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Roitzerhof

Geschichte

Ursprunge

Erstmals erwähnt wird der Hof 1341. In einer Urkunde des Roitzerhofes aus diesem Jahr verkaufte der Junker Hermann van Varnich dem Ritter zu Grypekoven eine Rente von 40 Malter Roggen aus dem Hofe, genannt „in den Roydtholts bei Echenroide gelegen“. Die Höhe der jährlichen Rente zu damaliger Zeit lässt bereits auf einen größeren Besitz schließen.

© R.R.P. | R.Recker-Proprenter | Roitzerhof

Besitzer bis zur Neuzeit

Im 15. und 16. Jahrhundert befindet sich der Hof in der Hand der Familie von Paland, die als begütertes Adelsgeschlecht im hiesigen Raum mehrere Höfe besaß. Pachteinkünfte aus dem Rodenholz sind Inhalt eines Vertrages aus dem Jahre 1456, in dem die Eltern des Werner von Paland eine Erbteilung vornehmen. 1470 verkauft dieser Werner von Paland das freie Rittergut, genannt „In dat Roedhoultz“, an seinen Bruder Ritter Diederich von Palant. Auch 1520 sind die Palants noch Besitzer: Auf der Liste der ritterfreien Höfe und Hofesleute im Amt Kaster wird für den „Joncker Jan Paillant eyn fry Rytter houff zu Holtzwiler, genannt im Roytz“, mit einer Jahresrente von 60 Malter Roggen bestätigt. 

Das Holzweiler Schöffenprotokoll von 1551 erwähnt den Roitzer Halfen (Halbwinner, Pächter) als Grenznachbarn eines Peter Kesselschläger. Bei der Erbhuldigung aller Männer des Amtes Kaster im Jahre 1666 wird als Roitzer Halfe Reinhart Eggerath genannt. Über ein Jahrhundert lang taucht dieser Name in verschiedenen Urkunden des Staatsarchivs und des Holzweiler Schöffenprotokolls als Roitzer Halfe auf, in wechselnder Schreibweise von Eykrodt bis Eggerath. Es dürfte sich dabei auch um Vater, Sohn und eventuell Enkel handeln. 1746 geht der Roitzerhof an das Kölner Patriziergeschlecht De Groote (de Groote). 

Brand 1757

© RRP | Rudolf Recker-Proprenter | Am Roitzerhof Wegekreuz

Am 7. Januar 1757 meldet Gottfried von Berg in seiner Chronik von Lövenich: ,,Morgens früh zwischen 3 und 4 uhren der im Holtzweiler feldt gelegene sogenannte Ratzerhof abgebrandt“. 

© RRP | Rudolf Recker-Proprenter | Holzweiler Roitzerhof Wappen
Wappen

An diesen Brand erinnert auch noch das gut erhaltene Chronogramm über der Haustür mit dem Ehewappen De Groote-Hilgers:

HInC MIhI nobILIor speCIes post fata reDIbat

(An Ort und Stelle und in vornehmer Gestalt erstand dem Besitzer der Gutshof wieder nach Unheil.)

Das Chronogramm ergibt das Jahr 1757.

Im Jahre 1772 heiratet Christina, die Tochter des Adolph von Zons, den Antonius Kemmerling, Sohn der Eggerather „Halferin“ Witwe Kemmerling. Adolph von Zons wird 1786 in Unterlagen des Amtes Kaster noch als Roitzer Halfe aufgeführt. Nach der Familie von Zons-Kemmerling folgt als Halbwinner die kinderreiche Familie De Wies. Besitzer des Roitzerhofes war durch Heirat vorübergehend der Kölner Bürgermeister Ferdinand Josef von Beywegh. Da die Ehe kinderlos blieb, kam der Hof wieder an die Familie De Groote zurück. In die Familie De Groote heiratet ein Freiherr von Hilgers ein. 

Die Erben des Phillipp Freiherr von Hilgers, Landrat a.D. zu Neuwied, verkaufen am 19.9.1853 63 Morgen Roitzer Acker an die Familie Jorissen vom Eggerather Hof und weitere 27 Morgen an H. J. Vasters vom Weyerhof. Einige Jahre vorher hatte Franz Jorissen vom Eggerather Hof bereits das sogenannte Roitzer Binnererbe mit circa 100 Morgen Land erworben. Über die Pachtverhältnisse bis etwa 1820 liegen keine weiteren Nachrichten vor. Ob die Familie De Wies geblieben ist, bis Franz Jorissen mit seinen Söhnen von Eggerath aus die gemeinsame Bewirtschaftung beider Höfe einführte, konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Neuzeit

Wie aus der Eggerather Geschichte hervorgeht, fand diese gemeinsame Bewirtschaftung ab Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Von den verheirateten Kindern des Franz Jorissen interessiert in erster Linie die Tochter Odilia. Sie hatte in der Heimat des Vaters, in Süggerrath, den Landwirt und Mühlenbesitzer Heinrich Hubert Herfs geheiratet. Nach Verkauf des Besitzes in Süggerath zogen die Eheleute Herfs zunächst für eine Pachtperiode auf Haus Keyenberg. Nach dem Tod ihres Ehemanns und Ablauf der Pachtfrist beanspruchte Odilia Herfs, geb. Jorissen, von ihren ledigen Geschwistern ihr Erbteil und zog mit ihren Kindern nach Roitzerhof. Bei der späteren Erbteilung übernahm der älteste Sohn Franz Herfs den Roitzerhof, sein Bruder Josef Herfs den Eggerather Hof. In der Generationsfolge Franz Herfs – Nicola Herfs – Franz Herfs – Karl-Heinz Herfs befindet sich der Roitzerhof demnach inzwischen bereits in der vierten Generation in der gleichen Familie.

Obwohl der Ort Holzweiler aus dem Braunkohle-Abbauplan für Garzweiler II herausgenommen wurde, gilt dies nicht für die zu Holzweiler gehörenden Feldhöfe. Wenn keine weiteren Änderungen des Flächennutzungsplans getroffen werden, fällt der Roitzerhof dem Braunkohle-Abbau zum Opfer.

Gebäude

Das im Jahre 1757 nach dem Brand neu errichtete Herrenhaus besitzt 2 Geschosse und einen turmartigen Eckanbau. Das Haus besteht aus Backsteinen, die aber weiß getüncht wurden. Die Frontgiebel besitzen Abschlüsse, die abwechselnd geschweift und getreppt sind.1 Dem Herrenhaus gegenüber befindet sich die eigentliche Hofanlage als Vierkanthof mit einem zweigeschossigen, siebenachsigen Wohnhaus mit Mittelgiebel. Auch dieser Backsteinbau ist im Gegensatz zu den anderen Hofgebäuden weiß getüncht.

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  1. siehe Westphal, a. a. O.
  2. Text von Rudolf Recker-Proprenter und Wolfgang Lothmann 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Paul Blaesen, Holzweiler - Ein Beitrag zur Geschichte bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Köln, 1981, Seite 94ff
  2. Stadt Erkelenz (Hrsg.), Schriftenreihe der Stadt Erkelenz. Band 6, Höfe - Kirchen - Zeitgeschehen, Erkelenz, 1985. Darin: Karl-Josef Schmitz: Der Roitzer Hof - ein altes Rittergut, Seite 1 - 6
  3. Das Europäische Burgeninstitut, Einrichtung der Deutschen Burgenvereinigung e.V. u. a. (Hrsg.), Ebidat - Die Burgendatenbank. https://www.ebidat.de, /cgi-bin/ebidat.pl?id=4730 (Stand: 10.04.2021) Markus Westphal: Roitzerhof

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