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Die Inneneinrichtung von Sankt Lambertus Erkelenz

Vorbemerkung

Im Laufe der Zeit wurde der Innenraum der Lambertuskirche in Erkelenz häufiger umgestaltet. Die gravierendste Erneuerung bewirkte der Neubau des Gebäudes nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg. Die folgenden Bilder geben einen Eindruck davon, wie das Kircheninnere in verschiedenen Epochen einmal ausgesehen hat. Der folgende Ausschnitt aus dem Film von Willi Wortmann „Erkelenz um 1550“ gibt uns einen Eindruck darüber, wie das Innere des gotischen Baus gestaltet war.

Ausschnitt aus dem Film „Erkelenz um 1550“ von Willi Wortmann. Sprecher: René Wagner

Die Bombardierung der Pfarrkirche im 2. Weltkrieg hatte zur Folge, dass nicht nur das Gebäude nahezu vollständig zerstört wurde, sondern auch viele Einrichtungsgegenstände der Zerstörung anheimfielen. So ist es nicht verwunderlich, dass die heutige Inneneinrichtung aus einem aufeinander abgestimmten Konglomerat von alten und neuen sakralen Gegenständen besteht. Dabei sollten die neuen Gegenstände dem „modernen Charakter des Kirchenbaus angeglichen“1 werden.

Durch den großen und erhöhten Chorraum mit dem Hochaltar an der Ostwand entstand unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg ein großer Abstand zwischen dem Volk und dem Priester, der so nach dem 2. Vatikanum (1962 – 1965) nicht mehr gewollt war. Vielmehr sollte der Priester dem Volk zugewandt sein und sich mit ihm auf gleicher Höhe befinden. Um diese Forderungen zu erfüllen, entschied sich die Pfarrgemeinde Sankt Lambertus, den Innenraum der Kirche umzugestalten. Man entschied sich für das Konzept von Klaus Iserlohe, einem deutschen Bildhauer auf dem Gebiet Christliche Kunst, nach dessen Entwürfen der Zelebrationsaltar in den Kirchenraum auf eine separate Altarinsel gesetzt wurde. So muss der Priester nach dem Wortgottesdienst zum Altar in Richtung Volk zwei Stufen hinuntergehen. Klaus Iserlohe gestaltete 1998/99 den gesamten Kirchenraum und die Krypta um. Er versuchte, das durch den Dombaumeister Salm beim Wiederaufbau aufgegriffene Motiv, dass der Kirchenbau ein Symbol der Stadt Gottes sein soll, durch die Gestaltung der Inneneinrichtung aufzugreifen und die Besucher der Kirche durch die Anordnung und Gestaltung der Einzelgegenstände „sich von Gott einfangen zu lassen, an den auferstandenen Christus zu glauben und sich ihm anzuvertrauen, aus der Finsternis in das Haus des Lichtes hinaufzusteigen“2.

Im Folgenden wird das Innere der Kirche zu Beginn der 2020er Jahre beschrieben. Es werden nicht alle Gegenstände dargestellt. Der Artikel beschränkt sich auf die sichtbaren und künstlerisch und historisch bedeutsamen Werke. Die Geschichte der Orgeln und Glocken wird in einem gesonderten Artikel beschrieben.

Altäre und Pulte

Sakramentsaltar

Dieser neugotische Flügel- und Wandelaltar steht an der Ostwand an der höchsten Stelle der Kirche. Ferdinand Langenberg aus Goch fertigte ihn wahrscheinlich im Zeitraum von 1896 bis 1899. Im letztgenannten Jahr erfolgte jedenfalls laut Erkelenzer Kreisblatt die Aufstellung des Aufsatzes.3 Der Altar wurde nach dem 2. Weltkrieg wieder restauriert, da er teilweise beschädigt war.

