räumlich verbundenen Schlachthof errichtet wurde. Im Jahre 1914 wurden noch eine Badeanstalt und ein Schwimmbad dazu gebaut.5

1897 machte Terstappen den Vorschlag, in Erkelenz auch eine zentrale Gas- und Wasserversorgung zu schaffen. Für eine Gasversorgung war die Zeit wohl noch nicht reif, sie erfolgte erst ab 1923. Aber der Gedanke einer zentralen Wasserversorgung wurde von der Stadt aufgegriffen und Terstappen wurde 1901 zum Vorsitzenden einer Wasserwerkskommission gewählt. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss im Jahre 1902 die Errichtung eines zentralen Wasserwerks. Der Bau erfolgte gegenüber dem Elektrizitätswerk.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | unbekannt | Erkelenz Kaiserstraße

Ein 39 Meter hoher Wasserturm wurde gebaut und prägt seitdem die Stadtansicht von Erkelenz.

Im Jahre 1902/03 wurde zunächst für Erkelenz und Oestrich eine zentrale Wasserleitung eingerichtet. Im Laufe der nächsten Jahre wurden die zur Stadtgemeinde Erkelenz gehörenden geschlossenen Dörfer und im Jahre 1913 die Landgemeinde Kückhoven angeschlossen. Damit verschwanden die bisher bestehenden alten Nachbarschaftsbrunnen und Pumpen.

Mit der Verlegung der Wasserleitungsrohre erfolgte zugleich die Abwasserkanalisierung der Innenstadt.

Als Terstappen im Jahre 1908 starb, hatte er in Erkelenz einiges initiiert, was heute noch der Bevölkerung zu Nutzen kommt. Gleichwohl ist sein Name weitgehend in der Stadt vergessen. Eine kleine Stichstraße am Wockerather Weg erinnert an ihn.6

  1. Gaspers/Sels, a.a.O., Seite 48 und 71
  2. siehe https://erkelenz-heimatverein.de/wp-content/uploads/2022/03/alter-friedhof.pdf (abgerufen am 25.05.2024)
  3. siehe https://erkelenz-heimatverein.de/wp-content/uploads/2022/03/alter-friedhof.pdf (abgerufen am 25.05.2024)
  4. Gaspers/Sels, a.a.O., Seite 93
  5. Gaspers/Sels, a.a.O., Seite 93
  6. Text von Günther Merkens, 2024, für den Heimatverein unter Verwendung des Berichtes von Friedel Krings „Alt-Erkelenzer Bürger – und was sie leisteten“ in der Erkelenzer Volkszeitung, 1983
  1. Gaspers/Sels, Geschichte der Stadt Erkelenz . Erkelenz, 1926

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