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Elise Schilling

⁎ 30.08.1832 † 03.04.1907
1862 1907 Schriftstellerin unter dem Pseudonym Ernst Lingen
: Ernst Lingen
Stichworte: Künstler
30.08.1832 bis 03.04.1907

Leben

© Agnes Borgs | Elise Schilling
Elise Schilling

Am 30. August 1832 wird Elise (Elisabeth Anna Sophia Katharina Hubertine) Schilling in Erkelenz geboren. Die Familie besaß ein kleines Haus in der Hospitalstraße Nr. 2 (heute Zehnthofweg).1  Elise Schilling ist die zweite von acht Geschwistern. Ihr Vater war Lehrer an der Höheren Bürgerschule in Erkelenz: Johann Peter Schilling; er unterrichtete dort die Fächer Deutsch, Mathematik, Kunsterziehung und Musik. Sein Name findet sich auf dem ältesten erhaltenen Zeugnis der Schule (heute Cusanus-Gymnasium der Stadt Erkelenz) vom 12. April 1832.2

Mit dem Tod des Vaters am 1. Mai 1843 ergab sich für die Familie eine völlig neue Lebenssituation. Wenige Monate nach dem väterlichen Tod verließ Elise Schilling als 10jährige die Elementarschule, um die Mutter bei der Pflege und Erziehung der jüngeren Geschwister zu unterstützen. Friedel Krings verweist in seinem Beitrag zu Alt-Erkelenzer Bürgern3 darauf, dass die Mutter als Näherin und in einem kleinen Textilgeschäft den Lebensunterhalt für die Familie erwirtschaftete. Offenbar hatte die Tochter Elise in den frühen Jahren schon eine gute (Schul-) Bildung genossen und sie entwickelte darüber hinaus offenbar Ehrgeiz und Schreibfreude.

Elise Schilling stirbt am 3. April 1907 in Erkelenz, sie wird auf dem Friedhof an der Brückstraße beigesetzt; die Grabstätte existiert nicht mehr. Der Totenzettel4 Elise Schilling[/fussnote] würdigt ihr Leben und ihre Arbeit.

© Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde | Elise Schilling Totenzettel

Wirken als Schriftstellerin

Im Alter von 30 Jahren erschien ihre erste Erzählung mit dem Titel „Im Dom zu Köln“. Nach der ersten Veröffentlichung wurde sie „ständige Mitarbeiterin des in Köln bis 1879 erscheinenden Kalender für das katholische Volk“.5

Für ihre Veröffentlichungen wählte Elise Schilling das Pseudonym Ernst Lingen. Die Erzählungen von Ernst Lingen zeichnen sich durch „anschauliche Charakterzeichnung und Tiefe des Gefühls aus“, konstatiert Gustav Brugier 1904 in seiner Geschichte der Deutschen Literatur. Größere Bekanntheit erlangte Elise Schilling 1879 mit ihrer preisgekrönten Novelle „Vergib und Vergiß“, die beim Verlag J. P. Bachem in Köln verlegt wurde und sogar in den USA übersetzt worden sein soll.

1918 feierte der Verlag Bachem sein 100jähriges Bestehen, aus diesem Anlass erschien eine Geschichte des Verlagshauses von Georg Hölscher. Der Verfasser kennzeichnet darin in chronologischer Abfolge Themen der schriftstellerischen Arbeiten und Autoren der jeweiligen Zeit. Gleichzeitig erhält man als Leser gucklochartig Einblick in den damaligen Literaturbetrieb. Bei Hölscher ist folgendes festgehalten:

 „Unterm 15. Dezember 1877 (Nr. 344 I) hatte sie [gemeint: die Kölnische Volkszeitung] für den besten „auf dem Boden christlicher Weltanschauung“ stehenden Roman oder Novelle im Umfang von 300 bis 400 Druckseiten […] einen Preis von 2500 M. ausgesetzt. Preisgekrönt wurde nach dem 31. Dezember 1878 die Arbeit „Vergib und Vergiß“ von Ernst Lingen, unter welchem Decknamen sich Fräulein Elisabeth Schilling in Erkelenz verbarg, die bereits im Jahre 1877 mit einem Werkchen „An der friesischen Küste“ ihre Besuchskarte bei der Kölnischen Volkszeitung abgegeben hatte. Die preisgekrönte Novelle erschien im September und Oktober 1879 in der KV, im nächsten Jahre als Buch und fand eine sehr gute Aufnahme […].6

Als Beleg führt der Autor an, dass im Jahr 1917 bereits die 14. bis 16. Auflage gedruckt wurde.

