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Peter (Wymar) von Erkelenz

⁎ 15. Jhrd. † 16.02.1494
14491464Sekretär des Kardinals Nikolaus
14661499Dechant des Aachener Marienstifts
sonstiger Name: Auch Peter Wym(m)ar, Petrus de Ercelens oder Peter von Erkelenz
Kategorien: Persönlichkeiten
15. Jhrd. bis 16.02.1494

Petrus Wymari de Ercklentz, auch Petrus de Ercklensis oder Peter von Erkelenz genannt, geboren in Erkelenz, gestorben am 16. Februar 1494 in Kues an der Mosel, war Sekretär des Kardinals Nikolaus von Kues, Stiftsdechant in Aachen und Rektor des S. Nikolaus-Hospitals in Bernkastel-Kues.

© Archiv Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. | Günther Merkens | Altarbild, St. Nikolaus-Hospital, Kues
Nicolaus Cusanus und Peter Wymar (rechts) auf dem Stifterbild vom Hochaltar der Kapelle des St. Nikolaus-Hospital Cusanusstift, Bernkastel-Kues. Ob es sich tatsächlich um Peter Wymar handelt, ist nicht eindeutig geklärt.1

Sein Leben

In den Dokumenten, die ihn nennen, wird sein Name unterschiedlich geschrieben. In diesem Bericht wird „Peter Wymar“ benutzt. Von ihm ist weder der Geburtstag bekannt, noch wo er seine Studienjahre verbracht hat. Bevor er 1457 als Kanonikus in das Aachener Marienstift aufgenommen wurde, war er etwa ab Ende 1449 oder Anfang 1450 Sekretär des Kardinals Nikolaus von Kues (in latinisierter Form: Cusanus), den er in den Jahren 1451/52 auf dessen Legationsreisen durch Deutschland begleitet hatte und dem er zeitlebens in enger Freundschaft verbunden blieb. Es ist nicht bekannt, wann und wie diese Verbindung entstanden ist.2 Möglich ist, dass die Verbindung in Aachen begann. Cusanus hielt sich Ende 1449, Anfang 1450 im Rhein-Maas-Gebiet auf. Vermutlich wurde Peter Wymar von Cusanus zum Priester geweiht.3

Peter Wymar stammte aus einer wohlhabenden Erkelenzer Schöffenfamilie, die auch den Schultheiß und zeitweise sogar den Bürgermeister stellte. Sie soll in der Nähe des Brücktores gewohnt haben.4 Urkundlich bezeugt ist die Familie unter dem Namen Wymar bzw. Wymar de Genaspen. Bei den Genaspen handelt es sich um eine ältere und bei den Wymar um eine jüngere Schöffenfamilie und beide sind durch Einheirat in ein Verwandtschaftsverhältnis getreten. 5 Die Verwandtschaftsverhältnisse des Peter Wymars sind weitgehend ungeklärt. Es gibt einen Hinweis, dass er drei Brüder – Wimerus, Martinus und Godfridus – und zwei Schwestern – Gertrudis und Alheidis – hatte. Sie hatten das Recht, einen Beichtvater zu wählen. Dieses war nur bestimmten Personen vorbehalten.6

Eine der ersten Reisen an der Seite von Cusanus führte Peter Wymar im Jahre 1449 nach Rom, dort wurde Cusanus zum Kardinal ernannt. Am 31. Dezember 1450 brachen Cusanus und Peter Wymar zu einer Legationsreise durch Deutschland auf. Auf Peter Wymar geht wohl auch zurück, das Erkelenz (Hercelens) als Ort in der „Eichstätter Karte“ nach Cusanus (Rom um 1478) aufgeführt ist. 7 8 Weitere gemeinsame Reisen folgten.

Peter Wymar stand am Todesbett des Kardinals, der in der umbrischen Stadt Todi am 11. August 1464 starb. Als Notar beglaubigte er dessen Testament und zählte
wahrscheinlich zu jenen, die den Leichnam sofort nach Rom überführen und in seiner Titelkirche (S. Pietro in Vincoli) beisetzen ließen.9 Sein Herz wurde allerdings gemäß testamentarischer Verfügung in der Kapelle des Sankt-Nikolaus-Stiftes in Kues beigesetzt.10 Im Jahr 1488 ließ Peter Wymar eine Messingplatte für die Kueser Hos­pitalskapelle anfertigen, die sich an der marmornen Grabplatte in S. Pietro in Vincoli orientiert. Die Umschrift der Grabplatte erhält den ersten Hinweis auf die Überführung des Herzens nach Kues, der Text auf der tabula ansata vermerkt auch „Peter von Erkelenz“ als denjenigen, der 1488 das Herzgrab anfertigen ließ. 11

Als Cusanus starb, hatte Peter Wymar dem Kardinal rund anderthalb Jahrzehnte in verschiedenen Funktionen gedient, als Notar, Kopist, Sekretär und Kämmerer. Dem Kardinal verdankte er eine ganze Reihe von Pfründen, u. a. am Aache­ner Marienstift, wo der Bruder des Cusanus, Johannes, und andere aus seinem engen Umfeld bepfründet waren und wo Peter das Dekanat erlangte.

