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Die Landwehr am Wahnenbusch

sonstiger Name: Kückhovener-Kasterer Landwehr
1577 bis 2026

Im Südosten des mittelalterlichen Stadtgebietes von Erkelenz verlief als Grenzschutz eine Landwehr, etwa in Baal beginnend, vorbei an Tenholt und Kückhoven bis Keyenberg, von alters her als Kückhovener- oder Kasterer Landwehr bezeichnet. Heute verläuft auf der gleichen Strecke teilweise ein Wirtschaftsweg.

Im Südosten des mittelalterlichen Stadtgebietes von Erkelenz verlief als Grenzschutz eine Landwehr, etwa in Baal beginnend, vorbei an Tenholt und Kückhoven bis Keyenberg, von alters her als Kückhovener- oder Kasterer Landwehr bezeichnet. Heute sind einzelne Teile als Wirtschaftsweg noch vorhanden.

Begriffserklärung

Mit Landwehr wird ein Grenzmarkierungs- bzw. Grenzsicherungswerk und Umfriedungen von Siedlungsgebieten mit dem Recht der Einhegung von Teilen oder ganzen Territorien bezeichnet. Der Bau einer Landwehr war eine wirksame Maßnahme, die Bevölkerung eines Siedlungsgebiets oder Territoriums gegen Übergriffe von Feinden in Kriegen zu schützen und einen Rechtsbezirk abzugrenzen. Die Landwehren waren ein Mittel, die Wahrscheinlichkeit, Erfolgsaussicht, Wirksamkeit und Folgen mittelalterlicher Kriegsführung einzuschränken und ihnen somit vorzubeugen. Sie behinderten darüber hinaus Räuberbanden am Betreten des Gebietes und erschwerten ihren Rückzug nach Beutezügen.

Landwehren bestanden meist aus einem einfachen Graben als Hindernis, hinter dem sich ein aus dem Grabenaushub geschaffener Erdwall befand. Dahinter stand das eigentliche Hauptgrenzhindernis, ein etwa 20 bis 50 Meter breiter dichter, verflochtener Gehölzstreifen. Bewachsen waren der Gehölzstreifen und die Wälle mit einer Hecke aus Hainbuchen, die in Mannshöhe geschnitten wurden und deren Äste abgeknickt, mit den anderen Ästen verflochten und in den Boden zum erneuten Ausschlagen gesteckt wurden. Daraus ergab sich das sogenannte Gebück. Als Untergehölz nutzte man, damit die Hecke undurchdringlich wurde, Heckenrosen, Weißdorn, Schwarzdorn oder Brombeeren. 1

Die Kückhovener/Kasterer Landwehr

Verlauf

Die Kückhovener/Kasterer Landwehr reichte von Kuckum im Nordosten bis zum Baaler Bachtal im Südwesten und war etwa 9 Kilometer lang. Der Landwehrwall bildete zu einem Großteil die Gemarkungsgrenze von Kückhoven und verlief in einem großen Bogen um den heutigen Erkelenzer Stadtteil. Daher kommt der eine Name, der andere daher, dass ein Teil der anderen angrenzenden Dörfer früher zum Amt Kaster gehörte.

© Kreisarchiv Heinsberg | Marcus Westphal | Verlauf der Landwehr von Marcus Westphal
Mit roten Punkten markierter Verlauf der Landwehr um Kückhoven auf der Tranchotkarte zu
Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Enden im Nordosten und Südwesten sind mit einem roten Kreis
gekennzeichnet.

Es ist fraglich, ob sie sich nach Nordosten in das Gebiet des heutigen Kreises Neuss oder der Stadt Mönchengladbach (Wanlo) fortsetzte. Bisher gibt es dafür weder einen archäologischen noch historischen Beweis. Nach der Tranchotkarte von 1806/07 endete die Landwehr südwestlich der Kuckumer Mühle. 2

Heute sind nur noch vereinzelt Spuren der alten Landwehr feststellbar, vielfach durch Flurbereinigung ist der Verlauf nicht mehr erkennbar. Hier und da sind noch Gräben oder kleine Wälle erkennbar, an einigen Stelle ist der frühere Verlauf heute ein Wirtschaftsweg.

© Kreisarchiv Heinsberg | Marcus Westphal | heute noch erhaltener Teil der Landwehr

Unmittelbar westlich der Landstraße nach Lövenich ist die Landwehr auf einer Länge von 320 Metern mit ihrer Basis noch vorhanden, da der alte, dem Verlauf der Landwehr folgende Feldweg erhalten blieb.

