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Hetzerather Hof

Allgemeines

Der Hetzerather Hof oder auch Spiesshof ist einer der ältesten Höfe in Erkelenz-Hetzerath. Ein besonders unrühmliches Kapitel in seiner Geschichte tat sich zur Herrschaft der Nationalsozialisten auf. Sie zwangen alle jüdischen Bürger des Kreises Erkelenz, hier ghettohaft ein Jahr lang zu leben, bevor sie deportiert wurden.

Geschichte

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | unbekannt | Hetzerather Hof 1894
Hetzerather Hof 1894

Urkundlich erwähnt wird der Hetzerather Hof im Zusammenhang mit dem Kreuzherrenkloster Hohenbusch. Es erwarb im Jahre 1454 von der Abtei Klosterath die Nutzungsrechte an der „Villa Hetzerath“. Der Hof muss also zu dem Zeitpunkt bereits bestanden haben. Im Jahre 1517 kaufte das Kreuzherrenkloster den Hof und ließ ihn in der Folgezeit von Pächtern bewirtschaften. Nach der Auflösung des Klosters Hohenbusch 1802 wurde der Hof mit 75 Morgen Land Alexandre Berthier zugesprochen. Dieser verkaufte ihn 1812 an Gottfried Küppers aus Baal. Neben dem Gebäude gingen auch 90 Morgen Land an den neuen Eigentümer. Durch Erbteilungen ging das Anwesen 1845 an die Familie Spiess. Bis 1959 blieb er im Besitz der Familie. Daher erhielt der Hof auch den Namen Spiesshof.

Bis in die 1920er Jahre wurde der Hof bewirtschaftet, in den 1930er Jahren wurde nur noch das Land verpachtet. Die letzte Besitzerin, Anna Spiess, hielt den Hof aber nach wie vor in einem guten Zustand. Nach ihrem Tod benutzte man das herrschaftliche Haus seitens der Nationalsozialistischen Partei zunächst für militärische Zwecke. Ab 1939 belegten zuerst Eisenbahnpioniere, dann eine bayrische Soldatenabteilung die Räume des Gebäudes. Nach Abzug des Militärs wurde das Haus vermutlich schon als Ghetto umgebaut. Im März 1941 veranlasste die Geheime Staatspolizei, dass alle Juden des Kreises Erkelenz in den Spiesshof ziehen mussten. Es handelte sich um 28 jüdische Mitbürger*innen, die unter unwürdigen Zuständen ab April 1941 hier ein Jahr lang leben mussten. Am 22. März 1942 wurden 25 Juden nach Izbica (Polen) und am 31. März 1942 drei Juden nach Theresienstadt deportiert. Keiner der Deportierten überlebte die Vernichtungslager.

© Rudolf Recker-Proprenter | Hetzerath Spiesshof
Hetzerather Hof 2021

Nach dem Kriege war der Hof bis in die 1960er Jahre noch bewohnt. Er wurde aber weiterhin nicht bewirtschaftet. In den 1970er Jahren verpassten die damaligen Besitzer dem Hof eine neue, moderne Fassade. Er wird aber seither nicht mehr als Wohnhaus benutzt. Die Räume stehen leer. Der Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. errichtete im Jahre 2010 eine Gedenktafel vor dem Haus, das den Hof als 5. Station der Route gegen das Vergessen1 führt.2

  1. siehe Route gegen das Vergessen, a. a. O., Seite 9
  2. Text von Wolfgang Lothmann 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande. e. V.
  1. Heinz Peters u. a., Hetzerath: Gesang eines Dorfes. Erkelenz-Hetzerath, 2018
  2. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 6, 1985. Darin: Matthias Siemes: Wer war Luis Alexander Berthier, Besitzer des Hetzerather Hofes (Spiess-Hof) von 1802 - 1812?. Seite 27 bis 32
  3. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Route gegen das Vergessen. Erkelenz erinnert sich. Erkelenz, 3. Auflage 2022

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