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Heinrich Clemens

⁎ 25.04.1819 † 31.12.1891
Schlossermeister und Geschäftsmann
Armenvater
Mitbegründer des Vinzenzvereins
Kategorien: Persönlichkeiten
25.04.1819 bis 31.12.1891

Leben

Der Schlossermeister Hubert Heinrich Clemens wurde am 25. April 1819 in Erkelenz1 als Sohn von Johann Wilhelm Clemens (gestorben 1831) und Anna Dorothea Wirtz (gestorben 1849) geboren und starb am 31. Dezember 1891 in Erkelenz.

Heinrich Clemens war mit Catharina Kronenberg aus Neuß verheiratet.    

Von den 5 gemeinsamen Kindern starben zwei Söhne vor ihrem Vater. Sein Sohn Aloys Clemens und später sein Enkel Robert Clemens führten die Schlosserei und den Eisenwarenhandel in den folgenden Generationen weiter.

Wohnhaus und Schlosserei waren in der Brückstraße 21 – 23.

Die Lebenskennzeichnung im Totenzettel2 weist Heinrich Clemens als langjähriges Mitglied des Stadtrates, als „Armenvater“ und Mitbegründer des Vinzenzvereins aus. Zwei Formulierungen sind der Ausgangspunkt zu einer genaueren Kennzeichnung des Erkelenzer Bürgers Heinrich Clemens: „Unermüdlich war er thätig in seinem Geschäfte“ und ihm wurde „aufgrund der reichen Lebenserfahrung“ große Achtung entgegengebracht.

Berufliches Engagement

„unermüdlich thätig in seinem Geschäfte“

Der Schlossermeister Heinrich Clemens hat sich durch die frühe Förderung des beruflichen Bildungswesens besonders des Handwerks in der Stadt angenommen.  

Die Schulsituation war miserabel, insbesondere für die Kinder der Armen, weil „die Armenverwaltung die Zahlung des Schulgeldes fortwährend verweigerte“. Zudem herrschte große Raumnot. 1823 kamen von insgesamt 352 Kindern nur 200 zur Schule.3 Die soziale Situation und die Lebensbedingungen für Kinder werden auch deutlich, wenn man bedenkt, dass Kreis und Stadt Erkelenz 1836 nur eine einzige Fabrik hatten. Sie stellte Stecknadeln her. Im Jahr 1841 waren dort 75 Arbeiter beschäftigt, davon waren 35 Kinder unter 14 Jahren, so ist dem Wikipedia Artikel über Erkelenz zu entnehmen.4 Um diese Zeit hatte Erkelenz wahrscheinlich gut 3500 Einwohner.  Heinrich Clemens, der wohl einen engen Zusammenhang zwischen schulischer Anleitung, handwerklichem Können und beruflichem Erfolg erkannte, gründete daher gemeinsam mit dem Goldarbeiter J. Friedrich Woltz am 27. August 1843 in Erkelenz die „Handwerker-Zeichenschule“. Der zweistündige Unterricht wurde sonntags in den Räumen des Progymnasiums erteilt, 60 Schüler nahmen am Zeichenunterricht teil. Für die meisten Schüler war der Unterricht kostenlos, einzelne entrichteten ein monatliches Entgelt von 2 ½ Sgr. Die Handwerker-Sonntagsschule bestand bis 1876 und war die Vorläuferin der Gewerblichen Fortbildungsschule und damit der heutigen Kreisberufsschule.

Reise nach Amerika

Heinrich Clemens sorgte einerseits für eine Verbesserung der Handwerkerausbildung  in der Stadt Erkelenz, andererseits unternahm er – zu diesem Zeitpunkt selbst schon Schlossermeister – zur eigenen Fortbildung vom 24. März bis 6. Dezember 1849 eine zehnmonatige Reise nach Amerika. Während dieser Zeit starb am 24. Mai 1849 seine Mutter. Über seine Erfahrungen und Eindrücke auf dieser Fahrt hat er Tagebuch geführt.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | Heinrich Clemens | Heinrich Clemens Tagebuch-Anfang
Beginn der Tagebucheintragung am 24. März 1849, Antwerpen; das Schiff trägt den Namen Elise Demiron. Über Auswanderungsbüros konnten Schiffspassagen auf Dreimastern, sog. Schnellseglern gebucht werden. Die Strecke Antwerpen – New York wurde von einzelnen Reedereien 4mal monatlich bedient.

