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Weihnachten 1945 in Erkelenz - Eine Erinnerung

Ein Zeitzeugenbericht von Günther Merkens

Die Vorweihnachtszeit ist heute – neben der allgemeinen Hektik – u. a. geprägt von sehr viel Licht. An und in den Häusern, in Vorgärten oder auf Terrassen leuchten tausende von Lichtern und noch mehr Lichter leuchten auf Straßen und Plätzen, Lichtergirlanden, Tannenbäume und vieles mehr erhellen die Dunkelheit und auf den Weihnachtsmärkten erstrahlen tausende Lichter.

© Wolfgang Lothmann | Brunnen
Weihnachtsmarkt 2025 in Erkelenz

Desweiteren treibt die Menschen in der Weihnachtszeit der Gedanke um, was und wem schenke ich etwas oder was essen wir zu Weihnachten. Dabei ist heute alles, wirklich alles, vorhandenen. Das Problem besteht nicht darin, etwas zu besorgen, sondern darin, was wähle ich an Geschenken aus und welches Weihnachtsmenü ist angesagt.

Weihnachten 1945

Wie war es denn Weihnachten vor 80 Jahren, also im Jahre 1945? Nach sechs Weihnachten im Krieg war es jetzt ein Weihnachten im Frieden. Nach langen Jahren spürten die Menschen vielleicht etwas von dem Frieden, der von der Krippe ausgeht?

Aber wie ging es den Menschen – es waren schon recht viele zurückgekehrt -, die zu dieser Zeit in Erkelenz lebten? Diese lebten in und mit Trümmern. Die Bewohner waren ein Volk von Bomben- und Evakuierungsgeschädigten. Was die Bomben verschont hatten, raubten und zerschlugen Plünderer. Was dann noch vorhanden war, waren Räume mit vernagelten Fenstern, geborstenen Fassaden und notdürftig geflickten Dächern, die dem Winterwetter nicht stand hielten. So lebten die Erkelenzer auch zu Weihnachten 1945.

Hermann Schwingens | Markt, Ecke Berückstraße, 1945
Am Markt/Ecke Brückstraße im Jahre 1945

Nach dem Ende des Krieges im Februar 1945 herrschte in der Stadt Mangel an allen Ecken und Kanten und die heutigen Sorgen zu Weihnachten spielten keine Rolle. Die Versorgungslage für den täglichen Bedarf war auch zu Weihnachten 1945 noch nicht viel besser als bei Kriegsende. Geschäfte, insbesondere für Nahrungsmittel, gab es nur wenige. Und die hatten durchweg nichts, was sie hätten verkaufen können. Das wurde erst mit der Währungsreform am 21.06.1948 schlagartig besser, dann gab es plötzlich wieder vieles. In Erkelenz funktionierte als erste Bäckerei am 29. April 1945 die von Heinrich Schröder am Markt.

Und an Weihnachtsbeleuchtung so wie heute, öffentlich oder privat, war überhaupt nicht zu denken. Die Stromversorgung war zum Kriegsende völlig zusammengebrochen und im Laufe des Jahres 1945 wurde eine erste Notversorgung aufgebaut, eine vollständige Stromversorgung in der Stadt wurde erst im Lauf des Jahres 1946 wieder hergestellt. Die erste Weihnachtsbeleuchtung rund um den Markt wurde etwa Anfang der 1950iger Jahre installiert.

Weihnachten ohne Tannenbaum war eigentlich in Deutschland undenkbar, zu Weihachten 1945 war es denkbar. In den Zimmern erzeugten die Menschen mit evtl. noch vorhandenen Wachskerzen und Tannengrün aus dem Wald etwas weihnachtliche Stimmung. Und Geschenke? Oft wurde aus dem was zur Verfügung stand etwas gebastelt, denn zu kaufen gab es fast nichts, abgesehen davon, ob Geld dafür vorhanden war.

© https://www.ebay.de/itm/196902420689 | unbekannt | Lebensmittelkarten

In den Wochen vor Weihnachten wurden Brot- und Fleischmarken gespart, damit zu Weihnachten etwas mehr auf dem Teller war als die täglichen Hungerrationen. Übrigens: Kinder bekamen eine Sonderzuteilung von 400 Gramm Süßigkeiten. Ob es diese aber in den Geschäften gab, war mehr als fraglich.

© Archiv Heimatverein | Hermann Schwingens | Notkirche Sankr Lambertus, 194546

Zu Weihnachten 1945 gab es in Erkelenz Gottesdienste der katholischen und evangelischen Christen. Die Pfarrkirche Sankt Lambertus war völlig zerstört. Im Juli 1945 wurde im ehemaligen Lambertussaal – da wo heute das Pfarrzentrum Sankt Lambertus ist – eine Notkirche eingerichtet. Da diese Notkirche sehr beengt war, fasste sie nicht alle Gläubigen, die am Weihnachtsgottesdienst teilnehmen wollten. Deshalb wurde ein zweiter Weihnachtsgottesdienst gefeiert. Die Notkirche wurde später durch die Einbeziehung einer ehemaligen Wehrmachtsbaracke erweitert.

Auch die evangelische Kirche war völlig zerstört. Evangelischer Gottesdienst wurde zunächst in einigen Privaträumen und dann im erweiterten ehemaligen Wintergarten des Pfarrhauses abgehalten. Hier fand auch der Weihnachtsgottesdienst 1945 statt.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | Evangelische Kirche

Interessant ist, das an besonders bedürftige Kriegshinterbliebene aus dem 1. Weltkrieg zu Weihnachten 1945 eine Unterstützung aus Mitteln der Nationalstiftung vorgesehen war. Für den Kreis Erkelenz galt das für drei Personen (Kriegerwitwen, Waisenkinder oder Eltern), die von den Gemeinden dem Landrat vorzuschlagen waren.1

Ich selber habe nur wenige Erinnerungen an Weihnachten 1945. Meine Eltern und ich – ich war sechs Jahre alt – waren kurz vor Weihnachten aus der Evakuierung in Sachsen nach Erkelenz zurückgekehrt. Da unsere vorherige Wohnung nicht mehr zur Verfügung stand, kamen wir zunächst bei Verwandten Im Pangel – dort waren viele Häuser nicht zerstört – „unter“. Mehr als ein Zimmer hatten wir nicht, Küche und Wohnzimmer wurden mit den Bewohnern geteilt. Da diese Familie aus sechs Personen bestand und es ein normales Einfamilienhaus war, herrschte mit neun Personen drangvolle Enge. Anfang 1946 wurden uns dann zwei Zimmer in einem Einfamilienhaus im Kairo im Rahmen der Wohnraumbewirtschaftung zugewiesen.

Ich weiß nicht mehr, wie es zu Weihnachten 1945 war, insbesondere, ob es Geschenke gab. Aber damals wie heute waren Eltern bemüht, ihren Kindern eine Freude zu machen, wie denn auch immer.

Die Mehrheit der heutigen Generation hat Gott sei Dank diese Zeit nicht erlebt, aber einige der Leser werden sich mit mir noch an Weihnachten 1945 erinnern. Aber allen sollte bewusst sein, wie es vor 80 Jahren in Erkelenz war.2

  1. Information Stadtarchiv Erkelenz
  2. Text von Günther Merkens 2025 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.

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