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Hilberath -Eine Musikerdynastie

sonstiger Name: Peter Josef Hilberath, Leo Hilberath, Heinz Hilberath, Hans Hilberath, Helene Hilberath, Anton Hilberath, Paula Hilberath
1865 bis 2005

Von 1865 bis 2005, also 140 Jahre, prägten drei Generationen der Familie Hilberath das Musikleben in Erkelenz. Peter Joseph, Leo und Hans Hilberath waren als Musiker, Organisten, Dirigenten und Lehrer in Erkelenz tätig. Aber auch andere Familienmitglieder waren musikalisch tätig.

Peter Joseph Hilberath

Sein Leben

© Archiv Heimatverein | unbekannt | P.J. und Berta Hilberath,1880

Peter Joseph Hilberath wurde am 11. Juni 1841 in Deutz geboren.
Sein Vater, Johann Peter war Klavierbauer und Postbeamter, seine Mutter Elisabeth (geb. Weber) Kleidermacherin.

Im Jahre 1865 kam er als Organist nach Erkelenz. Wenig später, am 26. August 1869, heiratete er Catharina Hubertina Reiners aus Randerath.

Das Ehepaar hatte 18 Kinder, von denen sechs im Kindesalter verstorben sind. Dazu kamen noch drei Totgeburten.1

Das Foto entstand zur Silberhochzeit 1894.

© Archiv Heimatverein | unbekannt | Familie P.J. Hiberath,1894
Familienfoto mit Nr.

1 Josefine Hubertina *22. 09.1873, +10.10.1967 (Viernheim)
2 Peter-Josef (Vater) *10. 06.1841 (Deutz), +14.04.1904 (Aachen)
3 Maria *10.10.1887, +10.07.1976 (Junkersdorf)
4 Auguste Hubertine *28.03.1890, +09.05.1974 (Immerath)
Seit 1918 Klosterfrau bei den Töchtern vom Heiligen Kreuz, 1924 -1970 in der Mission, erst in Bombay später Oberin in einem Kloster mit angeschlossener Herberge und Schule für Mädchen in Karatschi. Dort feierte sie auch ihr goldenes Ordensjubiläum. Ihr Ordensname: Schwester Maria Leonardina. 

Berta Hilberath auf Heimat Urlaub-2

5 Catharina Hubertina Hilberath, geb. Reiners (Mutter) *30. 8. 1846, (Randerath) +25. 5.1928 (Neuss)
6 Wilhelmina Josephina *04.03.1875, +10.08.1976
7 Heinrich Joseph *23.04.1884, +10.01.1964
8 Franz Joseph *24.04.1871, +21.12.1954 (Neuß)
9 Hubert Joseph *24.04.1871, +nicht bekannt
Die Zwillinge waren Klavierbauer, oder mindestens einer von ihnen
10 Elisabeth Hubertina *01.06.1870, +05.08.1938 (Stettin), verheiratete Rißen
11 Leonard, Franz *20. 9.1877, +06. 09.1962, heiratete 1906 Anna Christine Scherer, *06.12. 1887, +01.08.1956.

Die Kinder aus dieser Ehe heirateten bis auf Berta Hilberath (Nonne) und hatten Nachkommen. Nur Elise (verheiratete Rißen) und Leo blieben in Erkelenz.2
Die sechs verstorbenen Kinder:
Carl Rudolf *10.05.1872, +25.10.1880 (Erkelenz)
Johanna Maria *23.07.1876, + 17.11.1876 Erkelenz
Anna Maria *14.11.1878, +17.11.1878 (Erkelenz)
Wilhelm Adolph *29.10.1879, + 29.12.1879 (Erkelenz)
Maria Auguste *01.12.1885, +15.01.1886 (Erkelenz)
Karl Gereon *10.10.1887, + 08.11.1887 (Erkelenz)3

Peter Joseph Hilberath und seine Familie wohnte zunächst in der Gasthausstr. 3, ab 1890 ?? dann Bahnstr. 164

Etwa 1914 kaufte Leo Hilberath an der Bahnstraße das Haus Nr. 45 von der Witwe Peters (heute u. a. Notariat) und verlegte sein Geschäft (Musikalienhandlung) hierhin.5

© Stadtarchiv Erkelenz | unbekannt | Kölnerstraße Haus Hilberath

Am 14. April 1904 ist P. J. Hilberath in Aachen gestorben. Er war dort zur Behandlung in einem Krankenhaus. Die Anteilnahme am Tode P. J. Hilberaths war in Erkelenz sehr groß.