Er besteht aus einer steinernen Mensa, die „1997 restauriert und 1998 auf neuem Sockel als Sakramentsaltar wieder aufgestellt“4 wurde. Die hölzerne Predella enthält die Büsten zweier Heiliger. In der Mitte ist ein Tabernakel mit einer golden leuchtenden Messingtür eingebaut. Auf den Türflügeln sind Darstellungen der Evangelisten Markus und Lukas eingraviert.
Die Innenseiten der Altarflügel zeigen acht mit biblischen Motiven geschnitzte Fächer und eine Aussetzungsnische. In der oberen Reihe werden Szenen aus der Passion gezeigt (von links nach rechts: Garten Gethsemane, Gerichtsszene mit Geißelung, Ecce homo, Kreuztragung), in der unteren Reihe das Geschehen der Fußwaschung, des letzten Abendmahls, der wunderbaren Brotvermehrung und des Hochzeitsmahls zu Kana (von rechts nach links). In der Aussetzungsnische stehen noch zwei kleine Figuren, die die Kirchenlehrer Hieronymus und Gregor darstellen. Über der Aussetzungsnische ist der dreifaltige Gott (Gnadenstuhl) zu sehen. Alle Fächer sind umrankt von Blätterwerk, Knospen und Blüten.
In der Mitte schließt den Altarschrein ein schlanker Baldachin mit fialenartiger Spitze ab. Darin steht die Statue des Heiligen Lambertus mit Krummstab und Märtyrerpalme. In den seitlich abschließenden, höheren Fächern sind die Figuren der Propheten zu sehen, die auf das Kommen des Erlösers hinweisen.5
In geschlossenem Zustand stellen zwei große und zwei kleine Gemälde Ereignisse aus dem Leben des Heiligen Lambertus dar. Der Maler ist unbekannt.


Das folgende Video zeigt die einzelnen Teile des Sakramentsaltars. Die Hintergrundmusik wird vom Cornelius-Burgh-Chor des Heimatvereins der Erkelenzer Lande gestaltet.

Detaillierte Darstellung des Sakramentsaltars. Hintergrundmusik: Cornelius-Burgh-Chor Erkelenz unter der Leitung von Reinhold Richter.

Marienaltar

Der Marienaltar steht an der Ostwand des südlichen Seitenschiffs. Er besteht aus einem Opfertisch und einer Madonnenstatue mit Kind. Die lebensgroße Madonna aus Lindenholz stammt von Franz Xaver Haak, einem Erkelenzer Bildhauer. Er schuf sie in den 1930er Jahren. 1936 wurde sie in die Inventarlisten der Kirchengemeinde eingeschrieben. Der Kunststil folgt „zurückhaltend expressionistischen Vorbildern“6. Die schlanke Figur wirkt fast mädchenhaft, die Haltung des Kindes erinnert an einen „Salvator Mundi“7. Die Realistik wird durch „starke Vereinfachungen sowie starke Stilisierungen“ aufgebrochen.8
Der Opferstock stammt von Klaus Iserlohe. Auf der Vorderseite sind Dornenranken mit Blüten zu sehen.

Zelebrationsaltar

Dieser Altar wurde von Klaus Iserlohe gestaltet und 1999 vom Aachener Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff konsekriert. Er besteht aus Vinalmont Blaustein und steht in der Mitte eines Quadrates aus Blausteinplatten zwei Stufen tiefer als das Plateau des Chores. Hier ist die himmlische Stadt Jerusalem mit ihren 12 Toren dargestellt. Auf dem zweiteiligen Altarsockel sind vier Garbenbündel mit insgesamt 144 Halmen zu sehen, die durch das Band der Thora zusammengehalten werden, in das zwölf Weinblätter und zwölf Trauben eingearbeitet sind. Auch durch diese Zahl (12 x 12) wird die Zahl zwölf als Motiv wieder aufgegriffen. Auf der Mensa befinden sich in der Mitte und an jeder Ecke ein Kreuz.9

Adlerpult

Das aus Buntmetallguss bestehende, 202 cm hohe Adlerpult stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und wird der spätgotischen Zeit zugeordnet. Im Rheinland existieren nur noch drei dieser Art Pulte. Im maasländischen Gebiet gibt es noch mehrere Exemplare.10