Der Feldweg wurde auf dem planierten Wall angelegt, liegt etwa einen Meter über dem umgebenden Gelände und ist rund fünf Meter breit (Abb. 23). Mit den zwei begleitenden Gräben besaß die Landwehr hier eine Mindestbreite von 13 Metern.3

© Kreisarchiv Heinsberg | Marcus Westphal | Heute noch vorhandener Teil der Landwehr

© NL-15-218 | unbekannt | Landwehrweg bei Tenholt, ca.1984

Der Feldweg anstelle der Landwehr bei Tenholt, vor 1984

Historische Karten für unseren Bereich zeigen den ehemaligen Verlauf der Landwehr.

Geschichte

Einen Hinweis auf die Landwehr gibt im Jahre 1577 der Erkelenzer Stadtschreiber Mathias Baux. 4 Gebaut wurde die Landwehr wahrscheinlich kurz nach 1543 durch den Jülicher Herzog Wilhelm V, auch Wilhelm der Reiche  (* 28. Juli 1516, † 5. Januar 1592) genannt, zum Schutze seines Landes gegenüber dem spanischen Erkelenz. Erkelenz und die umliegenden Dörfer gehörten in dieser Zeit zum Herzogtum Geldern und somit zu den Spanischen Niederlanden, lagen aber als Enklave im Jülicher Land. In diesem Bereich kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen, deshalb war eine gewisse Sicherung sinnvoll.5

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als Erkelenz zum Herzogtum Jülich gehörte, war die Grenzsicherung nicht mehr notwendig. Sie wurde von beiden Seiten als Viehweide genutzt. Dadurch wurde nach und nach der Buschbestand zerstört. Im Lauf der folgenden Jahrzehnte verschwand dann die Landwehr zum größten Teil.

Im Jahre 1827 forderte der Regierungspräsident in Aachen die Bürgermeister von Erkelenz, Lövenich, Holzweiler-Immerath und Keyenberg auf, ihre Ansprüche auf die Landwehr zu beweisen. Diese wiederum beriefen sich auf langjährigen Besitzstand. Der Landrat Beermann teilte 1828 dann dem Regierungspräsidenten mit, dass die Landwehr an die angrenzenden Grundbesitzer veräußert werden soll. Dieser war damit einverstanden, ordnete aber an, dass in der Mitte der Landwehr ein etwa 2,50 Meter breiter Feldweg erhalten bleiben soll.

Im Erkelenzer Wochenblatt vom 10.08.1838 wurden die Bedingungen bekannt gemacht. Darin war u.a. die Schaffung des Feldweges genannt, außerdem müssen Gräben und Feldwege von den Eigentümern instandgehalten werden. Bemerkenswert ist die Bedingung, an den beiderseitigen Feldraine schöne, ebene Flächen zu bilden.

Durch diese Maßnahmen ist der Erdwall der Landwehr Ende des Jahres 1838 größtenteils verschwunden.6

Beschaffenheit der Landwehr

Aus einem Rechtsstreit zwischen dem Düsseldorfer Regierungsrat von Dorsten und der Stadt Erkelenz erfahren wir Einzelheiten über die Landwehr. Eine Ende des 18. Jahrhunderte erfolgte Vermessung zeigte folgendes:

  • Mittlere Breite schwankte zwischen 4 und 15 Metern bei etwa 3 Metern Höhe
  • Auf der Erkelenzer Seite verlief ein Graben, auf der Kasterer Seite ein Feldweg
  • Jeweils am Ende der Landwehr betrug die Breite nur noch 2,50 Meter

Der Landwehrwall bildete in der offenen Bördenlandschaft eine weithin auffällig Anlage, zumal dieser -wie üblich- noch mit einem dichten Gebüsch aus Buchen, Eichen und dornenbewehrtem Unterholz bedeckt war. Die Landwehr war zwar nicht unüberwindbar, dennoch ein beachtliches Hindernis.7

© NL-15-218 | Therese Frauenrath | Zeichnung Landwehr, Therese Frauenrath

Durchlässe

Die Landwehren waren Grenz- oder Sicherungsbauwerke. Dort wo Straßen zu anderen Orten führten und die Landwehr querten, war der Wall unterbrochen.

© Archiv Heimatverein | Transchotkarte Landwehr Durchlässe

Die Tranchotkarte zeigt 1806 neun Durchlässe, früher dürften es deutlich weniger gewesen sein: Einer in Höhe des ehemaligen Lahey-Parks an der Straße Erkelenz-Jackerath und ein weiterer wahrscheinlich an der Straße von Lövenich nach Erkelenz am Wahnenbusch.8 In der Regel waren diese Durchlässe mit einer Schanz oder Schlagbäumen gesichert.

Friedel Krings schreibt dazu, dass im Wahnenbusch, also auf der Erkelenzer Seite der Landwehr, zum Schutze des Durchlasses eine Schanze vorhanden gewesen sei.

