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Arnold von Harff

⁎ 1471 † 1505
Amtmann zu Caster
Schöffe zu Lövenich
Erbkämmerer in Geldern
Kategorien: Persönlichkeiten
Stichworte: Lövenich Personen
1471 bis 1505

Arnold von Harff, (* 1471 vermutlich auf Schloss Harff bei Bedburg; † Januar 1505, Sterbeort möglicherweise Lövenich) war ein Ritter, der zu den drei bedeutendsten Pilgerzielen des christlichen Mittelalters, nämlich nach Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela pilgerte und über seine Reise durch Europa, Palästina und das Osmanische Reich einen ausführlichen Bericht in deutscher Sprache verfasste. Wichtige historische Zeugnisse neben den Schilderungen der Wallfahrt sind auch die von Arnold von Harff mitgeteilten Glossare, etwa zur kroatischen, albanischen oder bretonischen Sprache.

Bewegte Werke | Handschrift Harff
„Handschrift 268 der Benediktinerabtei Maria Laach“

Leben

Arnold von Harff wurde als zweiter Sohn von Adam von Harff und dessen Frau Rikarda von Hoemen auf Schloss Harff bei Bedburg geboren. Er schrieb sich im Alter von 12 Jahren in der Artistenfakultät der Universität Köln ein und absolvierte ein Grundstudium, scheint aber kein Examen abgelegt zu haben. Später trat er in den Dienst der Herzöge von Jülich und Berg, denen auch schon sein Großvater und Vater gedient hatten. In seiner niederrheinischen Heimat hat er allerdings nicht viele Spuren hinterlassen. Umso wichtiger ist Arnolds von Harff Rang in der Geschichte des Reisens.

Pilgerreise

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Arnold von Harff trat am 7. November 1496 von Köln aus eine Pilgerfahrt nach dem Morgenland an, durchreiste Deutschland und Italien bis nach Rom und schiffte sich im Februar 1497 in Venedig nach Alexandria ein. Er besuchte Kairo und das Katharinenkloster auf der Sinai-Halbinsel; von dort setzte er seine Pilgerreise weiter nach dem Gelobten Land und zur Grabeskirche in Jerusalem fort, wo er zum Ritter vom Heiligen Grab geschlagen wurde. Er zog von dort weiter über Damaskus und Haleb nach Antiochia, dann durch die ganze Länge Kleinasiens bis Brussa über den Balkan, Italien, Frankreich nach dem Grab des Heiligen Jacobus im spanischen Santiago de Compostela. Hier begann dann seine Heimreise über Paris und Brüssel. Am 10. Oktober 1498 traf er wieder in Köln ein und suchte, so schreibt er selbst, dort die Heiligen Drei Könige auf. Er legte mehrere tausend Kilometer mit verschiedenen Verkehrsmitteln zurück und war zwei Jahre unterwegs.

Arnold von Harff betet zu Beginn seiner Reise am Kölner Dreikönigsschrein

Pilgerbericht

Der Pilgerbericht, den er verfasste, ist ein umfassendes Dokument über diese Reise. Er gibt nicht nur das Erleben der großen Pilgerziele wieder, sondern er beschreibt auch Städte, Festungswerke, Wirtschaftsleben, Brauchtum, Trachten, Fauna und Flora sowie Kurioses in den durchreisten Regionen. Außerdem legte er Lexika der jeweiligen Sprache an und zum Teil sind dies die ältesten Dokumente der jeweiligen Sprache. Den Reisebericht widmete er dem Herzogspaar Wilhelm IV. und Sybilla von Jülich und Berg. Dieser wurde bei einem Empfang gegen Ende des Jahres 1499 auf Schloss Heinsberg überreicht.

Sein Pilgerbericht wurde jedoch nicht gedruckt, es existierten nur Handschriften, diese zum Teil interessant und reich bebildert, u.a. in der Benediktinerabtei Maria Laach (Handschrift 268). Ein erster Druck erschien von Eberhard von Groote 1860 in Cöln. Und 2007 haben Helmut Brall-Tuchel und Folker Reichert (Böhlau Verlag Köln) eine für die heutige Zeit lesbare Fassung herausgegeben.

