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Hermann-Josef-Stiftung

Vorbemerkung

Die Hermann-Josef-Stiftung Erkelenz ist eine selbstständige kirchliche Stiftung privaten Rechts im Sinne des § 13 Abs. 1 des Stiftungsgesetzes für das Land Nordrhein-Westfalen. Zum Stiftungskuratorium gehören der Bürgermeister der Stadt Erkelenz als Vorsitzender, die jeweiligen Pfarrer der katholischen und evangelischen Pfarrgemeinde Erkelenz, der Landrat, ein Mitglied der Familie Gormanns und der Kurator, der in der Regel ein verantwortlicher Bediensteter der Stadtverwaltung ist. Mit über 1150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Stiftung der größte Arbeitgeber der Stadt.1 Zur Stiftung gehören vier große Bereiche: Krankenhaus, Altenheim, Ambulantes Pflegezentrum und Hospiz. Sie unterhält zudem noch eine Pflegeschule.

© Wolfgang Lothmann | Stiftungs-Schild

Gründungszeit

© Stadtarchiv Erkelenz | Hermann Josef Gormanns

Zeit seines Lebens setzte Hermann-Josef Gormanns sein Vermögen auch für wohltätige Zwecke ein. So stellte er im Jahre 1864 an der Brückstraße ein Wohnhaus mit Stallungen, Hofraum und Garten neben Bäcker Pellens und der Ziegelgasse dem Orden Arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach zur Verfügung, damit die Schwestern dort ambulante Krankenpflege betreiben konnten. Dafür übertrug er auch noch zusätzliche Geldmittel.

Am 05. März 1867 vermachte er der Stadt Erkelenz eine Stiftung von 60.000 Talern und sieben Gärten am Zehntkamp (heute Zehnthofweg). Zum Zwecke der „Unterstützung nicht Begüterter namentlich der arbeitenden Klasse und der Dienstboten in Krankheitsfällen und in hülflosem Alter, sowie zur Erziehung verwaister Kinder“ sollte hier ein Armen-, Kranken- und Waisenhaus errichtet werden.

Lothm | Altes-Krankenhaus-in-Karte

Die Preußische Landesregierung genehmigte am 3. März 1869 die Hermann-Josef-Stiftung. Am 19. Oktober 1869 wurde der Grundstein zu diesem Bau am Zehntkamp gelegt, das Gebäude wurde fast genau zwei Jahre später, am 3. Oktober 1871 fertiggestellt und am 8. Oktober festlich den Dernbacher Schwestern des Ordens Arme Dienstmägde Jesu Christi übergeben.

Die Stiftung erhielt den Namen Hermann-Josef-Stiftung. Hermann-Josef Gormanns hatte seine Halbschwester Gertrud, die Witwe von Heinrich Jungbluth, und deren acht Kinder zu Generalerben seines Vermögens gemacht. Sie sollten laut Testament eine dreißigjährige Nutznießung aus dem Kapital der Stiftung ziehen dürfen. Die Familie Jungbluth verzichtete allerdings auf diese Nutznießung und stiftete dieses Geld zugunsten der Hermann-Josef-Stiftung.2 Jusitizrat Franz Jungbluth, der älteste Sohn der Witwe Jungbluth, arbeitete 1869 im Wesentlichen die Statuten für die Stiftung aus und sorgte für die Errichtung des neuen Hauses, das zukünftig Hermann-Josef-Stift heißen sollte.

© Hermann-Josef-Stiftung | unbekannt | Urkunde Jungbluth

Bei der Einweihung des Stiftes am 30. Oktober 1871 erhielt er dafür die Ehrenbürgerschaft der Stadt Erkelenz. Hermann Jungbluth beschreibt in seinem Bericht über Hermann-Josef Gormanns und Franz Jungbluth diese Feier wie folgt:

