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Stolpersteine in Erkelenz

Vorbemerkung

In diesem Artikel werden die Stolpersteine, die in der Stadt Erkelenz gelegt wurden, näher beschrieben. Der Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. hat dazu einen eigenen Flyer entworfen. Die Beschreibungen der einzelnen Stndorte wurden aus diesem Flyer entnommen. In der Karte unten kann man die roten Punkte anklicken und gelangt dadurch zu der jeweiligen Beschreibung.

Burgstraße 12 Johannismarkt 4 Johannismarkt 1 Kölner Straße 4 Kölner Straße 47 Aachener Straße 4 Aachener Straße 22 Aachener Straße 30 Suedpromenade 31 Wilhelmstraße 18

Quelle: Flyer des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e. V. „Stolpersteine in Erkelenz. Eine Initiative der Gemeinschaftshauptschule Erkelenz

Geschichte der Stolpersteine

Der Künstler Gunter Demnig begann im Jahre 1992 das Projekt „Stolpersteine“. Am 50. Jahrestag des Befehls Heinrich Himmlers zur Deportation der „Zigeuner“ verlegte er am 16. Dezember 1992 zum ersten Mal einen mit einer Messingplatte versehenen und beschrifteten Stein vor dem historischen Kölner Rathaus in das Pflaster. Auf dem Stein sind die Anfangszeilen des Erlasses zu lesen, und im Hohlkörper des Steines war der gesamte Text enthalten.1

© Wolfgang Lothmann | Hauptschule Erkelenz 2025
Gemeinschaftshauptschule Erkelenz

Die Gemeinschaftshauptschule Erkelenz widmet sich in vielfältiger Weise dem Thema Judentum. So pflegen die Schülerinnen und Schüler den jüdischen Friedhof an der Neusser Straße. Im Jahre 2000 beschäftigte sich ein Schulprojekt mit dem Thema „Wir wollen wissen“. Darin erforschten die Schülerinnen und Schüler die Lebenswege der Erkelenzer Juden. Das Ergebnis wurde in einer Ausstellung u. a. auch bei der Bezirksregierung Köln präsentiert. Dort lernten sie den Künstler Gunter Demnig kennen und die Idee der Stolpersteine in Erkelenz war geboren. Die ersten Steine verlegte er mit den Schülerinnen und Schülern 2002. Weitere folgten in den Jahren 2011 und 2014. Nun erinnern in Erkelenz 35 Stolpersteine vor 10 Wohnhäusern an die Schicksale der Juden im Dritten Reich.2

Beschreibung der Stolpersteine

Aachener Straße 5

© Hubert Rütten | Stolpersteine Moll

Die Stolpersteine wurden 2011 errichtet.

Die verwitwete Juliane Moll, geb. Harf, betrieb mit ihrem Sohn Hans ein kleines Textilgeschäft. Hans hatte das Erkelenzer Progymnasium besucht und dort 1919 das »Einjährige« bestanden. Später heiratete er Henriette Oss aus Heiligenhaus. Die Familie Moll wurde 1941 in das »Judenhaus«, den »Spiess-Hof« in Hetzerath, eingewiesen. 1942 wurden sie getrennt. Juliane Moll wurde zunächst in das Jülicher »Judenhaus« in Kirchberg überstellt und schließlich nach Theresienstadt deportiert und ermordet. Sohn und Schwiegertochter wurden in das Transitghetto Izbica bei Lublin verschleppt. Von dort wurden die Menschen in die nahe gelegenen Vernichtungslager Belzec und Sobibor deportiert und vergast.

Aachener Straße 22

Die Stolpersteine wurden 2014 errichtet.

© Hubert Rütten | Stolpersteine Leopold und Selma Harf

Leopold Harf betrieb gemeinsam mit seinem Bruder, Südpromenade 31, ein Viehhandelsgeschäft. Ihre Schwester war Juliane Moll. Leopold Harf war im 1. Weltkrieg Frontsoldat. Er heiratete Selma Hesse aus Meschede. Ihren zwei Söhnen, Arthur und Ludwig, gelang die Flucht in die Vereinigten Staaten bzw. nach Kolumbien. Leopold Harf engagierte sich im Vorstand der jüdischen Gemeinde. Das Ehepaar musste 1941 in das »Judenhaus« in Hetzerath einziehen, 1942 wurden sie in das »Judenhaus« in Jülich-Kirchberg überstellt. Von hier wurden sie nach Theresienstadt deportiert, wo Leopold Harf starb. Seine Ehefrau wurde nach Auschwitz deportiert und ermordet. Sohn Arthur soll unter den amerikanischen Soldaten gewesen sein, die am 26. Februar 1945 Erkelenz eroberten.

