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Johann Corsten - wichtiger Gestalter in Immerath nach dem 2. Weltkrieg

Immerath (alt)
12.06.1892 bis 22.03.1982

Bedeutung für Immerath

© Hans Walter Corsten | Johann Corsten
Johann Corsten ist speziell aus dem kulturellen und politischen Leben Immeraths des 20. Jahrhunderts, besonders nach dem 2. Weltkrieg nicht wegzudenken. Nahezu 60 Jahre gestaltete er die Belange der Kirchengemeinde als Rendant und Kirchenvorstandsmitglied mit. 44 Jahre war er aktives Mitglied der Sankt Sebastianus-Bruderschaft Immerath, davon 18 Jahre ihr Brudermeister. Ab 1952 stand er ununterbrochen 20 Jahre als Bürgermeister dem Ort und dem Gemeinderat vor. Er war entscheidend an der Entwicklung Immeraths nach dem 2. Weltkrieg beteiligt.

Lebenslauf

Johann Corsten wurde am 12. Juni 1892 in Keyenberg geboren. Er ist der Bruder des zwei Jahre älteren Wilhelm Corsten, dem späteren Domkapitular im Kölner Dom. 1906 trat er in der Keyenberger Verwaltung in die Lehre. Mit 18 Jahren zog er im Jahre 1910 in seine neue Wahlheimat Immerath und arbeitete dort ab 1911 als Bediensteter der Bürgermeisterei, zunächst als Sekretär des Bürgermeisters Krapoll, später ab 1928 als Rentmeister.1

Hier heiratete er am 04. Oktober 1924 seine Ehefrau Christine Goebels, eine gebürtige Immeratherin, mit der er glücklich bis zu ihrem Tode 1966 lebte. Beide zogen 3 Kinder groß. Ein Kind starb bei der Geburt.

Seine Person und sein Sachverstand müssen in Immerath bereits in den ersten Jahren in hohem Ansehen gestanden haben, denn 1919 wurde er bereits zum Rendanten der Pfarrgemeinde Sankt Lambertus ernannt. Dieses Amt bekleidete er ununterbrochen bis 1973. Von 1930 bis 1976 war er Mitglied des Kirchenvorstandes.

Er trat 1928 der Schützenbruderschaft bei. 1932 gehörte er zu den Mitbegründern der freiwilligen Feuerwehr in Immerath.

1938 wurde Johann Corsten von den Machthabern des Naziregimes aus dem Dienst entlassen und in den Ruhestand versetzt, wahrscheinlich aus politischen Gründen2. Trotz seiner Entlassung war er im Dritten Reich nicht untätig. Während des Krieges half er den Immerather Bürgern bei Eingaben an die Behörden, so etwa den Bauern, um ihre Söhne zu Ernteeinsätzen vom Kriegsdienst befreien zu lassen. Da seine Pension gering war, versuchte er, durch patentierte Erfindungen den Unterhalt für die Familie aufzuberbessern. Eine Erfindung war die Joco-Sparfeuerung. Sie ermöglichte, dass das Feuer nachts nicht ausging und es morgens nicht erneut angezündet werden musste. Die Erfindung bestand aus einer Röhre, die senkrecht mit zwei Briketts befüllt wurde. Das untere Ende stand in der Glut. Die beiden Briketts konnten nachts so langsam verglühen, dass das Feuer am Morgen durch die bestehende Glut wieder entfacht werden konnte.

Von 1952 bis zur kommunalen Neugliederung 1972 wirkte er durchgehend als Bürgermeister und Ratsvorsitzender der Gemeinde Immerath.

© Hans Walter Corsten | Bundesverdienstkreuz

 

Für seine Verdienste um die Entwicklung und das Wohlergehen seiner Gemeinde wurde ihm im November 1967 das Bundesverdienstkreuz am Bande vom damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke verliehen. Die Gemeinde Immerath verlieh ihm die Ehrenbürgerrechte.

 

 

 

 

 

Am 22. März 1982 starb Johann Corsten nach einem arbeitsintensiven und erfolgreichen Leben.

