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Heinrich Jansen

⁎ 1705 † 1799
Möbelbildhauer

Leben

Er wurde wohl um 1705 geboren, wo und wann genau, wissen wir nicht. Seine Ausbildung genoss er wahrscheinlich in einem Handwerksbetrieb, vielleicht als Möbelschreiner im Aachen-Lütticher Raum. Er entwickelte eine virtuose Schnitztechnik und arbeitete nur mit Eichenholz. Als „Meister von Erkelenz“ gestaltete er Werke für niederrheinische Kirchen, Bürger- und Bauernhäuser. Zu seinen wichtigen Kunstwerken zählen die Ausstattung der ehemaligen Kreuzherren-Klosterkirche von Brüggen samt Hochaltar sowie der heute verlorene Hochaltar in der Viersener Sankt-Remigius-Pfarrkirche. Jansen starb wahrscheinlich um 1779 in Erkelenz.

Werk

Es hat den Anschein, dass Jansen aus handwerklicher Tradition – als Möbelbildhauer – gewachsen ist und seine Schulung im Aachen-Lütticher Gebiet genossen hat. Man denkt an den Kreis um Johann Joseph Couven (1701-1763), wird aber auch den Roermonder Raum nicht außer Acht lassen dürfen. Von dort erfolgte gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Ausstattung der Niederkrüchtener Pfarrkirche.

Jansens Werke sind in manchen Einzelheiten sehr elegant, verraten die große Geschicklichkeit eines Schnitzers, zugleich auch eine starke Anpassungsfähigkeit, die vieles entlehnt oder – im Ornament – in freier Nachbildung wiederholen lässt. Seine Kunst ist dabei ganz auf das Eichenholzmaterial abgestellt; mit ihm schaltet und waltet er. Dessen Oberfläche lässt er meist ohne Farbauftrag, nur bereichert durch Vergoldung der Ornamente, stehen. 1

Klosterkirche der Kreuzherren in Büggen

© Heimatverein der Erkelenzer Lande | Michael Franke | Jansen_H_Altar_Pfarrkirche_St_Nikolaus_Brueggen

Heinrich Jansens Namen begegnen wir im Zusammenhang mit der Ausstattung der ehemaligen Kreuzherren-Klosterkirche von Brüggen an der Schwalm. 2 Nach dem Brand des Klosters im Jahre 1751 schuf Jansen 1755 einen neuen Hochaltar, der am 18.09.1755 mit 600 Talern bezahlt wurde. Die Seitenaltäre ähneln in ihrer Form dem Hochaltar und könnten ebenfalls von Heinrich Jansen stammen. Von ihm stammten auch die gut komponierten und exakt mit feinem Verständnis gearbeiteten Chorstühle, die 400 Reichstaler kosteten. 1765 lieferte er die Kommunionbank und wahrscheinlich gleichzeitig die Kanzel sowie die Seitenaltäre ab. Er arbeitete zusammen mit Matthias Groeder aus Dülken, der u. a. den Hochaltar vergoldet hat. Heinrich Jansen nennen die Quellen stets ausdrücklich als „von Erkelenz“.

Sankt Remigius Viersen

Für die Sankt Remigius Kirche in Viersen schuf Jansen im Jahre 1730 einen Hochaltar, der als Jansens Hauptwerk bezeichnet wird. Aus Viersener Quellen wird zu dem Altar berichtet: „Der Hochaltar war seit 1730 ein imposanter, bis zum Gewölbe des Chores hinaufragender Barockaltar, im Stile der damaligen Zeit von dem Architekten Heinrich Jansen in Erkelenz, einem hervorragenden Altarbauer, errichtet. Die Kolossalstatuen auf demselben stammen von dem Bildhauer Alexander am Hoff in Köln. Die Kosten, 1000 Reichstaler, waren durch zwei Kollekten in der Gemeinde und durch einige Legate aufgebracht. In einem Privattagebuch des Wilhelm Roten steht hierüber notiert: ‚1730, den 15. und 16. Tag des Junius hat die Gemeinde von Viersen den neu gemachten Altar, welcher auf dem Chor steht, von Erkelenz geholt mit 14 Wagen, jeder Wagen mit 3 Pferden, und 10 Karren mit 2 Pferden. Und noch 9 Karren mit Bildern sind von Köln geholt auf diesem hohen Altar.'“3

