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Die Einrichtung von Sankt Cosmas und Damian Holzweiler

Vorbemerkung

Die Beschreibung der Einrichtungsgegenstände orientiert sich im Großen und Ganzen an den Beschreibungen von Doktor Erich Coester, der im Auftrage des Bistums Aachen 1993 die Einrichtung der Holzweiler Kirche katalogisierte und beschrieb.

Altäre

Hochaltarmensa

Von dem von Vincenz Statz 1860 entworfenen Hochaltar aus Terrakotta und Tuff blieb beim Umbau der Kirche in den 1950er Jahren nur der Mensatisch erhalten. Die übrigen Aufbauten sind leider nicht mehr vorhanden. Der Tisch besteht aus Sandstein und besitzt einen Ölfarbanstrich. Die Mensaplatte wird von vier tragenden Säulen aus hellgrünem Marmor gehalten. Der Rand der Platte ist profiliert.

Ursprünglich enthielt der Altar wimpergbekrönte1 Nischen als Retabel2. In den seitlichen Nischen standen die Figuren der Heiligen Cosmas und Damian. In der Mitte befand sich der Tabernakel. Die Figuren wurden durch fialenartig3 dünne Pfeiler überragt, auf denen Christus am Kreuz mit seiner Mutter Maria und dem Evangelisten Johannes standen.4 Die Figuren existieren noch, wurden aber zum Teil eingelagert.

Seitenaltäre

An der Ostseite des Süd- und Nordschiffes befinden sich zwei gleichgebaute Seitenaltäre. Diese bestehen aus Tuff und Sandstein. Sie enthalten eine Mensa und eine abgestufte Predella5, worin das Tabernakel mittig eingearbeitet ist. Darauf steht eine Figur (Herz Jesu auf dem Südschiffaltar, Maria auf dem Nordschiffaltar). Die Mensen sind architektonisch gestaltet. An den Vorderecken befindet sich je eine Säule.

Die Altäre wurden ebenfalls nach Plänen von Vincenz Statz errichtet.

Tabernakel

Im Jahre 1956 erhielt die Kirche einen neuen Tabernakel, der von der Holzweiler Bevölkerung anlässlich der Primiz von Alfred Gehlen gestiftet wurde. Er besitzt die Form einer frühmittelalterlichen Reliquienburse6 und ist mit Email und Steinen besetzt. Der Aachener Goldschmied Fritz Schweidt entwarf und fertigte den Tabernakel.

Figuren

Herz-Jesu-Statue:

Die 1,80 m hohe Figur besteht aus Holz und entstand um 1870. Ihre Farbfassung ist neueren Datums. Der 1,20 m hohe Aufsatz wurde aus schwarzem Granit gefertigt. Er enthält ein rundes, kräftig poliertes Becken, das mit einem messingplattierten, getriebenen Kupferdeckel abgedeckt wird. Dieser Deckel hat eine Höhe von 43 cm, die Form gleicht einem geschweiften Spitzhelm mit einem Kugelaufsatz und einem kleinen Kreuz.7

Marienfiguren:

In der Kirche stehen zwei Marienfiguren:

Bei der ersten, größeren steht Maria auf einer Weltkugel mit Paradiesschlange. Die 190 cm hohe farbige Holzfigur stammt aus den 1860/70er Jahren. Auffällig ist der mütterlich würdevoll schauende Kopf.

Eine zweite Marienfigur ist mit 100 cm Höhe wesentlich kleiner. Sie entstand am Ende des 18. Jahrhunderts. Die Darstellung der Körperhaltung und die Drapierung des Mantels stehen ganz in hochbarocker Tradition, die feine Behandlung des Oberkörpers weist allerdings bereits auf die klassizistische Epoche. Die Figur stand seit 1844 in einer Vitrine am Haus Markt 1, wurde aber in den 1970er Jahren gestohlen und in einer Sandgrube wiedergefunden.

Sankt Cosmas und Damian:

Die beiden 130 cm hohen Figuren aus dem ehemaligen Hochaltar bestehen aus Tuff oder Terrakotta und wurden 1860 nach Entwürfen von Vincenz Statz erstellt. 1967 wurde die Farbe erneuert. Die rechte Hand von Sankt Cosmas musste ergänzt werden.