© Archiv Heimatverein | Grab P.J. Hilberath

Begraben wurde P. J. Hilberath auf dem Friedhof an der Brückstraße.

Berta Hilberath starb am 25. Mai 1928 in Neuß. Sie wurde ebenfalls auf dem Friedhof an der Brückstraße beerdigt.

© Stadtarchiv Erkelenz | Totenzettel Berta Hilberathh

Sein Wirken

Peter Josef Hilberath kam 1865 nach Erkelenz, um das Organistenamt an der Pfarrkirche St. Lambertus zu übernehmen. Er übernahm das Amt von Jean Messemaeckers, der nach Rheydt gewechselt war.6 Einer der Vorgänger von Hilberath war übrigens Cornelius Burgh. Peter Josef Hilberath blieb Organist an Sankt Lambertus bis zu seinem Tod im Jahre 1904, Nachfolger wurde sein Sohn Leo.

Im Jahre 1869 wurde er neben seiner Tätigkeit als Organist Musiklehrer an der Höheren Bürgerschule (Vorgänger des heutigen Cusanus-Gymnasium), an der er einen Schulchor ins Leben rief.

Er war auch Chorleiter des Städtischen Gesangvereins 1843 e. V., sowie 1892 Mitbegründer des Kirchenchores an St. Lambertus Erkelenz.

Hilberath war zeitweise auch Dirigent des Städtischen Musikvereins. So führte er u. a. mit dem Musikverein und dem Schülerchor eine Messe von Franz Nekes auf.7

Eine weitere Tätigkeit war die eines privaten Musiklehrers. Er sammelte Schüler um sich und bildete private Musikzirkel.8

In seiner Tätigkeit als Dirigent leitete er schon kurz nach seinem Dienstbeginn in Erkelenz ab 1866 unzählige Konzerte oder ähnliche Musikveranstaltungen in Erkelenz. Hier einige Beispiele aus dem Erkelenzer Kreisblatt:

© zeit.punkt NRW | EKB 03.03.1866

Die erste bekannte Anzeige vom 03. März 1866.

© zeit.punkt NRW | EKB 03.02.1894

Noch im Februar 1904, zwei Monate vor seinem Tod, wird er als Dirigent des Orchester-Vereins Erkelenz angekündigt.

P. J. Hilberath gründete auch eine Musikalienhandlung, in der insbesondere Klaviere angeboten wurden.

Des weiteren eröffnete er 1881 im Auftrag der Gothaer Feuerversicherungsgesellschaft eine Versicherungsagentur. Dem Unternehmen war er von dem Erkelenzer Kaufmann Alexander Weinberg empfohlen worden. Die Agentur verblieb drei Generationen lang in der Familie Hilberath. Zuletzt wurde sie von Paula Hilberath betrieben.


Leo Hilberath

Sein Leben

© Archiv Heimatverein | unbekannt | Leo und Christine Hilberath,1905

Leonhard Franz Hilberath wurde am 20. September 1877 in Erkelenz als achtes Kind der Familie Hilberath geboren. Er war eines der überlebenden neun Kinder des Ehepaares Peter Joseph und Berta Hilberath. Wie sein Vater wurde er auch Organist und Musiker, u. a. studierte er am Gregoriushaus in Aachen und am Konservatorium in Köln.

Nach dem Todes des Vater im Jahre 1904 übernahm Leo Hilberath sowohl das Organistenamt an Sankt Lambertus als auch die Dirigententätigkeit und das Amt als Lehrer am Progymnasium.

