Vor einhundert Jahren, im Jahre 1925, beschloss die Stadtverordnetenversammlung von Erkelenz den Bau einer neuen Volkschule, die dann am 31. Juli 1927 feierlich eingeweiht wurde. Dies ist insoweit geschichtlich bedeutsam, als es nach Jahrhunderten der erste Neubau einer Elementar- bzw. Volkschule war.
Die Schulpflicht wurde in Preußen im Jahre 1717 eingeführt. Bis dahin gab es keine Schulpflicht und Bildung gab es in der Regel nur für die Mittel-bzw. Oberschicht und erfolgte vielfach durch die Kirchen.
Ergänzende Erläuterungen zum Schulwesen in Erkelenz siehe Das Schulwesen in Erkelenz – Das Virtuelle Museum der verlorenen Heimat
Rückblick
Schulhaus am Markt
Die früheste Erwähnung einer Schule in Erkelenz ist von 1467. Über sie weiß man nur wenig mehr, als dass sie in der heutigen Schülergasse, die deshalb diesen Namen trägt, gelegen hat. Der Bau war ein schlichter Fachwerkbau im Eigentum der Stadt, der dann beim Stadtbrand 1540 zerstört wurde. 1549 wurde ein Neubau an gleicher Stelle geschaffen.1. Neben dieser „Volksschule“ ohne Schulzwang gab es noch die „Lateinschule“, die an der Nordseite der Kirche lag.
Wesentliche Verbesserungen der Schulsituation hatte es offensichtlich bis nach 1800 nicht gegeben. Zwar wurde im 18. Jahrhundert wahrscheinlich ein neues Schulhaus – andere Quellen sprechen von der Schaffung von Schulräumen in einem Haus am Markt2 – auf dem Markt gebaut (Maueranker zeigten die Jahreszahl 1734), aber der Zustand von Haus und Schule wurde im 19. Jahrhundert immer wieder als besonders schlecht bezeichnet.3
Das „Schulhaus“ am Markt wurde bei Inbetriebnahme der Gasthausschule im Jahre 1827 Spritzenhaus und Lehrerwohnung und dann im Jahre 1926 abgebrochen.
Gasthausschule
Der Schulbeauftragte der Regierung, der am 21. August 1822 zu einer Visitation in Erkelenz war, stellte u. a. fest, dass die Schulzimmer ganz ungeeignet seien und wies darauf hin, dass ein neues Schullokal erbaut werden müsse.4 Er unterstrich seine Forderung nochmals am 30. August 1822 und schlug vor, auf dem sog. Kommandantengarten ein neues Schullokal zu erbauen. Der Kommandantengarten lag an der Südpromenade, dort wo heute das Johannisstift ist und war der Exerzierplatz für das Landwehrkommando. Der Rat der Stadt Erkelenz sah dies vor allem aus Kostengründen jedoch anders und schlug stattdessen den Umbau der ehemaligen Gasthauskapelle zu einem Schulhaus vor.
Der Rat der Stadt beriet darüber, ob die ehemalige Gasthauskapelle zu einer Schule umgebaut werden sollte. Dieser Umbau geschah dann nach längerer Diskussion zwischen dem Rat einerseits und dem Regierungspräsidenten bzw. Landrat andererseits im Jahre 1827. In die ehemalige Gasthauskapelle wurde eine Zwischendecke eingezogen, welche die spätgotische Halle zerstörte und auch der Dachreiter wurde entfernt und die Stützpfeiler verschwanden. Im Gebäude entstanden zwei „Schulstuben“ und eine Lehrerwohnung.5
Erweiterung
Die Schülerzahlen betrugen im Jahr 1827 240 Kinder zwischen 5 – 12 Jahre und 40 Kinder zwischen 12 – 14 Jahre.
Im Jahre 1843 wurde eine dritte Schulklasse eingerichtet. Dazu hatte der „Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit“ der Stadtgemeinde
einen Raum in seinem Haus an der Westpromenade überlassen, in dem auch die Kleinkinderbewahranstalt untergebracht war. Für die Errrichtung des Schulraumes war ein Umbau erforderlich.6
Die Schülerzahl stieg weiter. Bis 1848 waren es 460 Kinder. Es wurde unumgänglich, eine vierte Klasse einzurichten. Dafür wurde 1848 die Lehrerwohnung in der ehemaligen Lateinschule, in der jetzt der Küster wohnte, zu einem Schulraum umgebaut.
Maarschule
Mehrfach wurde wieder der Gedanke eines Neubaus der Schule ins Spiel gebracht, so z. B. 1855 hinter der Kleinkinderverwahrschule in Richtung heutigem Franziskanerplatz. Endlose Diskussionen über Lage und Größe verhinderten zunächst den Bau. Schließlich wurde 1858 in einem Teil der ehemaligen Gendarmeriekaserne (bis zur Säkularisierung im Jahre 1802 Teil des Franziskanerklosters) eine Schule eingerichtet. Dazu brach man den Flügel zur Maar/Patersgasse ab und ersetze ihn durch einen zweistöckigen Nebau. Das Haupthaus blieb erhalten. Diese neue Schule hatte vier Schulräume. Die Durchführung des Baus dieser „Schule“, die später „Maarschule“ genannt wurde, war von heftigen Problemen begleitet. Dabei gab es am Ende Disziplinarstrafen für Landrat, Bürgermeister und Beigeordneten.7
In diesem Schulgebäude blieben die Mädchenklassen bis 1927, dann wurde es Berufsschule, vorübergehend nach dem 2. Weltkrieg auch Gymnasium. 1956/57 wurde die alte Schule abgebrochen und an dieser Stelle die Stadthalle gebaut.