Das Pult hat einen dreieckigen, von Löwen getragenen Sockel, worauf sich ein Architekturgehäuse ähnlich der mittelalterlichen Triangel-Vorhallen erhebt. In den Gehäusen befinden sich drei Figuren in Nischen, die die göttliche Trinität darstellen sollen. Eine der Figuren verschwand im 18. Jahrhundert und wurde im 20. Jahrhundert wieder eingesetzt. Unklar ist allerdings, ob dies die ursprüngliche, wiedergefundene Figur ist. Auf den ausgebreiteten Schwingen des Adlers liegt das Evangelienbuch, das in den Gottesdiensten feierlich zur Kanzel getragen wird. Adler und Löwe werden den Evangelisten Johannes und Markus zugeordnet.11

Kredenz

© Wolfgang Lothmann | Kredenz

Karl Iserlohe entwarf auch die Kredenz (Tisch zur Bereitstellung der Gaben) im Jahre 1998, die links vom Zelebrationsaltar steht. Sie wird vorne von Flammen des Heiligen Geistes umlodert, weist an der linken Seite Ähren und Trauben als Versöhnungssymbole auf und zeigt an der rechten Seite ein Bild der „großen Zornkelter (Offb 14,17-20)“.12

Ambo

Für die Vorlesetexte des Priesters schaffte Karl Iserlohe ein Holzambo. Quer über die gesamte Fläche steht ein Zitat aus dem Matthäusevangelium: „DENN WAS WIRD ES DEM MENSCHEN NÜTZEN WENN ER DIE GANZE WELT GEWINNT ABER SEIN LEBEN VERLIERT? MT 16, 26“

Altar in der Krypta

© Wolfgang Lothmann | Altar in Krypta

Der Zelebrationsaltar vor dem Chor der Krypta besteht aus Eichenholz. Um die Mensa herum findet man die Worte Jesu über das letzte Gericht. „Kommt ihr Gesegneten meines Vaters, nehmt das Reich in Besitz, das euch seit Grundlegung der Welt bereitet ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gereicht, ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25, 34 – 35). An den Tischbeinen zeugen züngelnde Flammen vom Geist Gottes. Wolken deuten auf „Leben spendendes Wasser“13.

Tabernakel in der Krypta

© Wolfgang Lothmann | Tabernakel

Im Jahre 1998 wurde der Tabernakel aus der Oberkirche in die Krypta versetzt. Er steht auf einem Altarblock aus rotem Sandstein an der Nordostseite. Der Tabernakel besteht aus Metall mit einer messingplattierten Oberfläche. Die Ecken bestehen aus abgerundetem Emaille. Die Messingplatten enthalten Motive aus Halbedelsteinen. Der Tabernakel entstand 1954.

Kanzel

Die spätgotische, um 1490 entstandene Kanzel, befand sich ursprünglich in der Gasthauskirche. Als diese aufgehoben wurde, verlegte man sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Kapelle Terheeg, wo sie bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts blieb. Sie kam dann als Leihgabe in den 1930er Jahren ins Heimatmuseum Erkelenz. Nach ihrer Restauration 1964/65 kam sie zu Weihnachten 1965 in die Pfarrkirche. Seit 1975 hängt sie an den Stufen des Hochaltars.

Die Kanzel besteht aus fünf Seiten eines Achtecks. Die Seiten sind zweigeteilt und besitzen einen Maßwerkhintergrund. In diesen Teilen sind bzw. waren 12 Figuren als Flachreliefs dargestellt. Das mittlere obere Fach zeigt den Gekreuzigten. daneben standen früher die vier Evangelisten, heute sind es nur noch drei: Markus, Lukas und Matthäus. Im mittleren unteren Fach wird König David dargestellt, daneben Kirchenlehrer, von denen zwei als Hieronymus und Papst Gregor erkannt wurden.14