Zu Anfang seiner Erkelenzer Zeit war er auch Schüler von Franz Nekes. 9

Am 04. September 1906 heiratete Leo Hilberath Anna Christina Scherer aus Köln. Das Ehepaar hatte vier Kinder.

Einige Porträtfotos:

© Stadtarchiv Erkelenz | Todesanzeige Leo Hilberath

Leo Hilberath ist am 06. September 1962 in Erkelenz gestorben. Beerdigt wurde er auf dem Friedhof an der Brückstraße im Grab seiner Eltern.

© Stadtarchiv Erkelenz | Beerdigung Leo Hilberath

Sein Wirken

Nach seinem Studium am Gregoriushaus in Aachen und am Konservatorium in Köln war er zunächst drei Jahre an der Pfarrkirche Mariä Geburt in Essen als Organist tätig. Seine Militärzeit absolvierte er bei einer Militärkapelle in Koblenz. Nach dem Tode des Vaters wurde er im Jahre 1904 als Organist an Sankt Lambertus in Erkelenz berufen. Dieses Amt übte er bis 1947 aus, dann ging er in den Ruhestand.

Im Jahre 1906 wurde Leo Hilberath wie sein Vater Musiklehrer am Gymnasium in Erkelenz. Diese Tätigkeit musste er 1933 aufgeben, da er „politisch nicht zuverlässig“ war.10

© zeit.punkt NRW | EKB 02.07.1904

Im Juli 1904 teilte Leo Hilberath in einer Anzeige im Erkelenzer Kreisblatt mit, dass er die Klavierhandlung seines verstorbenen Vater weiterführen wird. Gleichzeitig bot er seine Dienst als Musiklehrer für Klavier und Gesang an.

Anzeigen für die Musikalienhandlung erscheinen danach immer wieder im Erkelenzer Kreisblatt:

Wie sein Vater leitete er ab 1905 für mehr als zwanzig Jahre den Städtischen Gesangverein11 und veranstaltete viele Konzerte und Musikveranstaltungen in Erkelenz.

© zeit.punkt NRW | EKB 22.04.1905

Am Ostermontag 1905 wird Leo Hilberath erstmalig als neuer Dirigent des Städtischen Gesangvereins erwähnt.

Hier weitere Ankündigungen von Konzerten:

© zeit.punkt NRW | EKB 10.02.1912

Auch die vom Vater gegründete Versicherungsagentur führte Leo Hilberath weiter.

© zeit.punkt NRW | EKB 04.01.1919

Im Jahre 1919 teilte Leo Hilberath mit, dass er nach Ende des 1. Weltkrieges seine Tätigkeit als Musiklehrer wieder aufgenommen hatte.

© Cornelia Hilbera | unbekannt | 80. Geburtstag Leo Hilberath

Familienfoto zum 80. Geburtstag (1957) von Leo Hilberath

Von rechts: Heinz Hilberath, daneben Annelise Hilberath, Hans Hilberath, Leo Hilberath, Prälat Otto Frings, Helene Hilberath, Dr. Hans Pabst (Direktor des Gymnasiums), Paula Hilberath und die Kinder (von rechts): Maria, Veronika, Dorothea und Cornelia.12


Heinz Hilberath

Heinrich Joseph Hilberath wurde als elftes Kind der Familie Hilberath am 23. April 1884 in Erkelenz geboren. Er war eines der überlebenden neun Kinder des Ehepaares Peter Joseph und Berta Hilberath. Wie sein Vater und sein Bruder Leo wurde er Organist und Musiker. Er studierte wie Leo am Gregoriushaus in Aachen und an der Musikhochschule Köln. Ab 1910 war er bis 1953 Organist und Dirigent an Sankt Antonius in Düsseldorf-Oberkassel.

