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Die Inneneinrichtung von Sankt Stephanus Golkrath

Vorbemerkung

Die Beschreibung der Inneneinrichtung der Kirche Sankt Stephanus Golkrath bezieht sich auf die neue Kirche, die nach dem 2. Weltkrieg gebaut wurde. Viele Einrichtungsgegenstände aus den Vorgängerkirchen konnten aber gerettet und in der neuen Kirche wieder errichtet oder teilweise wiederverwendet werden.

© Jürgen Schäfer | Blick in den Chorraum
Blick auf Altar und Chor

Altäre und Tische

Sakramentsaltar

Der Sakramentsaltar steht an der Rückseite des Chores. Er besteht aus einer Holzmensa und einer Predella mit eingebautem Tabernakel. Tabernakel und Predella stammen aus dem Hochaltar der neugotischen Kirche. Der Tabernakel hat zwei Türflügel, die vermutlich aus vergoldetem Kupferblech bestehen. Sie stammen laut Stempel von Friedrich Prinz aus Mönchengladbach, der sie um 1910 bis 1920 herstellte1 Die Türflügel stellen zwei Engel dar, die zu einem Lamm Gottes emporschauen, das auf einem Buch mit sieben Siegeln liegt. Neben dem Tabernakel befinden sich Holzschnitzwerke, die Weinlaubranken und Ähren enthalten. Die Mensa zeigt eine Szene aus der Bergpredigt. Dieses Relief entstammt dem ehemaligen sechseckigen Kanzelkorb. Es bedeckte vier Seiten des Korbes.2 Peter Tillmanns fertigte den Kanzelkorb im Jahre 1898.

Volksaltar und Ambo

Zwischen Chorraum und Querschiff steht der Volksaltar, der auf einem gegenüber dem Kirchenschiff um zwei Stufen erhöhten Plateau steht. Der Altar entstand gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Die Mensa steht auf Teilen des Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen neugotischen Hochaltars (Säulen und Mittelblock). Er besteht aus Marmor und Sandstein. Auch der Ambo besteht aus Teilen des alten Hochaltars.

Mensen der Seitenaltäre

An den Ostwänden des nördlichen und südlichen Querschiffs stehen zwei gleich aussehende Altartische. Sie enthalten auf der Vorderseite Holzschnitzereien des ehemaligen Chorgestühls von Peter Tillmanns aus dem Jahre 1898 und zeigen den Kampf des Löwen mit dem geflügelten Drachen. Auf dem Tisch im südlichen Querschiff steht ein Pietarelief aus Holz, im nördlichen Querschiff ein Holzrelief, das den Tod des Heiligen Josef zeigt.

Skulpturen, Reliefs und Kreuze

Chorraum

Triumpfkruzifix

© Jürgen Schäfer | Triumphkreuz

An der Ostwand des Chores hängt über dem Sakramentsaltar ein lebensgroßes Triumphkruzifix. Die Gestaltung ist neugotisch, weist aber in der „anatomischen Gestaltung des Oberkörpers und weiche(n) Modellierung der Arme und Beine klassizistisch-nazarenisch(e)“3 Züge auf. Das Kreuz stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Farbfassung ist neueren Datums.

Grundstein und Tabernakeltür

© Pfarrarchiv St. Lambertus Erkelenz | Küster Jansen | Grundstein - Tabernakel

An der Chornordwand wurden unmittelbar nebeneinander die Tabernakeltür der ehemaligen klassizistischen Kapelle und der Grundstein der neugotischen Kirche in die Wand eingelassen.
Die Tabernakeltür aus Buntmetallblech ist messingplattiert. Die Verkündigung Mariens ist nach den Vorbildern des 10. bis 12. Jahrhunderts eingraviert. Die Tür entstand in den 1880er und 1890er Jahren.4
Der Grundstein besteht aus einer hellbeigen Marmorplatte, die aus einer römischen Katakombe stammt. Sie zeigt eine Darstellung des Guten Hirten. In Kapitalschrift wird die Herkunftskatakombe angegeben. Um die Platte herum gibt ein in gotischer Schrift gehaltener Satz den Grund für den Einbau des Steines an: Hic lapis Primarius positus est Patrocinio S Josef. A. MDCCCXCVII. (Dieser Grundstein wurde gelegt unter dem Schutz des Heiligen Josef im Jahr 1897.)5

Disputation und Steinigung des Heiligen Stephanus

Rechts und links neben dem Sakramentsaltar hängt je ein Holzrelief. Davor stehend zeigt das linke die Steinigung und das rechte die Disputation. Beide Reliefs stammen aus dem ehemaligen neugotischen Hochaltar und wurden vermutlich um 1900 von Peter Tillmanns angefertigt.

