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Erkelenz im 15. Jahrhundert - Wechselnde Herrscher, florierende Wirtschaft

Kategorien: Zeitgeschehen
Jan. 1400 bis Dez. 1400

Dieser Bericht ist am 28.04.2026 in der Rheinischen Post erschienen.

Im 15. Jahrhundert wuchs Erkelenz stetig – trotz ungeklärter Machtverhältnisse. Günther Merkens vom Erkelenzer Heimatverein erklärt, wie das die Stadt prägte und welches beeindruckende Bauwerk noch heute sichtbar ist.

Nachdem wir im ersten Bericht auf die Erkelenzer Stadtwerdung im 14. Jahrhundert geblickt haben, schauen wir nun ins 15. Jahrhundert. Wie immer ist die Chronik von Mathias Baux dazu eine wichtige Quelle.

Die politische Zugehörigkeit der Stadt war seit den vorherigen Jahrhunderten aufs engste mit dem Herzogtum Geldern verknüpft und dessen wechselreiche Geschichte spiegelt sich auch in der Landesherrschaft von Erkelenz wider. Entsprechend verwirrend sind dann auch die jeweiligen „Herrscher“ über Erkelenz.

Wie im ersten Bericht erwähnt wurde, waren die Herzöge von Geldern seit dem 13. Jahrhundert die Landesherren in Erkelenz. Als diese gegen Ende des 14. Jahrhunderts ausstarben, übernahmen zunächst die Herzöge von Jülich das Herzogtum Geldern und damit auch Erkelenz. Als auch dieses Herrschergeschlecht im Jahre 1423 mit Herzog Reinalds Tode erlosch, fiel Geldern und damit auch Erkelenz an Graf Arnold von Egmont.

Von da an herrschten ständig Streitigkeiten zwischen Jülich und Geldern um den Besitz des Herzogtums Geldern, die über ein Jahrhundert dauerten, und in denen Erkelenz als Grenzstadt zwischen beiden Herzogtümern besonders zu leiden hatte.

Im Jahre 1473 kam Erkelenz an Karl den Kühnen von Burgund. Sechs Jahr später, im Sommer 1476, war Karl der Kühne, der auf seinen Kriegszügen gegen Lothringen befand, persönlich in Erkelenz und nahm die Huldigungen der Bürgerschaft entgegen. Baux erwähnt in seiner Chronik, dass die Stadt dem Gast ein Ehrengeschenk überreichte, „u.a. rumänischen Wein und Süßgebäck, wie es sich gehört“.

Baux schreibt etwas später, dass am 13. Juli 1481 Herzog Maximilan von Österreich die Stadt eingenommen hat. Die Bürger haben ihm als ihren neuen Landesherrn anerkannt und gehuldigt. Maximilian von Österreich war der Schwiegersohn von Karl dem Kühnen. Er war seit August 1477 mit Maria von Burgund, der Tochter Karls des Kühnen, verheiratet und ab 1481 Landesherr von Erkelenz. Im Jahre 1487 war Maximilian nochmals in Erkelenz, zusammen mit dem Bischof von Cambrai.

Im Jahre 1492 fiel Erkelenz dann an den Sohn Arnolds von Egmond, Karl von Egmond, der im selben Jahr persönlich in Erkelenz war und die Huldigungen der Bürger und Geschenke entgegennahm.

Im Jahre 1498 wechselte dann die Landesherrschaft nochmals. Im August 1498 wurde Erkelenz von den Truppen Herzog Wilhelm von Jülich eingenommen, bzw. die Stadt fiel ihm durch Verrat zu, ein Stadttor war geöffnet worden. Einen Tag später huldigt die Stadt dem neuen Landesherrn und es wurde vertraglich vereinbart, dass Erkelenz dem Herzog an zwei Terminen (Weihnachten und Ostern) je 5000 Gulden bezahlen musste sowie 114 Goldgulden für die Bestätigung der Privilegien, so berichtet Baux in seiner Chronik. Baux berichtet auch über ein Loblied zu Geldern, das wohl beweist, dass die Sympathien der Erkelenzer weiterhin dem Herzog von Geldern gehörten.

Das Herzogtum Geldern war in vier Oberquartiere untergliedert. Eines davon war Roermond, zu dem u.a. Erkelenz gehörte. Durch die Zugehörigkeit zum Oberquartier Roermond ergaben sich für Erkelenz wichtige Verbindungen, insbesondere in den Norden des Landes.

Wie die Landeszugehörigkeiten im nächsten Jahrhundert waren, wird im folgenden Bericht erläutert.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung im Mittelalter gehörten u.a. auch der Handel, der überwiegend auf den Märkten erfolgte. Dazu benötigten die Städte entsprechendes Privileg des Landesherrn. Wie lange das Marktrecht in Erkelenz zurückreicht, ist nicht geklärt. Der älteste erwähnte Markt ist der zu Simon und Judä (28. Oktober), der wohl schon vor der Stadterhebung (1326) eingerichtet und vom Aachener Marienstift gefördert wurde. In einer geldrischen Landesrechnung von 1294/95 wird ein Markt in Erkelenz am Tage der beiden Heiligen erwähnt. Dieser Markt wurde aber außerhalb der Stadt abgehalten, ca. 500 Meter südöstlich der Stadt an den Schnittpunkten der Kirchwege von Kückhoven und Bellinghoven. Das ergibt sich daraus, dass dieses Gebiet (heute ehem. Firma Wirth) die Flurbezeichnung „Symon Juden mart“ trägt.