Aachener Straße 30

© Hubert Rütten | Stolpersteine-Metzger

Die Stolpersteine wurden 2014 errichtet.

Emil Metzger aus Schwetzingen heiratete 1919 die Kriegerwitwe Lisette Sassen, geb. Kleeberg. Sie betrieb die von ihrem Mann Josef Sasssen gegründete Handlung für Häute, Felle und Därme. Emil Metzger erweiterte sie mit einem Geschäft für Metzgereibedarf. Um 1932 war er Vorsitzender der Erkelenzer Synagogengemeinde. In seinem Haus lebten auch seine zwei Schwestern Clementine und Jenny. Schon 1933 mussten die vier in die Niederlande flüchten. 1941 – wenige Tage, nachdem die Wehrmacht das Nachbarland überfallen hatte – wählten Emil und Clementine den Freitod. Lisette und Jenny wurden über das Lager Westerbork nach Ausschwitz deportiert und ermordet.

Burgstraße 12

Die Stolpersteine wurden 2011 errichtet.

© Hubert Rütten | Stolpersteine Hirsch Marcus

Karolina Hirsch und Ernestine Marcus waren die Töchter des Getreidehändlers Moses Strauß. Sie wuchsen im Haus Burgstraße 12 auf. Karoline Strauß heiratete 1924 Karl Hoffmann aus Neuenkirchen bei Rheine. Ihr Mann verstarb 1937 in Frankfurt am Main. Die Witwe heiratete 1941 in Köln Hugo
Hirsch aus Trier. Beide wurden 1941 nach Lodz deportiert. 1944 wurde Karoline in Kulmhof ermordet. Das Schicksal ihres Mannes ist nicht bekannt. Ernestine heiratete Simon Marcus aus Frankfurt am Main. Sie wurden gleichfalls 1941 nach Lodz deportiert, wo sich die Schwestern begegneten. Das Ehepaar Marcus wurde in Kulmhof ermordet.

Johannismarkt 1

Die Stolpersteine wurden 2011 errichtet.

© Hubert Rütten | Stolpersteine Siekmeyer

Dort existierte ab 1900 das »Textilgeschäft Albert Leyens«, seit 1920 »Geschwister Kaufmann«. Die Witwe Helene Leyens, geb. Mendel, aus Grambusch zog um 1933 zu ihrem Schwager Albert Leyens und dessen Ehefrau Klara, geb. Levy. Das Ehepaar zog 1938 nach Rheydt, wo Albert 1941 verstarb. Klara wurde 1942 nach Theresienstadt und 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Am 11. November 1938 verlegte Helene ihren Wohnsitz nach Köln. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet. Sibilla Katz, geb. Kaufmann, heiratete 1922 Berthold Katz aus Kall bei Schleiden. Das Paar hatte zwei Kinder, Heinz und Hans-Günther. 1938 zog die Familie nach Aachen. 1942 wurden Berthold und Heinz nach Izbica deportiert und ermordet. Sibilla und Hans-Günther sind verschollen.

Johannismarkt 4

Die Stolpersteine wurden 2011 errichtet.

© Hubert Rütten | Stolpersteine Hes

Der verwitwete Max Hes aus Papenburg heiratete 1912 Friederike Kaufmann, eine Schwester von Sibilla. Aus erster Ehe stammt Sohn Joseph. Das Ehepaar bekam zwei Kinder, Cilly und Walter. 1929 zog die Familie nach Erkelenz, die Eltern verstarben vor 1933. Joseph Hes zog 1935 nach Aurich, er floh nach Brüssel und später nach Frankreich. 1942 wurde er in Auschwitz ermordet. Seine Schwester Cilly zog 1938 nach Aachen. Sie ist verschollen. Als einziger der Geschwister überlebte Walter, der nach New York entkam.

Kölner Straße 4

Die Stolpersteine wurden 2011 errichtet.

© Hubert Rütten | Stolpersteine Weinberg

Familie Weinberg besaß das größte Kaufhaus der Stadt, gegründet 1856 von Anselm Weyl, dem Großvater von Ernst Weinberg. Letzterer war mit Johanna, geb. Rosenberg, aus Ahlen verheiratet. Das Ehepaar hatte drei Söhne. 1924 und 1929 wurde der Kaufmann in den Stadtrat gewählt, er war auch im Vorstand der jüdischen Gemeinde. 1937 zog die Familie nach Köln. Die Söhne besuchten zuletzt die Jawne, das einzige jüdische Gymnasium im Rheinland. Ihnen gelang mit Hilfe dieser Schule die Flucht nach England. Die Eltern wurden 1941 nach Lodz deportiert. Am 12. Mai 1942 wurden sie in das Vernichtungslager Kulmhof verschleppt und ermordet.