Beide Figuren säumen die Westwand des Mittelschiffs.

Vesperbild

© Wolfgang Lothmann | Vesperbild

Die etwa 100 cm hohe Pieta wurde um 1900 aus Gips geschaffen und ähnelt dem horizontalen Typus der Pieten aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sie hat noch die ursprüngliche Farbfassung. Auf dem Sockel steht der Spruch: „Wir sind Schuld an seinem Tod“.

Taufstein

© Wolfgang Lothmann | Taufstein

Der Taufstein stammt aus dem 18. Jahrhundert. Er wurde aus der alten Kirche übernommen. Der 1,20 m hohe Aufsatz wurde aus schwarzem Granit gefertigt. Er enthält ein rundes, kräftig poliertes Becken, das mit einem messingplattierten, getriebenen Kupferdeckel abgedeckt wird. Dieser Deckel hat eine Höhe von 43 cm, die Form gleicht einem geschweiften Spitzhelm mit einem Kugelaufsatz und einem kleinen Kreuz.

Kreuze

Missionskreuz

WOFGANG LOTHMANN | Missionskreuz

Zwischen 1840 und 1850 entstand vermutlich das 188 cm hohe Missionskreuz, das aus der alten Kirche übernommen wurde. Der 86 cm hohe Korpus, in barock-klassizistischer Art geschnitzt, hängt an einem einfachen Kleeblattkreuz. Korpus und Kreuz bestehen aus Holz. Es hängt in der Turmkapelle.
Das alte Holzkreuz ähnelte auffällig in seiner Machart dem Missionskreuz in Bedburdyck. Der Bildhauer ist allerdings nicht bekannt. Auffällig ist der Körper Christi, der „in hartem Realismus“8 geschnitzt wurde. Sehnen, Muskeln an Armen und Schultern wurden stark herausgearbeitet. Der Kopf trägt eine Krone, die mit Nägeln gespickt ist. Die Bemalung erfolgte in neugotischer Zeit.

Hochkreuz

© Wolfgang Lothmann | Hochkreuz

Über dem Altar hängt ein Hochkreuz. Dieses Kruzifix stammt aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Allerdings wurde das Kreuz erneuert und von dem Künstler Michael Franke durch ein schlankes ersetzt, das das dahinter liegende Fenster nicht verdeckt.

Vortragekreuz

Ebenfalls aus der alten Kirche übernommen wurde das Vortragekreuz aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Holzkreuz enthält Kleeblattenden und steht auf einem Kugelknauf. In den Kleeblatt-Enden befinden sich Medaillons. Die beiden silbernen in den Querbalken enthalten die Abbildungen der Heiligen Cosmas und Damian und den Namen des Stifters mit Jahresangabe: Adolphus v: Zons Halffman auffm Hoff Anno 1751. Auf dem Mittelbalken befindet sich eine vergoldete Medaille mit dem Bild des Auferstandenen. Sie enthält die Inschrift: SUM VIA ET VERITAS NEMO V – ENIT AD PATRA NISI PER ME. (Ich bin der Weg und die Wahrheit. Niemand kommt zum Vater als durch mich). Das Kreuz hat eine Höhe von 134 cm.
Der 75 cm hohe Korpus zeigt einen überschlanken, dünngliedrigen Jesus. Der Korpus stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Sakristeikreuz

© Wolfgang Lothmann | Sakristeikreuz

Wie der Name schon sagt, hängt das Kreuz in der Sakristei. Es stammt aus den 1840er Jahren. Besonderheit des 98 cm hohen Kreuzes ist seine achteckige Balkenstruktur. Der 48 cm hohe Korpus wurde im barock-klassizistischen Stil geschnitzt.

Beichtstühle

© Wolfgang Lothmann | Beichtstuhl

In der Kirche stehen zwei gleich-gestaltete, neugotische Beichtstühle, die zwischen 1870 und 1880 gebaut wurden. Sie bestehen aus gebeiztem Eichenholz und sind kunstvoll gestaltet. Das rechteckige Mittelgehäuse enthält pultförmig geschweifte und krabbenbesetzte Abschirmbretter. Dadurch werden die Beichtstühle dreigeteilt. Diese Teile enthalten unten rechteckige Füllungen und oben Maßwerkblendfenster an den Abschirmbrettern und einen flachen Tudorbogen am Mittelgehäuse.

