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Granteraths erste gusseiserne Pumpe

sonstiger Name: Granteraths erste Wasserpumpe
1861 bis 1937

Gusseiserne Pumpe statt Ziehbrunnen

Zwischen 1823 und 1861, also innerhalb von 40 Jahren, wurden in Granterath drei unterschiedliche Projekte verfolgt und realisiert. Neben den beiden großen Projekten des Schul- und Kirchbaus, nahm man auch die Verbesserung der Wasserversorgung in Angriff.

Geplant wurde die Errichtung einer neuen Pumpe anstelle des Ziehbrunnens an der Schule, der offenbar sehr reparaturanfällig geworden war. Bei einem Ziehbrunnen mussten das Ziehseil und  der damit befestigte große (Holz-)Eimer mit gleichmäßigem Tempo bewegt werden, um effektiv Wasser aus dem Brunnenloch nach oben zu befördern. Der Eimer sollte außerdem nicht auf- oder an der Brunnenwand anschlagen und das Seil möglichst keinen zu ruckartigen Bewegungen ausgesetzt sein.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | unbekannt | Pumpenhaus
Ein Pumpenhäuschen in Granterath; das letzte wurde 1928 abgebrochen. Aus: Peter Lenzen, a. a. O. Seite 172

Neben den eher durch unsorgfältigen Gebrauch verursachten Beschädigungen waren offene Brunnenanlagen sehr anfällig für Verunreinigungen. Selbst von behördlicher Seite wurden die offenen Brunnen unter hygienischen Gesichtspunkten kritisiert, und es wurde für eine Pumpe plädiert, mit der das Trinkwasser sauberer blieb und die Wasserversorgung insgesamt effizienter, kräfteschonender und auch reparaturunanfälliger geregelt werden konnte. Das Material Gusseisen ist sehr strapazierfähig, es neigt nicht zum Bersten; bei großer Krafteinwirkung wird es allenfalls gedellt. Ein weiterer Vorzug des Materials  ist die hohe Korrosionsbeständigkeit – insgesamt also eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Ziehbrunnen mit Holzeimer. Nicht zuletzt war die Wasserbeschaffung in Brandfällen über eine Pumpe wesentlich zügiger als durch einen Zieh- bzw. Schöpfbrunnen zu bewerkstelligen. Alle genannten Nachteile eines offenen Brunnens wurden innerhalb von Gemeinden wiederholt kontrovers diskutiert. Dies war oft mit der Frage der Zuständigkeit für die anfallenden Reparatur- oder Erneuerungskosten verbunden.

In Erkelenz muss es von ca. 1830 an über mehrere Jahrzehnte zwischen Bürgern und Verwaltung Auseinandersetzungen zu diesem Thema gegeben haben, sogar mit Eingaben an die Regierung. So bemängelte schließlich am 26. November 1859 „die Regierung, daß in den Landgemeinden noch sehr viel offene Brunnen und fast keine Pumpen vorhanden seien.“ Die abschließende Weisung mit dem Hinweis auf alle Vor- und Nachteile lautete, es solle veranlasst werden, „daß auf allen offenen Brunnen, sobald irgend tunlich, Pumpen aufgestellt würden und neue offene Brunnen überhaupt nicht mehr errichtet würden“.1

Es gab also im Jahr 1861 durchaus gute Sacherwägungen für Granterath, den Ziehbrunnen durch eine Pumpe zu ersetzen. Die Wasserversorgung eines Ortes gehörte zu den zentralen, reglementierten Angelegenheiten. Die Brunnen- und Pumpengemeinschaften waren sicherlich in erster Linie Wassernutzungsgemeinschaften, darüber hinaus zugleich aber auch Nachbarschaftsgemeinschaften, die gesellig und tatkräftig helfend verbunden waren. In Granterath sollen im 19. Jahrhundert sechs solcher Brunnengemeinschaften existiert haben, mit festen Vertragsregelungen, wie aus dem Jahr 1862 belegt ist.2

Das Handwerkerangebot für die erste Pumpe 

Ein Zeitungsbericht in der Westdeutschen Zeitung vom 23. 12. 1961 erinnert an die erste gusseiserne Pumpe für Granterath und schildert, wie der Ortsvorsteher Brassen in Erkelenz Verhandlungen über die Errichtung einer Schwengelpumpe führt.

Granterath-Pumpe-Ueberschrift-WZ-1961
Zeitungsartikel vom 23.12.1961 in der Westdeutschen Zeitung

Für dieses Vorhaben hatten sich im Vorfeld Granterather Bürger bereit gefunden, Geld vorzustrecken und den Materialtransport kostenlos durchzuführen. Erwartet wurden beste handwerkliche Ausführung, solides Material und eine 12jährige Garantie des Pumpenmachers. Der Erkelenzer Pumpenmacher Heinrich Frings hatte diese hohe Erwartungshaltung selbst in einer Anzeige genährt.

