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Das Kreuzherrenkloster Haus Hohenbusch

Lage 

Das Kloster Haus Hohenbusch liegt an der Straße zwischen Matzerath und Hetzerath südlich der Autobahn A46. Es wird von einer hohen Mauer umfasst. Die Anlage ist trotz des Abrisses der Kirche und  zweier Wohngebäude noch immer imposant. Das ehemalige Kloster befindet sich heute im Besitz der Stadt Erkelenz. Diese hat ab 1985 bis 2001 insgesamt 3,6 Millionen DM in die Renovierung investiert, davon wurde eine Million vom Land Nordrhein-Westfalen refinanziert. Ein Förderverein betreut seit dem Jahr 2000 die Anlage.

© R.R.P. | R. Recker-Proprenter | Kreuzherrenkloster
Herrenhaus und Klostercafé, Gartenansicht

Geschichte

Die Klosteranlage wurde 1302 gegründet. Der Orden der Kreuzbrüder, später Kreuzherren, geht auf seinen Gründer Theodor von Celles, Kanonikus von Lüttich, zurück.  Im Laufe von 500 Jahren entwickelte sich das Kloster zu einer Ausbildungsstätte des geistlichen Nachwuchses. Die Novizen wurden in theologischen, geistes- und naturwissenschaftlichen Fächern unterrichtet. In den letzten 200 Jahren seines Bestehens war Hohenbusch eines der bedeutendsten Kreuzherrenklöster am Niederrhein. Es leistete Hervorragendes in der Erziehung des Ordensnachwuchses. Aus seinen Reihen ging eine Anzahl großer Prioren und Ordensgeneräle hervor. Durch den angehäuften Reichtum des Klosters konnte auch den Menschen in den umliegenden Dörfern in der Not geholfen werden (bei Haus-, Orts- und Stadtbränden, kriegerischen Zerstörungen). In einem Dokument vom 19. Juni 1533 der Schöffen und Kirchenmeister von Doveren steht geschrieben: “Die Kreuzherren sind wohlhabend und leiden keine Not. Sie geben gerne den Armen und helfen auch sonst jedem gerne mit ihrem Reichtum.“ Ihr Wissen und ihre Erfahrungen in der Landwirtschaft gaben sie an die Bevölkerung weiter. Der Kreuzherrenorden prägte bis zur Säkularisierung das Leben in der Umgebung von Erkelenz. 

Baugeschichte

Aus der Gründungszeit sind keine Bautätigkeiten überliefert. Größere Baumaßnahmen sind erst im 16. Jahrhundert nachweisbar. Einige heute noch existierende Gebäude stammen aus dieser Zeit. In zwei Bauphasen wurden die Umfassungsmauern des Klosterkomplexes gebaut. Es hat bereits vor der Klostergründung auf dem Landgut eine Kapelle gegeben. Sie war dem hl. Laurentius geweiht. Wo diese stand, ist nicht bekannt. Vor den wuchtigen Klostermauern schützte ein angelegter Wassergraben das Kloster vor Überfällen. Zwischen 1632 und 1634 ließ der damalige Prior Leonhard Campius eine neue einschiffige Klosterkirche bauen. Der Barockbau hatte eine Länge von 30 Metern und war 8 Meter breit. Von der Anlage des eigentlichen Klosters ist nur noch der Hauptflügel, das sogenannte Herrenhaus, erhalten. Der Kern stammt aus dem 15. und 16. Jahrhundert, wurde jedoch im Laufe der Jahrhunderte mehrmals verändert. Von dem umschlossenen Innenhof mit Kreuzgang ist nichts erhalten geblieben. Die Kreuzherren betreuten und pflegten auch kranke Menschen. Erst im Jahr 2017 wurde im Landesarchiv in Duisburg ein Plan aus der Zeit um 1850 entdeckt, welcher den Standort und das Aussehen des Hospitals anzeigt. Der heute noch erhaltene imposante Wirtschaftshof besteht aus dem Südflügel. Dieser beherbergt die Zehntscheune, den Westflügel mit dem Hoftor und das auf dem Giebel rekonstruierte Wappen des Klosters, sowie den Ostflügel. Inmitten des Wirtschaftshofes wurde im Jahre 1707 ein Laienbrüderhaus  errichtet. 