Figuren und Kreuze

Marienleuchter

Ein bedeutendes Kunstwerk der Kirche ist der Marienleuchter, der etwa in der Mitte des Kirchenraums hängt. Er stammt aus dem Jahre 1517. Die Schützenbruderschaft „Unserer lieben Frau“ schenkte ihn seinerzeit der Pfarrgemeinde. Mathias Baux berichtet, dass das Eisenwerk in Neuss entstand. Die Bemalung und Vergoldung erfolgte nach der gleichen Quelle vom Kölner Johann Erwein.15

Das Motiv der „Lieben Frau in der Sonne“ ist ein verbreitetes Motiv von maasländischen und niederrheinischen Bildhauern des 15. und 16. Jahrhunderts. Ähnliche Leuchter finden sich noch heute in einigen Kirchen der Gegend. Maria wird von der Sonne angestrahlt, gleichwohl steht sie auch auf einer Mondsichel. Bei der Restaurierung im Jahre 1960 erhielt der Leuchter wieder seine ursprüngliche Form. Man stellte fest, dass von der ursprünglichen Fassung nichts mehr erhalten war. Die Restauratoren stellten die neugotische Fassung wieder her und ersetzten die im Jahre 1912 montierten elektrischen Kerzen wieder durch Wachskerzenhalter.
Der Leuchter hängt etwas außerhalb der Mitte der Kirche in Richtung Turmhalle. Er ist insgesamt 3,37 m hoch und besteht aus der Marienfigur, die in doppelter Gestalt nach Osten und Westen schaut. Das Mariendoppelbild wird getrennt von goldenen mandelförmigen Sonnenstrahlen. Beide Figuren tragen das Jesuskind, das in den Armen allerdings in unterschiedlichen Positionen dargestellt wird: Die östliche Madonna hält das Kind in einer Sitzstellung, die westliche ein liegendes Kind mit einer Taube in der Hand. Unter der Marienfigur befindet sich ein siebenarmiger, reich und filigran verzierter Leuchter, der einen Durchmesser von 2,70 m hat. Auf den äußeren Armen befinden sich die Kerzen, nach innen gehen Arme mit musizierenden Engeln ab. Einer dieser Engel trägt ein Spruchband, die anderen halten ein Instrument in der Hand. Die Marienfiguren stehen auf einem sechseckigen Sockel, auf denen sechs Propheten abgebildet sind.16

Marienleuchter

Kreuzigungsgruppe

© Wolfgang Lothmann | Kreuzigungsgruppe

Die Kreuzigungsgruppe gehört zu den ältesten Kunstwerken der Kirche. Sie wurde 1486 aus Eichenholz geschnitzt, allerdings im 19. Jahrhundert in die heutige Fassung gebracht. Die Gruppe hängt heute im Torbogen zum Chor.

Sie enthält den gekreuzigten Jesus mit seiner Mutter zu seiner Rechten und Johannes zu seiner Linken. Kreuz und Figuren stehen auf einem Querbalken. Die Gruppe hat mehrmals im Laufe der Baugeschichte den Ort gewechselt. Vor 1900 haben die Einzelfiguren im inneren Schiff an der Taufkapelle auf dem Boden gestanden. 1899 entdeckte der Bildhauer Tillmanns an der Wand Reste des alten Querbalkens, der den Jochbogen, der den Chor abtrennt, verband. Er stellte die Gruppe auf einen neuen Balken dorthin. Von 1963 bis in die 1980er Jahre hing die Gruppe an der Ostwand des Chores.17

Kreuztragender Christus

© Wolfgang Lothmann | Christus unter dem Kreuz

Diese Figur steht an der Nordwand etwa in der Mitte der Kirche. Das Holzkreuz stammt von Klaus Iserlohe und wurde der Skulptur 1998/99 hinzugefügt. Der 160 cm hohen Christusfigur aus Holz scheint die Last des Kreuzes nichts auszumachen. Christus schaut den Betrachter an. Erich Coester weist darauf hin, dass die Figur einige Ungereimtheiten aufweist. Einerseits ist die Darstellung der Zeit des 15. Jahrhunderts verpflichtet, andererseits kann sie aber auch je nach Darstellung in der Fachliteratur im 17., 18. oder 19. Jahrhundert geschnitzt worden sein.18