Sammlung H. Braß / Bild: Jo. Pastor | tz_ac_habr_8522


Hans Hilberath

Sein Leben

© Stadtarchiv Erkelenz | Hans Hilberath, 85 Jahre

Johannes Hubertus Hilberath – genannt Hans – wurde am 28. Juni 1907 als erstes Kind der Familie Leo und Christine Hilberath in Erkelenz geboren.

Von 1918 bis 1924 besuchte er das Gymnasium in Erkelenz, anschließend bis 1928 das Gymnasium in Mönchengladbach, wo er auch sein Abitur ablegte. Anschließend studierte er bis 1932 an der Musikhochschule und der Universität in Köln.

Im Jahre 1932 legte er die Prüfung für das künstlerische Lehramt an höheren Schulen an der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin ab. 1934 folgte die 2. Staatsprüfung und 1936 legte Hans Hilberath die Zusatzprüfung für die Lehrbefähigung für Deutsch ab.

Im Jahre 1948 heiratete Hans Hilberath Annelise Borchmeyer, vier Töchter gehörten zur Familie, davon sind drei Berufsmusikerinnen.13

Hilberath, Hans+23062005

Hans Hilberath ist am 23. Juni 2005 in Erkelenz gestorben.

© Archiv Heimatverein | Günther Merkens | Grab Hilberath

Beerdigt ist er auf dem Friedhof am Zehnthofweg zusammen mit seiner Ehefrau Annelise, seinen Schwiegereltern Borchmeyer und seiner Schwester Helene.

Sein Wirken

Schuldienst

© Cornelia Hilberath | unbekannt | Hans Hilberath, 1936/37

Nach dem Studium begann Hans Hilberath seine Tätigkeit im Schuldienst. Von 1934 bis 1936 war er an der Oberrealschule in Moers, danach im Jahre 1936 an der Aufbauschule in Rheydt und anschließend bis 1937 an der St. Annaschule in Düsseldorf. Danach war Hans Hilberath bis 1938 am Obergymnasium Remscheid tätig, dann bis 1939 an der Oberschule für Jungen in Bitburg.

Die häufigen Versetzungen waren dadurch begründet, dass Hans Hilberath in der Zeit unverheiratet war und so keine zusätzlichen Kosten für den Staat anfielen.

Eine Ernennung zum Studienrat bleib Hans Hilberath zunächst versagt, weil der Erkelenzer Kreisleiter eine Unbedenklichkeitsbescheinigung nicht ausstellte. Der Grund dafür war, dass Hilberath praktizierender Katholik war und sein Vater in Sankt Lambertus die Orgel spielte und er am Wochenende dabei half. 14 Später, während seiner Soldatenzeit, wurde er dann doch zum Studienrat befördert und einer Schule im Mühlheim/Ruhr zugewiesen. Diese Stelle hat er jedoch nie angetreten.15

Während der NS-Zeit – genauer Zeitraum nicht bekannt – bestand ein Verbot der Chorleitertätigkeit und des privaten Musikunterrichts wegen politischer Unzuverlässigkeit.

Von Mai 1940 bis Januar 1945 war Hans Hilberath Soldat und anschließend bis Mai 1947 in französischer Gefangenschaft.16

Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft im Jahre 1947 unterrichtete Hans Hilberath zunächst in Rheydt, bis er dann im Jahre 1949 an das Gymnasium in Erkelenz versetzt wurde. Da bleib er dann, bis er im Jahre 1972 als Studiendirektor in den Ruhestand ging. Aber auch danach half er noch fünf Jahre mit einigen Wochenstunden aus.17

Hans Hilberath beschränkte sich nicht auf die reine Lehrtätigkeit, vielmehr weitete er das musikalische Angebot des Gymnasiums weiter aus. So gründete er einen Schulchor und ein Schulorchester, mit denen er in den folgenden Jahren zahlreiche Konzerte und sogar Opern aufführte.