Das Preisgeld von 2500 Mark muss man insofern als recht respektable Summe ansehen, als für das Jahr 1882 alle Anschaffungen von Möbeln, Küchengerät, Bettzeug und Wäsche zur Gründung eines einfachen Hausstandes mit 280 Mark veranschlagt wurden.7

Veröffentlichungen unter einem Pseudonym, Prämierung unter der Vorgabe, männlich zu sein! Wahrscheinlich ist Elise Schilling ein Beispiel für das Denken und die Zwänge ihrer Zeit. Sie dient nicht als revoltierendes Vorbild, aber sie erreichte mit ihren Schriften eine große Leserschaft und für sich selbst eine eigene Existenz, was am Ende des 19. Jahrhunderts für Frauen keineswegs selbstverständlich war.

  • Ehre Vater und Mutter, auf dass es dir wohl gehe! Blau und weiss. Erzählungen. Manz, Regensburg 1877.
  • Führe uns nicht in Versuchung; Im Dom zu Köln; Ein Bild aus alter Zeit; Trau – schau – wem? Erzählungen. Bachem, Köln 1877.
  • Ein Strauss von Immortellen; Alje; Vor nah‘ 200 Jahren. Erzählungen. Manz, Regensburg 1877.
  • An der friesischen Küste. Bachem, Köln 1883.
  • Roswitha; Der letzte der Paläologen. Novellen. Schöningh, Paderborn 1886.
  • Vor Pavia. Historische Novelle. Bachem, Köln 1888.
  • Ein verborgenes Leben. Novelle. Bachem, Köln 1888.
  • Auf hoher See. Erzählung. Schöningh Paderborn 1889.
  • Demetrius Augustin Gallizin. Foesser, Frankfurt a. M. 1894.
  • Aus Dorf und Stadt. Novelle. Wehberg, Osnabrück 1895.
  • Vergib und vergiß. Preisgekrönte Novelle. 5. Aufl. Bachem, Köln 1896.
  • Zweimal vermählt. (Ein Wort aus Kindesmund.) Roman. 3. Aufl. Bachem, Köln 1896.
  • In den Ardennen und andere Novellen. Alphonsus-Buchhandlung, Münster 1901.
  • Die alte Kommode. Volksschriften-Verlag, München 1906.
  • Gott schickt noch immer Engel! Erzählung. Volksschriften-Verlag, München 1907.8

Bekanntheit heute

Elise Schilling – nur fast vergessen! In einem Artikel in der Lokalausgabe der RP vom 29. Juni 2018 beschäftigt sich Hans Groob9 mit der Bildungssituation für Mädchen in Erkelenz. Darin erwähnt sind die privaten Pensionate, in Erkelenz geleitet von den Damen Warlimont und Elise Schilling.10

  1. siehe Friedel Krings, Alt-Erkelenzer, a. a. O.
  2. siehe 1830-1998 Von der Höheren Bürgerschule zum Cusanus-Gymnasium, 168 Jahre Schulgeschichte, im Eigendruck 1998
  3. Friedel Krings, a. a. O.
  4. Totenzettelsammlung: https://www.wgff-tz.de
  5. siehe Franz Brümmer, a. a. O., Band 6
  6. Georg Hölscher, a. a. O., Seite 63 f.
  7. siehe Wolfgang Köllmann, a. a. O.
  8. siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Elise_Schilling (Stand: 11.2022)
  9. siehe Hans Groob, Mädchenschule eine Erfolgsgeschichte
  10. Text von Agnes Borgs 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. unbekannter Autor, Erkelenzer Volkszeitung. Erkelenz, vom 02.04.1983. Darin: Friedel Krings: Alt-Erkelenzer Bürger – und was sie leisteten
  2. Franz Brümmer, Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Leipzig, Band 6, 6. Auflage 1913
  3. Georg Hölscher, 100 Jahre J.P.Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag 1818-1918. Köln, 1918, Seite 63 f.
  4. Wolfgang Köllmann, Die industrielle Revolution. Mönchen-Gladbach und Stuttgart, 11. Auflage 1982, darin: Commission des Vereins „Arbeiterwohl“ (Hrsg.): Das häusliche Glück
  5. Rheinische Post, online. https://rp-online.de/, https://rp-online.de/nrw/staedte/erkelenz/geschichte-der-maedchenschule-erkelenz-st-canisius_aid-23260475 (Stand: 11.2022). Hans Groob: Mädchenschule eine Erfolgsgeschichte

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