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Rad- und Motorradrennbahn "Erka" in Erkelenz

Vorbemerkung

In den 1850/60er Jahren wurde das Fahrrad nicht nur zu einem kostengünstigen Verkehrsmittel, sondern das Radfahren entwickelte sich gleichzeitig auch zu einem Freizeitvergnügen und zu einer wettkampfmäßig betriebenen Sportart. 

Bahnradrennsport war schon in den 1890er Jahren ein Publikumsmagnet. Straßenrennen gab es damals wegen der schlechten Straßen nur sehr wenige, in einigen Städten war das Fahrradfahren auf der Straße sogar verboten. Ab 1909 wurden immer mehr Radrennbahnen in Deutschland gebaut. Fast in jeder deutschen Stadt gab es eine Radrennbahn. 

Im Rheinland gilt der Radsport neben dem Boxen als die vielleicht bedeutendste und beliebteste Sportart überhaupt. Die Gründungsjahre zahlreicher, teils heute noch bestehender Radsportvereine, liegen häufig in diesen Jahrzehnten (z. B. RV Viktoria-Erkelenz-Hoven e. V. gegr. 1921). 

Geschichte

Der Exerzierplatz an der Westpromenade wurde zunächst als Fußballplatz vom Sport-Club 09 Erkelenz und vom Turnverein Erkelenz 1860 e.V. genutzt.

100 m breit und 150 m lang erstreckte sich der Wiesenstreifen von der städtischen Bleiche nordwestwärts bis zu einem Feldweg zwischen Matzerather- und Zehnthofweg. Seine Langseiten waren von jungen Linden- und Ahornbäumen flankiert und ringsum war der Platz von einer lebenden Hecke eingeschlossen mit einem Tor zur Westpromenade. Nach Nordosten grenzte der Platz an die ausgedehnten Wiesen des Erkelenzer Krankenhauses, nach Südwesten im Bereich des heutigen Berufskollegs an Gärten und einer anschließende Wiese. 

Die Stadt Erkelenz hatte diesen Platz 1830 für das Landwehr-Reserve-Bataillon Erkelenz zur Verfügung stellen müssen. Als Exerzierplatz diente er bis zum Jahre 1898. Der Platz wurde nur gelegentlich zu militärischen Zwecken benutzt, zum Beispiel 1914 bei der Einziehung von Truppen des Erkelenzer Gebietes. 

Es war ein glücklicher Zufall, dass dieser große und günstige städtische Platz überhaupt vorhanden war und dem Spielverein Erkelenz kostenlos zur Verfügung stand. 

© Stadt Erkelenz | Luftbildaufnahme Sportplatz-1966
Luftbildaufnahme Erkelenz- Umlegungsgebiet VI -1966

Erste Umbaumaßnahmen

Der Fußball- und Sportplatz wurde bereits 1920, wahrscheinlich durch eine weniger befestigte Aschenbahn, errichtet, ähnlich der heutigen Laufbahn rund um den Sportplatz. 

Der Bahnradsport war damals so populär, dass man viele Sportplätze in dieser einfachen Art „aufmöbelte“ um dort Radrennen veranstalten zu können 1.

© gemeinfrei | Anzeige in der Westdeutsche Landeszeitung, 7. September 1920
© gemeinfrei | Anzeige in der Westdeutsche Landeszeitung, 15. September 1920

Zweite Ausbauphase zur Rennstrecke

Der Zustand des städtischen Sportplatzes an der Westpromenade blieb unverändert, bis 1922/23 der Radfahrverein „Erka“ Erkelenz hier mit großem Erfolg eine Rad- und Motorradrennbahn baute. Das Aufwerfen der Kurvenwälle wirkte sich zwar für das Fußballfeld sehr nachteilig aus, allerdings erhielt das Spielfeld mit der Rennbahn erstmals einen hölzernen Zaun und eine hölzerne Tribüne, sie wurde außerhalb des Sportplatzes auf der im Südwesten angrenzenden Wiese errichtet. Die Radrennbahn war 400 Meter lang und mit Ton und Sand befestigt. In den Kurven neun – sonst acht Meter breit. Die Kurvenerhöhung betrug 3,50 m. Ähnliche Bahnen entstanden etwa zur gleichen Zeit in Wassenberg, Mönchengladbach und auch in Roermond.2

In Wassenberg entstand 1924 in der heutigen Oberstadt, ca. 100 m rechts von der Landstraße in Richtung Wildenrath, die damals größte Lehmrennbahn Europas. Eröffnung der Rennbahn war am 29. Mai 1924. 1000 Zuschauer waren zugegen3.

