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Haus Palant

sonstiger Name: Haus Borschemich
Borschemich (alt)
1135 bis 08.12.2015

Lage und Bauweise

Das niederrheinische Wasserschloss „Haus Palant“ lag bis zu seinem Abriss östlich der Anlage der Martinuskirche an der Sankt-Martinus-Straße. Vor

© Wolfgang Lothmann | Lothmann | Paland Tranchotkarte von 1808
burg und der Hauptburg befanden sich auf einer von Wassergräben umflossenen Insel. Wahrscheinlich wurde das Grabensystem von der Köhm umflossen. Die Tranchotkarte zeigt diesen Zustand noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Das Herrenhaus bestand aus 4 aus Backsteinen errichtete Gebäudeteilen, die sich um einen rechteckigen Hof gruppierten. Der südliche Gebäudeteil enthielt jeweils Ecktürme und wurde wahrscheinlich um 1600 erbaut.

Im Jahre 2015 waren von der Hauptburg noch der südöstlich Eckturm mit einem Pyramidendach und einer Wetterfahne mit dem Palandschen Wappen erhalten, das das 2-geschossige Wohnhaus mit geschweiften Treppengiebel und Eckturm im Süden, der kleine, nördliche Wohntrakt mit Treppengiebel nach Westen und der Ostflügel mit dem großen Korbbogentor. Über dem Eingang war das Ehewappen Palant-Nievenheim angebracht. In der östlichen Außenwand des Herrenhauses war in der Nähe des Eingangstores ein aus Sandstein gehauener Kaminsturz eingemauert. Die vier Ahnenwappen Batenborg, Pallant, Leraet und Wylich Anno 1624 sowie eine Inschrift TANDEM BONA CAUSA TRIUMPHAT (End­lich siegt die gute Sache), waren verwittert und nicht mehr lesbar. Über dem eingemauerten Kaminsturz prangte der Kopf eines Fabelwesens. Vor dem Eingang eingemauert war eine stark abgetretene Grabplatte mit den Doppelwappen „Palant“ und „Graß“ sowie dem Rest einer Inschrift „zur Geyen“. Diese Platte deckte einmal das Grab der Maria Anna von Palant, gestorben 1784, vermählt mit E.W. von Graß zu Geyen.

Das gesamte Wohnareal  hatte eine Grundfläche von 625 Quadratmetern.

Nach der Tranchot-Karte bestand die ehema­lige, heute nicht mehr vor­handene Vorburg aus einem südlichen und östlichen Gebäudeflügel, die im rechten Winkel zueinander standen und durch einen Rundturm verbunden waren. Die Zufahrt führte von der Straße über den Außengraben am Westende des südlichen Wirt­schaftsgebäudes vorbei in den Innenhof der Vorburg und von dort über eine Zugbrücke zur Toranlage des Herrenhauses.

Beim Abbruch des Herrenhauses  Ende 2015 wurden Grundmauern aus Backstein für einen  bisher unbekannten Wohnturm  mit einer Seitenlänge von 12 m aus dem 14. Jh. freigelegt. Weitere Funde im Grabungsbereich lassen auf einen vermutlich hölzernen Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert schließen.

Nach schriftlichen Überlieferungen wurden sowohl Haus Pesch als auch Haus Palant  bis zum Ende des Kölnischen Krieges häufig von Überfällen und Plünderungen heimgesucht. Daher war zum Schutz  die gesamte Anlage von einem doppelten Grabenring umgeben und nur über Brücken mit Torhäusern zugänglich.

Mit dem Ende des Kölnischen Krieges entfielen die Schutz- und Wehrfunktion und um 1600 konnte mit dem Bau des jetzt abgerissenen Herrenhauses begonnen werden.

Geschichte

© Copyright (C) reserved | Historisches Archiv der Stadt K | Haus Palandt nach Codex Welser (Hist. Archiv Köln Best. 7101 P 650 Blatt 9V)

Das Haus in Borschemich war der Stammsitz eines begü­terten Rittergeschlechtes, das mit Theodericus von Birsmich zwischen 1135 und 1180 erstmalig erwähnt wird. Im Jahre 1289 war der Ritter Gottschalk von Birsmich Gerichtsherr. Mit ihm starb das Geschlecht der Ritter von Birsmich um 1400 aus. Das Haus war dann als Lehen der Herzöge von Jülich ausgewiesen.

Nach dem Ritterzettel fiel Haus Borschemich um 1470 von den Her­ren Oesse von Walhusen an „Johan van Folderoide zo Birsmich“. Eine seiner Töchter vermählte sich mit Jo­hann von Ottenstein. Das Ehepaar hatte eben­falls mehrere Töchter, von denen Margarete von Ottenstein, die Erbin des Hauses Borschemich, den Wilhelm von Harff heiratete.

Im Jahre 1584 schließlich ehelichte Christoph von Palant zu Breidenbend eine von Hanf, wurde dadurch Mitbesit­zer des Hauses Borschemich, das dann nach seinem Na­men Haus Palant genannt wurde. Spanische und Kölni­sche Truppen plünderten und brannten 1586 das Haus nieder. Wahrscheinlich wurde nach der 2. Plünderung das Schloss um 16001 in dem Zustand aufgebaut, deren Grundsubstanz dann 2015 abgerissen wurde. Es wechselte im 18. Jahrhundert noch mehrfach adelige Besitzer, bis es im Jahre 1837 Edmund Raitz von Frentz zu Kellenberg an die Familie Loerkens verkaufte. Diese Familie war 176 Jahre Eigentümerin der Anlage. Eigentümer und Nachfahren wohnten dort und hatten den Besitz mit um­fangreichen Restaurierungsarbeiten erhalten.

Text von Manfred Rietz und Wolfgang Lothmann

  1. siehe Heimatblätter Monatsschrift für Heimatkunde, Nr. 1 1927, Seite 7
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Bedeutende Bau- und Kunstwerke in Erkelenz. Flyer 16, Haus Paland
  2. Karl L. Mackes, Erkelenzer Börde und Niersquellengebiet. Mönchengladbach, ISBN: 3-87448-122-0, 1985, Seite 103 bis 116
  3. Erkelenzer Geschichts- und Altertumsverein (Hrsg.), Heimatblätter Monatsschrift für Heimatkunde. 1927, Nr. 1, Seite 6 ff

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