Ein besonderer Höhepunkt war im Jahre 1960 die Aufführung der „Schulfassung“ von Carl Orffs „Carmina Burana „.18

Organist und Dirigent

Im Hauptberuf „beschränkte“ sich Hans Hilberath auf die Lehrtätigkeit, er war nie hauptberuflicher Organist wie sein Vater und Großvater. Natürlich beherrschte er das Orgelspiel; so hat er nicht nur die Orgel in Sankt Lambertus gelegentlich gespielt, sondern viele andere Orgeln. Denn Hans Hilberath, so in einem Zeitungsbericht, konnte an keiner Orgel „vorbeigehen“.19 Bis ins hohe Alter spielte er noch die Orgel in der Krankenhauskapelle in Erkelenz.

Seine musikalische Tätigkeit in Erkelenz begann etwa 1932, meistens als Organist, insbesondere bei Konzerten unter Leitung seines Vaters, Leo Hilberath.

© zeit.punkt NRW | Anzeige

Bei der Aufführung von Haydns Schöpfung im Jahre 1932 übernahm der Studienassessor Hans Hilberath das Dirigat von seinem Vater.20

Im Jahre 1951 führte der Kirchenchor unter Leitung von Hans Hilberath in der „Turnhalle“ an der Südpromenade erneut Haydns Schöpfung auf. 21

Im Jahre 1939 übernahm Hans Hilberath den Orgelpart in der festlichen Ostermesse in Sankt Lambertus, die sein Vater dirigierte.22

© zeit.punkt NRW

Im Jahre 1947 übernahm Hans Hilberath von seinem Vater die Leitung des Kirchenchor „Caecilia“ an St. Lambertus Erkelenz, den er mehr als 27 Jahre leitete. Am 16.04.1982 ernannte der Kirchenchor Hans Hilberath zum „Ehrendirigenten“. Schon zu Pfingsten 1947 sang der Kirchenchor unter der Leitung von Hans Hilberath in der Erkelenzer „Notkirche“ Orlando di Lassos „Octavi toni“.

© Stadtarchiv Erkelenz | Sammlung Schleicher / Archiv WGfF / Scans | Stadtarchiv S1-9.jpg yyyy

Noch im gleichen Jahr im November gab Hans Hilberath sein erstes Chorkonzert im „Pressluftbunker“, der im Stadtpark als Notlösung die zerstörte Stadthalle ersetzte.23

Im Dezember 1948 folgte Händels „Messias“. Diese Aufführung hatte Hilberath bereits in der Gefangenschaft für den Fall seiner Heimkehr geplant.24

© Stadtarchiv Erkelenz | Sammlung Schleicher / Archiv WGfF / Scans | Stadtarchiv S1-9.jpg yy

Diesem Konzert folgten in den folgenden Jahren viele „hochkarätige“ Konzerte, wie z. B. die Oratorien von Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Georg Händel und Messen von Franz Schubert, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart.

Die aufgeführten Konzerte können nicht alle erwähnt werden, es waren viele. Die großen Konzerte waren natürlich die Höhepunkte, aber auch viele kleinere Konzerte in Kammermusikbesetzung und insbesondere die Gestaltung von Gottesdiensten waren eine Herzensangelegenheit von Hans Hilberath.

© Archiv Heimatverein | unbekannt | Kirchenchor_Hilberath
Hans Hilberath mit Chor und Orchester, etwa 1947/1950

© Stadtarchiv Erkelenz | Sammlung Schleicher / Archiv WGfF / Scans | Stadtarchiv S1-9.jpg

Ab 1949 war Hans Hilberath einige Zeit auch Dirigent des Städtischen Gesangvereins Erkelenz.

Autor

Als Autor hat Hans Hilberath zahlreiche Artikel in Zeitungen und Heimatkalendern zum Erkelenzer Musikleben geschrieben.25 Aber auch als Buchautor war er tätig, so u. a. 1972 zusammen mit Gottfried Göller in „Musik in den Erkelenzer Landen“. 1985 schrieb der den Band 7 der Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande „Glocken und Orgeln des Stadtgebietes Erkelenz“.