Gemälde

Kreuzwegstationen

An den Seitenwänden der Kirche hängen 14 Kreuzwegstationen. Sie bestehen aus Ölgemälden (Öl auf Leinwand), die 87 cm hoch und 62 cm breit sind. Die im Zeitraum von 1860 bis 1870 entstandenen Gemälde zeigen detaillierte Darstellungen des Leidenswegs Christi im Stile der Nazarener.

Gnadenbilder

Zwei Gnadenbilder hängen in der Kirche. Ein Bild befindet sich in der Sakristei, eins neben dem Südeingang. Vor diesem Bild befinden sich ein Opferstock und eine Anbetungsbank. Beide Bilder sind gemalte Kopien nach dem römischen Original. Sie sind wohl um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert entstanden.

Orgel

Die Orgel wurde aus der alten Kirche in die neue übernommen. Erbaut hat sie der Orgelbauer Nikolaus Koenig aus Köln in den Jahren 1757 bis 1760. Ihr Anschaffungspreis betrug damals 1350 Mark. Diese Orgel in Holzweiler galt als nachweislich einzige Orgel von Nikolaus Koenig. Sie hatte nur ein Manual.
1892 lieferte Michael Dauzenberg aus Linnich eine zweimanuale Orgel mit mechanischen Kegelladen, deren Manualregister auf einer Lade stehen. Das heißt: Die Windlade besteht aus einer Zwillingslade, „nach dem bewährten verbesserten Schleifladensystem“9. Zusätzlich besitzt die Orgel ein Fußpedal, das über einen Kegelladen angetrieben wird.
Insgesamt enthält die Orgel 24 Register. Das 1. und 2. Manual besitzen einen Tonumfang von C bis f“‘, das Fußpedal von C bis d‘.
1917 wurden die Prospektpfeifen aus hochwertigem Zinn für den Ersten Weltkrieg beschlagnahmt und erst 1932 durch die heute noch vorhandenen ersetzt.10 1947/48 wurde die Orgel durch den Kölner Orgelbauer Lothar Hintz nach hinten in die Turmkammer versetzt. Damit rückt der Orgeltisch von der Seitenlage an die Rückwand. Der Organist spielt mit dem Rücken zum Altartisch. Durch diesen Umbau wurde die Zuordnung der Pfeifen zu den Manualen durcheinandergebracht.11

Sonstiges

Mittelschiffsbänke:

© Wolfgang Lothmann | Bank

Vor dem Durchgang zum Turmraum steht noch eine Mittelschiffsbank aus der Zeit vor der Renovierung um 1970. Alle anderen Bänke wurden zu diesem Zeitpunkt erneuert. Diese Bank besteht aus Eichenholz. Vorne wurden Maßblendwerkfenster eingeschnitzt, die Wangen sind mit Blattranken und einem Stützsäulchen verziert.

Chorpult:

© Wolfgang Lothmann | Lesepult

Im Chorraum steht noch ein Chorpult aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Es besteht aus Eiche und hat eine Höhe von 150 cm. Die Flächenfüllung besteht aus geschnitztem Fischblasenmalwerk.

Weihwasserbecken:

An den beiden Eingängen befinden sich die gleichen Weihwasserbecken aus Sandstein. Sie haben die Form hochgotischer Laubkonsolen aus dem 14. Jahrhundert, wurden aber von Vincenz Statz 1859 entworfen.