Im Jahre 1422 verlieh Herzog Rainald von Geldern und Jülich, Graf von Zuyphen, der Stadt Erkelenz das Recht, einen freien Wochenmarkt innerhalb der Stadt abzuhalten, und zwar das ganze Jahr immer an einem Donnerstag. Es muss davon ausgegangen werden, dass dieser Markt auf dem „Alten Markt“ (dem heutigen Johannismarkt) stattfand, denn bereits im Jahre 1420 wird von einem Markt in der Stadt gesprochen

Im Jahre 1452 taucht dann der Name „Wolmart“ auf, etwas später (1480) der „Niewe Mart“ südöstlich des „Alten Marktes“ am Gewandhuys bzw. dem heutigen Alten Rathaus gelegen. Ab dieser Zeit hat der „Niewe Mart“ den „Alten Markt“ als Platz für die Märkte wohl abgelöst.

In der Stadt werden es zu dieser Zeit aber auch schon Händler, Handwerker und Gastwirte u.a. ansässig gewesen sein.

Entsprechend den strategischen Bedürfnissen der jeweiligen Landesherren wurde der Bau der Erkelenzer Festungswerke vorangebracht. Im Jahre 1416 entstand unter Rainald IV. von Geldern das dem Brücktor (schon 1355 gebaut) auf der anderen Seite der Stadt gegenüberliegende Maartor (heute Aachener Straße), das sich gegen das südlich der Stadt gelegene Jülich richtete. Im Jahre 1454 wurde das Oerather Tor (heute Roermonder Straße) fertiggestellt,das gegen Roermond gerichtet war. Die Stadttore dienten aber nicht nur der Sicherung, sondern auch der Erhebung der Akzisen, eine Art Verbrauchssteuer auf in die Stadt eingeführten Waren.  Auch der heute noch sichtbare Burgturm wurde im Jahre 1423 gebaut. Diese Befestigungswerke haben der Stadt einiges gekostet, was auch zeigt, dass die Stadt wirtschaftlich gut dastand.

© Archiv Heimatverein | Willi Wortmann | Erkelenz um 15. Jhdt.
Erkelenz im 15. Jhdt.

Ein weiteres großes Bauvorhaben wurde im 15. Jahrhundert vollendet. Wohl noch vor Beginn des 15. Jahrhunderts begann man mit dem Bau der neuen gotischen Kirche, welche die vorherige romanische Kirche ersetzte. Im Jahre 1418 war der Chor fertig, anschließend wurde das dreischiffige Langhaus gebaut. Außerdem verlängerte man im Jahre 1482 die beiden Seitenschiffe entlang des Turmes

Gedenkstein Turmbau

Nachdem der alte romanische Turm im Jahre 1457 eingestürzt war, legte man 1458 den Grundstein zu einem neuen Turm. Der siebengeschossige Turm ist heute 83 Meter hoch, seine Mauern teilweise mehr als drei Meter mächtig und im Stil flandrischer oder brabanter Türme aus Backsteinen mit hellen Blausteinbändern erbaut. Ursprünglich hatte der steinerne Turm eine hölzerne Spitze. Nach einem Brand wurde sie 1883 durch eine Stahlkonstruktion ersetzt, die mit Kupferplatten belegt ist. Eine Erinnerungstafel an den Turmbau befindet sich auch heute noch neben dem Hauptportal.

Der Ausbau dieses großartigen Turmes hat sich wahrscheinlich bis ins 16. Jahrhundert hineingezogen. Er besaß für das verhältnismäßig kleine Städtchen mit 2000 Einwohnern monumentale Ausmaße, was den Reichtum und Wohlstand der Stadt dokumentieren sollten.

Es ist heute gut vorstellbar, wie groß diese mittelalterliche Baustelle gewesen sein muss und welches Treiben hier herrschte. Leider sind der oder die Baumeister nicht bekannt. Aber das viele Handwerker auf der Baustelle tätig waren, ergibt sich durch die Größe der Kirche und des Turmes.

Leider sind Chor und Schiff der Kirche im Februar 1945 völlig zerstört worden. Der Turm wurde schwer beschädigt, konnte aber gerettet werden. Und so zeigt er noch heute die Leistung der mittelalterlichen Bauleute.