© Archiv Heimatverein | Therese Frauenrath | gelb makiert; Die Alte Burg

Heute noch befindet sich schräg gegenüber der Gastwirtschaft ein Geviert von Gräben, als „Alte Burg“ bezeichnet. Vorhanden ist ein Geviert mit einem Umfang von 73 × 62 m. Die Gräben sind 5 m breit und 1–2 m tief.9

Dieses Geviert wird irrtümlicherweise als Burg bezeichnet, die es aber nie gegeben hat. Marcus Westphal nennt hier ein „Erdwerk“.10

Marcus Westphal widerspricht der Meinung von Krings, denn ob das rund 400 Meter nördlich der Landwehr im Wahnenbusch gelegene Erdwerk mit der Landwehr im Zusammenhang steht, ist fraglich. Westphal meint weiter, dass das Erdwerk wahrscheinlich älter als die Landwehr ist. Allerdings sei eine spätere Sekundärnutzung im Zuge der Ertüchtigung der Landwehren nicht auszuschließen.11

Der Wahnenbusch

Der Wahnenbusch ist das größte Waldgebiet der Stadt Erkelenz und weist eine Fläche von 25 ha auf. Die Stadt Erkelenz liegt in der fruchtbaren Jülicher Börde, die Landschaft wird von Äckern geprägt. Nur 1,4 % der Fläche des Stadtgebietes sind bewaldet, der Anteil vom Wahnenbusch hieran beträgt 1 %. Der Wald ist Landschaftsschutzgebiet.

Der Begriff „Wahnenbusch“ tauchte erst nach 1800 auf. Vorher war immer die Rede vom „Wahlenberg“. Die Flurbezeichnung lässt mehrere Deutungen zu, entweder von „wal“ = Erdwall, oder von „Wald“ bzw. von „wahl“ für unfestes, sumpfiges Gelände.12

Der Wahnenbusch liegt an der Landstraße von Erkelenz nach Lövenich. Um den Wahnenbusch liegen im in einiger Entfernung die Dörfer Bellinghoven, Kückhoven, Lövenich und Tenholt. Letztere Ortschaft liegt – nur durch eine Eisenbahnlinie getrennt – direkt am Wald. Zu den Besonderheiten des Wahnenbuschs gehören die ehemaligen Flachsrösten. An verschiedenen Standorten sind diese Gruben zur Verarbeitung des Flachses anzutreffen. Sie stehen unter Denkmalschutz.13

© Archiv Heimatverein | Wahnenbusch

Um 1847 wurde eine bäuerliche Gastwirtschaft an der Landstraße nach Lövenich -gegenüber dem Erdwerk- angelegt. Sie bot den Fuhrleuten eine willkommene Rast, nachdem sie den Lövenicher Berg überwunden hatten. Dort befindet sich jetzt ein italienisches Restaurant.

© NL15-218 | Stadtarchiv Erkelenz | Gaststätte am Wahnenbusch
Gaststätte am Wahnenbusch
14
  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Landwehr
  2. Markus Westphal, a.a.O., Seite 18
  3. Markus Westphal, a.a.O., Seite 20
  4. Friedel Krings, a.a.O., Seite 63
  5. Friedel Krings, a.a.O., Seite 67/68
  6. Friedel Krings, a.a.O., Seite 66
  7. Friedel Krings, a.a.O., Seite 65
  8. Friedel Krings, a.a.O., Seite 65
  9. https://de.wikipedia.org/wiki/Landwehr
  10. HK 2014, a.a.O., Seite 29ff
  11. Markus Westphal, a.a.O., Seite 20 und 25
  12. Therese Frauenrath, Unterlagen im Stadtarchiv Erkelenz, NL-15-218
  13. https://de.wikipedia.org/wiki/Landwehr
  14. Text von Günther Merkens, 2026 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 8, Therese Frauenrath "Tenholt, ein Dorf im Erkelenzer Land"
  2. Kreis Heinsberg (Hrsg.), Heimatkalender des Kreises Heinsberg. 1977, Friedel Krings, "Die Kückhovener oder Kasterer Landwehr"
  3. Kreis Heinsberg (Hrsg.), Heimatkalender des Kreises Heinsberg. Heinsberg, 2014, Marcus Westphal, "Mittelalterliche Burgen, Motten und Erdwerke im Kreis Heinsberg"
  4. Kreis Heinsberg (Hrsg.), Heimatkalender des Kreises Heinsberg. Heinsberg, 2018, Marcus Westphal, "Neue Erkenntnisse zu den so genannten „Landwehren“ im Kreis Heinsberg", Teil II

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