Weitere Figuren

Heiliger Matthias

© Wolfgang Lothmann | Sankt Matthias

An der Ostwand des nördlichen Seitenschiffs steht die 155 cm hohe, neugotische Figur des Heiligen Matthias. Sie wurde vom Erkelenzer Bildhauer Peter Tillmanns 1896 gefertigt. In seiner Linken trägt er ein Beil, in seiner Rechten einen Hirtenstab. Zu seinen Füßen liegen zwei Steinbrocken. Beil und Steine weisen auf sein Martyrium hin. Er wurde gesteinigt und enthauptet.19 Der Holzsockel stammt von Klaus Iserlohe aus dem Jahre 1998/99 und enthält ebenfalls die Symbole des Heiligen.

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St. Matthias, by Peter Tillmanns by Frank Maraite on Sketchfab

Heilige Cäcilia

© Wolfgang Lothmann | Cäcilia

Diese 94 cm hohe Figur aus Holz wurde um 1960 von einem Terheeger Bauern auf seinem Speicher gefunden. Pastor Bosch kaufte sie ihm 1967 zum 75-jährigen Jubiläum des Cäcilienchores ab. Ihre Herkunft ist unbekannt. Erich Coester schätzt ihre Entstehung auf das 18. Jahrhundert.20 In der linken Hand hält sie eine Laute, in der rechten trug sie wohl ehemals eine Märtyrerpalme. Ursprünglich hing sie am Orgelgehäuse, heute steht sie auf einem Sockel unter dem großen Fenster der Chorsüdseite. Klaus Iserlohe fertigte ihn im Jahre 1998 und versah ihn mit den Tonsilben Do, Re, Mi, Fa, So, La, Si, Do.21

Figuren im Hauptschiff

Im Hauptschiff hängen insgesamt fünf Figuren: vier oberhalb der Stützpfeiler und eine an der Wand zur Turmhalle. Sie stellen die Heiligen Crispinus und Crispinianus, die Heiligen Aloisius von Gonzaga (Nordwand) und Stanislaus Kosta und die Heilige Anna mit Maria als Figurengruppe dar.

In Richtung Chor stehen sich die Heiligen Crispinus und Crispinianus gegenüber. Dieses 95 cm hohe Figurenpaar aus Eichenholz trägt jeweils einen Mühlstein, der als ihr Marterwerkzeug gilt. Sie waren Schuhmacher, die in Nordgallien das Christentum predigten. Gemäß ihrer Kleidung sollen die Figuren zu Beginn des 16. Jahrhunderts im nördlichen Niederrheinraum entstanden sein.22

An der 2. Säule hängen sich die Heiligen Aloisius von Gonzaga (Nordwand) und Stanislaus Kosta (Südwand, im Heft „Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus“ wird er als Antonius von Padua bezeichnet) gegenüber. Diese ebenfalls 95 cm großen Holzfiguren entstanden in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Aloisius trägt eine Lilie als Zeichen seiner reinen Seele in der rechten Hand, ein Kreuz in seiner linken. Stanislaus trägt ein fröhlich strampelndes Christuskind auf seinem rechten Arm. Vermutlich hat Pfarrer Anton Evertz die Figuren nach dem Erwerb von Reliquien beider Heiliger im Jahre 1806 als Säkularisationsgut erworben. Sie standen ursprünglich zu Seiten des Hochaltars, wurden 1930 in die Antoniuskirche gestellt und kamen dann nach dem Wiederaufbau wieder in die Pfarrkirche.23

An der Westwand hängt die Figurengruppe der Heiligen Anna und Maria. Diese Figurengruppe besteht ebenfalls aus Holz und entstand wohl in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Maria wendet sich mit einem Schulbuch in der Hand Rat suchend an ihre Mutter.24

