Niers

Recker-Proprenter | Ziegenstall Kuckum
Ziegenstall Kuckum, das heutige Pfarrheim

Überlieferung

Viele Informationen über die Niersquelle beruhen auf mündliche Überlieferungen. Demnach sollte ein früherer Ursprung der Niers in einem Ziegenstall liegen, der schräg gegenüber dem herrschaftlichen Haus Zourshof lag. In der Tat liegt eine Quelle der Niers in diesem Bereich. Einwohner aus Kuckum und Unterwestrich erzählen noch heute, dass sie vor dem Braunkohleabbau nur im Garten ein kleines Loch buddeln mussten, um an Grundwasser zu kommen, das genauso gut eine Quelle der Niers hätte sein können.

Nach der Überlieferung gab es noch in den 60er und 70er Jahren dreißig bis vierzig kleine Quellpunkte im Quellgebiet der Niers. Durch den Braunkohleabbau „Garzweiler I und II“ und die damit verbundene Ableitung von Grundwasser, sind die Quellen jedoch heute versiegt. Die Firma RWE-Power, die die Kohle abbaut, wurde dazu verpflichtet, Wasser künstlich zuzuleiten. Dazu verlegte man in den Lauf der Niers ein Rohrsystem, das ab dem Zourshof wieder Wasser in die Niers einspeist, die ohne dieses Hilfsmittel wohl im Bereich Kuckum, Unterwestrich und Keyenberg ganz versandet wäre.

Recker-Proprenter | Bildschirmfoto Tranchot Karte
Tranchot Karte

In der Literatur werden als Hauptquellen die im Zourshof und eine Quelle namens ‚Klocken Sprung‘ genannt, die im Wäldchen zwischen dem Sportplatz Keyenberg und Kuckum liegt. Hier haben die Kinder der Ortschaften Keyenberg, Kuckum und Unterwestrich bis zu ihrem Versiegen häufig gespielt, das Quellwasser etwa aufgestaut, um darin in heißen Sommern zu schwimmen.

Neben den Quellen versorgte u.a. auch die Köhm, die in Borschemich entsprang, die Niers mit Wasser.

Mittlerweile besteht das Nierswasser im Quellgebiet zu 80-90 % aus künstlicher Zuleitung. Anfangs ist die Niers ein 1,15 m – 2 m breiter kleiner Graben, der sich jedoch im weiteren Verlauf mehr und mehr vergrößert.

Sage

Die Sage um den Klockenspung besagt, dass ein Hirte seine verstreuten Tiere an der Niers suchte. Nach längerem Suchen hörte er Glocken klingen und fand die Tiere bei einer Quelle. So soll der Namen Klockensprung überliefert worden sein.

Geschichte

Das älteste Schriftzeugnis, welches die Niers erstmalig erwähnt, stammt aus der Römerzeit. Es handelt sich hierbei um den sogenannten Matronenstein, der auf das 1. – 4. Jahrhundert n. Chr. datiert wird. Er ist den Niersmatronen geweiht.

Im 9. – 10. Jahrhundert wurde die bewaldete Landschaft im Quellgebiet der Niers gerodet und neu besiedelt, es entstanden jene Weiler und Orte, deren Namen auf -rath enden.

Mühlen

Eine besondere Rolle spielten seit dem 13. Jahrhundert die Mühlen. Meist wurden an der Niers Mühlen mit einem Wasserrad „römischen Typs“ verwendet. Das Wasserrad wird bei diesem Typ direkt durch die Strömung des gestauten Flusses bewegt.  1836 trieb die ca. 120 km lange Niers 49 Mühlen an. Neben Getreide und den Ölfrüchten Raps und Flachs verarbeiteten die Müller Baumrinde zu Lohe für die Ledererzeugung und Hadern (Lumpen) für die Papierherstellung. Ferner wurden auch Tuchgewebe und Häute gewalkt. Mitte des 19. Jahrhunderts ging der Anbau von Flachs und Raps gewaltig zurück. Großmühlen konnten die Produkte wirtschaftlicher und billiger mahlen. So kam es, dass die Mühlen an der Niers nach und nach ihre Arbeit einstellten. Die letzten Wassermühlen, die seit den dreißiger Jahren mit Elektromotoren versehen waren, mussten ihren Betrieb einstellen.

Neuzeit

Durch die Textilindustrie am Oberlauf der Niers  wurde die Wasserqualität des Flusses ab Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend schlechter. Der Fischbestand nahm rapide ab. 1927 wurde schließlich der Niersverband gegründet, der sich bis heute für eine Verbesserung der Wasserqualität und Renaturierung der Niers einsetzt.

Leider wird die bestehende einmalige Naturlandschaft durch den Braunkohletagebau „Garzweiler II“ zerstört werden. Das Niersquellgebiet liegt im Abbaubereich, die Gemeinden Borschemich, Keyenberg und Kuckum sowie andere Gemeinden werden umgesiedelt. Das Quellgebiet der Niers verlagert sich in die Ortschaft Wickrathberg, die zu Mönchengladbach gehört.

  1. Niersverband (Hrsg.), 75 Jahre Niersverband. Viersen, 2002, Niersquellgebiet
  2. Stadt Erkelenz (Hrsg.), Kulturlandschaft Erkelenzer Börde. Gestaltete Heimat. Erkelenz, 1990, Kapitel über Niersquellgebiet
  3. unbekannter Autor, Wikipedia. https://de.m.wikipedia.org, /wiki/Kuckum

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