Der Wohlstand der Stadt drückt sich auch darin aus, dass schon früh, wir würden heute sagen, soziale Betreuung für die Bürger gewährleistet wurde. Erstmalig wird im Jahre 1452 das städtische Gasthaus in Erkelenz urkundlich erwähnt, hat aber mit Sicherheit schon vorher existierte. Erkelenz hatte ab 1326 die Stadtrechte und es gibt Hinweise, dass es in der Stadt schon früh eine „Armenkommission“ gab. Stiftungen für Arme sind im 15. Jahrhundert belegt, z. B. die von Peter Wimar. Peter Wimar, auch Peter Wym(m)ar, Petrus de Ercelens oder Peter von Erkelenz genannt, wurde geboren in Erkelenz; gestorben ist er am 16. Februar 1494 in Kues an der Mosel. Er war Sekretär des Kardinals Nikolaus von Kues und Stiftsdechant in Aachen.

© Archiv Heimatverein | Willi Wortmann | Gasthaus und Gasthauskapelle, 1550
Das Gasthaus und die Gasthauskapelle zur Zeit der Entstehung

Ständige Bewohner des Gasthauses, insbesondere der Wohnungen, waren aus Erkelenz stammende Arme und Kranke. Es gibt kaum Zahlen über die Belegung, sie lassen sich hier und da aus bestimmten Rechnungen punktuell ableiten. Außer den ständigen Bewohnern nahm das Gasthaus auch vorübergehend z. B. Pilger, Soldaten oder fahrendes Volk auf.  Die Lage von Erkelenz an der Fernstraße Köln – Roermond – Antwerpen lässt ein hohes Aufkommen an Pilgern und Reisenden vermuten, so dass auch aus dieser Sicht ein Bedarf für die Unterbringung bestand. Für diese war der Aufenthalt jedoch begrenzt, in der Regel für eine Nacht, es sei denn, es handelte sich um kranke Personen.

Mathias Baux hat in seiner Chronik weitere Ereignisse in Erkelenz im 15. Jahrhundert festgehalten. So berichtet er u.a., dass im Jahre 1406 die erste Uhr in Erkelenz, wahrscheinlich am Kirchturm, angebracht wurde. Etwas später, 1413 wurde der erste Stein für das Fundament der Kirche von Kückhoven gelegt. Im Jahre 1418 wurde in der neugebauten Pfarrkirche ein neuer Altar geweiht. Im Jahre 1420 wurde auf dem Markt in Erkelenz ein neuer Brunnen gebaut, der für die Wasserversorgung der Bürger lebenswichtig war. 1423 wurde mit dem Bau des Mühlenturms in der Nähe des Maartores (heute an der Ecke Wilhelmstraße – Südpromenade) begonnen. Es war die erste steinerne Mühle in Erkelenz. Beim Bau der Befestigungswerke wurde der Turm darin einbezogen. Aber schon im Jahre 1489 war der Turm baufällig und wurde samt der Mühle abgebrochen. Ob er wieder aufgebaut wurde, ist nicht bekannt. Im Jahre 1491 wird zum ersten Male die vor dem Oerather Tore liegende Windmühle erwähnt, sie sicherlich älter ist.

Baux erwähnt weiter, dass 1452 eine Karlskapelle errichtet wurde. Allerdings nicht an der heutigen Stelle in Oestrich, sondern in der Nähe des heutigen Ziegelweihers in der Flur „Auf dem Kahler“ stand. Ihre Existenz wurde durch ein Testament aus dem Jahr 1746 bestätigt. Im Jahre 1457 wird in Wockerath die Kapelle erbaut.

Bedeutende Personen im 15. Jahrhundert in Erkelenz waren der schon erwähnte Peter Wimar sowie Arnold von Harff. Arnold von Harff, geboren 1471 vermutlich auf Schloss Harff bei Bedburg, gestorben im Januar 1505, Sterbeort möglicherweise Lövenich, jedenfalls wurde er in der dortigen Pfarrkirche beerdigt. Er war ein Ritter, der zu den drei bedeutendsten Pilgerzielen des christlichen Mittelalters, nämlich nach Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela pilgerte und über seine Reise durch Europa, Palästina und das Osmanische Reich einen ausführlichen Bericht in deutscher Sprache verfasste. Wichtige historische Zeugnisse neben den Schilderungen der Wallfahrt sind auch die von Arnold von Harff mitgeteilten Glossare, etwa zur kroatischen, albanischen oder bretonischen Sprache.

Der Bericht zeigt, dass in Erkelenz im 15. Jahrhundert doch so einiges geschehen ist. Von einem verträumten Provinznest kann sicherlich nicht die Rede sein. Im nächsten Bericht lesen Sie dann, was in Erkelenz im 16. Jahrhundert so alles passierte.1


 
 
 

  1. Text von Günther Merkens, 2026 für die Rheinische Post vom 28.04.2026.
  1. Gaspers/Sels, Geschichte der Stadt Erkelenz . Erkelenz, 1926
  2. Hiram Kümper (Hrsg.), Mathias Baux: Chronik der Stadt Erkelenz und des Landes von Geldern. Faksimile - Transkription - Übersetzung, Band 1. Neustadt an der Aisch, ISBN: 978-3-9815182-9-0, 2016
  3. Hiram Kümper (Hrsg.), Mathias Baux: Chronik der Stadt Erkelenz und des Landes von Geldern. Erläuterungen - Kommentare, Band 2. Neustadt an der Aisch, ISBN: 978-3-9815182-9-0, 2016

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