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Kirche Sankt Antonius Tenholt

Vorbemerkung

Die Kirche St. Antonius Tenholt steht mitten im Ort. Tenholt gehört zu der Stadt Erkelenz in Nordrhein-Westfalen und liegt etwa 3 Kilometer südlich des Stadtkerns. Die Geschichte der Kirche hängt mit der Bildung einer eigenen Pfarrgemeinde eng zusammen. Daher wird eine kurze Pfarrgeschichte vorangestellt.

Geschichte der Pfarrgemeinde

Bis 1901 gehörten die katholischen Christen in Tenholt als Kapellengemeinde zur Pfarre Sankt Lambertus Erkelenz. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Gemeinde ein selbstständiges Pfarrrektorat.1 Auch im 18. und 19. Jahrhundert hatte die Kapellengemeinde häufig versucht, eine größtmögliche Unabhängigkeit von der Muttergemeinde zu bekommen. So beantragten die Tenholter Christen bereits 1779 beim Roermonder Bischof, eine Sonntagsmesse in den Wintermonaten in Tenholt abhalten zu dürfen, damit alte Leute und kleine Kinder den beschwerlichen Weg nach Erkelenz nicht machen mussten. Diesem Antrag entsprach der Bischof 1790. Die Messen wurden von Stiftern bezahlt. Auch im 19. Jahrhundert bemühte sich die Gemeinde, möglichst einen eigenen Priester für die Gottesdienste zu verpflichten.2 Solche Bemühungen um Unabhängigkeit gipfelten schließlich im Jahre 1901 in der Bildung eines Pfarrrektorats.
Ab dem Jahre 2010 fusionierte die Gemeinde mit weiteren Pfarreien des Erkelenzer Umlandes zur Pfarrei „St. Maria und Elisabeth Erkelenz“, die 2015 mit der Pfarrei „St. Lambertus Erkelenz“ zur neuen Pfarrei „Christkönig Erkelenz“ zusammengelegt wurde.
Zu Ehren des Kirchenpatrons Sankt Antonius wird Mitte Januar in jedem Jahr eine Antoniusoktav begangen.

Geschichte der Kirche

Bereits im Jahre 1605 ist urkundlich die Existenz einer Kapelle in Tenholt belegt.3 Diese barocke Kapelle existierte bis zur 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie war zu diesem Zeitpunkt so baufällig, dass sie ersetzt werden musste. Am 8. Dezember 1861 fasste die Dorfversammlung den Beschluss, eine neue Kapelle zu bauen. In einem neu gegründeten Kapellenbauverein wurden die Überlegungen dazu konkretisiert. Nach den Plänen des Kölner Architekten Heinrich Nagelschmidt wurde ab 1863 unter Bauleitung von Tenholter Bewohnern eine neue neugotische Kapelle gebaut. Am 7. Dezember 1863 konnte diese bereits eingeweiht werden. Die neue Kirche ist als Saalkirche konzipiert. Sie wurde nach dem 2. Weltkrieg zu klein, so dass 1957/58 an der Südwand ein Seitenschiff angebaut wurde. Bei dieser Baumaßnahme erhielt die Kirche auch eine Sakristei an der Nordseite des Chorjoches. Die Pläne zu dieser Anbaumaßnahme lieferte der Erkelenzer Architekt Josef Viethen.

Bau

© Pfarrarchiv Erkelenz | unbekannt | Grundrisse alt und neu
Grundriss der ursprünglichen und erweiterten Kirche

Die Kirche liegt nahezu in West-Ost-Richtung. Der Chor mit dem Altar befindet sich im Osten. Das Bauwerk besteht aus Ziegelsteinen. Es wird durch ein Satteldach bedeckt, das im Chorbereich abgewalmt ist. Im Westteil steht über dem ersten Joch auf dem Dachfirst ein Dachreiter mit quadratischem Grundriss. Er ist um 90 Grad zur Längsachse des Gebäudes verdreht. Ein verschieferter Helm bekrönt den Dachreiter.
Das Kirchenschiff besteht aus einem dreijochigen Saal mit Kreuzgewölbe und einem fünfseitigen Chor in der Breite des Langhauses mit einem Sterngewölbe. Drei Betonpfeiler tragen Stahlbetonbögen als Öffnung zum Seitenschiff im Süden. Die Wand des Seitenschiffes hat ein Oberlichtband und besitzt eine Holzdecke.
Die Westseite enthält über dem Eingangsportal eine Statue des Heiligen Antonius, die auf einem Podest steht. An der Nordaußenwand steht seit 1968 ein bereits 1921 eingeweihtes Ehrendenkmal.

Die Statue stammt aus dem Jahre 1951. Diese Figur ersetzte eine bereits 1863 dort eingesetzte Antoniusfigur. Sie besteht aus Terrakotta und hat eine Höhe von 1,15 m. Die Figur trägt den Antoniusstab und zu ihren Füßen befindet sich ein Schwein, was auf seine Funktion als Schutzpatron für Schweine hinweist. Das Dach über der Figur ist als Baldachin gestaltet und war ursprünglich dreiteilig. Die Kreuzblume als Abschluss fiel allerdings 1993 herunter und wurde nicht mehr erneuert.4

Das 3 m hohe und 0,76 m breite Kalksandstein-Ehrenmal an der Nordseite der Kirche besteht aus drei Teilen. Auf einem Sockel steht ein hochrechteckiger Inschriftblock, darüber ein Steinblock mit Kreuz und Korpus. Der Korpus zeigt die Züge des bereits wieder auferstandenen Christus. Die Vierung des Kreuzes enthält einen Eierkranz. Neben den Beinen des Gekreuzigten stehen die griechischen Buchstaben Alpha und Omega.