Glocken

Im Glockenturm der Holzweiler Pfarrkirche schlagen heute noch zwei sehr alte Glocken. Eine dritte kleine Glocke steht im Turm, kann aber nicht geläutet werden.
Die älteste Glocke stammt aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Sie ist der Gottesmutter Maria gewidmet und trägt eine Inschrift aus frühgotischen Majuskeln: „ADONAI, AVE MARIA“ (Adonai, sei gegrüßet, Maria). Wer die Bronzeglocke erstellte, ist nicht mehr bekannt. Sie ist auf g‘ gestimmt, hat einen Durchmesser von 1028 mm und ein Gewicht von 650 kg.
Auch über den Glockengießer der größten Bronzeglocke aus dem Jahr 1426 (in einem Gutachten von 1962 ist von 1436 die Rede) wissen wir nichts. Vielleicht stammt sie aus der Gießerei von Johann Wael Köln12. Auch sie ist Maria gewidmet und trägt die Inschrift: „ANNO DOMINI MCCCCXXVI IPSO DIE INVENTIONIS SANCTAE CRUCIS“ (Im Jahr des Herrn 1426 am Fest Kreuzauffindung)
„MARIA HEISCHEN ICH
IN GOITS DIENST LUDEN ICH
IN EHREN COSMAE ET DAMIANI DIENEN ICH“ (Maria heiße ich, zum Dienste Gottes läute ich, zu Ehren Cosmas‘ und Damians diene ich). Ihr Schlagton ist es‘. Sie ist mit 1300 kg und 1284 mm Durchmesser die größte und schwerste Glocke der Kirche.
Die dritte, nicht aufgehängte Glocke, ist deutlich kleiner und stammt aus dem 20. Jahrhundert. Auch hier ist der Glockengießer nicht bekannt. Sie trägt keinerlei Beiwerk oder Inschriften. Ihr Gewicht beträgt 85 kg, sie hat einen Durchmesser von 500 mm, ihr Schlagton ist as“.

Den beiden gotischen Glocken wird ein ebenmäßiger harmonischer Klangaufbau bescheinigt, der im Rheinland nur noch selten zu finden ist13

Das Geläut der Glocken kann hier angehört werden.

Die Beschreibung der Fenster erfolgt in dem Artikel über die Kirche Sankt Cosmas und Damian Holzweiler.14

  1. Wimperge sind giebelartige Überkrönungen über Portalen und Fenstern. Sie entstanden vorwiegend in der Gotik.
  2. Aufbau auf der Mensa oder der Predella
  3. Aus Stein gemeißelte, schlanke, spitz auslaufende, flankierende Türmchen, die aussehen wie Tannenzapfen
  4. Erich Coester, a. a. O., Gruppe 3, allgemeines
  5. Flacher Aufsatz auf der Mensa, dem Altartisch.
  6. Burse kommt von dem lateinischen Wort „Bursa“, das so viel wie Börse, Beutel bedeutet.
  7. Erich Coester: Holzweiler Registriernummer 1.24
  8. Erich Coester, a. a. O., Registriernummer 2.1
  9. Dr. Franz-Josef Vogt: Gutachten über die Orgel der kath. Pfarrkirche St. Cosmas und Damian in Erkelenz-Holzweiler vom 21. Januar 1990, Seite 2
  10. siehe Dr. Franz-Josef Vogt, a. a. O., Seite 3
  11. siehe Dr. Franz-Josef Vogt, a. a. O., Seite 4
  12. siehe https://de.wikipedia.org/wiki/St.Cosmas_und_Damian(Holzweiler) (Stand: 05.2021). Hilberath zitiert ein Gutachten des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Dr. Neu, der einen unbekannten Gießer angibt (Seite 61)
  13. siehe Hilberath, a. a. O., Seite 62
  14. Text von Wolfgang Lothmann 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Dr. Erich Coester, Die Kirchlichen Kunstwerke im Bistum Aachen. Die kirchlichen Denkmäler der kath. Pfarrgemeinde St. Cosmas und Damian zu Erkelenz-Holzweiler. 1993. Zusammenstellung in Karteiform von Lothar Heupts.
  2. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 7,1985. Hans Hilberath: Glocken und Orgeln des Stadtgebietes Erkelenz, Seite 59 ff. und 133 f.
  3. Wikipedia, https://de.m.wikipedia.org. https://de.m.wikipedia.org, /wiki/St._Cosmas_und_Damian_(Holzweiler) (Stand: 05.2021)
  4. Limburg, Käthe und Bernd, Sakrales in der Stadt Erkelenz. http://www.limburg-bernd.de/Kirchen%20und%20Kapellen%20im%20Kreis%20Heinsberg/, (Stand 05.2021)
  5. Dr. Franz-Josef Vogt, Gutachten über die Orgel der kath. Pfarrkirche St. Cosmas und Damian in erkelenz-Holzweiler (krs. Heinsberg). Dormagen, 1990

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