Erwähnt sei auch, dass es Hans Hilberath zu verdanken ist, dass der lange vergessene Erkelenzer Komponist Cornelius Burgh wieder entdeckt wurde. Zusammen mit Prof. Karl-Heinz Höfer sorgte er ab den 1960er Jahren dafür, dass seine Werke, insbesondere im Erkelenzer Land, wieder aufgeführt wurden.26 Dazu trägt jetzt der Cornelius-Burgh-Chor des Heimatvereins der Erkelenzer Lande wesentlich bei.

Hier eine Aufnahme des „Regina Coeli“ von Cornelius Burgh aus dem Jahre 1963. Es singt der Kirchenchor Cäcilia Erkelenz unter der Leitung von Hans Hilberath; an der Orgel Hans Sauer

Ehrungen

Als erster Kirchenmusiker in der Diözese Aachen erhielt Hans Hilberath am 10.11.1973 die „Lassus-Plakette“, die höchste Auszeichnung für Kirchenmusik, benannt nach Orlando di Lasso.27

Am 09. Oktober 1991 erhielt Hans Hilberath die Bronze-Ehrennadel für verdiente Bürger, verliehen vom Rat der Stadt Erkelenz.

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Am 22.08.1996 verlieh der Landschaftsverband Rheinland Hans Hilberath den Rheinlandtaler. In der Begründung heißt es u. a., „weil er mit anerkannter Fachkompetenz, erheblichem Zeitaufwand und akribischer Sorgfalt seit Jahrzehnten das Musikleben der Erkelenzer Lande erforschte“.28

Sonstiges

Zur Aufführung des „Messias“ im Jahre 1948 gründete Hans Hilberath für die Orchesterbegleitung ein Collegium Musicum, das durch auswärtige Berufsmusiker verstärkt wurde. Dieses Collegium Musicum wurde zu Beginn der 1950er Jahre in die Obhut der Volkshochschule gegeben. Es war dann ständiger Begleiter bei den großen Konzerten. Dieses Collegium Musicum besteht heute noch.29

Im Jahre 1969 gründete der Kreis Erkelenz unter dem Oberkreisdirektor Barthel Jansen auf Betreiben von Hans Hilberath die Kreismusikschule und Hilberath wurde auch der erste ehrenamtliche Leiter. Als er 70 Jahre alt wurde, gab er die Leitung der Kreismusikschule an Werner Paschmann als hauptamtlichen Leiter ab.30

An Sankt Lambertus Erkelenz war lange Zeit das „Beiern“ zu bestimmten kirchlichen Festtagen üblich. In den 1920er Jahren erlosch diese Tradition. Im Jahre 1976 wollte Hans Hilberath diese Tradition wieder aufleben lassen. Diese scheitere jedoch an technischen Voraussetzungen. Im Jahre 1987 griff Hilberath erneut die Idee auf, diesmal mit Beteiligung des Heimatvereins der Erkelenzer Lande. Nach einigem Suchen wurden Sponsoren für die Finanzierung gefunden. Am Freitag vor Pfingsten 1991 war es soweit, dass den langwierigen Bemühungen um die Wiederaufnahme des alten, vor fast 70 Jahren abgeschafften Brauches die Erfüllung zuteil wurde. Das erste feierliche Beiern mit fünf Glocken im Lambertiturm war dann am 17. Mai 1991. Ausgeführt wurde es natürlich von Hans Hilberath.31

Zum 85. Geburtstag von Hans Hilberath gab es ein Konzert unter dem Titel „Florilegium musicale“, bei dem neben anderen Solisten auch die „Hilberath Töchter“ Dorothea (Flöte), Veronika (Sopran) – sie hatte schon 1989 zusammen mit Norbert Brendt einen Liederabend im Alten Rathaus gestaltet – und Cornelia (Cello) als Solisten eingebunden waren und musikalisch überzeugten. Aufgeführt wurde auch eine Klaviersonate von Carl Hilberath (er war Organist an Sankt Castor in Koblenz), einem Bruder des Großvaters von Hans Hilberath.32

Zu den Hobbys von Hans Hilberath gehörten die Gartenarbeit und das Wandern. Häufig war er mit der Wandergruppe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande unterwegs. Der Autor dieses Berichtes erinnert sich an so manche gemeinsame Tour.


