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Ziegelherstellung im Erkelenzer Stadtgebiet

1450-1459 bis 2022

Jahrhundertelang wurden in Erkelenz und im Erkelenzer Land (z.B. in Wegberg, Wassenberg, Ratheim) Ziegelsteine hergestellt. Der vorhandene Ton/Lehm im Boden der Erkelenzer Börde begünstigte dies. Mitte der 1960er Jahre kam die Produktion fast ganz zum Erliegen, lediglich in Erkelenz produziert heute noch eine Ziegelei.

Grundsätzliches

Ursprünglich wurden Ziegel in Feldbrandziegeleien und in Schachtöfen gebrannt. Eine Feldbrandziegelei war ein vorindustrieller Betrieb zur Ziegelherstellung, wie er bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus üblich war. Die Feldbrandöfen bestanden so lange, bis das im Abbau befindliche Feld ausgeziegelt war oder der zu erstellende Bau fertig war.

Im Jahre 1859 erhielt der Baumeister Friedrich Eduard Hoffmann (1818–1900) in Preußen und Österreich ein Patent auf den Hoffmannschen Ringofen, das ihm die Rechte an der „Erfindung eines ringförmigen Ofens zum ununterbrochenen Brennen aller Arten von Ziegeln, Tonwaren, Kalk, Gips und dergleichen“ sicherte. Der Ringofen revolutionierte die Ziegelindustrie des 19. Jahrhunderts und ermöglichte eine vorher nie gekannte Steigerung der Ziegelproduktion. Es gibt runde, rechteckige und ovale Ringöfen.1

Ziegeleien im Erkelenzer Stadtgebiet

Die Anfänge

Über die Feldbrandziegeleien im Erkelenzer Land ist nicht viel bekannt. Wenn man aber bedenkt, dass z. B. die Burg und die Stadtmauer (14. Jahrhundert) und später der Lambertiturm (ab dem Jahre 1458) mit Ziegelsteinen gebaut wurden, so muss es in Erkelenz Feldbrandziegeleien gegeben haben. In einem Dokument aus dem Jahre 1549 wird als Sicherheit für eine Erbrente „ein Baumgarten bei dem Tiegelaven und anstoßend an der Tiegelgaet gelegen“ erwähnt.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | unbekannt | Ziegelweiher

Noch heute erinnert die Flurbezeichnung „Ziegelweiher“ und die Straßenbezeichnung „Ziegelgasse“ an die Ziegelherstellung in Erkelenz.

Hubert Rütten | Feldbrandziegelei bei Tenholt

Bekannt ist auch, dass in der Nähe von Bellinghoven um 1522 Mergelgruben genannt werden. Im Jahre 1823 wird in Tenholt (am Wahnenbusch) eine Feldbrandziegelei erwähnt. Hier sollen 1850 die Ziegelsteine für die drei Tenholter Bahnbrücken sowie 1863 die Ziegelsteine für die Tenholter Kapelle hergestellt worden sein.2

Leopold Gillrath betrieb 1867 einen Feldbrandofen in Venrath, um die Steine für den Bau der Kirche zu produzieren.

Vorher wird erwähnt, daß in Gerderath im Jahre 1851 von Franz Finken eine Dachziegelfabrik gebaut werden sollte, etwas später (zwischen 1856 und 1862) wird erwähnt, dass der Wegberger Bürgermeister Hubert Beckers in Gerderath Dachziegel produzierte.

Ringofenziegeleien

Über die erste Ringofenziegelei in Erkelenz wird im Jahre 1893 in einem Zeitungsbericht berichtet, leider ohne Namen. Dies wird wohl die Ziegelei von Peter Wilhelm Rütten in Oestrich (ab 1880 bis etwa 1910) gewesen sein. Die Grube befand sich gegenüber dem heutigen Ziegelweiher und wurde ab etwa 1920 als Müllkippe benutzt.

Die Ziegelei Wilhelm Heppener in Erkelenz, Wockerather Weg, bestand von 1900 bis 1935 und wurde ab 1935 von Erich Gottschalk, zunächst als Pächter, fortgeführt und existierte bis in die 1960er Jahre.

Wenig wissen wir über die Ziegelei von Johann Hermes, Erkelenz (1904). Wahrscheinlich war sie die Vorgängerziegelei von Wilhelm Gillrath in Erkelenz, Wockerather Weg, die ebenfalls ab 1904 genannt wird. Diese Ziegelei existiert heute noch und ist eine der letzten Ringöfen in Deutschland.

Bekannt ist auch die Ziegelei von Kerf in Erkelenz ab 1907. Diese wird ab 1914 von Kerf & Schmitz, in Erkelenz, Gerderather Landstraße (1914 bis 1933) weitergeführt. Im Jahre 1933 wird die Ziegelei von Wilhelm Pauen, Kamp-Lintfort, aus der Konkursmasse erworben und bis etwa 1964/65 betrieben.

Eine weitere Ziegelei war am Wockerather Weg -es waren drei insgesamt- wurde von 1912 bis 1935 von Marx & Wallrafen betrieben. Danach wurde sie zunächst vom Müller Liffers -Betreiber der Bellinghovener Mühle– und dann später von Theodor Lauten übernommen. Möglicherweise hat sie bis zum 2. Weltkrieg produziert.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | unbekannt | Erkelenz, Kaiserstraße und Blick nach Süden
Hier sind drei Ziegeleien erkennbar (etwa 1920), von links neben der Mühle: Wilhelm Heppener (ab 1935 Gottschalk), Marx & Wallrafen (ab 1935 Liffers/Lauten) und Gillrath. Der Schornstein links vom Wasserturm ist von der Kornbrennerei.
Dietmar Schmitz | Ziegeleien am Wockerather Weg
Die drei Ziegeleien am Wockerather Weg.
© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | unbekannt | Ziegelei WMarx & Wallrafen, später Lauten um 1910
Ziegelei Marx & Wallrafen, später Lauten, um 1910
Dietmar Schmitz | Erkelenz, Ziegelei Kerf & Schmitz im Hintergrund
Rechts oben die Ziegelei von Kerf & Schmitz an der Gerderather Landstraße. Gut erkennbar auch das Eckhaus an der heutigen Mühlen-/Anton-Heinen-Straße und die Rückseite des „Belgier-Blocks“ an der Glück-Auf-Straße (etwa im Jahre 2000 abgebrochen).

Ziegelei Gillrath

unbekannt | Luftbild Ziegelei Gillrath 2022

Als einzige der Erkelenzer Ziegeleien produziert heute noch die Ziegelei Gillrath am Wockerather Weg. Mit dem letzten produzierenden Ringofen in NRW bietet sie ein erfolgreiches Nischenprodukt im Bereich Klinker, Klinkerriemchen und weiteren Fassadenprodukten an. 3

  1. Quellen: Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Ziegelei und https://de.wikipedia.org/wiki/Hoffmannscher_Ringofen (Stand: 12.2022))
  2. So Therese Frauenrath in Band 8, Seite 191 der Schriftenreihe des Heimatvereins
  3. Text von Günther Merkens für den Heimatverein der Erkelenzer Lande, 2022, unter Verwendung der Recherchen von Dietmar Schmitz, Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V.
  1. Wikipedia, https://de.m.wikipedia.org. https://de.m.wikipedia.org, /wiki/Hoffmannscher_Ringofen und wiki/Ziegelei (Stand: 12.2022)

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