Beim Tode des Kardinals verfügte Peter Wymar über ausreichende Beziehungen, um seine Karriere fortzusetzen. So wird er als päpstlicher Familiar (Vertrauter) und Kubikular (für die päpstliche Kanzlei Tätiger) bezeichnet.

Im Jahre 1457 wurde Peter Wymar als Kanonikus des Aachener Marienstift aufgenommen. Die Kanoniker waren nur für einen Teil des Jahres zur Anwesenheit in Aachen verpflichtet. Als im Jahre 1466 der damalige Dechant des Aachener Marienstifts starb, hielt sich Peter Wymar offensichtlich für längere Zeit in Rom auf. Dort übertrug ihm Papst Paul II., dem die Verleihung dieser Amtswürden vorbehalten war, das einflussreiche Amt des Stiftsdechanten am Marienstift zu Aachen, das unter anderem in Erkelenz Eigentümer von Grund und Boden war.

Im darauffolgenden Jahr 1467 hielt Peter Wymar sich im Auftrag des Papstes am Hofe des Königs Kasimir IV. von Polen auf, um ihn zu einem Kreuzzug gegen den gebannten Böhmenkönig Georg von Podiebrad zu bewegen. Von 1471 an waltete er dann in Aachen seines Amtes als Stiftsdechant, war aber auch immer wieder in Rom. Im Jahre 1471 schlichtete er einen Streit zwischen dem Rektor und dem Konvent des Beginenhofes St. Stephan in Aachen. Als Zeuge war er im Jahre 1474 zugegen, als der päpstliche Legat Santucci im Aachener Münster den Altar zu Ehren der vier gekrönten Märtyrer weihte. Er nahm als Stiftsdechant am 9. April 1486 am Krönungsmahl des römisch-deutschen Königs Maximilian I. im Kaisersaal des Aachener Rathauses teil.12

Aufgrund der langjährigen freundschaftlichen Beziehung zu Nikolaus von Kues wurde er 1488 auch Rektor des von diesem 1458 zu Kues an der Mosel gestifteten St. Nikolaus-Hospitals. Ab 1490 weilte Peter Wymar in Rom und betrieb mit Nachdruck die Sache des Hospitals, indem er auf alte Kontakte, die bereits Cusanus geknüpft hatte, zurückgriff.13

Im Jahre 1491 verzichtete Peter Wymar zugunsten seines Verwandten Wymmarus Wymar – wohl sein Neffe- aus Erkelenz auf seine Dechantenstelle in Aachen. 14 Im Jahre 1492 gab er auch das Amt des Rektors im St. Nikolaus-Hospital auf. Wegen längerer Abwesenheit war er intern in die Kritik geraten.15

Peter Wymar zog sich ins Hospital zu Kues zurück, wo er am 16. Februar 1494 verstarb und auf dem dortigen Kirchhof auch begraben wurde.

© Archiv Heimatverein | Günther Merkens | Grabmal Peter Wimars
Sein Grabstein aus rotem Sandstein befindet sich noch heute eingemauert an der Außenseite des Kreuzganges des St. Nikolaus-Hospital Cusanusstift, Bernkastel-Kues

Das Leben und Wirken von Peter Wymar ist in wissenschaftlichen Beiträgen mehrfach ausführlich behandelt worden. Nachfolgend drei Zitate, welche die Person Peter Wymars näher beschreiben:

Zitat:Peter von Erkelenz verstarb 1494, dennoch könnte er der Initiator dieser spätestens im gleichen Jahr einsetzenden neuen Bauphase gewesen sein, da ein solches Vorhaben doch einigen Planungsaufwand voraussetzte. Betrachtet man verschiedene Maßnahmen des Peter von Erkelenz in Bezug auf das Hospital, so erschöpft sich seine Tätigkeit nicht nur in der Verteidigung des exemten Status gegen den Trierer Erzbischof. Peter von Erkelenz ließ die Grabplatte in der Hospitalkapelle zur Erinnerung an den prominentesten Stifter errichten, deren Umschrift den ersten Hinweis auf die Überführung des Herzens nach Kues enthält. Peter von Erkelenz war 1488 eventuell sogar an der Drucklegung der Cusanus-Opera beteiligt. 1490 schenkte er ein Exemplar des Straßburger Drucks dem Hospital. Er legte das Anniversar des Hospitals an, von seiner Hand stammen die Eintragungen für die Stifter. Vielleicht bewegten ihn die Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte, die Stiftermemoria in ganz anderem Umfang in Kues zu verankern als dies bislang geschehen war. Peter von Erkelenz schien zu erkennen, welch zentrales Moment dem Gedenken an den Stifter im Hinblick auf die Stabilisierung und Erhaltung der Stiftung zukam.16