Figuren des Altarraums

Hinter dem Volksaltar stehen an der Nordost- und Südostwand zwei Holzfiguren: das Herz Jesu und die Heilige Maria Immaculata. Beide Figuren wurden von Peter Tillmanns 1898 geschnitzt.

Figuren der Querschiffe

Im nördlichen Teil steht auf dem Seitenaltar das Holzrelief Tod des Heiligen Josef. Es wurde von Peter Tillmanns geschaffen und entstammt dem ehemaligen rechten Seitenaltar.6 Neben dem Beichtstuhl steht die Holzfigur „Heiliger Josef mit dem Jesusknaben„, die etwa um 1980 entstand.

Im südlichen Teil stehen die Pieta auf dem Seitenaltar und die Heilige Agnes. An der Südwand hängt ein Flügelaltar-Retabel mit der Heiligen Familie.
Die Pieta stammt von Peter Tillmanns und wurde von ihm 1905 geschnitzt. Maria hält Christus, dessen Unterleib und Beine auf dem Boden liegen. Die Darstellung ähnelt Statuen aus dem 15. Jahrhundert.7
Die Heilige Agnes steht in der Südwestecke. Sie hält ein Lamm im Arm und stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihre Herkunft ist nicht bekannt. Dr. Erich Coester vermutet, dass sie aus Roermond stammt.8
Das Flügelaltar-Retabel zeigt in der Mitte ein Relief der Heiligen Familie mit dem schon etwas älteren Jesusknaben. Die aufklappbaren Flügel zeigen Gemälde des Heiligen Borromäus (links) und des Heiligen Franz Xaver (rechts). Das Retabel entstand wohl zwischen 1905 und 1910. Es stammt laut Signatur von Josef Kannengiesser aus Köln.

Golkrather Muttergottes

© Jürgen Schäfer | Golkrather Muttergottes

Diese ungefähr 83 cm hohe Holzfigur ist wohl die älteste der Kirche. Sie stammt aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts (um 1520) und wird der Gruppe Maaseik in dem Werkstättenumkreis des Meisters von Elsloo zugeschrieben.9 Die Skulptur zeigt die Madonna mit dem nach ihr greifenden Jesuskind und einer Weintraube in der linken Hand. Daher wird sie auch „Madonna mit der Weintraube“ genannt.10

Madonna in der Taufkapelle

© Jürgen Schäfer | Muttergottes

An der Südwand der Taufkapelle steht eine Muttergottes mit zum Betrachter gewandten Kind. Diese Figur stammt aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Das Jesuskind trägt eigentlich Zepter und Weltkugel, die aber aus Sicherheitsgründen in der Sakristei verwahrt werden.

Rechts und links von der Figur hängen Tafeln mit den Namen der Verstorbenen der Weltkriege.

Gemälde

Kreuzwegstationen

An der Süd- und Nordwand des Hauptschiffes hängen 14 Kreuzwegstationen. Es sind auf Kupfer- oder Zinkblech gemalte Ölbilder. Sie stammen laut Signatur von H. Kohl und Sohn aus Roermond und wurden 1905 erstellt.

Immerwährende Hilfe

© Jürgen Schäfer | Immerwährende Hilfe

Dieses auf Holz gemalte Ölgemälde aus dem Jahre 1898 hängt an der Westwand unter der Orgelempore und ist eine Kopie des römischen Gnadenbildes. Der Name des Malers steht auf der Rückseite. Es ist Giovanni Burkhardt dipinse aus Rom.

Sonstige Gegenstände

Beichtstuhl

© Jürgen Schäfer | Beichtstuhl

Er steht im nördlichen Querschiff und stammt ursprünglich aus der Zeit zwischen 1910 und 1915, wurde aber nach 1951 modernisiert.

