Kloster Haus Nazareth

Gründung

Seit 1881 hatte die aus Lüttich stammende Kongregation der Töchter vom Heiligen Kreuz in Düsseldorf-Rath eine Erziehungsanstalt für Epileptikerinnen unterhalten, die aber bald überbelegt war. Die Kongregation beantragte beim Erzbischof in Köln die Genehmigung einer Filiale in Immerath, die sie am 22 Oktober 1900 erhielt. Die Genehmigung der preußischen Regierung zog sich allerdings noch bis zum 23. März 1901 hin. Im August des gleichen Jahres erfolgte die Grundsteinlegung. Im September des Jahres 1902 konnten bereits 34 weibliche epileptische Kranke aufgenommen werden, die von 9 Schwestern betreut wurden. Ein Jahr später wurde die Kapelle eingeweiht.

Entwicklung bis zur NS-Zeit

Bereits 1904 beherbergte die Anstalt 95 Kranke, die von 16 Schwestern betreut wurden. Die Zahl der Patienten und Schwestern stieg ständig. Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges betreuten 29 Schwestern 158 Kranke.

Im 1. Weltkrieg wurde teilweise die Versorgungslage in Kloster und Krankenhaus prekär. 25 Menschen, darunter auch Schwestern starben. Die Patientenzahl ging bis zum Ende des Krieges herunter auf 139 Kranke, in den beiden Folgejahren auf 126. Sie wurden von 42 Schwestern betreut.

1921 wurde die ﹰAnstalt eine Erziehungsanstalt für nicht mehr schulpflichtige Fürsorgezöglinge. Die Zahl der Patienten stieg auf 150, so dass nicht mehr genügend Platz für die betreuenden Schwestern vorhanden war. Der Speicher des Schwesternflügels wurde 1924/25 zum Ausbau weiterer Schwesternzimmer herangezogen. Zur Betreuung des Krankenhauses mussten auch weltliche Angestellte eingestellt werden, bis 1930 bereits 12.

1926 erhielt das Haus nach weiteren Umbauten und Erweiterungen den Namen Haus Nazareth.

NS-Zeit und 2. Weltkrieg

Auch die Patientinnen von Haus Nazareth waren der nationalsozialistischen Ideologie zur „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ ausgesetzt. In den Jahren 1941 bis 1944 fielen 125 – 130 von ihnen der geheim gehaltenen und später als Aktion T4 bekanntgewordenen Mordwelle zum Opfer. Der Öffentlichkeit wurde vorgetäuscht, dass die Patienten verlegt würden, weil man kriegsbedingt Krankenhäuser benötigte.

Bereits zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde das Krankenhaus in ein Lazarett umgewandelt. Im Oktober 1939 belegten 100 Soldaten das Gebäude. Die ursprünglichen Patienten wurden nach Düsseldorf verlegt. Diese Maßnahme wurde allerdings im Dezember 1939 wieder rückgängig gemacht und Kloster und Krankenhaus ihrer ursprünglichen Bestimmung wieder übergeben. Wegen der Übernahme von jungen Mädchen aus dem aufgelösten Aspeln mussten Kranke nach Düren verlegt werden. Über deren Schicksal gibt es keine genauen Angaben.

1943 wurde bei den Luftangriffen auf Mönchengladbach, Rheydt und Odenkirchen auch das Haus Nazareth beschädigt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges diente „Haus Nazareth“ als Lazarett.

Zeit nach dem 2. Weltkrieg

Krankenhaus

Als nach dem Krieg das Krankenhaus in Erkelenz zerstört war, wurde Haus Nazareth auf Betreiben der amerikanischen Besatzungsmacht vorübergehend Kreiskrankenhaus. Dazu mussten typische Krankenhausräume wie Operations- und Röntgenräume geschaffen werden. Am 1. Mai 1947 wurde das „Hospital Haus Nazareth“ eingeweiht. Das Haus Nazarath hatte nun 3 Abteilungen: Altenheim, Erziehungsheim und Krankenhaus.

1962 folgte der Neubau eines Krankenhauses, weil die Kapazitäten der Abteilungen häufig überschritten wurden. 1976 ging man zunächst eine Kooperation mit dem Erkelenzer Krankenhaus ein und 1988 ging die Verantwortung in dessen Trägerschaft über. Das Kloster selbst diente danach noch als Altersruhestätte für Schwestern der Kongregation und wurde im Jahre 2001 aufgelöst. Das Krankenhaus mit seinen Fachabteilungen zog 2009 in das erweiterte Hermann-Josef-Krankenhaus in Erkelenz um.

Kloster

1960 wurde für die schwer erziehbaren Mädchen eine Turnhalle gebaut.

1967 wurde die Klosterkapelle im Anschluss an das II. Vatikanum den neuen liturgischen Bedingungen angepasst.

1971 wurde das Erziehungsheim aufgelöst und ein Altenheim für die Töchter vom Heiligen Kreuz errichtet.

Die 1961 gegründete Schwester-Emilie-Schule, eine Pflegehelferinnenschule, wurde 1981 aufgegeben

2001 kam dann die Auflösung des Klosters Haus Nazareth aus wirtschaftlichen Gründen. Die verbliebenen Schwestern wurden in das Mutterhaus nach Aspen übergesiedelt.

Der Abriss des Klosters und des Krankenhauses erfolgte 2015.

  1. unbekannter Autor, Wikipedia. https://de.m.wikipedia.org, /wiki/Immerath_(Erkelenz)
  2. Peter Staatz, Geschichte im Schatten von St. Lambertus. Essen, ISBN: 978-3-8375-1489-6, 2017, Seite 114 bis 122

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