Er berichtet gleich zu Beginn auch über die Enge während der Passage: 54 Bettstellen zu je 3 Personen im Zwischendeck und noch 36 Personen in der 2. Kajüte; diese 198 Personen hatten „6 Kochlöcher“ zur Verfügung, um Essen zu kochen. Da ist es sogar heute noch gut vorstellbar, dass „man sich mit etwas Gewalt an den Herd drängen“ musste (Eintrag vom 26. März 1849). Sein Reisetagebuch gibt Auskunft über die Konstruktion von Bahnhofsgebäuden, Brücken, Kirchen und immer wieder liest man über seine Begegnung mit Menschen, die z. B. von Deutschland nach Amerika ausgewandert sind. Das Tagebuch ist für den Zeitraum vom 24. März bis zum 7. Juni 1849 erhalten. Erhalten ist zudem ein Zeichenbuch von Heinrich Clemens mit verschiedenen Skizzen und Werkzeichnungen zu Schlössern, Schmiedeornamenten und Maschinen (Tage- und Skizzenbuch sind in Privatbesitz). Einige Beispiele:  

Aufbau eines eigenen Handwerksbetriebs in Erkelenz

Nach seiner Rückkehr aus Amerika arbeitete Heinrich Clemens aufgrund seiner hohen beruflichen Qualifikation in der „Kreisprüfungs-Commission des Schlosserhandwerks“. Auch verlieh der Preußische König ihm und seinem 3 Jahre jüngeren Bruder Peter Joseph Clemens als Schlosser und Maschinenbauer am 29. März 1850 das Patent auf eine Zuhaltung an Permutationsschlössern.

© Privatbesitz | Urkunde Meisterprüfung
Zeugnis für Peter Joseph Clemens über die bestandene Meisterprüfung, 1854, H. Clemens war Mitglied der Kommission

Bis 1854 führten die beiden Brüder gemeinsam das Schlossergeschäft am Markt als Firma Gebrüder Clemens. In einer Anzeige geben die Brüder dann am 11. November 1854 bekannt, „im Wege freundlicher Übereinkunft“5 je eigene Schlossereibetriebe in Erkelenz zu führen. Anlass für die geschäftliche Neuausrichtung war wohl die Heirat von Heinrich Clemens am 8. Juni 1854. Die kurz zuvor abgelegte Meisterprüfung des jüngeren Bruders war eine weitere Absicherung für diese Entscheidung.

Als Peter Joseph Clemens unverheiratet starb, hinterließ er sein im Betrieb erwirtschaftetes Vermögen zu einem großen Teil dem „Gasthaus“ der Stadt Erkelenz, einer Einrichtung zur Pflege von alten und armen Mitbürgern. „Zu diesem Zweck machte er 1910 eine Stiftung von 15 000 Mark und von 3000 Mark für das Hermann-Josef-Stift.“6

Der Schlossereibetrieb Heinrich Clemens existierte in der Brückstraße fort.

Beide Brüder Clemens sind auf dem Alten Friedhof an der Brückstraße beerdigt.7

Die handwerklichen Fähigkeiten des Heinrich Clemens waren über die Stadtgrenze hinaus bekannt, so soll er für das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig einen Adler gefertigt haben. Die Werkstättentradition führte auch sein Lehrling und Geselle, der spätere Schlossermeister Wilhelm Schroeder, fort.

Ende des 19. Jahrhunderts fand Anton Raky offensichtlich in Erkelenz eine gut ausgebildete Metallhandwerkerschaft vor; nicht auszuschließen, dass Heinrich Clemens mit seinem Können und seinem Engagement gute Voraussetzungen in diesem Handwerkbereich geschaffen hatte.

