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02.11.2020 Heimatverein will verlorene Orte im Gedächtnis behalten


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Zeitung am Sonntag, 01.11.2020

Heimatverein will verlorene Orte im Gedächtnis behalten

Das „Virtuelle Museum“ des Heimatvereins der Erkelenzer Lande bewahrt Geschichte und Kultur

Erkelenz. Der Anblick, als der Turm des „Immerather Doms“ am 8. Januar 2018 dem Arm des Abrissbaggers zum Opfer fiel, hat sich den Menschen ins Gedächtnis gebrannt. Aber wie sieht es mit den nachfolgenden Generationen aus? Was können die Älteren ihren Enkeln erzählen, wenn diese fragen: „Oma, wo hat eigentlich dein Haus gestanden?“

Der Heimatverein der Erkelenzer Lande hat bereits im Oktober 2018 – lange vor den vielen virtuellen Museumsrundgängen, die jetzt in der Corona-Krise angeboten werden – ein „echtes“ virtuelles Museum (www.virtuelles-museum.com) eröffnet.

„Echt“ virtuell deshalb, weil es nicht darum geht, online Exponate zu zeigen, die ein Museum derzeit in seinen Räumlichkeiten ausstellt, sondern die Geschichte, Kultur und das soziales Miteinander von verschwundenen Ortschaften und deren Landschaften werden ausschließlich in Form von Texten, Fotos, Filmen und vielen weiteren modernen Techniken gezeigt. Auf diesem Weg wollen wir die verlorenen Orte im kollektiven Gedächtnis bewahren.

Rund 7.500 Menschen werden durch den Braunkohletagebau ihre Heimat verlieren. „Deshalb haben wir unser Museum das Virtuelle Museum der verlorenen Heimat genannt. Mit dieser reinen Online-Version sind wir so etwas wie die Pioniere in der modernen Museumslandschaft“, erklärt Günther Merkens, Vorsitzender des Heimatvereins der Erkelenzer Lande.

Die Besucher des Virtuellen Museums können Erkundungsgänge u.a. mit Kugelpanorama-Optik unternehmen, z.B. durch die Kirche in Keyenberg, Kuckum oder Berverath, und alles über deren Geschichte erfahren. Sie können aber auch durch die Ortschaften „gehen“, oder sie aus der Vogelschau betrachten, z.B. Keyenberg oder Kuckum.

So bleibt für die Zukunft erhalten, wie die verschwundenen Ortschaften einmal ausgesehen haben. Viele Texte, Filme, Fotos und mehr erhalten die Erinnerung an Landschaften, Gebäude, Personen oder Ereignisse der Dörfer. Natürlich gibt es noch viel mehr Interessantes und Wissenswertes im Virtuellen Museum zu sehen. „Einfach hineinschauen“, so lädt Günther Merkens alle Leser ein.

Was Erwachsene und Kinder bei dem virtuellen Rundgang sehen und lernen können? „Zum Beispiel, dass Ortschaften, die in den letzten Jahrzehnten nur noch Straßendörfer waren, bis in die 80er Jahre autark waren mit Metzgern, Lebensmittelhandlungen, Schuhmachern, Gastwirtschaften, Schneidern und Textilgeschäften“, so Wolfgang Lothmann, der Leiter des Arbeitskreises Virtuelles Museum.

 Nach dem Start im Oktober 2018 wurden in diesem Jahr wesentliche Erweiterungen vorgenommen, die die Handhabung der Seite und das Surfen in ihr erleichtern. Dazu Wolfgang Lothmann: „Dem Museumsbesucher wird jetzt auf der Startseite des Museums ein schlichter neuer Button angeboten. Drei kleine waagerechte Striche, den sogenannten „Burger Button“, findet man oben links auf der Startseite gleich oberhalb des Museumslogos. Betätigt der Besucher diesen unscheinbaren Knopf, schiebt sich die Startseite weit nach rechts und es fächert sich ein breites Angebot auf. Neben der Suchfunktion werden die Themenstränge des Museums mit bebilderten Beitragsangeboten eingeblendet. Durch diese Neuerungen finden sich Besucher besser im Virtuellen Museum zurecht“.

Die wohl interessanteste Neuerung ist unter der Rubrik „Wissen“ zu finden. In unterschiedlichen Karten des Erkelenzer Landes sind viele Informationen platziert. Dazu Bernd Finken vom Leitungsteam Virtuelles Museum: „Wählt der Besucher die Karte, so breitet sich vor ihm das gesamte Stadtgebiet Erkelenz mit vielen Punkten aus. Hinter jedem Punkt verbergen sich Artikel des Virtuellen Museums. Unten links auf der Karte bieten fünf Buttons verschiedene Karten an. Neben der aktuellen Landkarte findet der Besucher u.a. dort eine Ansicht unserer Stadtkarte zu Napoleons Zeiten, der sogenannten Tranchot-Karte, oder eine Satellitenaufnahme des gleichen Gebietes. Unterhalb der Karte werden die Bilder des Virtuellen Museums gezeigt. Hinter den Fotos verbirgt sich ein besonderer Pfiff. Fährt man mit der Maus über die Bilder, so wird der Ort der Aufnahme auf der Karte gezeigt. Durch Klick lassen sich die Bilder vergrößern und ein Sprung in den zugehörigen Artikel ist möglich.“

Die Realisation dieses Bauabschnittes wurde durch die NRW Stiftung großzügig gefördert.

An dem virtuellen Museum wird aktuell fleißig weitergebaut. „Der Schatz von Keyenberg“ mit sieben oder acht Spielen wird Ende des Jahres online gehen, um auch die jüngeren Generationen an die Geschichte unserer Heimat heranzuführen. Dieses Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms „Heimatzeugnis“ vom Land NRW gefördert. Darüber freut sich Günther Merkens besonders und ist überzeugt: „Dies zeigt, dass unser Projekt anerkannt ist. Das Spieleportal wird die Inhalte des Virtuellen Museums in spielerischer und fesselnder Form insbesondere Jugendlichen und Kindern nahebringen“.

Der Arbeitskreis hat jetzt auch beschlossen, die Darstellung der übrigen Ortschaften der Stadt Erkelenz und die Stadt selbst in Angriff zu nehmen. Dazu soll zu jedem Ort ein Basisartikel auf der Plattform veröffentlicht werden, in dem kurz auf Geschichte und Sehenswürdigkeiten eingegangen wird. In diesem Artikel sollen die Ortsbewohner zudem gebeten werden, das Virtuelle Museum mit Inhalten, Bildern etc. zu versorgen, damit das geschichtliche Bild der jeweiligen Ortschaft vervollständigt werden kann. Der Zeitpunkt der Erweiterung wird noch bekannt gegeben.

Finanziert wird das Virtuelle Museum neben den bereits Erwähnten auch durch den Landschaftsverband Rheinland, die Stadt Erkelenz, den Kreis Heinsberg, Stiftungen sowie öffentliche und private Sponsoren.

Das Virtuelle Museum ist auch während der Corona-Verbotsregelungen jeden Tag rund um die Uhr erreichbar. (fr)

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