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Lützerath

sonstiger Name: Lutzelenrode
1168 bis 2019

Allgemeines

Lützerath ist ein Weiler im Norden von Immerath (alt). Er gehörte jahrhundertlang zur Gemeinde und Pfarre Immerath (alt). Die Ortschaft wird von einigen Bauernhöfen und Wohnhäusern gebildet. Ähnlich wie andere Erkelenzer Gemeinden im Osten der Stadt, wird auch Lützerath in wenigen Jahren dem Tagebau Garzweiler II weichen müssen.

Das folgende Video zeigt Lützerath im Jahre 1989.

Auszug aus dem Film „Wunderbare Welt – Bedrohte Ortschaften“ der Stadt Erkelenz von 1989 (Copyright Stadtarchiv F5/43)

Lage

Lützerath liegt am östlichen Rand der Stadt Erkelenz in Nordrhein-Westfalen.

Geschichte

Ortsname

Im Jahre 1168 wird der Name des Dorfes als „Lutzelenrode“ urkundlich erwähnt. Er erfuhr bis zum Jahre 1651 leichte Veränderungen. Ab diesem Jahr wird der Ort mit dem heutigen Namen bezeichnet.

Lange Zeit wurde der Name aus dem Althochdeutschen als „kleine Rodung“ abgeleitet1. Karl L. Mackes weist allerdings darauf hin, dass die Ortschaftsnamen, die auf „-rode“ endet, häufig einen Rufnamen als Beiwort haben. Er führt den Namen auf „Lutzelin“, einem althochdeutschen Rufnamen hin. Demnach besagt der Ortsname, dass hier die Rodung des Lutzelin gewesen ist.2

Entwicklung

Ursprünglich bestand Lützerath aus drei großen Gütern. Zwei dieser Güter fielen im 12. und 13. Jahrhundert an die Klöster Neuwerk und Duissern.

Urkundlich wird der Verkauf des Neuwerker- oder Paulshofes an das Benediktinerkloster Neuwerk (heute Mönchengladbach-Neuwerk) 1168 erwähnt. Diese Urkunde ist die erste, die den Ortsnamen „Lutzelenrode“ nennt, somit auch die erste Erwähnung des Ortes.

Der Duissener-, Mönchs- oder Wachtmeisterhof war von 1265 bis 1802 im Besitz des Klosters der Zisterzienserinnen in Duissern bei Duisburg. Als die Nonnen im 14. Jahrhundert den Hof an einen Mönch verpachteten, erhielt der Besitz den Namen Mönchshof, die Besitzer waren die Mönche, auch dann noch, wenn sie gar keine Mönche mehr waren. Wie und wann der Name Wachtmeisterhof entstand, ist nicht überliefert. Der Name taucht 1927 bei der Verpachtung an Peter Pesch auf. Der Hof wird noch heute durch die Familie Heukamp bewirtschaftet.

Gegenüber dem Wachtmeisterhof liegt der Junkershof, ein Ritterlehen der Edelherren von Wevelinghoven. Nach dem Aussterben des Geschlechtes fiel der Hof an die Grafen von Bentheim-Teklenburg, die bis zur Franzosenzeit Besitzer des Hofes waren. Da bis Ende des 17. Jahrhunderts der Hof nur an Adlige beliehen wurde und Adlige im Volksmund „Junker“ genannt wurden, bekam er den Namen „Junkershof“3. Nach der Franzosenzeit wurde der Hof auf Splisse4 aufgeteilt. Die Erben der Besitzer verkauften nach und nach Land und Gebäude. 1927 besaß der Hof noch 31 ha Land.

Umsiedlung

Seit 2006 wurde Immerath (neu) errichtet und die Umsiedlung startete. Der Rückbau des alten Dorfes begann 2013.  Ab 2017 galt die Umsiedlung als abgeschlossen. Der Ortsname und die Straßen werden nicht mehr mit dem Zusatz „neu“ bezeichnet. Im Januar 2018 erfolgte der Abriss der Immerather Kirche. Ende 2018 wird Immerath von der Landkarte verschwunden sein. In Lützerath wird die Umsiedlungsmaßnahme 2019 abgeschlossen sein. Mitte 2019 wohnen noch 20 Einwohner in dem Ort. 5

Lützerath 2018 aus der Luft

Bevölkerung

Entwicklung

Lützerath ist ein einwohnermäßig kleines Dorf, das abgesehen von wenigen Ausnahmen immer unter hundert Einwohnern besaß. Mackes6 verzeichnet für das Jahr 1970 105 Einwohner. Im Zuge des Verkaufs der Dörfer Pesch, Immerath und Lützerath an RWE-Power sank die Einwohnerzahl kontinuierlich. Aus den Statistiken der Stadt Erkelenz ergaben sich für 2008 noch 79 Einwohner. Die Zahl sinkt im Jahre 2012 auf unter 40 Einwohner. Im Jahre 2019 wohnten noch 20 Einwohner in dem kleinen Ort.7

Erwerbsstruktur

Die Bevölkerung war bis ins 19. Jahrhundert hinein vorwiegend in der Landwirtschaft tätig. Allerdings ist für 1799 belegt, dass in Lützerath sich ein Händler, ein Schmied und 3 Tagelöhnerfamilien ansiedelten.8 Wie in den anderen Umsiedlungsorten auch entwickelte sich die Erwerbsstatistik im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zugunsten der industriellen Berufe. In Lützerath waren 1970 außerhalb der Landwirtschaft 78 von 105 Menschen beschäftigt.9

Religion

Lützerath gehörte zur katholischen Pfarrgemeinde Sankt Lambertus Immerath. Die Bevölkerung gehörte zum großen Teil dem katholischen Glauben an.

10

 

 

 

 

  1. Karl L. Mackes: Erkelenzer Börde und Niersquellengebiet, a. a. O., Seite 173
  2. Karl L. Mackes, a. a. O., Seite 173
  3. Karl L. Mackes, a. a. O., Seite 181
  4. Karl L. Mackes, a. a. O., Seite 181
  5. siehe https://www.erkelenz.de/planen-bauen-wohnen-umwelt/umsiedlungen-tagebau-garzweiler-ii/immerath-pesch-luetzerath-und-borschemich/
  6. Karl L. Mackes: a. a. O., Seite 173
  7. siehe https://www.erkelenz.de/tourismus-kultur-sport-freizeit/stadtportrait/bevoelkerungsentwicklung/
  8. siehe Karl L. Mackes, a. a. O., Seite 297 und Peter Staatz:  Geschichte im Schatten von Sankt Lambertus, a. a. O., Seite 46
  9. siehe Karl L. Mackes, a. a. O., Seite 299
  10. Text von Regina Recker, Rudolf Recker-Proprenter und Wolfgang Lothmann  2018 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. unbekannter Autor, www.erkelenz.de. www.erkelenz.de, /tourismus-kultur-sport-freizeit/stadtportrait/bevoelkerungsentwicklung/
  2. Pfarrgemeinderat der Pfarre St. Lambertus in Immerath, Geschichte der Pfarre St. Lambertus in Immerath 1975. 1975, S. 1 ff.
  3. unbekannter Autor, www.erkelenz.de. www.erkelenz.de, /planen-bauen-wohnen-umwelt/umsiedlungen-tagebau-garzweiler-ii/immerath-pesch-luetzerath-und-borschemich/
  4. Karl L. Mackes, Erkelenzer Börde und Niersquellengebiet. Mönchengladbach, ISBN: 3-87448-122-0, 1985, S. 173 ff.

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