Heiliger Andreas

© Wolfgang Lothmann | Andreas

Diese Figur hängt an der Westwand des Südschiffes neben der Turmhalle. Sie soll um 1520 in der maasländischen Bildhauerwerkstatt von Meister von Elsloo entstanden sein. Der Figur fehlt die linke Hand. Coester vermutet, dass er darin einen Stab gehalten habe.25 Ob es sich um den Heiligen Andreas handelt, ist ebenfalls nicht sicher. Sie soll bis 1950 in der Karlskapelle in Östrich gestanden haben. Paul Clemen beschrieb die Figur als den Heiligen Nicasius.26

Mit Halbfiguren geschmückte Konsolen

Im südwestlichen Seitenschiffsjoch, neben der Turmhalle, hängen noch Halbfiguren aus Sandstein, die ursprünglich dem Abfangen von Gewölberippen der alten Kirche dienten. Sie entstanden um 1430 und zeigen zwei Engel mit entrolltem Schriftband, einen Engel ohne Schriftband und höchstwahrscheinlich zwei Propheten.

Große Pietà in der Krypta

© Wolfgang Lothmann | Pieta

In einem abgetrennten Raum gegenüber dem Tabernakel steht in der Krypta eine neugotische Pietà aus Holz. Peter Tillmanns hat sie im Jahre 1922 geschaffen. Sie ist eine Nachbildung einer in Stein gehauenen Pietà des Künstlers Gottfried Götting aus Aachen von 1862. Götting schnitzte für den Nordaltar der Heilig-Kreuz-Kirche Keyenberg 1870 die gleiche Figur.27

Kreuzweg

Peter Haak aus Erkelenz schuf im Jahre 1953 die auf 6 Holztafeln dargestellten 14 reliefartigen Kreuzwegstationen für die Pfarre St. Stephanus Kleingladbach, wo sie bis 1994 hingen. Im Jahre 2000 kamen sie in die Sankt Lambertus Kirche nach Erkelenz. Auf vier Tafeln befinden sich je zwei Stationen, auf 2 Tafeln je drei. Die einzelnen Gestalten sind „bis ins Archaische vereinfacht, wobei insbesondere ihre Antlitze an expressionistische Bildwerke von K. Kollwitz und E. Barlach erinnern“28. Sie hängen an der Nordwand rechts und links neben dem Kreuz tragenden Christus unter den beiden Blockfenstern.

Taufbrunnen

Mitten in der Turmhalle steht der Taufbrunnen. Er wurde von Klaus Iserlohe 1998 entworfen und erstellt. Der mandelförmige Taufbrunnen aus Vinalmont Blaustein steht auf einer Platte aus dem gleichen Material. Die Wände zeigen Darstellungen aus der biblischen Schöpfungsgeschichte.

Auf dem Deckel aus Holz erkennt man die Feuerflammen des Heiligen Geistes. „[…] blickt man in das Taufbecken hinein, so hat man den Eindruck, senkrecht in eine geöffnete Blüte zu schauen. Die Mitte der Blüte bildet ein Kreuz, um das vier fächerförmige Blütenblätter einen inneren Kreis bilden. Aus den Zwischenräumen, in denen vier weitere Kreuze sind, erwächst ein äußerer Kreis von vier größeren Blütenblättern von gleicher fächerförmiger Art. Die fünf Kreuze stehen für die fünf Wundmale Christi. Die achtblättrige Blüte erinnert an die Blüte mit acht Blütenblättern, die häufig in der romanischen Kunst auftaucht.“29
„Der Brunnen steht in der Mitte des Paradiesgartens (Gen 2, 4b -17), inmitten der vier Paradiesflüsse Pischon, Gichon, Tigris und Euphrat, die den Garten nach den vier Himmelsrichtungen hin mit lebenspendendem Wasser versorgen.“30

Grabplatten und Gedenktafeln

An der Westwand der Seitenschiffe sind zwei Grabplatten angebracht. In der alten Kirche waren sie im hinteren Langhaus Teil des Bodenbelags. Die nördliche Grabplatte zeigt ein Wappen und trägt die Inschrift: „AO 1629 27 OBRIS OBYT ODILIA SPEGELS WIDWE MERTEN VENRAIDT“ Die südliche Grabplatte lässt keine Inschriften mehr erkennen. Vom Wappen ist nur noch die Helmzier zu erkennen. Coester vermutet, dass sie um 1600 entstanden ist.31