© unbekannt | Gruss vom Sportplatz Wassenberg Historische Aufnahme 26. August 1906
Historische Aufnahme „Gruss vom Sportplatz Wassenberg“ vom Start des am 26. August 1906 ausgetragenen Radrennens „Großer Preis von Wassenberg“ auf der Rad- und Motorradrennbahn Wassenberg. (Copyright-Hinweis: unbekannt/gemeinfrei Fotograf/Urheber: unbekannt) KuLaDig 1906 Foto

Südlich von Roermond in Herten wurde 1921 ein Sportpark gebaut. Später wurde eine 400 Meter lange, fast kreisförmige Bahn für Radrennen hinzugefügt, auf dem im Juli 1923 zwei Motorrradrennen stattfanden4.

Durch die hohe Zahl an neuen Radrennbahnen wurde zur Sicherheit des Publikums und der Rennteilnehmer ein Erlass des Ministers des Inneren herausgegeben. Berlin am 17. April 1910 5

Eröffnungsrennen am 29. April 1923

Die Radrennbahn in Erkelenz wurde am Sonntag, dem 29. April 1923, eröffnet.

Laut Artikel der Westdeutschen Landeszeitung vom 30. April 1923 hatten sich trotz ungünstiger Witterung etwa 5-6000 Zuschauer eingefunden. Das abwechslungsreiche Programm und die fesselnden Kämpfe der einzelnen Rennen ließ die Erschienenen bald die Unbill der Witterung vergessen. Die Radrennfahrer fuhren 600, 1200 und 4000 Meter.  Bei dem 15 km Rennen für Hilfsmotoren erreichte Willi Karsch aus Grambusch den ersten Platz. Beim Motorradrennen über 30 Runden erreichte er ebenfalls den ersten Platz, Paul Rüttchen stürzte mit seiner Harley-Davidson, wurde aber trotzdem Vierter. Spannend war das 20 km Dauerfahren hinter Motorschrittmachern. (Radrennfahrer fahren im Windschatten hinter Motorradfahrern, sogenannten Schrittmachern, die auf einem Spezialmotorrad, dem Steher, vorausfahren und dessen Fahrer durch aufrechte Körperhaltung den Luftwiderstand für den Radrennfahrer verringert).

So könnte es auch in Erkelenz auf der Rad- und Motorradbahn „Erka“ ausgesehen haben.

Vollständig ausgebaut

Am 22. Juli 1923 war die Bahn vollständig ausgebaut, eine Tribüne mit Sitzgelegenheiten für 2000 Personen war fertiggestellt. 

Die Zeitungsanzeige vom 2. Oktober 1923 berichtet, dass bei dem Rennen auch Motorräder mit Hilfsmotoren von der Firma Fuchs & Co. in Erkelenz mitfuhren. So erreichte den 2. Platz mit Fuchs Jüngerkes aus Viersen und den 3. Platz mit Fuchs Heinrichs aus Baal. Bei den schweren Maschinen belegte Willi Karsch aus Grambusch den 2. Platz. 

© R.R.P. | R. Recker-Proprenter | Jean Fuchs & Co. Erkelenz
© R.R.P. | R. Recker-Proprenter | Jean Fuchs Erkelenz
Jean Fuchs Motorrad im Feuerwehrmuseum Lövenich
© gemeinfrei | R. Recker-Proprenter | Extrablatt Pfingstsonntag 23. Mai 1926
Stadtarchiv Erkelenz

Die Sensation war bei jedem Rennen, wenn sich die beiden Lokalmatadore Paul Rüttchen und Willy Karsch ein Rennen lieferten.

Das Ende der „Erka“ Rennbahn

Die Blüte der Erkelenzer Rad- und Motorradrennbahn dauerte nur kurz. Schluss war hier vermutlich 1928. Es gab noch ein Rennen an Ostern 1928, danach begannen beim Sportplatz wohl größere Baumaßnahmen. Ende 1929 war in der Zeitung dann von der „ehemaligen“ Radrennbahn die Rede6.

© gemeinfrei | Anzeige in der Westdeutsche Landeszeitung, 7. April 1928
© gemeinfrei | Anzeige in der Westdeutsche Landeszeitung, 12. September 1929
© Fam. Recker | Recker | Leopold und sein Sohn Wilhelm Recker 1928

Durch die Rennen wurden einige Privatpersonen dazu animiert, sich auch ein Motorrad anzuschaffen.7

  1. Dr. M. Kieser, LVR Wissenschaftlicher Referent
  2. Festschrift des SC 09 Erkelenz e.V. zum 50 jährigen Bestehen 1959
  3. Walter Bienen, Heimatverein Wassenberg, HK Radrennbahn 1924
  4. www.wegcircuits.nl/RennenRacesVitesse.pdf
  5. Archiv Stadt Erkelenz
  6. Dr. M. Kieser, LVR Wissenschaftlicher Referent
  7. Autor Rudolf Recker-Proprenter 2023 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Redaktion: Willy Stein, Friedel Krings, Festschrift 50 Jahre Sport-Club 09 Erkelenz . Erkelenz, 1959, Seiten 43/45/47/49

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