Neben der neu errichteten „Maarschule“ blieb natürlich die Gasthausschule weiterhin in Betrieb.
Trennung Jungen und Mädchen
Ein neues Problem ergab sich, als im Jahre 1862 die Geschlechter getrennt und jeweils geschlechtsbezogene Klassen geschaffen wurden. Es entstanden zwei selbstständige Schulsysteme, die aus je 3 Klassen für die Knaben- und Mädchenschule bestanden. Die Mädchenschule wurde ab 1863 von drei Schulschwestern der Genossenschaft der Schwestern „Vom Armen Kinde Jesu“, die nach den Regeln des heiligen Augustinus lebten, geleitet. An Stelle der Schulschwestern kamen 1874 die ersten weltlichen Lehrerinnen.8
Während die Mädchen das neue Schulhaus an der Maar bezogen, blieben die Knaben in der Gasthausschule. Die dritte Klasse der Knabenschule – die Gasthausschule hatte ja nur zwei Schulräume – wurde in dem vierten Schulraum an der Maar untergebracht.
Da hohe Schülerzahlen in einer Klasse weiter völlig normal waren, genügten die vorhandenen Schulräume bis zum Jahre 1903.
Erst dann wurde eine 7. Schulklasse eingerichtet. Dazu wurden die beiden Säle der Gasthausschule geteilt, so dass vier Räume entstanden. Nach dem Umbau zog die Knabenklasse von der Maar- zur Gasthausschule um, so dass jetzt hier alle Jungen und in der Maarschule nur die Mädchen unterrichtet wurden.
Neubau der Volksschule
Anfang der 1920er Jahre wurde der Neubau der Volksschule diskutiert, da die vorhandenen Räumlichkeiten vom Raumbedarf, vom Zustand der Gebäude und auch von den nunmehr geltenden pädagogischen Grundsätzen her den Anforderungen nicht mehr genügten. Die Zeit nach dem 1. Weltkrieg und die schwierige Wirtschaftslage waren jedoch zunächst große Hindernisse. Erst nach Abzug der alliierten Besatzungstruppen im Januar 1926 war die Zeit für den Neubau gekommen. In der patriotischen Festsitzung der Stadtverordnetenversammlung am 01. Februar 1926 verkündigte Bürgermeister Spitzlei u. a., dass die Stadt als Geschenk an die Bürger eine neue Volkschule bauen werde.
Die Planung dieser Volkschule erfolgte durch den Stadtbaumeister Johannes Scholtes, der auch die Bauleitung hatte. Die Ausführung des Neubaus wurde ausschließlich durch Erkelenzer Unternehmer und Handwerker durchgeführt. Der Bau erfolgte in Ziegelbauweise, die notwendigen Ziegel wurden von den Erkelenzer Ziegeleien gebrannt.
Gebaut wurde die neue Schule an der damaligen Hospitalstraße – heute Zehnthofweg – auf dem ehemaligen Gelände des Gasthauses. Geschaffen wurde ein Bau für die Unterbringung von zwölf Klassen plus Nebenräumen und einer Hausmeisterwohnung im Tiefpaterre. Der Autor erinnert sich noch daran, dass im Tiefpaterre auch sog. Brausebäder vorhanden waren.
Am 31. Juli 1927 wurde die neue Volkschule im Beisein vieler Ehrengäste feierlich eingeweiht.
1944 wurden die Schulen in Erkelenz geschlossen, da die Bevölkerung evakuiert wurde. Bei einem Bombenangriff Anfang 1945 wurde das Schulgebäude beschädigt.
Der Schulbetrieb konnte nach Kriegsende 1945 in Erkelenz und den angrenzenden Ortschaften wegen der Gebäudeschäden teilweise nur provisorisch wieder aufgenommen werden. Die Kinder aus Erkelenz wurden in Nachbarorten – Bellinghoven, Matzerath, Oerath, Tenholt und Terheeg – unterrichtet. Schrittweise konnte bis 1950 der Unterricht in der Kernstadt wieder regelmäßig aufgenommen werden.
Heute wird das Gebäude der ehemaligen Volksschule von der Hauptschule genutzt, die gegenüber im ehemaligen Gebäude des Gymnasiums zu Hause ist.
9- Geschichte der Stadt Erkelenz, Seite 27
- Geschichte der Stadt Erkelenz, Seite 136
- Josef Lennartz, a.a.O. Seite 67
- Josef Lennartz, a.a.O. Seite 68
- Josef Lennartz, a.a.O. Seite 69 ff.
- Josef Lennartz, a.a.O. Seite 73
- Josef Lennartz, a.a.O. Seite 80 ff.
- Geschichte der Stadt Erkelenz, Seite 141
- Text von Günther Merkens 2026 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
- , Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 5, 1984. "Das Elementarschulwesen in Erkelenz" von Josef Lennartz
- , Geschichte der Stadt Erkelenz . Erkelenz, 1926, "Die Volksschule" von Rektor Bierbaum. Seite 136 ff
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