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Die Krypta in Sankt Lambertus Erkelenz

sonstiger Name: Neuer Winterkirchenraum
1948 bis 05.07.2026

Vorbemerkung

Am 5. Juli 2026 wurde nach einjähriger Renovierung die Krypta in Sankt Lambertus Erkelenz in einem festlichen Hochamt wieder eingeweiht. Dieser Artikel nimmt dieses Ereignis zum Anlass, einen eigenständigen Beitrag zur Krypta der Pfarrkirche zu schreiben. Er bezieht sich ausschließlich auf die Krypta der nach dem 2. Weltkrieg erbauten Kirche.

Geschichte

Mit dem Neubau der Pfarrkirche Sankt Lambertus Erkelenz, der mit dem Spatenstich 1947 begann, entstand unter dem Chor eine große Krypta. Sie wurde als erster Raum fertiggestellt und konnte als Notkirche vor der Fertigstellung des Kirchengebäudes genutzt werden. Die erste Messe erfolgte bereits drei Monate nach der Grundsteinlegeung zu Weihnachten 1948 mit einer feierlichen Christmette. Bis zur Fertigstellung des Hochchores im September 1950 diente die Krypta als Gottesdienstraum. Aus finanziellen Gründen stoppte der Bau der Kirche in den Jahren 1951/1952. Da sich die Krypta im Innenraum noch im Rohbau befand, ließ die Pfarrgemeinde sie im Jahre 1951 aus Eigenmitteln verputzen. Im Laufe der Jahre erfuhr die Krypta verschiedene Renovierungsmaßnahmen und Umgestaltungen, so 1960 unter Pfarrer Bosch und 1998 unter Pfarrer Plewnia. Die letzte Renovierung endete im Jahre 2026. Die Krypta wurde zuletzt so umgebaut, dass sie in der Heizperiode wieder zum Gottesdienstraum an den Wochentagen wird. Ein neuer Aufzug dient dem barrierefreie Zugang.1

Raumgestaltungen

Den Innenraum der Krypta im Jahre 1948 zeigen die folgenden Bilder:

Der Raum war ungeteilt und noch im unverputzten Zustand. In der Mitte an der Ostwand stand der Altar vor der Konche2, dahinter zur Weihnachtszeit die Haaksche Krippe in der Konche.

Bei Umbaumaßnahmen im Jahre 1960 ließ Pastor Bosch die Krypta zu einer Gedächtnisstätte für die Gefallenen Soldaten umgestalten.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | Edwin Pinzek | Krypta Konche 1960
Krypta-Konche nach Umgestaltung 1960 © Edwin Pinzek

Dazu stellte die Kirchengemeinde die im Jahre 1922 von Peter Tillmanns geschaffene Pieta in die Apsis. Sie stand auf einem Mühlstein aus der Mühle in Oerath. Davor lag ein „kunstvoll gestaltetes Buch mit den Namen der Gefallenen“3. Pastor Bosch hatte die Bevölkerung dazu aufgerufen, ihm Gefallene zu nennen.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | Krypta Grundriss 1997

Eine umfangreiche Sanierung erfolgte in der Krypta im Zuge der Renovierungsmaßnahmen Ende der 1990er Jahre. Sie wurde in das künstlerische Gesamtkonzept des Künstlers Karl Iserlohe einbezogen. Bei der Baumaßnahme wurde die Krypta als erstes renoviert. Aus der Gedächtnisstätte wurde wieder ein dreigeteilter Gottesdienstraum, der allerdings auch weiteren Funktionen diente. Sie diente während der Erneuerung der Oberkirche als Gottesdienstraum der Pfarrgemeinde.4

Die Sanierung und Umgestaltung wurde durch eine Stiftung finanziert. Der Raum wurde „entkernt und bis auf die Grundmauern leer geräumt„5. Bis auf den „letzten Anstrich und die künstlerisch gestaltete Inneneinrichtung„6 konnte die Krypta vor dem Ausbau des Kirchenraums fertig gestellt werden. Die endgültige künstlerische Gestaltung erfolgte durch Klaus Iserlohe 1998. Diese wird ausführlich im Artikel zur Inneneinrichtung der Kirche beschrieben.