Links neben dem Turmportal hängt eine Steintafel von 1457/58. Die Inschrift weist auf den Einsturz und Wiederaufbau des Turmes hin: „in den Jaren ons heren m cccc lvii des eirsten dags nae sent peter ind pauwels dach toe ix uren veil hie eyn tore(n) nedr ind des andere(n) jairs op de(n) selve(n) dach wart dese bego(n)den weder
Darunter hängt eine bronzene runde Tafel zum Gedenken an das 550-jährige Jubiläum des Lambertiturmes.

Im südlichen Querschiff ist noch eine Steintafel mit der Inschrift „1948 LAPIS PRIMARIUS“, der erste Stein, in die Wand eingelassen. Er erinnert an die Grundsteinlegung nach dem 2. Weltkrieg.

Beichtstühle

In der Krypta befinden sich zwei Beichtstühle. Sie entstanden während der Umgestaltung 1998/99. Klaus Iserlohe versah die Beichtstühle mit Friesen, die das Thema des Kreuzwegs, der an der Nordwand hängt, wieder aufnehmen und den guten Hirten und das Lamm Gottes zeigen.

Gemälde

© Wolfgang Lothmann | Fürbittentafel

An der nördlichen Turmseite des Hauptschiffes hängt eine Fürbittentafel, die der Erkelenzer Arzt und Kunstsammler Dr. Lucas der Kirche stiftete. Sie stammt wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert und wird der Dinkelsbühler Familie Scholl zugerechnet. Es wird die Fürbitte dargestellt, die die Bittsteller für die Seele eines Verstorbenen vor den Richterthron Gottes bringen.32

Fenster

Kirchenraum und Turm

Die Glasfenster im Kirchenraum und Turm wurden vom heimischen Künstler Will Völker aus Lövenich entworfen und in den Glasbildwerkstätten van Gelikum in Kevelaer hergestellt. Sie wurden in den Jahren 1953/54 errichtet.
Die Glasfenster umfassen 3 Gruppen: die 4 Blockfenster an den Seitenwänden, die Fenster des Obergadens und die Fenster im Hauptturm.

Blockfenster an den Seitenwänden

An den Seitenwänden befinden sich je 2 Blockfenster mit 12 Blöcken pro Fenster, wobei die oberen 4 Blöcke Rundbögen enthalten. Die Fenster der Nordseite stellen die Schöpfung der Welt dar, die der Südseite enthalten das Thema „Sakramente der Kirche“. In einem Zeitungsartikel vom März 1954 heißt es zur künstlerischen Gestaltung der Fenster: „Kühn, eigenwillig und in satten Farben werden die Geschehnisse der Weltschöpfung und die Glaubensgeheimnisse der katholischen Kirche in das Glas gebannt und teppichartig ineinander verwoben. Der Betrachter wird beim ersten Ansehen von solcher Farbenglut und Gedanklichkeit verwirrt sein, dann aber wird er sich der Schönheit der Gesamtanlage hingeben, die Sinnbildlichkeit der einzelnen Felder zu erfassen suchen, die farbliche Schönheit (beim Einfließen der Sonne) zu schätzen wissen und mit einiger Einfühlung dieser modernen Kunst Verständnis abgewinnen.33

Fenster in den Obergaden

In den Obergaden befinden sich auf jeder Seitenwandseite 6 Ornamentfenster. Sie sind in hellen Farben gehalten, so dass sie den Kirchenraum erhellen und bei Sonnenschein reizvolle Muster werfen.

Turmfenster

Im Turmjoch befindet sich ein zweiteiliges Fenster über der Eingangstür, an den Seiten je ein kleineres Fenster. Sie enthalten das Thema „Der reiche Fischfang auf dem See Genezareth“. Es werden 2 Szenen dargestellt: Einmal den Fischfang, bevor Christus seine Junger erwählt und zum anderen den Fischfang nach der Auferstehung (Joh 21, 1 – 14) Das Fenster über dem Portal passt sich in der Form dem gotischen Baustil an. Das Fenster passt sich in der Tongebung den Fenstern der Obergaden an.