Zitat: „Bescheiden wagte sich unter den Gesprächspartnern von Cusanus sein langjähriger Sekretär, der aus Erkelenz stammende Petrus Wymar als Fragesteller vor. Jung war Wymar 1449/1450 in den Dienst des Kardinals getreten. Vierzehn Jahre, so Cusanus im Dialog „Über den Gipfel der Betrachtung“, habe Peter ihm nun zugehört. Jetzt, da er Priester geworden sei, möge er sprechen und fragen. Peter tat das mit merklicher Zurückhaltung, das Wort hatte sein Meister. Und wir haben nach unserem bisherigen Kenntnisstand keinen Grund, in ihm einen überragenden Denker und geistig produktiven Kopf zu sehen. Er hat sich in sorgfältiger Arbeit um die Abschrift und Redaktion der Werke bemüht, hat schließlich als Rektor des von seinem Herrn gegründeten Hospitals zu Kues in schwieriger Situation dessen Erbe gewahrt.“17

Zitat: Ein vollständiges Bild von Peter Wymar ließe sich nur mit Hilfe persönlicher Dokumente gewinnen. Solche sind aber nicht überliefert: Kein Brief, der uns Einblick in seine familiären Verhältnisse gestatte, kein Traktat, in dem er eigene theologische oder philosophische Gedanken formulierte, kein Gedicht, das sein literarisches Talent erkennen ließe. …. Was wir von ihm besitzen, stammt zumeist aus Verwaltungsvorgängen. Nicht übersehen werden darf bei aller Enttäuschung über die fehlende Eigenständigkeit des Sekretärs jedoch, dass Peters besondere Befähigung gerade auf administrativem Gebiet lag. Sie allein hatte den Kardinal auf ihn aufmerksam werden lassen, nicht etwa eine intellektuelle Begabung.18

Sonstiges

Der Pfarrkirche Sankt Lambertus zu Erkelenz hatte Peter Wymar im Jahre 1490 ein Altarbenefizium (Schenkung) zu Ehren Mariens gestiftet, das mit einer beachtlichen Armenstiftung für 13 Hausarme verbunden war und 60 Gulden und 19 Malter Roggen betrug. Der Stiftungsbrief bestimmte ausdrücklich, dass der Roggen den Armen zum Backen von Brot zuzuteilen sei.19

Im Aachener Museum Burg Frankenberg befindet sich eine silbervergoldete Tischglocke mit der Gravur: „Petrus Wimari de Ercklens, decanus Aquensis, 1485“.

In Erkelenz wurde 1956 der Peter-Wimar-Weg nach Peter Wymar benannt.21

  1. Michael Matheus: Nikolaus von Kues, seine Familiaren und die Anima, Seite 40 ff. In: Deutsches Historisches Institut Rom (Hrsg.): Schriftenreihe Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom, Band 121 (2010).
  2. Josef Gaspers in: Heimatblätter 1924, Seite 32.
  3. Ralf Georg Czapla in „Nicolaus Cusanus, Sebastian Brant und die Erkelenzer Familie Wymer“ in Analecta Coloniensia, Band 10/11, Seite 151ff
  4. Ralf Georg Czapla: a.a.O., Seite 152.
  5. Ralf Georg Czapla: a.a.O., Seite 153.
  6. Michael Matheus: a.a.O., Seite 28.
  7. Ralf Georg Czapla: a.a.O., Seite 157/158.
  8. Peter H. Meuer in Heimatkalender des Kreises Heinsberg 1985, Seite 72
  9. Michael Matheus: a.a.O., Seite 29.
  10. Ralf Georg Czapla: a.a.O., Seite 156.
  11. Michael Matheus: a.a.O., Seite 30.
  12. Josef Gaspers a.a.O., Seite 32.
  13. Meike Hensel-Grobe: Vortrag beim Alzeyer Kolloquium, 1999, Seite 206, Fundstelle: https://www.regionalgeschichte.net/fileadmin/Superportal/Bibliothek/Autoren/Hensel-Grobe/Hensel_GL56_Endfassung-10.pdf (Stand: 11.2021)
  14. Über das Leben von Wymmarus Wymar de Genaspen ist nicht viel bekannt. Geboren wurde Wymmarus wohl in Erkelenz. Die problemlose Weitergabe des Amtes innerhalb der Familie Wymar lässt vermuten, dass Peter Wymar vorher entsprechend die Weichen gestellt hatte. Wymarus Wymar studierte u.a. in Basel und Köln. Bis zu seinem Tode am 6. April 1520 war Wymmarus Dechant des Marienstiftes in Aachen
  15. Ralf Georg Czapla: a.a.O., Seite 160.
  16. Meike Hensel-Grobe: a.a.O., Seite 211,
  17. Vortrag von Erich Meuthen „Nikolaus von Kues – Profil einer geschichtlichen Persönlichkeit“ am 19.01.1994 an der Universität Trier, S.23. Veröffentlicht 1994 vom Cusanus-Institut-Trier; ISBN 978-3-7902-1470-3
  18. Ralf Georg Czapla: a.a.O., Seite 161,
  19. Gaspers/Sels: Geschichte der Stadt Erkelenz, Seite 29 und 37
  20. DI 32, Stadt Aachen, Nr. 41 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net und Ralf Georg Czapla: a.a.O., Seite 158
  21. Text von Günther Merkens, 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V..

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