Leben
Ernestine Maria Henrike (gen. Erna) Busch wurde am 25. März 1905 als dritte von vier Töchtern der Eheleute Anton Franz Theodor Busch und seiner Ehefrau Theresia Josepha Sauerwald in Bestwig (heute Hochsauerlandkreis) geboren. Ihr Vater gehörte zu einer Fabrikanten-Großfamilie, die Last- und Patentachsen für landwirtschaftliche Fahrzeuge herstellte und um 1900 (im Jahr nach der Hochzeit der Eltern) bereits 100 Mitarbeiter beschäftigte. Man kann also von gesicherten – auch saturierten – Lebensverhältnissen ausgehen, sodass die Töchter der Familie eine umfassende und bestmögliche Schulbildung erfahren konnten.
Erna Busch besuchte als Internatsschülerin die Ursulinenschule Calvarienberg in Ahrweiler, eine höhere Mädchenschule ca. 200 km von ihrem Geburtsort und dem Wohnort ihrer Eltern entfernt.
Um 1925 begann sie in Düsseldorf eine künstlerische Ausbildung. Im Jahr 1929 heiratete sie den aus Papenburg stammenden Arzt Dr. Franz Wilhelm Gustav Meyer, mit dem sie ab 1931 in Erkelenz ansässig wurde. Dr. Franz Meyer war in Erkelenz zunächst mit der Leitung des Hermann-Josef-Stifts betraut und wurde später Chefarzt des Hermann-Josef-Krankenhauses. Die Familie hat drei Kinder, eine Tochter und zwei Söhne. Nach dem Tod ihres Ehemannes am 17. Oktober 1960 blieb sie mit der Familie weiterhin in Erkelenz im heutigen Haus Spiess (damals „Haus Meyer“) wohnen.
Erna Meyer starb am 30.03.1990 in Aachen, wohin sie nach dem Verkauf des Hauses an die Stadt Erkelenz gezogen war. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Städt. Friedhof am Schulring.
Künstlerische Ausbildung und Werk
Auf dem Oberlyzeum für Mädchen der Ursulinen in Ahrweiler wurde offenbar das künstlerische Interesse von Erna Meyer, geb. Busch, geweckt und auch gefördert. Die Schule Calvarienberg in Ahrweiler setzte sehr rasch die Anforderungen an eine moderne höhere Mädchenbildung um. Ab 1925 war sie ein Oberlyzeum mit drei wissenschaftlichen Klassen und einer methodisch – pädagogischen Klasse. 1928 wurde an der Schule erstmals das Reifezeugnis an sechs Schülerinnen vergeben.
Genau in dieser Modernisierungszeit schulischer Frauenbildung besuchte Erna Busch dieses Oberlyzeum. Als das erste Abiturzeugnis verliehen wurde, hatte sie ihre Schullaufbahn schon abgeschlossen und seit ca. 1925 eine künstlerische Ausbildung bei Prof. Ludwig Siekmeyer (1892 – 1985) in Düsseldorf begonnen. Prof. Siekmeyer hatte sich mit Portraits, Landschaftsbildern und Still-Leben bereits einen Namen erworben. Er war 1928 in der Ausstellung „Deutsche Kunst im Düsseldorfer Kunstpalast“ vertreten und zählte zu den etablierten Düsseldorfer Künstlern mit eigenem Atelier. Erna Busch erfuhr ihre künstlerische Ausbildung also in enger Verbindung zur Düsseldorfer Kunstszene.
Mit der Heirat 1929 gab sie die Malerei nicht auf, dennoch veränderte sich der Lebensschwerpunkt: Geburt von drei Kindern, Übernahme einer Arztstelle ihres Mannes in Erkelenz, Kriegs- und Wiederaufbaujahre. Die Familie, Haus und Garten mit Obstbäumen, Blumenbeeten und einem Teich, die privaten Praxisräume des Mannes im Seitenflügel des Hauses – all das erforderte viel Arbeit und Organisation.