Einsatz beim großen Kirchturmbrand im Februar 1860

Neben der Förderung des Handwerks in der Stadt Erkelenz und seinem sozialen Einsatz ist die Verbundenheit von Heinrich Clemens mit seiner Heimatstadt konkret für das Jahr 1860 belegt.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande | Wilhelm Borgs | Zeichnung Kirchturmhaube und Blitz
Zeichnung von Wilhelm Borgs

Der große Kirchturmbrand in der Nacht vom 19. auf den 20. Februar 1860 gefährdete Kirche und Stadt. Heinrich Clemens war gemeinsam mit anderen Erkelenzer Bürgern an den nächtlichen Löscharbeiten im vereisten Kirchturm und der notwendigen  Feuerwache maßgebend beteiligt, obwohl „die Bewohner der der Kirche zunächst gelegenen Häuser, insbesondere die der Brückstraße, auf ihre eigene Rettung Bedacht nehmen mussten“. „Kühne Bürger“ brachten bei dem Einsatz im brennenden Kirchturm „sichtlich ihr eigenes Leben in Gefahr“. (Bekanntmachung von Landrat Claessen, Bürgermeister Büschgens und Beigeordnetem Spiess an die Bewohner der Stadt und des Kreises Erkelenz am 23. Februar 1860) Die offizielle Bekanntmachung fasst die Brandereignisse und die große Gefahrensituation sehr anschaulich zusammen und formuliert eingangs den Anspruch, „das  Brandunglück, womit die Stadt Erkelenz heimgesucht worden ist, amtlich zu constatiren, auf daß ein richtiges Urtheil gewonnen werde, einerseits über die Gefahr, die die Stadt bedrohte und andererseits über die Anstrengungen, womit unsägliches Unheil abgewendet worden ist“, ganz klar. „Die Rettung der Lambertikirche […] im Winter 1860 und ihre anschließende Restaurierung sind im wesentlichen das Werk der Gebrüder und Schlossermeister Heinrich und Peter Joseph Clemens.“ – so fasste auch Friedel Krings 1983 in einem Artikel zusammen.8

Erinnerung heute

Am 1. Dezember 1993 wurde im Hauptausschuss der Stadt Erkelenz  beschlossen, eine Straße im Stadtbezirk Erkelenz-Mitte nach dem Erkelenzer Bürger Heinrich Clemens zu benennen. Einen entsprechenden Antrag hatte die Urenkelin Käthe Micus am 4. November 1988 gestellt. Die Straße zwischen Ziegelgasse und Brückstraße trägt heute die Bezeichnung Heinrich-Clemens-Weg.9

  1. nach dem Totenzettel 27. April 1819
  2. Alter Friedhof Brückstraße, a. a. O., Seite 127
  3. Angaben zur Schulsituation aus: Gaspers, J./ Sels, L. (Hrsg.), a. a. O., Seite 137
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Erkelenz#Industrialisierung (Stand: 01.2023)
  5. Anzeige erschienen im Erkelenzer Kreisblatt vom 11. November 1854, zitiert in der EVZ gleicher Tag 1954
  6. Friedel Krings: Alt-Erkelenzer, a. a. O.
  7. In: Alter Friedhof Brückstraße, a. a. O., Grabstätten 24 und 38
  8. Fiedel Krings: Alt-Erkelenzer, a. a. O.
  9. Text von Agnes Borgs 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 33, 2022. Ulrich Wendt u. a.: Alter Friedhof Brückstraße, Seite 122 ff.
  2. Wikipedia, https://de.m.wikipedia.org. https://de.m.wikipedia.org, /wiki/Erkelenz#Industrialisierung (Stand: 01.2023)
  3. unbekannter Autor, Erkelenzer Volkszeitung. Erkelenz, vom 28.05.1983. Krings, Friedel: Alt-Erkelenzer Bürger – und was sie leisteten, Artikel zu Heinrich und Peter Joseph Clemens

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