Auch die Fenster der Krypta wurden erneuert. In der Konche gestaltete sie Ludwig Schaffrath aus Alsdorf, an den Seitenwänden Klaus Iserlohe.7 Die Pieta, die vorher in der Apsis stand, wurde in den Seitenraum an der Südwand gestellt. Der Raumteil an der Südseite erhielt einen Steinaltar mit dem Tabernakel der Hauptkirche. „Auf diese Weise ist ein Art Sakramentskapelle für die stille Anbetung entstanden.„8

Folgende Bilder und das Kugelpanorama geben einen Eindruck von der Innenraumgestaltung im Jahre 2021:

Die Krypta diente den Chören als Probenraum.

Ab 2025 wurde die Krypta erneut renoviert. Pastor Rombach schrieb zum Grund für die Umgestaltung: „Anlass für den Umbau der Krypta der Pfarrkirche St. Lambertus war der Wunsch und auch die Notwendigkeit, die Kryptaräume barrierefrei zu erschließen, um sie vor allem in den Wintermonaten als Gottesdienstraum an Werk- und Sonntagen nutzen zu können und dabei Energiekosten einzusparen.„9 Der Architekt Gregor Dewey leitete mit dem Künstler Jürgen Drewer die Renovierungsmaßnahme.10

Für die Barrierefreiheit wurde ein Aufzug eingebaut und eine barrierefreie Toilette eingerichtet. Die vorhandene WC-Anlage wurde erneuert und eine Sakristei „optisch als freistehendes Holzelement in den Kryptaraum gestellt„11. Die Stürze an der Decke wurden durch eine gewellte Deckenform verdeckt, um den Wellenbewegungen der Schaffrathfenster harmonisch zu entsprechen. Die Seitenfenster passte der Künstler Jürgen Drewer den Motiven der Kryptafenster an.

„Bei der Neufassung der Fenster in der Krypta und der Sakristei orientierten wir uns formal an den vorhandenen Fenstern von Ludwig Schaffrath in der Konche  und entwickelten die linearen Strukturen der Bleie weiter als Kontur, bis hin zur Auflösung. So entstanden keine Solitäre, sondern die Ganzheitlichkeit von bestehenden Fenstern und Neugestaltung.

Die gelbe Schmelzfarbe wurde in mehreren Schichten aufgetragen und gibt durch ihre Tranzparenz den Blick von Innen nach Außen und umgekehrt frei. Die hellen Flächen sind sandgestrahlt und partiell mit Schwarzlot bemalt und konturiert worden.

Ebenfalls haben wir mit dewey-blomschröder architekten den vorhandenen Steinaltar umgestaltet. Er wurde in der Breite verkürzt und durch den Schliff der Eindruck eines steinernen Tuches erzeugt, um das Lammrelief zu erhalten.“12

Die Glasmalerei fertigte Hein Derix aus Kevelaer an. Sie besteht aus Floatglasmalerei mit Schmelzfarben + Schwarzlot13

Der Haaksche Altarblock dient nun als Altar im Chor. Er wurde allerdings seitlich gekürzt. Die Symbole der vier Evangelisten wurden entfernt, um den Altar besser in den Raum einzupassen.

Aus der Kirche Herz Jesu Kuckum übernahm man das Kreuz, den Tabernakel und das Ambo.

Das 110 cm hohe Holzkreuz entstammt aus den 1970er Jahren und zeigt Christus in einem langen Gewand.14 Arme und Beine zeigen zwar Wundmale, scheinen aber mit dem Kreuz nicht verbunden zu sein. Christus schaut emotionslos nach vorne zu den Kirchenbesuchern.

Die Tabernakeltüren stammen laut Coester von Joseph Halcour und sind um 1900 entstanden.