Der Inschriftblock enthält eine Marmortafel mit den Namen der Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges. Über der Marmortafel steht die Inschrift: „ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN“

Das Ehrenmal wurde von Prälat Prill aus Essen entworfen und von Ludwig und Laumen aus Erkelenz gefertigt. Es trägt Merkmale des Jugendstils. Es stand ursprünglich frei auf dem Kirchengelände und wurde 1968 an die Kirchenwand gesetzt.5

Innenraum

Im Innenraum fällt auf, dass ältere und moderne Kunstwerke ein harmonisches Gesamtbild ergeben. Zu den modernen Werken gehören der Zelebrationsaltar mit Ambo und Tabernakel aus dem Jahre 1981 und die Statue des Heiligen Antonius von Peter Haak über dem Seitenaltar aus dem Jahre 1959. Im Seitenschiff steht ein Taufstein, der vom Bildhauer Derichs in Baal 1914 geschaffen wurde. Das Hochkreuz stammt noch aus der alten Kapelle.

Die Statue besteht aus Holz. Sie zeigt den asketischen Mönch, der die rechte Hand mahnend und segnend hebt. Mit seiner linken Hand hält er einen Stab mit dem Antoniterkreuz und Glöckchen fest.6

Fenster

Durch den Anbau eines Seitenschiffs an der Südseite der Kirche mussten auch an dieser Seite neue Fenster eingebaut werden. Diese Fenster gestaltete der aus Düren stammende Glasmaler  Hermann Gottfried im Jahre 1959. Sie zeigen von West nach Ost Stationen des Kreuzweges (zwei Fenster) und Kreuzigung und Auferstehung.

Die übrigen Fester stammen, absehen von dem Fenster hinter dem Hochaltar im Chor und dem Fenster am Aufgang zur Empore, von Maria Katzgrau aus Aachen. Sie schuf sie zwischen 1946 und 1948. Das Fenster hinter dem Hochaltar zeigt Sankt Antonius Abbas und stammt von Monika Rütten. Es ersetzte 1986 das vorhandene Fenster. Will Völker aus Lövenich schuf 1963 das Rundfenster an der Westwand hinter dem Emporenaufgang. Es symbolisiert die Ehe.7

Orgel

© Kreisarchiv Heinsberg | unbekannt | Orgel um 1980

Die Beschaffung der ersten Orgel geht auf die Bestrebungen des Pastors Lautenschläger zurück. Die Orgelbauwerkstätte Romanus Seifert aus Kevelaer baute 1966 eine einmanualige Orgel mit Pedal ein. Sie enthält 393 Pfeifen, davon 81 aus Holz, die über 5 Register zu bedienen sind. Dabei sind alle Manualregister in eine Bass- und Diskanthälfte geteilt.8

Orgel um 1980

Glocken

Bereits vor dem 1. Weltkrieg besaß die Kirche schon zwei Glocken, wovon die älteste aus der Vorgängerkapelle stammte und 1679 gegossen wurde. Die jüngere und größere der beiden Glocken wurde im 1. Weltkrieg eingeschmolzen und nach dem Krieg ersetzt. Im 2. Weltkrieg wurde auch diese Glocke wieder herausgenommen, aber nicht eingeschmolzen. Sie konnte nach dem Krieg, wenn auch beschädigt, wieder zurückgeholt werden. 1952 musste sie durch eine neue Glocke ersetzt werden.
Die Glocken haben folgende Inschrift:
Johannisglocke: St. Johannes Bap. O(ra)P(ro)N(obis) 1952
Antoniusglocke: S.Antonius im Holsz 16799

Nr.NameDurchmesserMasseSchlagtonGlockengießerJahr
1Johannes430 mm46 kgbFa. Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher1952
2Antonius350 mm28 kges“‘unbekannt1679
10
  1. siehe Paul Blaesen, a. a. O., Seite 212
  2. siehe Frauenrath, a. a. O., Seite 219
  3. siehe Therese Frauenrath, a. a. O., Seite 217
  4. siehe Paul Blaesen, a. a. O., Seite 214 f.
  5. siehe Paul Blaesen, a. a. O., Seite 218
  6. siehe Paul Blaesen, a. a. O., Seite 215
  7. Beschreibung der Fenster siehe http://www.glasmalerei-ev.de/pages/b2694/b2694.shtml
  8. siehe Hans Hilberath, a. a. O., Seite 150 f.
  9. Siehe Hans Hilberath, a. a. O., Seite 92
  10. Text von Wolfgang Lothmann 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Limburg, Käthe und Bernd, Sakrales in der Stadt Erkelenz. http://www.limburg-bernd.de/Kirchen%20und%20Kapellen%20im%20Kreis%20Heinsberg/, Tenholt Kirche St. Antonius.htm (Stand: 02.2022)
  2. Wikipedia, https://de.m.wikipedia.org. https://de.m.wikipedia.org, /wiki/St.Antonius(Tenholt) (Stand: 02.2022)
  3. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 8. 1988. Therese Frauenrath: Tenholt - ein Dorf im Erkelenzer Land
  4. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 17. 1998. Paul Blaesen: Zeichen am Wege. Dokumentation christlicher Kleindenkmäler in der Stadt Erkelenz
  5. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 7. 1985. Hans Hilberath: Glocken und Orgeln des Stadtgebietes Erkelenz. Geschichte und Bestand
  6. Pfarrgemeinde Christkönig Erkelenz (Hrsg.), https://christkoenig-erkelenz.de. gemeinden-einrichtungen/gemeinden/st.-antonius-tenholt/
  7. Dr. Dipl.-Ing. Annette Jansen-Winkeln (inh. Verantwortliche), Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V.. http://www.glasmalerei-ev.net, /pages/b2694/b2694.shtml

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