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Der Franziskanerplatz

Der heutige Franziskanerplatz ist schon seit dem Mittelalter bekannt. Jahrhundertelang war die Bezeichnung „Mahr“ oder „Maar“, hergeleitet von dem Wassertümpel auf dem Platz. Im Lauf der Zeit wurde der Platz mehrfach neu gestaltet, zur Zeit (2022) wieder einmal.

Geschichte der Maar

© Archiv Heimatverein | Josef Dressen nach alter Kastasterkarte | Karte Erkelenz 1819

Die Maar, die bereits im 14. Jahrhundert erwähnt wird, an der heutigen Aachener Straße gelegen, war ein stehendes Wasser von ca. 50 x 50 Metern an der Nordseite der Maarstraße und diente als Löschwasserreserve. Der Weiher, etwa 1 – 2 1/ 2 Meter tief, hatte, vom Regenwasser abgesehen, keinen natürlichen Zufluss. Früher gab es einen Verbindungsgraben entlang der Gasthausstraße zum Stadtgraben am heutigen Zehnthofweg.

Im Jahre 1834, so berichtet die Chronik, erfolgte eine Baumbepflanzung an der „Pferdetränke, Maar genannt, wie solches im Jahre vorher auf dem Marktplatz geschehen“. Die gleiche Quelle berichtet 1863 : ,,Die sogenannte Maar wurde bedeutend eingeengt und mit einem Zaun und einer Hecke umgeben.
Bis 1865 wurde die Maar vollends trockengelegt. Anlass war der Tod eines Reisenden, der am 21. März 1863 nachts den Weg verfehlte und in der Maar ertrank. Die Erkelenzer Zeitung berichtete allerdings auch von Zeugen , die den Toten am Vortag mehrmals am Weiher gesehen hatten, weshalb man auch einen Selbstmord für möglich hielt. Der durch die Trockenlegung entstandene freie Platz erhielt um 1900 eine gärtnerische Gestaltung.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Anlage zerstört und der Platz nach dem Krieg notdürftig befestigt. Er wurde dann u. a. für die Kirmes oder für Zirkusse genutzt.

© Archiv Heimatverein | Hermann Schwingens | Kirmes auf dem Franziskanerplatz, etwa 1950
Die Nutzung als Kirmesplatz Anfang der 1950ziger Jahre

Im Jahre 1956, mit dem Bau der Stadthalle, wurde auch der Franziskanerplatz neugestaltet. Neben Parkstreifen an den Rändern, wurde eine befestigte Fläche, eine Grünfläche und später der Franziskusbrunnen geschaffen.

Michael Franke: Franziskusbrunnen von Lothmann auf Sketchfab© Wolfgang Lothmann | Franziskusbrunnen

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Michael Franke: Franziskusbrunnen von Lothmann auf Sketchfab

In diesem Jahr (2022) wird der gesamte Platz neugestaltet. Blickfang soll ein Wasserspiel sein, das sich über den ganzen Platz ziehen wird und ihn insbesondere für Familien attraktiver machen soll.

Die unterschiedlichen Namen

Bereits 1395 wird die „Mahr/Maar“ erwähnt und der Platz trug diesen Namen. Das Ratsprotokoll vom 19. September 1898 berichtet nun über die Umbenennung der Maar und der Maarstraße: „Die Namen Mahr und Mahrstraße sollen, da der Pfuhl, welcher diesen Namen führte, vertilgt ist, als unschön und veraltet wegfallen . Der Mahrplatz soll Franziskanermarkt und die von hier aus nach auswärts führende Straße Aachener Straße benannt werden“.

Der Name des Platzes wurde im Jahre 1936 erneut geändert. Am 15. Juli kam der Stadtrat zu folgendem Beschluss: ,, ... Ratsherren sind damit einverstanden, daß der bisherige Franziskanermarkt fürderhin die Bezeichnung An der Maar führt. Die Bezeichnung wurde gewählt, weil auf dem Franziskanermarkt früher ein Wassertümpel (Maar) vorhanden war und der Platz auch heute noch vielfach Maarplatz genannt wird.“
Geschichtlich gesehen war die Bezeichnung Franziskanermarkt übrigens falsch. Einen Markt hatte es hier, abgesehen von gelegentlichen Pferdemärkten an der Tränke, nicht gegeben. Nach dem 2. Weltkrieg, als man ängstlich besorgt war, alles zu tilgen, was in der Zeit des Nationalsozialismus eingeführt wurde, nannte man den Platz wieder Franziskanermarkt. Damals waren die beiden anderen Plätze der Stadt (Markt und Johannismarkt) noch mit Schutt bzw. Baumaterial für den Kirchenbau blockiert. Aus diesem Grund fand das Kirmestreiben, wie schon geschrieben, einige Jahre auf dem notdürftig planierten Franziskanermarkt statt. Doch diese Bezeichnung konnte sich nicht mehr durchsetzen – zumal die Franziskanerkirche nicht mehr existierte. Seit 1955 hieß der Platz wieder „An der Maar“. Nach der kommunalen Neugliederung am 1.1.1972 mussten viele Straßennamen im neuen Stadtgebiet umbenannt werden, weil es, vor allem aus postalischen Gründen, keine Doppelbenennungen geben durfte. Den Namen „An der Maar“ gab es auch schon in Kückhoven. Die Erkelenzer Bezeichnung sollte geändert werden. Im Bezirksausschuss Erkelenz-Mitte standen „Franziskanerplatz“ (nicht Markt) und „Am Maartor“ zur Diskussion. Da das Tor nicht hier gestanden hat und der Bevölkerung nicht klar ist, welche Bedeutung die alten Lagebezeichnungen hatten, entschied sich die Mehrheit für „Franziskanerplatz“. Der Erkelenzer Stadtrat folgte dem Vorschlag in der Sitzung am 13.12.1973.

