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Kirche Sankt Laurentius Houverath

Geschichte

Baubeginn

Wie viele katholische Gemeinden am Ende des 19. Jahrhunderts hatte auch die katholische Dorfgemeinschaft in Houverath den Wunsch, eine eigene Kapelle zu errichten. In der Kirchenchronik des Ortes heißt es dazu:

„Unsere Vorfahren hegten schon lange den Wunsch, in Houverath ein Gotteshaus errichtet zu sehen, da der Weg zur Pfarrkirche (nach Kleingladbach, Anm. des Verfassers) weit und besonders im Winter schlecht war. Ältere Personen und Kinder konnten denselben bei Schnee- und Tauwetter gar nicht zurücklegen.“1

Bereits Anfang 1880 entschloss sich die Dorfbevölkerung dazu, eine Kapelle zu errichten. Dazu wurden bereits im Frühjahr Ziegelsteine im Feldbrandverfahren „In den Stöcken“ hergestellt, die teilweise von den Familien gestiftet wurden.

© Pfarrgemeinde Houverath | Wolfgang Lothmann | Urkunde Grundsteinlegung Kapelle mit Übersetzung
Text Grundsteinurkunde mit Übersetzung

Am 07. Dezember 1883 erfolgte die Genehmigung zum Bau einer Kapelle durch das Erzbistum Köln. Sofort begannen die Bauarbeiten der Kapelle durch die Bevölkerung nach den Plänen des verstorbenen Kölner Baumeisters August Carl Lange (1834-83) auf dem von den Gebrüdern Schmitz geschenkten Bauplatz. Pfarrer Hammels aus Keyenberg legte am 12. Mai 1885 den Grundstein der Kapelle. Zwei Jahre später, am 15. August 1887, konnte die Kapelle bereits eingesegnet werden. Als Patron der Kapelle wurde der Heilige Laurentius gewählt.

Erst 2 Jahre später, am 1. Juni 1989 wurde die erste Heilige Messe durch Pfarrer Hintzen aus Kleingladbach, zu der die katholische Gemeinde in Houverath gehörte, gefeiert. Diese Messe erfolgte unter großer Anteilnahme der gesamten Bevölkerung des Ortes und vieler angrenzender Ortschaften.

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

Da die Gemeinde keinen festen Priester vor Ort hatte, war das Bestreben der Gemeindemitglieder, durch den Bau einer Priesterwohnung und einer Sakristei einen Rektor für die Gemeinde zu gewinnen. Der Bau und die Sakristei waren 1901 vollendet und im Jahre 1903 erhielt Houverath seinen ersten Rektor, Herrn Burchard, durch den Erzbischof in Köln zugesprochen. Unter seinem Rektorat erhielt die Kapelle wichtige Einrichtungsgegenstände.

Unter Rektor Schritz wurde die Kapellengemeinde Pfingsten 1913 zum selbstständigen Rektorat2 erhoben, bekam dadurch einen eigenständigen Kirchenvorstand und infolge dessen wirtschaftliche Selbstständigkeit. Bis zum 2. Weltkrieg wechselten mehrere Rektoren. Im Jahre 1938 musste das Dach der Kapelle erneuert werden. Während des 2. Weltkriegs wurde die Kapelle durch Einschläge beschädigt. Alle Fenster waren herausgerissen worden, das Mauerwerk und das Dach an etlichen Stellen beschädigt.

Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg

Nach der Währungsreform 1948 begannen die Renovierungsarbeiten. Zunächst wurden drei Chorfenster und zwei Oberlichter in der Kapelle und zwei Fenster und das Türoberlicht in der Sakristei ersetzt. Im Herbst 1948 erfolgten die Reparaturen am Mauerwerk im Chor und Kirchenschiff. Anfang 1949 wurden die ersten Ornamentfenster für das Kirchenschiff eingesetzt. Durch eine Eigenbeteiligung der Houverather Bürger in Höhe von 10.000,00 DM konnten Zuschüsse aus Landesmitteln gesichert werden. So konnten die Houverather ihre Kapelle nicht nur nach Plänen von Heinz Tillmanns, Erkelenz, wiederherstellen, sondern auch erweitern. Am 28. Juni 1953 wurde die Kirche – sie wurde jetzt nicht mehr Kapelle genannt – durch Rektor Hastenrath feierlich eingeweiht.

Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts

Am 1. Mai 1960 wurde das Rektorat zu einer Pfarrvikarie erhoben, was aber de facto keine Änderung gegenüber dem vorigen Status bedeutete. Im Laufe der Jahrzehnte erfolgten noch etliche Innen- und Außenrenovierungen. So wurde 1966 eine neue Heizung eingebaut, wozu neben der Kirche ein Heizungskeller ausgehoben werden musste. Im Jahre 1967 entstand ein Erweiterungsbau mit Beichtecke und Taufkapelle. Dazu wurde die Giebelseite bis etwa zur Hälfte geöffnet und eine niedrige Vorhalle angebaut, die über die Breite der Kirche hinausgeht.

Nach dem Tode des Prälaten Arnold Poll, der von 1966 bis zu seinem Tode 2016 in Houverath wirkte, ist die Vikarie verwaist. Sie gehört heute zur Großgemeinde Christkönig Erkelenz, in der sich alle ehemaligen Pfarren der Stadt Erkelenz vereinen.3

Gebäude

Kirchenform

„Der ursprüngliche Bau ist ein vierjochiger Backsteinsaal mit eingezogenem Chorjoch und fünfseitigem Chorschluss mit einem Kreuzgratgewölbe. Auf dem Satteldach im Westen steht ein vierseitiger Dachreiter mit achtseitiger Haube.“4.

Der Anbau von 1967 befindet sich an der Westseite und umschließt einstöckig die Westwand. Die Eingänge befinden sich in diesem Gebäude am südöstlichen und nordöstlichen Ende. Im Norden schließt sich am Chorgewölbe noch ein einstöckiger Anbau, die Sakristei, an.

Im Jahre 1983 ließ die Pfarrgemeinde auf dem Sattel des Daches ein 1,50 m hohes Leuchtkreuz anbringen. In einen Edelstahlrahmen wurden Leuchtstoffröhren eingearbeitet. Es leuchtet in den Abend- und Morgenstunden und soll besonders den auf der nahen Autobahn Fahrenden sagen, „daß Jesus Christus die Mitte unseres Lebens ist und daß wir ihnen Gottes Segen für ihren Weg erflehen“5. Im Jahre 2019 wurde das Kreuz renoviert.6

Fenster

Im Chor der Kirche befinden sich 3 große, gestaltete Fenster und 2 kleine aus klarem Glas. Das Kirchenschiff wird von 3 großen Fenstern auf jeder Seite illuminiert. 2 kleine Fenster erhellen die Empore. Im Anbau befinden sich längliche klare Fenster. Der Vorraum des Nordeingangs wird durch ein kleines Fenster beleuchtet. Die Eingangstür auf der Südseite enthält eine halbe Rotunde.

Die großen Fenster in der Kirche gestaltete die Glasmalerin Maria Katzgrau aus Aachen. Sie wurden in den Jahren 1948 (Fenster im Chor) und 1949 (Fenster im Schiff) von der Firma Oidtmann in Linnich gefertigt. Die Mittelfenster des Kirchenschiffes zeigen Figuren (Maria mit dem Kinde und Sankt Laurentius), die übrigen enthalten Ornamente, die folgende Inschriften haben:
Nordseite: LASS UNS DEINE HILFE ERFAHREN DIE WIR DICH VEREHREN und BEI MIR IST GUTER RAT UND RECHTES HANDELN BEI MIR IST KLUGHEIT BEI MIR IST STÄRKE
Südseite: IM FEUER HAST DU MICH ERPBOBT UND KEIN UNRECHT FAND SICH AN MIR und HILF UNS NÄCHSTENLIEBE ÜBEN IN DEM NÄCHSTEN CHRISTUS LIEBEN

Das Fenster im Eingangsraum stellt die Himmelfahrt Mariens dar, wurde von Wilhelm de Graaff 1953 entworfen und ebenfalls von der Firma Oidtmann gefertigt.