Kölner Straße 46

Die Stolpersteine wurden als erste Stolpersteine der Stadt 2002 errichtet.

© Hubert Rütten | Stolpersteine Strauss

Ernst Strauß, Neffe von Moses Strauß, betrieb an der Neusser Straße einen Landhandel. Er war mit Thea Dalberg aus Niedermarsberg verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder, Helmut und Hannelore. 1940 wurde das Haus zu einem »Judenhaus«. Fast alle in Erkelenz verbliebenen Juden mussten dort einziehen. April 1941 wurde die Familie Strauß gezwungen, in das »Judenhaus« (Spiess-Hof) zu ziehen. Am 22. März 1942 wurden sie in das Transitghetto Izbica deportiert und in einem Vernichtungslager ermordet. An die Errichtung dieser Stolpersteine erinnert ein eigener Artikel.

Südpromenade 31

Die Stolpersteine wurden 2014 errichtet.

© Hubert Rütten | Stolpersteine Alfed und Heinrich Harf

Alfred und Heinrich waren Söhne von dem Viehhändler Siegmund Harf und Emma Horn. Siegmund war 1919 als erster Jude in den Stadtrat gewählt worden. Er starb 1928. Der Kaufmann Alfred Harf musste im Hetzerather »Judenhaus« eine Wohnung beziehen. Am 22. März 1942 wurde er nach Izbica deportiert. Wenige Tage später, am 3. April 1942, wurde er in dem nahegelegenen Konzentrationslager Majdanek ermordet. Sein Bruder Heinrich Harf wurde 1939 in Hamburg unter dem Vorwurf der »Homosexualität« zeitweilig verhaftet. Er floh nach Belgien. Dort wurde er während der Besatzung im 2. Weltkrieg verhaftet und in das Polizeihaftlager Breendonk südlich von Antwerpen eingewiesen. Dort starb er 1941.

Wilhelmstraße 18

Die Stolpersteine wurden 2011 errichtet.

© Hubert Rütten | Stolpersteine Rubens Leyens

Das Haus gehörte dem Viehhändler Adolf Rubens. Vor 1945 war er zweimal verheiratet. Seine erste Frau starb 1932. Seine neun Kinder stammen alle aus dieser Ehe, vier von ihnen wurden ermordet. Adolf zog 1939 mit seiner zweiten Frau Mathilde, geb. Hertzmann, nach Krefeld und 1941 nach Elberfeld. 1942 wurden beide nach Theresienstadt deportiert. Seine Frau wurde 1944 in Theresienstadt ermordet. Er überlebte und kehrte nach Erkelenz zurück. Sohn Alfred, ebenfalls Viehhändler, zog nach Gerderhahn und heiratete Friederike, geb. Wolf. 1934 wurde er von Antisemiten aus einem Nachbardorf so schwer geschlagen, dass er drei Monate später verstarb. Sohn Max führte das Geschäft fort. Er war mit Henriette, geb. Herzberger, aus Krefeld verheiratet. Um 1938/39 zog das Ehepaar nach Krefeld. 1941 wurden sie nach Lodz deportiert und in Kulmhof ermordet. Tochter Grete verheiratete sich mit Max Rosenstein aus Warburg. Sie wurde in Auschwitz ermordet. Tochter Johanna war mit Leo Lowitz verehelicht. Sie wohnten in Wilhelmshaven und zuletzt in Berlin. Von dort wurden sie 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Als Mieter wohnten hier auch der Viehhändler Leo Leyens mit Ehefrau Erna, geb. Gerson, Tochter Hannelore und Sohn Gerd. Leo Leyens war der Neffe von Adolf Rubens erster Frau. Das Ehepaar wurde 1941 in den Spiess-Hof eingewiesen und 1942 nach Izbica deportiert und ermordet. Die Kinder konnten 1939 mit einem Kindertransport nach England entkommen.3

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Stolpersteine (Stand: 12.05.2026)
  2. siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Erkelenz (Stand: 12.05.2026
  3. Text von Wolfgang Lothmann 2026 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. Die Beschreibung der einzelnen Stationen wurde aus dem Flyer „Stolpersteine Erkelenz. Eine Initiative der Gemeinschaftshauptschule Erkelenz“ übernommen, der von Hubert Rütten redaktionell gestaltet wurde. Die Bilder der Stolpersteine stammen ebenfalls von Hubert Rütten. Sie wurden für den Text zugeschnitten.
  1. Wikipedia, Wikipedia Deutsch. https://de.m.wikipedia.org/, /wiki/Stolpersteine und /wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Erkelenz (Stand: 12.05.2026)
  2. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Flyer. Erkelenz, Stolpersteine in Erkelenz. Eine Initiative der Gemeinschaftshauptschule Erkelenz

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