Die Bebauung

© Archiv Heimatverein | unbekannt | Die Maar, etwa 1870

Das Straßenbild war, trotz der relativ breiten Straße, ausgesprochen ländlich.
Bauernhäuser mit ihren Toreinfahrten standen mit kleinen Häuschen von Handwerkern und Tagelöhnern im bunten Wechsel.

Rechts ist der Kirchturm von St. Lambertus zu sehen. Anstatt der uns bekannten Kirchturmspitze, wies der Turm nach einem Brand zwischen 1860 und 1880 ein sogenanntes Notdach auf.

An der Maar entlang führte die Antoniuskirchstraße – vom Kapellchen an der Aachener Straße zur Franziskaner- bzw. Antoniuskirche. So nennt sie jedenfalls eine Sammlung verschiedener Erkelenzer Motive, die Josef Schuwirth 1890 gezeichnet darstellte.

Haus Spiess

© Wolfgang Lothmann | Haus Spiess Haupthaus

Am Ende der Straße ließ im Jahre 1806 Johann Joseph Spiess das Haus im Couvenstil, benannt nach dem Aachener Architekten Johann Joseph Couven (1701 – 1763), erbauen. Das gab dem Haus seinen späteren Namen. Spiess war ehemaliger Offizier der Leibwache des französischen Königs Ludwig XVI. Von Napoleon wurde er im Arrondissement Krefeld als Rentmeister und Domänenverwalter für die Kantone Erkelenz und Odenkirchen eingesetzt. Einzelheiten zum Haus Spiess lesen Sie bitte hier.

Franziskanerkloster und Antoniuskirche

© Bernd Finken | Heimatverein ERK | Franziskanerkirche-1934-vom-Lambertiturm-aus-gesehen15A.04.56-4

An der Nordseite des Platzes stand die St. Antonius-Kirche, die in Erkelenz „Paterskirche“ genannt wurde (nach dem dazugehörenden Franziskanerkloster). Sie stammte aus dem Jahre 1662 (Einweihung) und war in schlichtem Barock erbaut. Einzelheiten können Sie in dem Bericht „Das Franziskanerkloster“ lesen.

Im Februar 1945 wurde die Antoniuskirche völlig zerstört. Sie wurde nicht wieder aufgebaut. Ab Beginn der 1950er Jahre wurde an dieser Stelle das neue Gymnasium gebaut. Das vorherige an der Südpromenade wurde ebenfalls im Februar 1945 völlig zertört.

Heute ist das Gebäude ein Teil der Gemeinschaftshauptschule.

Ehemaliges Schulgebäude

Zwischen dieser Kirche und der Patersgasse stand das alte Schulgebäude. Es wurde 1858 an Stelle einer früheren Gendarmeriekaserne gebaut, deren Gebäude aber bis 1802 (Säkularisation) zur Klosteranlage gehört hatten. Von dem alten Gebäude blieb auch nach einem Umbau von 1862 ein rechts vorgebauter Flügel unverändert erhalten. In ihm befand sich seit 1907 die Schulleiter-Dienstwohnung und von 1920 – 1926 die Städt. Sparkasse. Bis 1927 waren auch die Mädchenklassen der Volksschule dort untergebracht. Später waren in dem Gebäude die Berufsschule und zeitweise auch das Lehrerseminar (Präparandie).

Nach dem 2. Weltkrieg begann am 21.5.1946 in der alten Schule, nach provisorischer Instandsetzung, das Gymnasium wieder mit dem Lehrbetrieb. Nach Bezug des neugebauten Gymansiums wurde das Gebäude bis 1956 von der Berufsschule genutzt.

Stadthalle

© Archiv Heimatverein | Bernhard Zabell | Stadthalle Erkelenz

1956 wurde das Schulgebäude wegen Baufälligkeit, aber auch um dem anstehenden Neubau der Stadthalle Platz zu machen, abgebrochen. Diese neue Stadthalle konnte am 7.9.1957 eröffnet werden.

unbekannt | Stadthalle Erkelenz

In den Jahre 2008/2009 wurde die Stadthalle fast vollständig abgerissen und neu aufgebaut.

Die Schmiede Wachtendonk

© Archiv Heimatverein | Wilhelm Schmitter | Schmiede Wachtendonk

Auf dem Maarplatz stand bis 1945 die Schmiede Wachtendonk als einziges Haus (gegenüber der Einmündung Koningsgasse) . Bis zur Trockenlegung der Maar stand das Haus unmittelbar am Weiher. Es soll ursprünglich das Brauhaus des Klosters gewesen sein und hatte zwei untereinanderliegende tiefe Gewölbekeller.

Bei den Arbeiten zur Neugestaltung des Platzes im Jahre 2022 wurden Grundmauern und Reste des Gewölbekellers gefunden.

Sonstige Gebäude

Auf der linken Seite (Westseite) stießen die Gebäude eines Bauernhofes direkt an die Maar, von dieser Seite war die Maar nicht zugänglich. In den 1950er Jahren wurden ein Wohn- und Geschäftshaus (an der Aachener Straße), ein Wohnhaus (an der Patersgasse) und dazwischen das ehemalige Telegrafenamt gebaut.

(Stand: 08.2022) [/fussnote].1

  1. Text von Günther Merkens 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande unter Benutzung des Berichtes von Josef Lennartz/Theo Görtz „Erkelenzer Straßen“, Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande, Band 3, Seite 23ff
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 3, 1982. Josef Lennartz, Theo Görtz: Erkelenzer Straßen. Materialien zu Namen und Geschichte.

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