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Jugendhaus Sankt Josef in Borschemich

Geschichte

Das 1688 erbaute Gebäude wurde bis 1918 als Bauernhof geführt. Der verwitwete und kinderlose Theodor Loerkens hatte bereits 1885 testamentarisch verfügt, dass die Pacht von Land und Hof der katholischen Kirche in Borschemich zukommen soll, wenn denn der Hof in ein Heim für arme, kranke und altersschwache Personen umgewandelt werden würde. Trotz staatlicher Genehmigung ruhte das Projekt bis 1912.1 1918 stifteten Theodor und seine Schwester Eva Lörkens das Gebäude dem Erzbistum Köln mit der Auflage, daraus ein Haus für bedürftige Kinder zu machen. Das Erzbistum übergab das Haus dem Orden der Cellitinnen (Düren-Niederau) im November 1918. Erste Leiterin war Schwester Oberin Raphaela. Die Schwestern waren in der Kinderfürsorge und Krankenpflege in Borschemich tätig.2 In der Borschemicher Einrichtung entstanden ein Kinderheim, eine sogenannte Kinderverwahrstätte (Kindergarten) sowie eine Krankenpflegestation, in der es auch eine ambulante Versorgung gab.

Lediglich im 2. Weltkrieg mussten die Schwestern ihren Kindergartendienst unterbrechen, weil per Verfügung durch die Geheime Staatspolizei der Kindergarten in die Hände der NS-Volkswohlfahrt gelegt wurde. 1944 mussten die Heimkinder evakuiert werden. 14 Kinder wurden mit Schwester Georgia nach Sachsen verschickt. 1945 kamen die Kinder zurück. Das Haus wurde wieder aufgebaut, der Kindergarten renoviert, so dass Platz für 32 Kleinkinder vorhanden war. Im Jahre 1957 hatte man Platz für 35 Heimkinder.3

Am 17. Januar 1981 mussten die Schwestern das Haus in Borschemich aufgeben, weil der Schwesternnachwuchs fehlte. Der Caritasverband Heinsberg übernahm das Kinderheim, der Kindergarten musste wegen der fehlenden Kinder geschlossen werden.4 1985 wurde das Haus vom Bistum Aachen übernommen und zu einer überregionalen Jugendbegegnungsstätte ausgebaut. Ab 2005 betrieb die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg, Diözesanverband Aachen das Haus als Selbstversorgerhaus5. In dieser Funktion war das Sankt Josef Haus bei Jugendgruppen sehr beliebt. Etwa 11 000 Übernachtungen gab es jährlich. Das Haus besaß dazu drei Wohneinheiten mit insgesamt 49 Betten (12, 13, 24 Betten pro Einheit). Zu jeder Einheit gehörten eine Küche, ein Essraum und Arbeits- und Aufenthaltsräume. In einer ehemaligen Kapelle war zuletzt ein Meditationsraum eingerichtet.

Bauweise

Bauernhof

Auf der Tranchotkarte aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts wird der ursprüngliche Bauernhof als Vierkanthof dargestellt. Die Denkmalbeschreibung weist als Baustoff für das Gebäude Blaustein aus.

Kloster

Mit der Übernahme durch den Orden der Cellitinnen erhielt das Gebäude eine Kapelle im westlichen Flügel des ehemaligen Hofes. Hierin befanden sich bis zum Abbruch fünf um 1935 entstandene bunte Glasfenster, die vom Bildhauer Kuhn entworfen und in der Glasmalerei Oidtmann in Linnich gefertigt wurden. Die Gebäude zum Garten hin wurden dahingehend verändert, dass das hintere Quergebäude zum Garten hin geöffnet und der westliche Gebäudeteil verlängert wurde. Darin befanden sich die Stallungen und eine Scheune im Obergeschoss. Im östlichen Flügel war der Kindergarten untergebracht. Dem Haus schloss sich ein Garten von etwa 10.000 qm mit einer großen Obstbaumwiese an, die von den Cellitinnen intensiv zur Selbstversorgung genutzt wurde.

Jugendhaus

In den Zeiten als Selbstversorger- und Jugendhaus baute man die Stallung im Erdgeschoss zu einem Spieleraum, im Obergeschoss die Scheune zu einem Clubraum um. Zu diesem Zeitpunkt wurde ebenfalls die Kapelle umgestaltet und diente auch als Meditationsraum. Im Selbstversorgerhaus gab es 3 Wohneinheiten mit je 12, 13 und 24 Betten.6

  1. siehe Rita Hündgen: Die Cellitinnen zur Hl. Gertrud aus Düren im Josefskloster in Borschemich, a. a. O.
  2. Paul Blaesen: Zeichen am Wege, a. a. O., Seite 157
  3. siehe Rita Hündgen: Die Cellitinnen zur Hl. Gertrud aus Düren im Josefskloster in Borschemich, a. a. O.
  4. Siehe Heinrich Goebels u. a.: Borschemich – Geschichte und Geschichten, a. a. O., Seite 98
  5. siehe https://rp-online.de/nrw/staedte/erkelenz/jugendhaus-st-josef-schliesst-fuer-immer_aid-22130805 vom 10.12.2013
  6. Text von Wolfgang Lothmann 2020 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 17: Paul Blaesen: Zeichen am Wege. Dokumentation christlicher Kleindenkmäler in der Stadt Erkelenz. Erkelenz, 1998.
  2. Heinrich Goebels, Borschemich - Geschichte und Geschichten. Zusammengetragen anläßlich des 350-jährigen Bestehens der St. Martinus-Schützenbruderschaft. Jüchen, 1986, Seite 80 ff.
  3. Rita Hündgen u. a., Ordensschwestern im Erkelenzer Land - eine Spurensuche. Broschüre zur Ausstellung anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e. V. und des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins Hohenbusch e. V., Erkelenz, 2020, Rita Hündgen: Die Cellitinnen zur Hl. Gertrud aus Düren im Josefskloster in Borschemich
  4. Rheinische Post, online. https://rp-online.de/, /nrw/staedte/e rkelenz/jugendhaus-st-josef-schliesst-fuer-immer_aid-22130805 vom 10.12.2013

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