Helene Hilberath

© Stadtarchiv Erkelenz | Sammlung Schleicher / Archiv WGfF / Scans | Helene Hilberath

Helene Maria – genannt Helene – Hilberath wurde am 10.04.1910 als drittes Kind (das zweitgeborene Kind starb noch am Tage der Geburt) der Familie Leo und Christine Hilberath in Erkelenz geboren.

Ihre Liebe und Begeisterung zur Musik führte sie zum Gesangsstudium. Während des Krieges und selbst in der Evakuierung nahm sie Gesangunterricht. Nach der Rückkehr nach Erkelenz fand sie schnell Gelegenheit, zu musizieren. Schon beim ersten Konzert des Kirchenchores im November 1947 war sie als Sopranistin beteiligt. Danach übernahm sie lange Zeit fast immer den Sopranpart in den verschiedenen Aufführungen ihres Bruders Hans.33

Am 27. Januar 2001 ist sie in Erkelenz gestorben.

© Stadtarchiv Erkelenz | Hilberath, Helene+27012001

© Stadtarchiv Erkelenz

Das von Ihrem Großvater gegründete und von Ihrem Vater fortgeführte Musikaliengeschäft führte sie nach dem Tode von Leo Hilberath fort.


Anton Hilberath

© Cornelia Hilberath | unbekannt | Anton Hilberath, 1917

Leonhard Antonius – genannt Anton – Hilberath wurde am 24.04.1911 als viertes Kind (das zweitgeborene Kind starb noch am Tage der Geburt) der Familie Leo und Christine Hilberath in Erkelenz geboren.

Über das Leben von Anton Hilberath ist nicht viel bekannt. Wahrscheinlich wird er wie sein Bruder Hans die Gymnasien in Erkelenz und Mönchengladbach besucht haben. Vor 1933 war er Student der Philologie, er hat aber auch Musik an der Hochschule für Musik in Köln studiert. Vom 01.04.1936 an war er bis 1939 an verschiedenen Gymnasien als Referendar bzw. Studienassessor tätig, zuletzt an der Oberschule Münstereifel. Von 1942 bis 1945 war er Soldat.34

Nach dem 2. Weltkrieg war Anton Hilberath als Schulmusiker tätig, zuerst in Bad Münstereifel, dann in Münster. Dort war er später Seminarleiter der Referendarausbildung. Gestorben ist er im Jahre 2001.35

© Musik in den Erkelenzer Landen | unbekannt | Anton Hilberath

Wie sein Großvater, Vater und Bruder beherrschte er das Orgelspiel. Das Foto zeigt ihn im vor dem 2. Weltkrieg an der Orgel der Antonius Kirche in Erkelenz


Paula Hilberath

© Archiv Heimatverein | unbekannt | Paula Hilberath,

Paula Anna – genannt Paula – Hilberath wurde am 15.09.1919 in Köln als fünftes Kind (das zweitgeborene Kind starb noch am Tage der Geburt) der Familie Leo und Christine Hilberath in Köln geboren.

Sie war zunächst in einem Erkelenzer Unternehmen beschäftigt, wechselte dann aber nach Wegberg. Diese Beschäftigung gab sie auf, um den Wiederaufbau des Hauses in der Kölner Straße zu überwachen und die Eltern zu versorgen.

Sie führte auch die vom Großvater gegründete und vom Vater weiterführte Versicherungsagentur noch einige Jahrzehnte.

Am 14.01.2019 ist sie in Erkelenz gestorben.

