Vorbemerkung
Fährt man von Genhof nach Lentholt, so liegt der jüdische Friedhof auf der Straße „In Lentholt“ unmittelbar nach der scharfen Linkskurve auf der rechten Straßenseite vor dem Ortseingang. Der heutige Friedhof ist durch eine Hecke eingefriedet. Er enthält keine Grabsteine mehr. Lediglich ein Gedenkstein weist darauf hin, dass an dieser Stelle der jüdische Friedhof war.
Geschichte
Der jüdische Friedhof in Lentholt war der Bestattungsort für die Juden in Schwanenberg, lange Zeit auch für die Juden in Erkelenz. Friedel Krings zitiert in seinem Artikel über die Juden im Erkelenzer Land den Bürgermeister Otto Kauertz aus Schwanenberg, der 1843 an den Landrat berichtete, dass bereits eine Synagoge und ein jüdischer Friedhof seit Jahrhunderten in Lentholt bestünden.1 Die vage Aussage sagt nichts über den genauen Zeitraum der Entstehung des Friedhofs aus, lässt aber vermuten, dass der Graf von Wickrath als Grundherr den Schwanenberger Juden einen Teil seines Besitzes als Friedhof zugestanden hat.
Im Urkataster von 1819 wird erstmals der Name „Am Juden Kirchhof“2 und damit die Existenz eines jüdischen Friedhofs erwähnt. Als Eigentümer wird die Gemeinde Schwanenberg angegeben. Zu diesem Zeitpunkt scheinen die Eigentumsverhältnisse noch nicht geklärt gewesen zu sein, denn der Friedhof mit seiner Gesamtfläche von 972 qm gehörte zu einem Grundstück von etwa 3170 qm (1 Morgen, 47 Ruthen und 11 Fuß), das der Domänenverwaltung3 gehörte. Wahrscheinlich handelte es sich um ein enteignetes Grundstück des Grafen von Wickrath, wie oben bereits erwähnt. 1818 entstand ein Streit zwischen Gemeinde- und Domänenverwaltung, wem das Grundstück gehöre. Dieser Streit wurden 1820 zugunsten der Gemeinde Schwanenberg entschieden. Die gesamte Fläche nannte man den Judenacker, wobei der südliche Teil ausschließlich als Begräbnisstätte diente.
Im Jahre 1868 teilte die Gemeinde die Parzelle in einen nördlichen und südlichen Teil. Der südliche Teil wurde von der jüdischen Gemeinde gekauft, die nun auch Besitzerin des Friedhofes war.
Im Jahre 1938 wurden der Friedhof geschändet und dabei sämtliche Grabsteine zerstört und abtransportiert, um als Straßenbau- und Verfüllmaterial zu dienen. Die Heckenumfriedung wurde abgeholzt, das Gelände als Gemüsegarten und Viehweide genutzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof 1952 der „Jewish Trust Corporation for Germany“ übertragen. Der Vorbesitzer verpflichtete sich, einen Elektrozaun gegen das Vieh zu errichten und er legte ein Ehrenmal an. Das bestand aus zwei Blutbuchen und immergrünen Sträuchern.
Im Jahre 1958 verpflichtete der Regierungspräsident die Gemeinden zur Betreuung aller jüdischen Friedhöfe in ihrem Amtsbezirk, egal, in wessen Eigentum das Gelände stand. Für Schwanenberg erließ er: „…der Friedhof … bedarf einer einfachen Umzäunung, sowie der Anbringung einer würdigen Gedenktafel, die auf die Bedeutung der Stätte hinweist.„4 Der Gemeinderat beschloss, den Friedhof mit einer Hainbuchenhecke einzufassen und einen Gedenkstein mit der Inschrift „Jüdischer Friedhof“ aufzustellen.
Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Berichtes steht nur dieser Gedenkstein inmitten des Friedhofgeländes. Auf der umgebenden Grasfläche wachsen sechs Linden. Das Gelände gehört heute dem „Landesverband der jüdischen Kultusgemeinden vom Niederrhein“. Die Stadt Erkelenz pflegt den Friedhof. Jeweils am 9. November erfolgt am Gedenkstein eine kleine Gedenkfeier für die jüdischen Opfer der NS-Zeit.
Anlage
Der heutige Friedhof hat eine Größe von 972 qm. Ihn umfasst eine Buchenhecke. Zur Straßenseite wird die Hecke durch ein kleines Tor mit dem Schwanenberger Wappen auf der Höhe des Gedenksteins unterbrochen, auf der Südseite durch ein zweiflügeliges Tor, in dessen Hälften ein siebenarmiger Leuchter und ein Davidstern eingearbeitet sind.
Von der Straße „In Lentholt“ führt hinter dem Eingang ein gepflasterter Weg zum Gedenkstein. Von den ursprünglich 7 Bäumen (6 Linden und eine Platane) sind nur noch 6 übrig geblieben: 2 südlich und 4 nördlich des Gedenksteins. Der Boden besteht aus einer Rasenfläche.
Westlich des zweiflügeligen Tores steht die 4. Tafel der „Route gegen das Vergessen“, die der Heimatverein der Erkelenzer Lande an markanten Punkten der Stadt aufstellen ließ.5
- Friedel Krings, 1981, Seite 99
- Die Darstellung dieses Artikels folgt dem Artikel „Der Friedhof in Lentholt“ von Hubert Rütten im Band 22 der Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e. V., a. a. O., Seite 45 ff.
- Nach dem Einmarsch der Franzosen gebildete Verwaltung, die den enteigneten Besitz der Adligen verwaltete.
- Rütten, 2008, Seite 47
- Text von Wolfgang Lothmann 2026 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. Dank an Hubert Rütten für seine fachlich fundierte Beratung und Durchsicht.
- , Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 22, 2008. Hubert Rütten: Lebensspuren - Spurensuche. Jüdisches Leben im ehemaligen Landkreis Erkelenz. Zum Friedhof in Lentholt Seite 45 - 47
- , Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz, 1981, Seite 94 bis 106. Friedel Krings: Die Juden im Erkelenzer Land
- , Wikipedia Deutsch. https://de.m.wikipedia.org/, /wiki/J%C3%BCdischer_Friedhof_(Schwanenberg) (Stand: 25.06.2026)
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