„Gegen 9 Uhr führte eine Deputation Herrn Justizrat Franz Jungbluth aus Aachen zum alten Erkelenzer Rathaus. Dort waren die Stadträte und Notablen versammelt. Mit ehrenden Worten überreichte Bürgermeister Reinkens dem Gefeierten ein von Professor Kaspar Scheuren aus Düsseldorf gemaltes Diplom, nach welchem dem Herrn Justizrat Franz Jungbluth aus Aachen das Ehrenbürgerrecht der Stadt Erkelenz verliehen wurde. Auf dem farbenprächtigen Aquarell sieht man oben die Stadt Erkelenz, bewacht von der Stadtpatronin Erka mit Schwert und Wappenschild. Unter dieser Frauengestalt erblickt man auf schön: verziertem Kreuz den Heiland, die knieenden Stifter Gormanns und Jungbluth segnend. Den unteren Teil des Gemäldes bildet eine wundervoll stilisierte Distelranke mit einer Blüte. Sie schmiegt sich an eine kreisförmig umrahmte Außenansicht des Hermann-Josef-Stiftes an. In Dornen und Disteln sehen wir Arme, Kranke und Waisen. Zwei arme, kranke Wanderer blicken hoffnungsvoll auf ein mit Blumen geschmücktes Schild mit der Aufschrift „Stiftung Gormans“. Die vom Bürgermeister und den Stadtverordneten unterzeichnete Urkunde hat folgenden Wortlaut: In dankbarer Anerkennung der großen Verdienste um die hiesige Stadtgemeinde bei Errichtung des Armen-, Kranken- und Waisenhauses, gestiftet durch Herrn Justizrat Hermann-Josef Gormans, erteilt die Stadtverordneten Versammlung hierdurch einstimmig dem Herrn Justizrat Franz Jungbluth, Ritter p.p. Advokat-Anwalt in Aachen, das Ehrenbürgerrecht in Erkelenz. Gott segne die Anstalt und ihre Wohltäter. Erkelenz, 13 September 1871
In der Pfarrkirche zu Erkelenz fand alsdann ein feierliches Hochamt statt. Gegen 11 Uhr bewegte sich der Festzug durch die mit Fahnen geschmückte Stadt zum neuen Hospital. Am Hauptportal überreichte Oberpfarrer Bell der Oberin, Schwester M. Hildegard, die Schlüssel. Nach der Einsegnung wurde das Haus besichtigt.“
3

Krankenhaus

Das Krankenhaus durchlief, den jeweiligen Zeitgeschehnissen angepasst, unterschiedliche Entwicklungsphasen. Es wurde im 2. Weltkrieg völlig zerstört und Ende der 1940er Jahre an der Tenholter Straße neu aufgebaut. In den folgenden Jahrzehnten vergrößerte es sich baulich und medizinisch ständig und besitzt in den 2020er Jahren insgesamt 10 Klinikbereiche: Allgemein- und Viszeralchirurgie, Anästhesie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Geriatrie, Innere Medizin / Gastroenterologie, Kardiologie, Neurologie, Palliativmedizin, Unfallchirurgie und Urologie.4

Im Folgenden wird näher auf die geschichtliche Entwicklung des Krankenhauses seit Bestehen eingegangen.
Kurz vor dem Jahrhundertwechsel zum 20. Jahrhundert musste das Krankenhaus bereits erweitert werden, was die Stiftung dank zahlreicher Bürgerspenden durchführen konnte. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde das Krankenhaus zu einem Kriegslazarett umfunktioniert. Nach dem Krieg entsprach es nicht mehr dem Standard der Heilversorgung und musste 1928/29 modernisiert und erweitert werden. 1933 besaß es 57 Betten.

Im 2. Weltkrieg musste das Krankenhaus im Jahre 1944 wegen der heranrückenden Front evakuiert werden. Die Kranken kamen nach Querfurth in Sachsen. Schließlich zerstörten nach einem britischen Angriff Bomben am 23. Februar 1945 das Gebäude, so dass an eine Rückkehr der Kranken nach Erkelenz nach Kriegsende nicht zu denken war. So wurden die evakuierten Kranken am 15. Juli 1945 notdürftig in der Martin-Luther-Schule in Hückelhoven untergebracht. Im August 1945 richtete man zusätzlich in Erkelenz ein Notkrankenhaus im Kindergartengebäude an der Westpromenade ein. 1949 entschied der Rat der Stadt Erkelenz über den Neubau eines Krankenhauses am jetzigen Standort. Im Jahre 1950 konnte bereits nach der Fertigstellung des 1. Bauabschnittes die Innere Abteilung die Arbeit aufnehmen. Der Standort Hückelhoven blieb aber bis zur Fertigstellung eines 2. Bauabschnittes am 01. August 1952 erhalten. Danach konnten alle dort untergebrachten Kranken in Erkelenz übernommen werden.
Die Dernbacher Schwestern zogen sich 1950 nach der Fertigstellung des 1. Bauabschnittes aus der Krankenhauspflege zurück und übergaben den Dienst an die Cellitinnen zur Heiligen Maria in der Kupfergasse. In den nächsten Jahren erfolgten weitere Bauten: ein Anbau als Bettenflügel mit einem Operationsraum, eine Krankenhauskapelle, ein Hauptbettentrakt und schließlich 1963 ein weiteres Geschoss. 1966 entstand gegenüber dem Krankenhaus ein Schwesternheim mit angeschlossenen Räumen für die Krankenpflegeschule, die bereits seit 1955 bestand. Im Jahre 1975 wurde der Vertrag zwischen den Cellitinnen und der Hermann-Josef Stiftung aufgelöst.