Glocken

Seit der Einweihung der Kirche hängen zwei Glocken im Turm, von denen eine noch erhalten ist. Diese wurde von Wilhelm Goertz gestiftet und stammt aus der Gießerei Josef Beduwe, Aachen. Die zweite, größere Glocke wurde im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Im Jahre 1924 wurde sie wieder ersetzt, musste aber im Zweiten Weltkrieg wieder eingeschmolzen werden. Für diese Glocke erhielt die Kirche eine „Leih- oder Patenglocke“7 aus Berchenwald im heutigen Polen als Ersatz. Diese Glocke stammt aus dem Jahre 1469.

Glocke IGlocke II
GießerunbekanntJosef Beduwe, Aachen
Durchmesser678 mm584 mm
Gewichtca. 200 kg110 kg
Toncis“e“
InschriftLucas Matheus Markus Johannes O Rex glorie veni cum Pace (König der Herrlichkeit, komm in deinem Frieden) Anno Domini Mcccc LXIX (1469)Geschenkgeber Wilhelm Goertz 1885 Jos. Beduwe Aachen me fudit (goss mich)8
Daten der Glocken

Orgel

Im Jahre 1969 bekam die Kirche ihre erste Orgel. Das Instrument stammt aus den Werkstätten „Freiburger Orgelbau“. Es enthält 10 Register, die auf 2 Manuale und ein Pedal verteilt sind. Der Tonumfang der Manuale geht von C bis g“‘, der des Pedals von C bis f‘. Die Orgel besitzt eine mechanische Spiel- und Registerfraktur.9

Priester

Rektor Heinrich Johann Karl Burchard101903 – 1909
Rektor Peter Schritz1910 – 1923
Rektor Rudolf Wiemers1923 – 1929
Rektor Johannes Walgenbach1929 – 1938
Rektor Alfons Offergeld1938 – 1944
Rektor Heinrich Hastenrath1945 – 1955
Pfarrer Franz Regul1955 – 1966
Pfarrer Prälat Arnold Poll1966 – 2016
Priester in Houverath
11
  1. Unser Houverath, a. a. O., Seite 1
  2. Laut GenWiki ist ein Pfarrrektorat eine Quasipfarre, eine Gemeinschaft von Gläubigen, die einem Leiter zur Seelsorge (Rektor, Kaplan, Vikar) anvertraut ist, aber (noch) nicht als Pfarre errichtet wurde.
  3. Die geschichtlichen Daten basieren größtenteils auf den Beschreibungen der Dorfchronik „Unser Houverath“ von 1983.
  4. http://www.limburg-bernd.de/Kirchen und Kapellen im Kreis Heinsberg/Bilder Erkelenz/Houverath Kirche St. Laurentius.htm (Stand: 04.2021)
  5. Zitat aus der Pfarrchronik, zitiert nach Paul Blaesen, a. a. O., Seite 240
  6. siehe https://www.houverath.de/albums/2019/index.html
  7. Unser Houverath, a. a. O., Seite 13
  8. Hans Hilberath, a. a. O., Seite 65
  9. Hans Hilberath, a. a. O., Seite 134
  10. Daten aus: Unser Houverath, a. a. O., Seite 35 ff.
  11. Text von Wolfgang Lothmann 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Sankt Laurentius-Pfarre (Hrsg.), Unser Houverath ... von Menschen, Ereignissen und Bräuchen eines kleinen Dorfes. Isengraben, 1983, Seite 1 - 42
  2. Limburg, Käthe und Bernd, Sakrales in der Stadt Erkelenz. http://www.limburg-bernd.de/Kirchen%20und%20Kapellen%20im%20Kreis%20Heinsberg/, Bilder Erkelenz/Houverath Kirche St. Laurentius.htm (Stand: 04.2021)
  3. Pfarrgemeinde Christkönig Erkelenz (Hrsg.), https://christkoenig-erkelenz.de. /gemeinden-einrichtungen/gemeinden/st.-laurentius-houverath/ (Stand: 04.2021)
  4. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 7, 1985. Hans Hilberath: Glocken und Orgeln des Stadtgebietes Erkelenz, Seite 65 und 134
  5. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 17, 1998. Paul Bläsen: Zeichen am Wege. Dokumentation christlicher Kleindenkmäler in der Stadt Erkelenz, Seite 238 bis 244
  6. Dr. Dipl.-Ing. Annette Jansen-Winkeln (inh. Verantwortliche), Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V.. http://www.glasmalerei-ev.net, /pages/b2691/b2691.shtml

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