© Cornelia Hilberath | Todesanzuge Paula Hilberath

36 37

  1. Information J. Dreßen, Stadtarchiv Erkelenz
  2. Information von Cornelia Hilberath
  3. Informationen von J. Dreßen, Stadtarchiv Erkelenz,
  4. Hinweis von Hubert Rütten, Heimatverein der Erkelenzer Lande
  5. Anzeige im Erkelenzer Kreisblatt (EKB) am 18.07.1914
  6. Erkelenzer Volkszeitung (EVZ), 24.12.1964
  7. EVZ, 24.12.1964
  8. EVZ, 24.12.1964
  9. Persönliche Aufzeichnung Hans Hilberath, Stadtarchiv Erkelenz, S1-9
  10. EVZ, 20.09.1957
  11. EVZ, 1957
  12. Information von Cornelia Hilberath
  13. Information von Cornelia Hilberath
  14. Erkelenzer Nachrichten vom 20.06.1992
  15. Erkelenzer Nachrichten vom 20.06.1992
  16. Alle Daten zu den Stellen aus der Akte Hans Hilberath, Bestand NW1019, Signatur 3687 des Landesarchives NRW
  17. Erkelenzer Nachrichten vom 20.06.1992
  18. Erkelenzer Volkszeitung vom 27.06.1992
  19. Erkelenzer Nachrichten vom 20.06.1992
  20. Erkelenzer Volkszeitung vom 24.12.1964
  21. Aufzeichnung Stadtarchiv Erkelenz, S1-9
  22. Erkelenzer Kreisblatt vom 13.04.1939
  23. Aufzeichnungen im Stadtarchiv, S1-9 Erkelenz,
  24. Persönliche Aufzeichnung Hans Hilberath, Stadtarchiv Erkelenz, S1-9
  25. Siehe „Musik in den Erkelenzer Landen“, 1972, Seite 303
  26. Erkelenzer Volkszeitung vom 04.12.1993
  27. Erkelenzer Volkszeitung vom 12.11.1973
  28. Erkelenzer Volkszeitung, Erkelenzer Nachrichten, Rheinische Post vom 23.08.1996
  29. Persönliche Aufzeichnung Hans Hilberath, Stadtarchiv Erkelenz, S1-9
  30. Persönliche Aufzeichnung Hans Hilberath, Stadtarchiv Erkelenz, S1-9
  31. Einen ausführlichen Bericht zum Beiern in Erkelenz finden Sie in Band 23, Seite 284 in der Schriftenreihe des Heimatvereins
  32. Erkelenzer Nachrichten vom 01.07.1992 und Rheinische Post vom 04.07.1992
  33. EVZ vom 10.04.1985
  34. Alle Daten zu den Stellen aus der Akte Anton Hilberath, Bestand NW1049, Signatur 69354 des Landesarchives NRW
  35. Information von Cornelia Hilberath
  36. Vielen Dank an Karoline Meyntz, Stadtarchiv Erkelenz, Cornelia Hilberath und Hubert Rütten, Heimatverein der Erkelenzer Lande für die zur Verfügung gestellten Informationen und Fotos sowie an Bernd Finken und Wolfgang Lothmann für technische Unterstützung
  37. Text von Günther Merkens 2025 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. unter Verwendung von Informationen in den angegeben Quellen
  1. Universitäts- und Landesbibliotheken, Zeitungsarchiv NRW. https://zeitpunkt.nrw
  2. Joseph Brandts (Gründer), Erkelenzer Kreisblatt. Erkelenz
  3. unbekannter Autor, Erkelenzer Volkszeitung. Erkelenz
  4. Landkreis Erkelenz und Heimatverein der Erkelenzer Lande, Heimatkalender der Erkelenzer Lande. Erkelenz
  5. Karlheinz Höfer, CORNELIUS BURGH um 1560 - um 1638, Band I: Leben und Werk. Erkelenz, ISBN: 3-87448-165-4, 1993
  6. Gottfried Göller und Hans Hilberath, Musik in den Erkelenzer Landen. Heinsberg, 1972
  7. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V..
  8. Stadt Erkelenz, Stadtarchiv.

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