© Von public display/Schautafel, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1427613 | Hohenbusch_cw
Das Kreuzherrenkloster Hohenbusch im Codex Welser, 1720

Die erhaltenen Chronogramme vermitteln uns auch das Jahr, in dem sie errichtet wurden. Der Mittelbau trägt an der Ostseite und an der Giebelwand Nordseite die Inschriften: 

Im Tor des Westflügels und im Giebel des Südflügels sind die Chronogramme:

Weiterhin verfügte das Kloster bis 1802 über ein eigenes Backhaus, eine Brauerei mit Brunnen, eine Wäscherei und einen Kräutergarten.

Auflösung des Klosters

1802 wurde das Kloster vom französischen Staat enteignet. In der ersten Seite des Aufhebungsprotokolls sind das Kirchensilber, Sakristeieffekten, die Bibliothek, Handschriften, sonstige Bücher, Gemälde usw. aufgeführt, die vom französischen Staat eingezogen wurden.

© Freigegeben für das VM | Günther Merkens | Franz Jakob Peter von Kesseler

Zum Zeitpunkt der Auflösung war Conrad Ohoven (1740 bis 1806) Prior des Klosters, Subprior war Franz Jacob Peter von Kesseler (1734 bis 1808).

Im Jahre 2013 wurde von einem schweizerischen Kunsthändler ein Pastellbild des Subpriors dem Heimatverein der Erkelenzer Lande zum Kauf angeboten. Dieser kaufte das Bild, ließ es restaurieren und stellte es dem Förderverein Hohenbusch als Dauerleihgabe zur Verfügung. Es ist jetzt Teil der Ausstellung im ehemaligen Kreuzherrenkloster Hohenbusch.

Ein sehr interessantes Dokument ist erhalten geblieben und beleuchtet die damalige Situation und das, was der Mönch B. Loverix im Jahre 1794 dem Prior Wynants in Huy schrieb, nämlich, dass versucht wurde, kostbare Dinge dem Zugriff der Franzosen zu entziehen. So schaffte der letzte Prokurator von Hohenbusch, Rainer Laumen, 2 Kisten mit Archivalien nach Keyenberg, wo er nach seiner Vertreibung als Pfarrer lebte. 

Einige Gegenstände sind in der Nähe geblieben. 

Eine Madonna mit Weintraube befindet sich in der katholischen Kirche in Golkrath. Es wird angenommen, dass sie aus der ehemaligen Kreuzherrenkirche stammt, ebenso auch ein prachtvolles, liturgisches Gewand, eine Kasel in Bassgeigenform, mit reicher barocker Ornamentik. Der Kreuzherr des Klosters Hohenbusch, Kladt von Adolphus Matthias Johannes Nepomucenus, war nach der Säkularisation Deservitor in der Kapelle in Golkrath, ab 1808 in Gerderath Pfarrer. Der Kreuzherr hat vermutlich die Kasel in die damalige Kapelle nach Golkrath gebracht.

Der Beichtstuhl der Klosterkirche steht in der katholischen Kirche in Gerderath. 

Hochaltar Kückhoven vor 1937

Die Pfarre in Kückhoven bekam den Hochaltar, die Kommunionbank und eine Glocke. Leider wurde der Hochaltar 1937 zerstört. Die Glocke des Klosters könnte vermutlich eine der älteren Glocken sein, bei der die Schrift nicht mehr zu entziffern ist.

Ein bedeutendes Kunstwerk steht in der Kapelle in Wockerath, es handelt sich um die hl. Odilia. Ein älteres Foto zeigt die Figur mit dem Wappen der Kreuzherren. Der letzte Prior Conrad Ohoven brachte vermutlich die hl. Odilia zur Wockerather Kapelle. 

Die Hohenbuscher Kirche war im Stil der Erkelenzer Franziskanerkirche (Paterskirche) gebaut. Die Fenster waren vom Glaser Ditgens gefertigt. Sie sollen den Fenstern in der Paterskirche geähnelt haben. Leider ist die Paterskirche ebenfalls der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. 

Zur Ausstattung der Hohenbuscher Kirche gehörte die Barockkanzel mit Voluten und hängendem Knauf. Zugehörig war eine Treppe, die Wandvertäfelung sowie ein Chorgestühl aus den Klappsitzwangen gefertigt und die kunstvolle Orgel, die 1764 unter Prior A. Loverix erbaut worden war. Sie besteht aus 1033 Pfeifen, 19 Registern auf zwei Manualen mit aufgehängtem Pedal. 