Im Jahre 1988 übernahm die Stiftung das Krankenhaus in Immerath vom Orden der Töchter vom Heiligen Kreuze e. V. Düsseldorf, mit dem seit 1976 bereits eine Kooperationsvereinbarung bestand. Durch den Verkauf des Immerather Krankenhauses an RWE-Power erfolgte am 30. und 31. März 2009 der Umzug dieses Krankenhauses nach Erkelenz in einen eigens dafür angebauten Krankenhaustrakt.

Durch Anbauten und Eröffnungen von neuen Stationen konnte das Krankenhaus bis dato erheblich erweitert werden. Seit 2010 ist es durch Kooperationsvertrag auch „Akademisches Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen“. Es unterhält 10 Abteilungen: Allgemein- und Viszeralchirurgie, Anästhesie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Geriatrie, Innere Medizin / Gastroenterologie, Kardiologie, Neurologie, Palliativmedizin, Unfallchirurgie und Urologie. Im Jahre 2019 besaß das Krankenhaus 409 Betten.5

Altenheim

© Wolfgang Lothmann | Altenheim

1974 baute die Stiftung ein Altenheim und erfüllte so eine weitere testamentarische Bestimmung von Hermann Josef Gormanns. Anstoß zu einem Altenheim gab Katharina Hardy, die ihr Vermögen testamentarisch vor ihrem Tod 1966 der Stadt unter der Bedingung vermachte, dass ein Altenheim gebaut werden sollte. Die Stadt verkaufte den Nachlass von „Kathrinchen“ Hardy und übertrug den Erlös der Hermann-Josef-Stiftung für den Bau des Heimes. Im Jahre 1976 konnte das Altenheim am Schulring in Betrieb genommen werden. Es bot Platz für 102 Seniorinnen und Senioren. Im Jahre 2014 erfolgte der Abschluss eines Umbaus. Nun stehen 6 geräumige Doppelzimmer und 83 Einzelzimmer
mit eigenem Bad zur Verfügung, die insgesamt 95 Bewohnern und Bewohnerinnen ein Zuhause bieten.

Ambulantes Pflegezentrum

© Wolfgang Lothmann | Ambulante Pflege

Im Jahre 1995 gründete die Stiftung ein ambulantes Pflegezentrum, das im Schwesternheim an der Goswinstraße angesiedelt wurde. Der Pflegedienst bietet häusliche Alten- und Krankenpflege und – je nach Bedarf und Wunsch – eine Kombination aus Pflege, Betreuung und Haushaltsführung an. 28 Mitarbeiterinnen betreuen Anfang der 2020er Jahre 290 Patientinnen und Patienten.6

Hospiz

© Wolfgang Lothmann | Krankenhaus Hospiz

Am 01.01.2000 wurde in Räumen des Ambulanten Pflegezentrums ein Hospiz eröffnet. Hier standen insgesamt 11 Plätze zur Verfügung. Im Jahre 2014 zog das Hospiz ins Facharztzentrum an der Tenholter Straße um und unterhält dort 13 Plätze.

Pflegeschule

Im Jahre 1955 gründeten die Ordensschwestern eine Krankenpflegeschule, die am 21. September des gleichen Jahres bereits staatlich als Hermann-Josef-Krankenpflegeschule anerkannt wurde. Mit dem Bau des Schwesternheimes an der Goswinstraße wurde gleichzeitig ein Trakt für die Schule errichtet. Dort erfolgte die Ausbildung bis zum Jahre 2021. Weil die Räume veraltet und nicht mehr dem Standard entsprechend eingerichtet waren, zog die Pflegeschule nach Geilenkirchen in angemietete Räume um.7

  1. Zahlen von 2016 aus Schöffenbericht 2016, a. a. O., Seite 390
  2. siehe Hermann Jungbluth, a. a. O., Seite 40
  3. Hermann Jungbluth, a. a. O., Seite 42
  4. siehe https://www.hjk-erkelenz.de/Haus-und-Unternehmen/Einrichtung/Stiftung (Stand: 02.2022)
  5. siehe Schöffenbericht 2019, a. a. O., Seite 248
  6. Zahlen stammen aus dem Jahr 2021. Siehe https://rp-online.de/nrw/staedte/erkelenz/ambulanter-pflegedienst-in-erkelenz-feiert-jubilaeum_aid-55875247 (Stand: 02.2022)
  7. Text von Wolfgang Lothmann 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. mit freundlicher Unterstützung des Stadtarchivs Erkelenz und der Hermann-Josef-Stiftung
  1. Landkreis Erkelenz und Heimatverein der Erkelenzer Lande, Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz, 1956. Hermann Jungbluth: Hermann Josef Gormans und Franz Jungbluth, die Stifter des Erkelenzer Krankenhauses. Seite 37 bis 42.
  2. Der Bürgermeister (Hrsg.), Schöffenbericht der Stadt Erkelenz. Erkelenz, verschiedene Jahrgänge
  3. Hermann-Josef-Stiftung (Hrsg.), Internetseite. https://www.hjk-erkelenz.de, (Stand: 2.2022)

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