Neben den häuslich familiären Aufgaben machte Erna Meyer Krankenbesuche und kümmerte sich z. B. um den frischen Blumenschmuck in der Paterskirche.1
Fünf Jahrzehnte blieb Erkelenz ihr Wohnort und Fundus für die Darstellung von Menschen, Objekten und Eindrücken. Sie hielt z. B. die imposante Eingangsfront des eigenen Wohnhauses im Bild fest oder auch die Kirche in Schwanenberg.
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1960 widmete sich Erna Meyer der Malerei wieder intensiver. Sie markierte diesen Schritt mit der Teilnahme an Malkursen bei Oskar Kokoschka. Kokoschka hatte 1952 die „Internationale Sommerakademie für Bildende Künste Salzburg“ gegründet. Er selbst war 1955 und 1959 Teilnehmer der Documenta I und II gewesen; auch 1964 zählte er erneut zu den Teilnehmern. Für die Auffrischung ihres Könnens und für neue Impulse wählte Erna Meyer eine in Kunstkreisen wie in der Öffentlichkeit anerkannte, prominente Persönlichkeit.
Ausstellungen
Vom 11. März bis 1. April 1979 zeigte die Stadt Erkelenz Werke von Erna Meyer im Alten Rathaus. Friedel Krings sprach zur Eröffnung.
Interessanterweise wird diese Ausstellung der Erkelenzer Künstlerin in der Jahreschronik des Heimatkalenders – Friedel Krings gehörte zur Redaktion – aus dem Jahr 1980 mit keinem Wort erwähnt.
Aus Anlass ihres 100. Geburtstags gab es im ehemaligen Wohnhaus der Familie, dem heutigen „Haus Spiess“, eine Gedächtnisausstellung mit Werken aus der gesamten Schaffenszeit von Erna Meyer. Der Ausstellungszeitpunkt fiel zusammen mit dem Aufenthalt ihres Enkels Hans Batra aus den USA und seiner Familie. Batra war für zwei Jahre am Cusanus-Gymnasium tätig. Die Ausstellung in Haus Spiess ließ viele Erinnerungen an seine Großmutter an der Staffelei, das Haus mit dem weitläufigen Garten und seine Ferienaufenthalte in Erkelenz lebendig werden.
Im Rahmen eines Leihvertrages hatte die Stadt Erkelenz eine große Zahl der Arbeiten von Erna Meyer übernommen, die im November 2005 der Erkelenzer Öffentlichkeit präsentiert wurden. „In ihrer ersten Schaffensperiode […] entstanden Bleistift- und Kohleskizzen, Portraits, Still-Leben und Landschaften in Öl.“2 Auch in der zweiten intensiven Schaffenszeit waren es genau diese Themen, die als Kohlezeichnungen, als Aquarell oder in Öl ihre Arbeit bestimmten. Bei einer Reihe der gezeigten Bilder handelte es sich zudem um „psychologische Menschendarstellungen“; „mit wenigen Strichen sei es Erna Meyer dabei gelungen, „das individuelle und interessante an den Physiognomien zu erfassen“.3 Darüber hinaus öffnete die Ausstellung auch den Blick auf die Religiosität der Künstlerin. Es waren Darstellungen des leidenden Christus zu sehen, ein variiertes Motiv, das in den Totenzetteln der Familie aufgegriffen worden ist.
Die Ausstellung 2005 beeindruckte die Besucherinnen und Besucher allein schon durch die Zahl der präsentierten Werke einer Künstlerin, die viele Erkelenzer im täglichen Leben der Stadt als bescheiden und unprätentiös aber als markante Persönlichkeit wahrgenommen hatten.
Das ehemalige Wohnhaus der Familie Meyer am Franziskanerplatz 10 aus dem Jahr 1806, das heute nach dem Erbauer „Haus Spiess“ genannt ist, gehört nach aufwändiger Sanierung zu den denkmalgeschützten, prominenten Bauobjekten der Stadt Erkelenz und wird für Trauungen, Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Das repräsentative Ensemble ist Blickfang und nach wie vor ein sehr beliebtes Foto- und Bildmotiv, ganz in der Tradition der letzten Bewohnerin des Hauses.4
- , Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 20, 2006. Josef Kalau: Erinnerungen an Erna Meyer, Seite 287 - 289
- , Rheinische Post. Düsseldorf, vom 8.11.2005. Eva Weingärtner: Zeitgenossen von damals
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