Gründung und die ersten Jahre
Die Tanzsportgemeinschaft (TSG) Erkelenz wurde von Erich und Marita Gaspers, Ehepaar Dulies, Ehepaar Zimmermann und Lothar Heupts am 7. September 1982 gegründet.
Knapp ein Jahr nach der Gründung richtete die TSG in der Erka-Halle die Deutsche Meisterschaft in den lateinamerikanischen Tänzen der Klasse A-Latein aus. Die A-Formation hatte ihren ersten Auftritt vor sachkundigem Publikum und erhielt tosenden Beifall. Das war der Startschuss für einen ungeahnten Aufschwung des Tanzsports in Erkelenz. Wie kam es dazu?
Der Erfolgstrainer hieß Erich Gaspers. Zunächst hatte er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann begonnen, prägender waren allerdings seine ersten Tanzkurse mit 17 in der Mönchengladbacher Tanzschule Brinkmann. Spätestens da war klar, dass Erich Gaspers Tanzlehrer werden wollte. Aber zunächst war Turniersport angesagt. 1974 heiratete er seine Tanzpartnerin Marita Zimmermann, mit der er als Enzelpaar im Lateintanz sehr erfolgreich war und im selben Jahr übernahmen die beiden die Tanzschule Brinkmann in Erkelenz. Zeitgleich ließ Erich Gaspers sich zum Tanzlehrer ausbilden, ein Ziel, welches 1978 erreicht war.1
Gaspers war nicht nur zielstrebig und fleißig, seine Begabung, junge Menschen zu begeistern, Teams zusammenzuschweißen, als Trainer tänzerisch komplexe Bewegungsabläufe zu zerlegen, waren das Erfolgsrezept. Mit der Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft der Professionals über die 10 Tänze Standard und Latein in der zum Ballsaal hergerichteten, ausverkauften Erka-Halle hatte die Stadt Erkelenz ihren ersten großartigen Gala-Ball und es folgten noch viele weitere. Die Jugend der Region entdeckte den Tanzsport für sich, viele traten in die TSG ein.2
1984 startete das junge A-Team Latein in der Regionalliga und belegte einen beachtlichen vierten Platz. Man schloss die Saison mit dem 6. von 13 Plätzen ab. Am 29. Mai 1987 geschah für die Aktiven und die TSG-Fans dann das unglaubliche im altehrwürdigen Wintergarden-Ballroom von Blackpool. Das A-Team der TSG Erkelenz erkämpfte sich die Vize-Meisterschaft der British Open vor rund 5000 Tänzer*innen aus der ganzen Welt, die alljährlich zum Blackpool-Dance-Festival anreisen.3
Erfolgsjahre
In den Jahren darauf stand Erkelenz als Top-Team der Reginalliga West der Latein-Formationen immer in der Startliste zum Bundesliga-Aufstieg. 1990 reichte es dann zum Aufstieg in die neugegründete 2. Bundesliga.
Als Aushängeschilde erwiesen sich die Latein – Formationen. Im Mai 1992 verzeichnet das Vereinsheft „Parkett- Splitter“ eine A-Formation, die in der 2. Bundesliga tanzt, die B- Formation in der Oberliga West und die C- Formation ging in ihr 1. Wertungsturnier in der Landesliga West. Die Tanzschule konnte sich vor tanzfreudigen Erkelenzer*innen kaum retten. Es gab Einzelpaare im Latein und Standard sowohl als Schüler*innen, Junioren*innen und Senioren*innen, eine Jazztanzgruppe, Kindertanzen, Rollstuhltanz und die Nachwuchs Einzelpaare. Erkelenz erwies sich als Hochburg des NRW-Tanzsports.4
Unter einer veränderten Vereinsführung kam in der Saison 1994 allerdings der Abstieg von der Regionalliga in die Oberliga. 1995 wollte man erneut angreifen und was lag da näher, als Erich Gaspers, den langjährigen Erfolgstrainer als Vorsitzenden des Vereins zu wählen. Bernd Waldschmidt, (siehe Foto links) erfolgreichstes TSG Spross und Thomas Strang wurden als Trainer verpflichtet. Beide hatten mit der Latein-Formation Schwarz-Gelb Aachen 1992 den Weltmeistertitel errungen.5
Jahr für Jahr tanzte das A-Team eine Liga höher. Es gab wieder ein B und ein C-Team. Mit einer neuen Formations-Musik mit dem Titel „Little shop of horrors“ erweitert um weitere Filmmusiken aus Rocky Horror Picture Show, Ghostbusters, Addams Family tanzten die 8 Paare der Formation nach harter Arbeit und großem Trainingsfleiß auf so hohem Niveau, dass der Aufstieg in die Regionalliga West gelang. Fünf aktive erfolgreiche Einzelpaare bildeten das Herzstück. Viermal Rang zwei und einmal Platz drei bei den Saison-Turnieren 1995 reichten locker. Das Durchschnittsalter der Formation war 17 Jahre. Es tanzten: Jürgen Franken, Simone Finken, Hagen Jäger, Yvonne Gaspers, Stefan Kasselmann, Yvonne Holzem, Sven Palasdies, Sabine Kasselmann, Ludwig Pelzer, Sabrina Otto, Michael Rütten, Corinna Reinartz, René Strauchen, Laura Schwerm, Silke Tischtau, Roland Kreies, Thomas Strauchen, Karin Kullartz und Stefan Meißen. Die A-Formation war trotz des jungen Durchschnittalters eine nahezu homogene gereifte Mannschaft, die von den Personen und dem Können gut zusammenpasste.6
Was würde die Saison 96 bringen?