Politisches Wirken:

© Hans Walter Corsten | Bürgermeister Corsten
Als Bürgermeister von Immerath hatte er entscheidenden Anteil an der Entwicklung des Ortes nach dem 2. Weltkrieg. Als besondere Punkte seien genannt: Die Gestaltung der Ortsmitte, die Wasserversorgung von Holzweiler her und das neue Baugebiet im Süden des Ortes, daneben die Erweiterung der Schule und der Bau der Turnhalle, der Erwerb des Hauses Krapoll und der Bau des Kaisersaales. Der Kaisersaal und dessen Wiederherstellung war ihm ein Herzensanliegen. Der Bau aus dem Jahre 1903 war zwischenzeitlich privat verkauft worden. Johann Corsten sorgte 1966 dafür, dass der Bau wieder in Gemeindebesitz kam und die Immerather Bevölkerung ihn in Eigenleistung so wiederherstellte, dass er der Gemeinde bis zur Umsiedlung als Festsaal zur Verfügung stand.

In seiner politischen Tätigkeit wird Johann Corsten ein großes Geschick bescheinigt. In seiner Trauerrede weist Bürgermeister Stein auf seinen ausgleichenden Führungsstil hin: „Seine ausgleichende Amtsführung trug wesentlich mit dazu bei, daß alle im Rat der Gemeinde vertretenen Parteien stets harmonisch zusammenarbeiteten.3  Zeichen seiner umsichtigen und guten politischen Führung sind die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande und die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Immerath.

Wirken in der Pfarrgemeinde:

Von 1919 bis 1973 war Johann Corsten Rendant der Gemeinde Sankt Lambertus Immerath. Von 1930 bis 1976 gehörte er zudem dem Kirchenvorstand an. In seiner Funktion hat er alle Wiederherstellungs- und Renovierungsmaßnahmen des Immerather Doms begleitet und mit initiiert. Gerade, was seinen „Dom“ anging, war er ein entschiedener Gegner der Zerstörung des Dorfes durch den Braunkohleabbau.

Wirken in der Bruderschaft

1928 trat er in die Sankt Sebastianus-Bruderschaft ein und wurde sofort im gleichen Jahr zum ersten Mal Schützenkönig. Die Königswürde errang er noch einmal 40 Jahre später im Jahre 1968. Hier assistierte im sein Enkel Hans Walter Corsten als Jungkönig.

Als durch die Kriegswirren das Bruderschaftswesen in Immerath längere Zeit zum Erliegen kam, hat der Jubilar im Jahre 1954 die Initiative ergriffen und mit dem 2. Brudermeister Josef Schmitz die Bruderschaft zum Sankt Sebastianus Immerath zu neuem Leben erweckt. Im Jahre 1955 konnte die Bruderschaft ihr 400jähriges Bestehen feiern.4

Von 1954 bis 1972 wirkte Johann Corsten auch als Brudermeister der Bruderschaft. 1968 wurde er wegen seiner Verdienste für die Schützenbruderschaft mit dem Sebastianusehrenkreuz ausgezeichnet.

Fazit

Johann Corsten hat sich in seinem Leben unermüdlich in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zum Wohle seiner Gemeinde Immerath eingesetzt und das Angesicht des Ortes nach dem 2. Weltkrieg entscheidend mitbestimmt.

(Text von Wolfgang Lothmann nach wichtigen Anregungen und Informationen von Hans-Walter Corsten)

 

  1. Siehe: Bürgermeister Stein: Gedenkrede im Alten Rathaus, 1972
  2. ebda
  3. ebda
  4. Siehe: Bund der historischen Schützenbruderschaften Köln (Hrsg.): Der Schützenbruder. Offizielles Organ der historischen Schützenbruderschaften e. V., 28. Jahrgang, Nr. 9 vom September 1968, Seite 26
  1. Bund der historischen Schützenbruderschaften Köln (Hrsg.), Der Schützenbruder. Offizielles Organ der historischen Schützenbruderschaften e. V.. , Köln, 28. Jahrgang, Nr. 9 vom September 1968, Seite 26

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