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Schule in Borschemich

Schulgeschichte

Schulbauten

Laut erster Chronik des Lehrers Hubert Ilbertz soll neben der Kirche bereits im Jahre 1780 die erste Schule gegründet worden sein. Sie war in einem Raum in einem „unansehnlichen, einstöckigen Fachwerkbau mit kleinen Fenstern“1 untergebracht. Dieser Raum in den Ausmaßen von 8 mal 7 Metern besaß anfangs keine Möbel, sondern nur Sitzschemel. Der Unterricht soll zunächst von ortsansässigen Handwerkern abgehalten worden sein, später von einem Lehrer.2

1808 wurde ein neues Schulgebäude neben dem alten errichtet. Es bestand aus einem einstöckigen Gebäude ohne Nebenräume mit einem Klassenraum. Das alte Gebäude diente laut einem unbezeichneten Zeitungsartikel als Lehrerwohnung. Obwohl bereits 1829 festgestellt wurde, dass das Schulgebäude für die Anzahl der Schüler zu klein sei, dauerte es bis 1850, dass ein zweiter Klassenraum, eine Lehrerwohnung und Nebenbebäude, wozu auch Schülertoiletten gehörten, anstelle des ersten Fachwekschulgebäudes angebaut wurden. Immerhin hatte der Keyenberger Gemeinderat vorher 1936 bereits eine Renovierung des bestehenden Klassenraumes genehmigt und durchgeführt. Das Schulgebäude von 1850 bestand aus einem ein- bis zweistöckigen Gebäude mit Hofraum. Das einstöckige Gebäude enthielt den ersten Schulsaal, einen Speicher und einen Schulgang. Von hier aus ging eine hölzerne Treppe in das Gemeindebüro im zweiten Stock des Nebengebäudes, das auch noch 4 Wohnräume enthielt. Das zweistöckige Gebäude beinhaltete den zweiten Schulsaal, zwei Zimmer der Lehrerwohnung und einen weiteren Eingang. Auch hier ging eine hölzerne Treppe zum Büro hoch.3 Der erste Schulsaal hatte eine Größe von 56 qm, der zweite von 38,20 qm4. Das Gebäude bekam im Jahre 1859 eine gusseiserne Pumpe und damit erstmalig einen Wasserzugang.

Da der zweite Klassenraum zu klein ausfiel, ordnete gegen den Widerstand des Gemeinderates die Regierung 1874 einen Neubau des Schulgebäudes nebst Lehrerwohnung an. Einer Beschwerde des Gemeinderates wurde letztlich nachgegeben, so dass es nicht zu einem Neubau kam. Immerhin wurden die Fenster des ersten Klassenraumes renoviert, um mehr Licht einfallen zu lassen. Diese Maßnahmen von 1875 scheinen aber keinerlei positive Wirkungen gezeigt zu haben, wie die Lehrer berichteten.

Von 1872 bis 1881 muss laut Gemeindechronik Keyenberg5 die Schule wohl sogar drei Klassen gehabt haben.

© unbekannt | Alte Schule 1930
Alte Schule um 1930

 

1924 wurde das Schulgrundstück auf 24 Ar vergrößert. Dadurch konnte der Schulhof erweitert werden und die Lehrerwohnung erhielt einen Garten.6

 

 

 

 

1939 wurde gegenüber dem Haus Palant eine neue Schule errichtet. Trotz einer teilweisen Zerstörung des Gebäudes im 2. Weltkrieg konnte der Unterricht 1945 mit zwei Klassen wieder aufgenommen werden. 1948 musste eine dritte Klasse im Keller eingerichtet werden. Der Kellerunterricht wurde allerdings 1948 wegen gesundheitlicher Gefährungen verboten. 1955 konnte das Gebäude um einen dritten Klassensaal erweitert werden. 1964 bekam es eine Ölheizung. Dieses Gebäude wurde bis zur Schließung 1968 als Schule genutzt. Das ehemalige Schulgebäude diente danach zusammen mit einem 1972 errichteten weiteren Anbau als Mehrzweckhalle für viele Veranstaltungen der Ortsvereine.

2016 wurde die Schule im Zuge der Umsiedlung des Ortes abgerissen.

Schulbesuch

In Preußen existiert seit 1717 eine allgemeine Unterrichtspflicht. Das bedeutet aber nicht, dass die Kinder regelmäßig zur Schule gingen; nur im Winter, wenn sie nicht zu häuslichen Arbeiten benötigt wurden, war der Besuch regelmäßig. Es konnte so auch in Borschemich vorkommen, dass nur etwa die Hälfte der Kinder im Sommer den Unterricht besuchten. In der Regel schickten die Eltern ihre Kinder mit sieben Jahren in die erste Klasse. Eine Unterrichtspflicht bestand bis zum 12. Lebensjahr. Die tägliche Unterrichtszeit war anfangs willkürlich. Wenn die Kinder zu Hause mit ihrer Arbeit fertig waren, konnten sie den Unterricht besuchen. Nachmittags dauerte der Unterricht von 13 bis 16 Uhr.