Fenster des Chorraums

An der Nord- und Südwand des Chores befindet sich jeweils ein zirka 50 m2 großes Fenster mit einem Rundbogen. Das südliche Fenster gestaltet das Thema „Das Lamm und die Hundertvierundvierzigtausend“ nach der Geheimen Offenbarung des Johannes. Es entstand 1960/61. Das nördliche Fenster stellt ebenfalls eine Darstellung aus der Geheimen Offenbarung dar, nämlich „Das himmlische Jerusalem“. Es entstand 1967. Es wird leider durch die eingebaute Orgel der ehemaligen Sankt Martinuskirche Borschemich verdeckt. Beide Fenster stammen von Hubert Spierlings.

Krypta

Hinter dem Zelebrationsaltar befindet sich eine neunteilige Gruppe von schlanken, hohen Rundbogenfenstern, die von Ludwig Schaffrath, einem Bildhauer und Kirchenfenstermaler aus Alsdorf stammen. An den Seitenwänden findet man noch 3 dreiteilige breite Fenster von Klaus Iserlohe. Alle Fenster besitzen eine moderne Grisailleornament-Verglasung. Sie entstanden im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts34 Die dreigeteilten Fenster greifen das Schöpfungsthema auf, die Fenster in der Apsis haben die „neue Schöpfung“ zum Thema.35 36

  1. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 184
  2. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 192
  3. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 82
  4. Erich Coester, a. a. O., Seite 1
  5. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 212
  6. Erich Coester, a. a. O., Seite 11
  7. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 217
  8. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 217
  9. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 197 f.
  10. siehe Erich Coester, a. a. O., Seite 7
  11. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 215 f.
  12. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 202
  13. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 207
  14. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 215
  15. siehe Edwin Pinzek: Der Marienleuchter, a. a. O., Vorderseite des Flyers
  16. siehe Edwin Pinzek: Der Marienleuchter, a. a. O.
  17. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 117 f. und 216
  18. siehe Erich Coester, a. a. O., Seite 8
  19. siehe Erich Coester, a. a. O., Seite 14
  20. siehe Erich Coester, a. a. O., Seite 15
  21. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 119 und 214 f.
  22. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 217 und Erich Coester, a. a. O., Seite 15
  23. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 218 f. und Erich Coester, a. a. O., Seite 15 f.
  24. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 220 und Erich Coester, a. a. O., Seite 11 f.
  25. Erich Coester, a. a. O., Seite 14
  26. siehe Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 224
  27. siehe Erich Coester, a. a. O., Seite 9
  28. Erich Coester, a. a. O., Seite 17
  29. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 194
  30. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 193
  31. Erich Coester, a. a. O., Seite 19
  32. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 228
  33. zitiert nach: Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 186
  34. siehe Coester, a. a. O., Seite 18
  35. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, a. a. O., Seite 193
  36. Text von Wolfgang Lothmann 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 23. 2009. Redaktionsteam St. Lambertus: Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz
  2. Dr. Erich Coester, Die Kirchlichen Kunstwerke im Bistum Aachen. Dekanat Erkelenz, 11.03.2014
  3. Landkreis Erkelenz und Heimatverein der Erkelenzer Lande, Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz, 1964. Friedel Krings: "Unsere Liebe Frau in der Sonne der Engel" zu Erkelenz, Seite 28 bis 38
  4. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Bedeutende Bau- und Kunstwerke in Erkelenz - eine Sammlung von Flyern. Flyer 5. Edwin Pinzek: Der Marienleuchter.
  5. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Bedeutende Bau- und Kunstwerke in Erkelenz - eine Sammlung von Flyern. Flyer 10. Edwin Pinzek: Adlerpult in St. Lambertus.
  6. Wikipedia, https://de.m.wikipedia.org. https://de.m.wikipedia.org, https://de.wikipedia.org/wiki/St._Lambertus_(Erkelenz) (Stand: 12/2021)

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