Taufbecken

© Pfarrarchiv St. Lambertus Erkelenz | Küster Jansen | Taufstein

Das Taufbecken steht in der Taufkapelle in der Nordwestecke der Kirche. Der Sockel besteht aus Blaustein, das Taufbecken aus grauem Marmor. Das Becken bekrönt eine glockenartige Haube aus Kupferblech, das messingplattiert ist. Auf der Haube sitzt ein Tatzenkreuz.11 Am runden Fuß existiert rundum folgende Inschrift: IO. TETZIUS $ AG. DAHMEN. Das Taufbecken entstand um 1808, als die Filialkapelle in Golkrath das Taufrecht erhielt. Zu dem Zeitpunkt war ein Herr Tetzius Bürgermeister der französischen Mairie Kleingladbach-Golkrath.12

Portaltür

Die Turmhalle und das Kirchenportal verbindet eine doppelflügelige Tür, deren Flügel Holzschnitzereien aus dem ehemaligen Chorgestühl enthalten. Sie zeigen einen Hirsch, der aus einem Felsquell trinkt.13. Das Chorgestühl wurde 1898 von Peter Tillmanns gefertigt.

Orgel

Im Jahre 1956 begann die Firma Seifert aus Kevelaer mit dem Bau der neuen Orgel. Sie wurde noch im gleichen Jahr eingeweiht. Um einen optimalen Klang zu erreichen, schlug der Orgelbauer vor, die Heraklithdecke durch eine Holzdecke zu ersetzen, was auch ein Jahr später geschah. Die Orgel besitzt zwei Manuale und ein Pedal. Der Manualumfang beträgt C – g“‘, der Pedalumfang C – F‘

Glocken

Heute hängen im Glockenturm der Kirche vier Glocken, wovon drei aus der neugotischen Kirche stammen und nach dem 2. Weltkrieg wieder zurückgeholt werden konnten. Die kleinste Glocke der alten Kirche wurde bei der Sprengung zerstört und musste neu gegossen werden. Alle Glocken stammen aus der Glockengießerei Otto in Hemelingen.14

NameDispositionDurchmesserGewichtJahrInschriftStifter
Mariad‘144 cm1963 kg1908MarIa hILf Uns sCHnell In aLLer DrangsaLGemeinde
Stephanuse‘128 cm1380 kg1908StephanVs patronVs DonatorIs VIX pIe DefVnCtI hVIC CaeLI gaVDIa benIgne eXoret.15Stefan Schmitz und Peter Dederichs
Hermann-Josephfis‘112 cm955 kg1908BeatVs ArMInIVS IosephVs CarIs DonatorI aC VXorI Certo auXILIetVr16Eheleute Hermann-Josef Dressen
Annag‘108 cm818 kg1951Anna nominata primo fusa 1908, bello destruct 1945, iterum fusa 1951, sono ad pacem.17
Die großgeschriebenen römischen Buchstaben der Inschriften ergeben addiert das Jahr 1908.

Auf Youtube kann man sich einen Eindruck vom Geläut der Golkrather Sankt Stephanus Kirche machen.

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  1. siehe Coester, a. a. O., Seite 1
  2. siehe Coester, a. a. O., Seite 4
  3. Coester, a. a. O., Seite 3
  4. Coester, a. a. O., Seite 1
  5. siehe Coester, a. a. O., Seite 8
  6. siehe Coester, a. a. O., Seite 4
  7. siehe Coester, a. a. O., Seite 6
  8. siehe Coester, a. a. O., Seite 7
  9. siehe Coester, a. a. O., Seite 5
  10. siehe Coester, a. a. O., Seite 5
  11. siehe Coester, a. a. O., Seite 3
  12. siehe Coester, a. a. O., Seite 3
  13. siehe Coester, a. a. O., Seite 7
  14. siehe Hilberath, a. a. O., Seite 53 – 54
  15. Stephanus, Patron des soeben gottesfürchtig verstorbenen Stifters, möge diesem des Himmels Freuden gütig erflehen!
  16. Der selige Hermann-Josef möge dem lieben Stifter und seiner Gattin gewiss helfen!
  17. Anna genannt, zuerst gegossen 1908, durch den Krieg zerstört 1945, wieder gegossen 1951, erklinge ich zum Frieden.
  18. Text von Wolfgang Lothmann 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Dr. Erich Coester, Die Kirchlichen Kunstwerke im Bistum Aachen. 2009, Sankt Stephanus Golkrath
  2. Dorfgemeinschaft Golkrath (Hrsg.), Golkrath-Hoven, früher und heute. Seite 130 bis 145
  3. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 7, 1985. Hans Hilberath: Glocken und Orgeln des Stadtgebietes Erkelenz. Geschichte und Bestand

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