© Jürgen Schäfer | Orgel
Orgel in der evangelischen Kirche in Linnich

1806 wurden diese Orgel, das Chorgestühl und die Barockkanzel an die evangelische Kirchengemeinde in Linnich auf Geheiß des Bischofs von Aachen, Marc Antoine Berdolet, überstellt. 1944 wurde durch Kriegseinwirkung die Orgel schwer beschädigt und 1955 – 1957 restauriert.  

Wertvolle Schränke stammen aus der Aachener Möbelkunst, wie sie unter Johann Couven und dessen Sohn im 18. Jhd. angefertigt wurden. Ein Uhrenschrank wurde von Frau Dr. Erna Hoffschulte-Warlimont gekauft. Ein Paramentenschrank blieb in Erkelenz, Brauereibesitzer Heinrich Aretz kaufte diesen. Einen Türflügel nahm der damalige Amtsgerichtsrat Ludwig Schmitz nach Düsseldorf mit, um ihn dort in sein Haus einbauen zu lassen. Auch die gesamte Bibliothek, handgeschriebene  und gedruckte Bücher, wurden im Jahre 1802 in alle Winde zerstreut. 1857 hatte der Ausverkauf der damaligen Besitzer, die Geschwister Velder, dazu beigetragen, dass die noch verbliebenen, nicht so wertvollen Teile, aus dem Kloster verkauft wurden. In diesem großem Mobiliarverkauf wechselten u.a. viele Tische, Stühle, Sofas, Schränke, Spiegel, Kommoden, vollständige Betten, Öfen, Uhren, Leinenwäsche, Küchengeschirr, Töpfe, Glaswaren, Zinn und Porzellan die Besitzer. 

Da die Grenzsteine auf der Vorderseite die Zeichen CH wie Convent Hohenbusch tragen und auf der gerundeten Oberseite ein einfaches Kreuz eingeschlagen haben, könnte es sein, dass alte Gegenstände aus dem Kloster auch diese CH Zeichen aufweisen. 

Das noch vorhandene Inventar veranschaulicht ein wenig den Reichtum des ehemaligen Kreuzherrenklosters Hohenbusch. In dem heute noch stehenden Herrenhaus ist das restaurierte Wappen des letzten Priors in einem Glasfenster eingefasst. Sehenswert sind das im Herrenhaus vorhandene Stuck-Relief über dem Barock-Kamin und die Dauerausstellung im Hause.

1983 übernahm die Stadt Erkelenz als Eigentümerin den Besitz. Mithilfe des im Jahr 2000 gegründeten Fördervereins Hohenbusch e. V. , wurde das Kloster restauriert und zur Besichtigung zugänglich gemacht. Durch Schenkungen aus Familienbesitzen konnten einige Gegenstände im Kloster wieder aufgestellt werden. Bauprojekte rund um Hohenbusch werden durch den Verein teilweise in Eigenleistung durchgeführt. Die überregionale Zusammenarbeit mit Heimatforschern und Wissenschaftlern deckt immer wieder neue Erkenntnisse über die Geschichte des Ordens der Kreuzherren OSC auf.

© R.R.P. | R. Recker-Proprenter | Hohenbusch
Bronzeplastik von Michael Franke

Auf Grundlage wissenschaftlicher und archäologischer Ergebnisse der Universität Köln hat der Bildhauer Michael Franke aus Erkelenz eine Bronzeplastik der früheren Klosteranlage erarbeitet. Sie steht nun vor dem Herrenhaus.

Der neu gestaltete Kräutergarten und das kleine Klostercafé laden zum Verweilen in dem früher so reichen Kloster ein, die eingemauerten Worte im Giebel des Mittelbaues „ IN TE CONFIDO; NON ERVBESCAM“ „Bewache sie, denn sie ist das Leben“, sind wieder zum Leben erweckt worden.1

Links:

https://www.erkelenz.de

https://de-de.facebook.com/hohenbusch/

  1. Text von Rudolf Recker-Proprenter 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Landkreis Erkelenz und Heimatverein der Erkelenzer Lande , Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz, Band 2, Kreuzherren von Hohenbusch
  2. Förderverein Hohenbusch e.V. und der Stadt Erkelenz, Lebensraum Hohenbusch. Verlag Rohr Köln, ISBN: 978-3-936655-15-5, 2020

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