Auf dem Opferaltar des Anbetungsraums steht eine kleine Pieta aus Holz, die früher bereits einmal in der Krypta stand. Sie besteht aus Holz und ist hinten ausgehöhlt. Dr. Erich Coester beschreibt sie folgendermaßen:

„Maria sitzt, nach rechts gewendet und mit ihrem Oberkörper und Haupt ganz nach rechts in die Profilansicht gedreht, auf einer breiten, faltstuhl-artigen Bank mit Rücklehne und hält den vom Bildhauer klein und schmächtig wiedergegebenen Leichnam Christi diagonal in umgekehrter Richtung, so dass seine Beine am rechten Ende der Bank hängen; […]“15

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Weitere Informationen

Kleine Pieta by Lothmann on Sketchfab

Wann die kleine Pieta entstanden ist, lässt sich nicht endgültig klären. Die Machart deutet auf eine nordrheinische Skulpur um 1490 hin. Sie könnte aber auch eine spätgotische Arbeit aus dem Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts sein.

Am 5. Juli 2026 wurde die umgebaute Krypta eingeweiht. Laut Aussage des Architekten bietet der Raum nun, „ein auf die Typologie einer Krypta zugeschnittenes, intensiveres Gemeinschaftserleben„16.17


  1. Die Informationen entstammen der Schriftenreihe des Heimatvereins Band 23, Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, 2009, Seite 52 ↩︎
  2. Eine Konche (griechisch konché; lateinisch concha, „Muschel“) ist in der Architektur eine Einbuchtung oder halbrunde Wandnische, die in der Regel nach oben mit einer Halbkuppel abgeschlossen ist. Im Kirchenbau kann eine Apsis oder eine Seitenkapelle als Konche angelegt sein. (Definition nach https://de.wikipedia.org/wiki/Konche_(Architektur) (Stand: 23.09.2016)) ↩︎
  3. Erkelenzer Zeitung vom 24.06.1960 ↩︎
  4. Die Informationen entstammen der Schriftenreihe des Heimatvereins Band 23, Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz, 2009, Seite 171 ff. ↩︎
  5. ebda, Seite 171 ↩︎
  6. ebda, Seite 172 ↩︎
  7. Beschreibung in https://www.virtuelles-museum.com/objekt/die-inneneinrichtung-von-sankt-lambertus-erkelenz/#kryptafenster ↩︎
  8. Schriftenreihe Band 23, Seite 205 ↩︎
  9. : https://christkoenig-erkelenz.de/aktuelles/nachrichten/a-blog/Wiedereroeffnung-der-Krypta-der-Pfarrkirche-St.-Lambertus/?instancedate=1779359339000 (Stand: 18.09.2026) ↩︎
  10. Beide zeichneten sich auch für den Bau der Sankt-Petrus-Kapelle in Keyenberg verantwortlich. ↩︎
  11. ebda ↩︎
  12. https://drewer.de/projekte/sakral/st-lambertus-erkelenz-2026 (Stand: 18.09.2026) ↩︎
  13. ebda ↩︎
  14. Coester, 1999, Seite 3 ↩︎
  15. Coester, 2014, Seite 8 ↩︎
  16. https://www.dbap.net/projekte/auswahl/2026/barrierefreier-umbau-und-umgestaltung-der-krypta-st-lambertus-erkelenz (Stand: 18.08.2026) ↩︎
  17. Text von Wolfgang Lothmann 2026 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. ↩︎

  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 23, 2009. Pfarrkirche und Gemeinde St. Lambertus in Erkelenz
  2. Pfarrgemeinde Christkönig Erkelenz (Hrsg.), https://christkoenig-erkelenz.de. /aktuelles/nachrichten/a-blog/Wiedereroeffnung-der-Krypta-der-Pfarrkirche-St.-Lambertus/?instancedate=1779359339000 (Stand: 18.09.2026)
  3. unbekannter Autor, Internetadresse. https://www.dbap.net/projekte/auswahl/2026/barrierefreier-umbau-und-umgestaltung-der-krypta-st-lambertus-erkelenz (Stand: 18.08.2026)
  4. unbekannter Autor, Internetadresse. https://drewer.de/projekte/sakral/st-lambertus-erkelenz-2026 (Stand: 18.09.2026)
  5. Wikipedia, Wikipedia Deutsch. https://de.m.wikipedia.org/, /wiki/Konche_(Architektur) (Stand: 23.09.2016)
  6. Dr. Erich Coester, Die Kirchlichen Kunstwerke im Bistum Aachen. Kuckum, 1999
  7. Dr. Erich Coester, Die Kirchlichen Kunstwerke im Bistum Aachen. St. Lambertus Erkelenz, 2014

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