In der Saison 1996 tanzte die A-Formation auf „Schachmatt dem König“. 1992 hatte sich schwarz-gelb Aachen mit „Chess“ in Wien den Weltmeistertitel und 1993 den Europameistertitel ertanzt. Neben dem Chess-Musical waren Klänge aus Les Miserables und Man of la Mancha eingearbeitet. Die Turnierkleidung war schwarz-weiß, also themenbezogen. Waldschmidt und Strang hatten als Trainer mit Erich Gaspers den Mut, die Meister-Choreografie erneut mit Leben zu füllen. Ein dreitägiges Trainingslager in Reinsfeld schweißte Mannschaft und Choreografie zusammen. Die leicht veränderte Mannschaft hatte nun ein Durchschnitsalter von 18,6 Jahren. 15 aus dem Aufstiegsstamm waren geblieben. Eine bange Frage zog sich durch die ganze Saison : Wird es am Ende den ersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga geben?
Tatsächlich gelingt der Aufstieg mit den Trainern Bernd Waldschmidt, Thomas Strang und Erich Gaspers.7
Am 11. Mai 1997 konnte mit Chess sogar der Aufstieg in die 1. Bundesliga gefeiert werden. 1. Bundesliga, das bedeutete zwei oder drei Trainingslager mit jeweils 40 bis 50 Stunden Training, drei Mal Training pro Woche, ab August vier Mal und ab September fünf Mal. Noch in der Aufstiegsnacht wurde der Mannschaft vom Trainer Bernd Waldschmidt die Musik vorgespielt, die auf der Deutschen Meisterschaft in Bremen am 18. Oktober für eine gute Platzierung sorgen sollte. Waldschmidt hatte in den vergangenen zwei Jahren über 200 CDs angehört und die Musik nach seinen Vorstellungen zusammenstellen lassen. Das „Experiment“ Latin Church konnte beginnen. Man hatte vor, sich in der Bundesliga festzusetzen. 8
Abschied aus Bundesliga
Konnte das Team diesem Trainingsmarathon und dem Druck der Konkurrenz standhalten?
Dies gelang bis in die Saison 1999/2000. Es folgten der Abstieg in die 2. Bundesliga und ab 2002/03 in die Regionalliga West. Es mangelte an Nachwuchs vor allem bei den Tänzern. Schließlich hatten die jungen Leute auch noch andere Pläne für die Zukunft, seien es Studium oder Berufsausbildung.
Aber bei allen Aktiven ist die Zeit unvergessen, als Erkelenz in der Bundesliga tanzte.
Übrigens: Die TSG gibt es heute noch im Bereich Jazz/Modern, Contemporary und Lateintanz.9
- RP-Artikel von Klaus Waldschmidt vom 24. Februar 2017
- ebenda
- ebenda
- Parkett-Splitter, Vereinsheft Nr. 5, Mai 1992, S. 10
- Parkett-Splitter, Vereinsheft Ausgabe Juni 1994, S. 2
- Parkett-Splitter, Vereinsheft Ausgabe Februar 1996, S. 3
- ebenda, S. 2
- Artikel in der Aachener Zeitung von Nicole Hantsch vom 30. Juli 1997
- Text von Rita Hündgen 2025 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande. Das Material wurde von Klaus Waldschmidt und Heinz Musch zur Verfügung gestellt.
- , Rheinische Post. Düsseldorf, 24.2.2017
- , Aachener Zeitung. 30.7.1997
- , Parkett-Splitter. Vereinsheft der TSG Erkelenz. Erkelenz
Wenn Sie uns Feedback zu diesem Artikel senden möchten, nutzen Sie bitte dieses Kontaktformular:
* Pflichtfeld