Größe und Aufbau des von Jansen geschaffenen Altares ergeben sich auch aus der Beschreibung des Pastors Cofferod, der u. a. schreibt: „Die heutige (1911) ältere Generation erinnert sich noch lebhaft dieses imponierenden Altarbaues. Der alte große Barockaltar mit gewaltig hohen, ellendicken weißen glatten Säulen, mit schön vergoldeten Kapitälen, enthielt in der Mitte die überlebensgroßen Figuren des heiligen Remigius mit dem zum Empfang der Taufe vor ihm knienden König Clodwig, […] Zwischen den drei Säulen zur Linken des Beschauers stand die Patronin der christlichen Nächstenliebe St. Elisabeth, zu ihren Füßen ein armer Bettler. Gegenüber, zwischen den drei Säulen zur Rechten, sah man die Hl. Cäcilia mit der Orgel, die Patronin der Gottesverherrlichung durch die kirchliche Musik. Weiter stand nach rechts über einer hinter den Altar führenden Tür der heilige Gereon in kriegerischer Rüstung, links ebenso der Drachenbekämpfer St. Michael. Auf der Höhe des Baldachins, bis gegen das Gewölbe ragend, war die Krönung der Heiligen Jungfrau durch die heilige Dreifaltigkeit dargestellt.4

Mitte des 19. Jahrhunderts ist der von Jansen geschaffene Altar abgebaut worden und verschwunden.

Andere Kirchen

Mit Sicherheit hat Jansen auch für andere Kirchen, vornehmlich am Niederrhein, insbesondere wohl auch im Raum Kempen, Altäre geschaffen, deren Nachweis aber letztlich fehlt. So erscheint sein Name in den Archivalien, welche die alte Pfarrkirche von Willich betreffen. Für dieses Gotteshaus fertigte er den Hochaltar an sowie einige andere Ausstattungsstücke (Kanzel, Chorgestühl usw.). In den zwanziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts wurde dem damaligen Erkelenzer Heimatmuseum eine überlebensgroße Muttergottesstatue angeboten. Nach vorhandenen Urkunden stammte diese Figur von dem alten Altar der Pfarrkirche in Willich. Nach der Kirchenrechnung war der Altar 1766 von Heinrich Jansen erbaut worden. Der Kauf kam aber wegen des hohen Preises nicht zustande. 5

Nachgewiesen ist im Jahre 1752 ein kleiner Muttergottesaltar in der Pfarrkirche von Waldniel.

Auch im engeren Umkreis seiner Heimatstadt Erkelenz hat Jansen Altäre geschaffen. Wahrscheinlich sind die Altäre in Niederkrüchten, Oberkrüchten, Beeck, Kückhoven und wohl auch in St. Lambertus Erkelenz von ihm, die Spuren seiner Tätigkeit sind aber nicht eindeutig nachweisbar. 6

Es ist durchaus anzunehmen, dass aus seiner Werkstatt auch geschnitzte Türen, Schränke (ein Sakristei-Schrank in Hinsbeck z. B. ist seinen Arbeiten sehr verwandt), Truhen und dergleichen hervorgingen. Er war einer der Ahnherren der virtuosen Schnitzer wie Kramer in Kempen und Langenberg in Goch, die im 19. Jahrhundert in einer ganz historisierenden, aber in der handwerklichen Leistung imponierenden Weise das gesamte Niederrheingebiet mit den Erzeugnissen ihrer Arbeit belieferten. 7

Sonstiges

So sehen wir heute in Heinrich Jansen den um die Mitte und in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wirkenden „Meister von Erkelenz“, der für niederrheinische Kirchen, Bürger- und Bauernhäuser arbeitete und der in seiner Kunst die gute handwerkliche Tradition seiner Heimat fortführte. Ihm wurde am 21.01.1955 in Erkelenz der Verbindungsweg von der Kölner Straße zur Mozartstraße gewidmet. 8

  1. Recherche von Hans Josef Broich für den Heimatverein der Erkelenzer Lande
  2. Akten im Pfarrarchiv von Born und im Staatsarchiv Düsseldorf
  3. Aus F. W. Lohmann, Sankt Remigius, a. a. O.
  4. Aus F. W. Lohmann, Sankt Remigius, a.a.O.
  5. Heimatblätter 1928, Nr. 7, Seite 50
  6. Heimatblätter 1928, Nr. 7, Seite 51
  7. Recherche von Hans Josef Broich für den Heimatverein der Erkelenzer Lande
  8. Text von Günther Merkens 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. F. W. Lohmann, Geschichte der Kirche und Pfarre zum hl. Remigius in Viersen. Gesellschaft für Druck & Verlag Viersen, Viersen , 1911
  2. Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 3, Seite 80
  3. Erkelenzer Geschichts- und Altertumsverein (Hrsg.), Heimatblätter Monatsschrift für Heimatkunde. Nummer 7, 1928

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