Anfangs erhielten die Kinder nur Unterricht in Lesen, Schreiben und Singen. Mathematik galt nicht als Schulfach, da die Handwerker, die ja den ersten Unterricht in Borschemich erteilten, nicht des Rechnens kundig waren. Erst Herr Niedeck führte vor 1812 Rechnen in Abendschulkursen durch, die dann extra bezahlt werden mussten. Statt 24 Pfennige Schulgeld musste die Eltern, die ihren Kindern Rechnen ermöglichten, 50 Pfennige im Monat zahlen. Erst mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1919 waren die Kinder verpflichtet, regelmäßig am Schulunterricht teilzunehmen.

In der Regel saßen die Kinder in einem oder zwei Unterrichtssaalen. Wenn zu wenig Lehrer vorhanden waren, wurde der Unterricht gesplittet.

Lehrertätigkeit in der frühen Zeit

Wenn die ersten Lehrer in Borschemich Handwerker waren und im weiteren Verlauf auch Küster und Aspiranten, ja sogar 16-Jährige als Lehrer in Borschemich tätig waren, so spiegelt sich darin der Wert von schulischer Bildung im gesamten Land. Borschemich bildete hier keine Ausnahme. Die Fluktuation der Lehrer und Lehrerinnen zeigt ebenfalls, dass auf Bildungskontinuität nicht viel Wert gelegt wurde. Gerade, wenn zwei Lehrer eingestellt waren, so versuchte man die Gehaltskosten für den zweiten Lehrer durch Einstellung von Aspiranten und Unqualifizierten so niedrig wie möglich zu halten.

In Borschemich zahlten die Eltern bis 1830 Schulgeld in Höhe von 0,24 Pfg. pro Schüler und Monat. Kinder, die in Mathematik zusätzlich unterrichtet wurden, zahlten 0,50 Pfg.

Ab 1830 erhielt ein Lehrer 450 Mark jährlich ausgezahlt. Dieser Betrag erhöhte sich bis 1868 auf 750 Mark. Das Gehalt eines Aspiranten betrug 240 Mark, ab 1870 360 Mark. Die Entlohnung war Sache der Gemeinde. Erst ab 1909 erhielt ein Lehrer ein einheitliches Gehalt nach dem Lehrerbesoldungsgesetz in Höhe von 1400 Mark jährlich.7

Da die Ersten Lehrer pro Kind bezahlt wurden, gingen sie in der Regel einer weiteren Tätigkeit nach. Bei den ersten Lehrern waren es meist Handwerkstätigkeiten wie Schneider oder Schuster, meist unterrichteten auch die Küster. Der Lehrplan war nicht geregelt. Er bestand zunächst aus Lesen, Schreiben, Singen und katholischer Religionslehre. Lehrer Niedeck führte Mathematik für ein zusätzliches Schulgeld ein.

Ab 1828 gab es den ersten stattlich ausgebildeten Lehrer in Borschemich, Herrn Clahsen. Er führte auch den regelmäßigen Unterricht von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr ein.

Text von Wolfgang Lothmann

  1. Goebels: Borschemich – Geschichte und Geschichten, a. a. O., Seite 99
  2. Lennartz: Das Elementarschulwesen des 19. Jahrhundertsim heutigen Stadtgebiet Erkelenz, a. a. O., Seite 57
  3. Heinrich Goebels: Borschemich – Geschichte und Geschichten, a. a. O., Seite  100
  4. Lennartz: Das Elementarschulwesen des 19. Jahrhundertsim heutigen Stadtgebiet Erkelenz, a. a. O., Seite 62
  5. Lennartz: Das Elementarschulwesen des 19. Jahrhundertsim heutigen Stadtgebiet Erkelenz, a. a. O., Seite 63
  6. Heinrich Goebels: Borschemich – Geschichte und Geschichten, a. a. O., Seite  100
  7. Goebels: Borschemich – Geschichte und Geschichten, a. a. O., Seite 100 f.
  1. Josef Lennartz, Das Elementarschulwesen des 19. Jahrhunderts im heutigen Stadtgebiet Erkelenz. Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e. V., Band 5, Erkelenz, 1984, Seite 57 - 66
  2. Heinrich Goebels, Borschemich - Geschichte und Geschichten. Festbuch zum 350-jährigen Bestehen der St. Martinus-Schützenbruderschaft. Jüchen, 1986, Seite 98 - 108

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