Einleitung
Im Rahmen der Feiern zum 700-jährigen Stadtjubiläum und auch in Erkelenz selbst taucht immer wieder der Name „ERKA“ auf. Aber wer war Erka?
Zur Person
Schriftlich erwähnt – und das mit Bild – wird der Name Erka erstmalig von Mathias Baux in seiner Chronik zur Geschichte der Stadt Erkelenz, etwa um 1550. Dort wird sie mit einem Schwert in der rechten und einem Wappenschild in der linken Hand dargestellt und als Patronin und Gründerin der Stadt ausgewiesen.1
Baux stellt also die These auf, dass ERKA die Namensgeberin für Erkelenz gewesen sei, eine übrigens waghalsige These.
Deutung
Mehr zur „ERKA“ finden wir aber bei Baux nicht. Da müssen wir auf den Bonner Philologen Karl Joseph Simrock (geb. 1802, gest. 1876) zurückgreifen. 3 Simrock beschreibt zunächst das von Baux bekannte Bild. Er stellt dann fest, dass zum Zeitpunkt des Entstehens der Chronik wohl die Mythologie der Erka bis auf den Namen vergessen war. Er führt dann aus, dass Erkelenz seinen Ursprung von einer edlen Frau Erka, die auch die Frau zur Linden genannt wurde und ein männlich Weib gewesen sei, ableite. Diese Erka habe zur Verteidigung des Vaterlandes den Tod nicht gescheut und allen Männern ein Beispiel an Tapferkeit gegeben.4 5
Später hat dann Nikolaus Hocker (geb. 1822, gest. 1900)6 nochmals versucht, die mythologischen Wurzeln der Erka aufzudecken. Dabei glaubt er beweisen zu können, dass Erka, Brunhilde und Krimhilde ein- und dieselbe nordische Gottheit gewesen seien.7
Hiram Kümper, der die Baux-Chronik übersetzt und kommentiert hat, stellt zu Simrock und Hocker fest, dass die Aussagen kaum überzeugend abgeschätzt werden können.8 Heute wird davon ausgegangen, dass die Erka allenfalls eine Sagengestalt war und mit der Namensgebung von Erkelenz nichts zu tun hat. Die Ortsnamenforschung ordnet Erkelenz den für das linksrheinische Gebiet charakteristischen Ortsnamen mit der galloromanischen Nachsilbe -(i)acum zu. Der erstmals im Jahre 966 n. Chr. in einer von Otto dem Großen besiegelten, allerdings nur in einer Abschrift aus dem 11. Jahrhundert erhaltenen Urkunde, als herklenze bezeugte Ortsname geht damit auf ein „fundus herculentiacus„‚ ein herkulentisches Gut (Gut des Herculentius) zurück. Aus dem Personennamen entwickelte sich über die Jahrhunderte der heutige Ortsname.9
In den Heimatblättern 1938 befasst sich Wilhelm Peschen aus Baal sehr intensiv mit dem Namen und der Gründung von Erkelenz. Er beschreibt ausführlich die „Sagengeschichte“ der ERKA. Im weiteren Verlauf untersucht er, ob der Name römischen Ursprungs sei und bestätigt letztendlich die vorher beschriebene Entwicklung des Städtenamens. 10
Entwicklung des Ortsnamen Erkelenz
Überliefert sind lt. Leo Gillessen folgende Ortsnamen:11
966 Herclinze StA Aachen, Hs. 333, S. 33
1118 Erkelenze PA Wa., U
1155 Herclence Annales Rodenses
1309 Erklent HSD, Marien Aachen U 221
1377 Erklentz HSD, Jülich U 346c
1498 Ercklens HSD, Gel.Ger. IV Kriekenbeck 1, f. 33
1560 Ercklens Redlich 11/1, S. 452
Fazit
ERKA ist also keine historische Person, sondern eine Sagengestalt. Und Namensgeberin von Erkelenz war sie auch nicht. Trotzdem sollten wir ihre Geschichte kennen.12
- Hiram Kümper, a. a. O., Seite 546
- Hiram Kümper, a. a. O., Seite 546
- Karl Simrock – Wikipedia
- Simrock: Das malerische und romantische Rheinland, Seite 370
- Hiram Kümper, a. a. O., Seite 144/145
- Nikolaus Hocker – Wikipedia (Stand: 02.2026)
- Hiram Kümper, a. a. O., Seite 145
- Hiram Kümper, a. a. O., Seite 144/145
- Erkelenz – Wikipedia (Stand: 02.2026)
- Heimatblätter 1938, Seite 22 ff und Seite
- Leo Gillessen: DIE ORTSCHAFTEN DES KREISES HEINSBERG Schriftenreihe des Kreises Heinsberg, Band 7
- Text von Günther Merkens, 2026 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V.
- , Mathias Baux: Chronik der Stadt Erkelenz und des Landes von Geldern. Faksimile - Transkription - Übersetzung, Band 1. Neustadt an der Aisch, ISBN: 978-3-9815182-9-0, 2016
- , Mathias Baux: Chronik der Stadt Erkelenz und des Landes von Geldern. Erläuterungen - Kommentare, Band 2. Neustadt an der Aisch, ISBN: 978-3-9815182-9-0, 2016
- , Schriftenreihe des Kreises Heinsberg. Heinsberg, Band 7, 1993. Darin: Leo Gillessen: DIE ORTSCHAFTEN DES KREISES HEINSBERG, Seite 56
- , Heimatblätter. Monatsschrift für Heimatkunde. Jahrgang 1938
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