In einer Ausgabe des Erkelenzer Kreisblattes von 1859 gibt Heinrich Frings, Kupferschläger und Pumpenmacher in Erkelenz, bekannt: „Meinen geehrten Gönnern bringe ich mein am hiesigen Platze schon seit Jahren bestehendes Kupferschläger-Geschäft in freundlicher Erinnerung und empfehle mich in Anfertigung aller in dieses Geschäft einschlagenden Artikeln, als kupferne und messingene Küchengeräte aller Art, sowie in Anfertigung aller größeren Arbeiten in Brennerei-Apparate, Baupfannen, Brandspritzen sowie kupferne, bleierne und gußeiserne Brunnenpumpen für jede Wassertiefe;
in Bezug auf letztere bemerke ich noch, daß durch eine langjährige Verbindung mit mehreren als höchst solid bekannten Eisengießereien und durch ständigen Bedarf gegossener Gegenstände mit die äußerst billigste Preise notiert werden und daher in den Stand gesetzt bin, allen Anforderungen meiner geehrten Kunden zu entsprechen und ich für alle in meiner Werkstube gefertigten Arbeiten auf die längste Frist garantiere.”3

Der Inserent Heinrich Frings bezeichnet sich als „Kupferschläger“ (auch Kupferschmied); ein seit Jahrhunderten bekanntes Metallhandwerk, das schon im 18. Jahrhundert zu den „geschützten Beruf“ zählte. Die Berufsbezeichnung beruht ganz eindeutig auf der Bearbeitungsweise des Materials; Kupfer lässt sich hämmern/schlagen, treiben oder schmieden. An dieser Anzeige wird das ausgeprägte Standesbewusstsein eines spezialisierten Handwerkers erkennbar, der sein eigenes fachliches Können, die Tradition seines Berufes wie seines Geschäftes, die Kooperation mit gut beleumundeten Zulieferern und die Qualität des verwendeten Materials hervorhebt. Eine solche Anzeige belegt  exemplarisch, wie sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts in einer noch agrarisch geprägten Gesellschaft bei beginnender Industrialisierung das Handwerk als starke eigenständige Gruppe positionierte.

Das geforderte Angebot an den Granterather Ortsvorsteher für eine Pumpe bei einer Brunnentiefe von 65 Fuß lautete konkret:

© Westdeutsche Zeitung | Granterath Pumpe Kostenvoranschlag 1861
Aus: Westdeutsche Zeitung vom 23.12.1961

Dieses Angebot zeigt neben den Kosten auch das Gewicht einer Pumpe, die einzelnen Arbeitsschritte und das jeweils benötigte Material. „Pumpenmacher“ ist ein heute nicht mehr existierender Handwerksberuf. So ist also das vorliegende Angebot auch ein aufschlussreiches und interessantes Dokument der Handwerksgeschichte.

Reaktion innerhalb des Ortes

Zwanzig Anlieger in Granterath ließen sich in eine Liste eintragen, um sich durch regelmäßige Zahlungen von max. 1 Taler pro Jahr die Wassernutzung zu sichern, so die Überlieferung.

Offensichtlich war die Qualität der neuen Pumpe derart überzeugend, dass auch die Brunnengemeinschaft „Im End“ die Errichtung einer neuen Pumpe in Angriff nahm. Neben einem insgesamt niedrigeren Preis von 91 Thalern, 6 Silbergroschen und 5 Pfennig  ist der Rechnungsnachtrag bemerkenswert. Datiert auf den 22. Oktober 1863 sichert der Pumpenmacher Jos. Kreutzberg aus Erkelenz folgendes zu:

 „Der Unterzeichnete verpflichtet sich für die Güte und Dauerhaftigkeit der gelieferten Pumpe fünfundzwanzig Jahre zu garantieren und alle Mängel, die nicht in Folge des Gebrauches als verschlißen angesehen werden können oder durch muthwilligen Abbruch entstanden, unentgeltlich herzustellen.“4

Die hier zugesagten Garantieleistungen sind unter heutigen Gewährleistungsgesichtspunkten sehr respektabel!

So sehr die gusseiserne Pumpe schon einen Fortschritt gegenüber einer offenen Brunnenanlage darstellte, so rasch wurde das System der Trinkwasserversorgung weiterentwickelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Pumpen – zumindest in größeren Städten und Orten – durch das Wasserleitungssystem abgelöst.5

  1. Jansen, Hermann: Als Großmutter an der Pumpe Wasser holte. 3. Fortsetzungsbeitrag, erschienen im Westdeutschen Beobachter am 13.11.1938
  2. siehe Peter Lenzen, a. a. O., Seite 174
  3. Aachener Zeitung vom 21. August 2002, Verfasser DN, verweist auf das Erkelenzer Kreisblatt 1859
  4. Westdeutsche Zeitung vom 23.12.1961
  5. Text von Agnes Borgs 2023 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 12, 1992. Darin Peter Lenzen: Brunnen- und Pumpengemeinschaften in Granterath, Seite 172 bis 179
  2. unbekannter Autor, Westdeutsche Zeitung. vom 23.12.1961
  3. Medienhaus Aachen GmbH (Hrsg.), Aachener Zeitung. vom 21.08.2002 mit Verweis auf das Erkelenzer Kreisblatt 1859

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