Letzte Lebensjahre

Im Jahre 1499 erhielt er von seinem Onkel Godart von Harff eine Burg im Erkelenzer Land hinter dem heutigen Gut Nierhoven in Erkelenz-Lövenich gelegen. Die Burg existiert nicht mehr. Hier soll er seine Reiseberichte in einem „Pilgerbuch“ festgehalten haben. Nach der Rückkehr von seiner Pilgerreise heiratete er 1504 Margarethe von dem Bongart ( † 1520), Tochter von Johann von dem Bongart, Amtmann zu Nörvenich und Monschau, und Elisabeth d’Argenteau. Er wurde Erbkämmerer im Land Geldern, starb jedoch schon im Januar 1505 vermutlich auf seiner Burg in Lövenich. Die näheren Umstände seines Todes kennen wir nicht, ebenso ist sein Grab verschollen. Aber sein Grabstein befindet sich in der Krypta der heutigen Kirche St. Pauli-Bekehrung (Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut) und so ist es wahrscheinlich, dass er in der Vorgängerkirche sein Grab gefunden hat, zumal feststeht, dass es in der alten Kirche eine Grabkapelle derer von Harff gegeben hat

Grabplatte Arnold von Harff

Die Grabplatte zeigt die halbplastische Gestalt des Verstorbenen in ritterlicher Rüstung, unter den Füßen einen Hund als Zeichen adliger Treue. Den Kopf umgibt ein Spruchband mit Arnolds Namen und dem Jahr seines Todes. Ringsum sind 32 Ahnenwappen angeordnet. Rechts und links des Kopfes sind zwei rechteckige Felder eingepasst, auf denen Zeichen angebracht sind, die an Arnolds Reise erinnern, z.B. die gekreuzten Petersschlüssel für Rom oder der Pilgerstab mit Flasche für Santiago de Compostela. 1

Andere Berichte geben den Stammsitz der Familie Schloss Harff als Sterbeort an. Dies ist aber fraglich, da weder die Umstände seines Todes bekannt sind noch Arnold dort begütert war. Auch das bei Bedburg-Kaster gelegene Schloss existiert heute nicht mehr. Das historische Bauwerk musste dem dortigen Braunkohletagebau Frimmersdorf weichen und wurde 1972 zerstört.

Der Geburtsort Schloss Harff um 1860 Sammlung Alexander Duncker

Sonstiges

An den Ritter erinnern Straßen- und Schulnamen in Erkelenz und Bedburg. Am Außeneingang der Krypta der Lövenicher katholischen Pfarrkirche St. Pauli-Bekehrung befindet sich seit 2009 eine Gedenktafel. Die Afrika- und Orientreisen des „spätmittelalterlichen Weltenbummlers bzw. -pilgers“ sind Ursprung lokaler Legenden des „Loevenicher Löwenritters.“ Der Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. hat zusammen mit dem Ensemble ALA AUREA im Jahre 2010 eine CD mit Musik zu den Orten der Pilgereise des Arnold von Harffs herausgegeben. Der „Arnold von Harff Rad- und Wanderweg“ verbindet seit 2014 Lövenich und Kaster.

Ausgaben des Pilgerberichtes

Er hinterließ eine in mehreren Handschriften überlieferte Beschreibung seiner Reise, die auch fiktive Teile enthält. So gibt er vor, dass er auch Indien, die Nikobaren, Madagaskar und das Nilquellgebiet besucht habe. Die hierbei verwendeten fremden Quellen sind nachgewiesen von L. Korth in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, Bd. 5, 1884, S. 191 ff. Der Reisebericht wurde erstmals 1860 durch Eberhard von Groote herausgegeben und mit Holzschnitten nach den Originalillustrationen versehen. Eine kritische Neubearbeitung mit den Originalillustrationen der Handschrift 268 der Benediktinerabtei Maria Laach erschien anlässlich einer Wanderausstellung 2007, die in Grevenbroich, Erkelenz und Bedburg gezeigt wurde.

  • Eberhard von Groote (Hrsg.): Arnold von Harff: Die Pilgerfahrt des Ritters Arnold von Harff. Von Cöln durch Italien, Syrien, Aegypten, Arabien, Aethiopien, Nubien, Palästina, die Türkei, Frankreich, Spanien, wie er sie in den Jahren 1496 bis 1499 vollendet, beschrieben und durch Zeichnungen erläutert hat, (Köln 1860).
    • Nachdruck Hildesheim 2004 (Olms).
    • als Faksimile neu erschienen im Fines Mundi Verlag, Saarbrücken 2007.
  • Malcolm Letts: The Pilgrimage of Arnold von Harff, Knight; from Cologne, through Italy, Syria, Egypt, Arabia, Ethiopia, Nubia, Palestine, Turkey, France and Spain, which he accomplished in the years 1496 to 1499 London: The Hakluyt Society, 1946 (reprint Nendeln/Liechtenstein 1967).
  • Helmut Brall-Tuchel; Folker Reichert (Hrsg.): Rom – Jerusalem – Santiago. Das Pilgertagebuch des Ritters Arnold von Harff (1496–1498). 3. Auflage, Köln/Weimar/Wien 2009, 2
  1. Bedeutende Bau- und Kunstwerke in Erkelenz, Heft 25
  2. Text von Günther Merkens 2021 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. Helmut Brall-Tuchel (Hrsg.), Folker Reichert, ROM JERUSALEM SANTIAGO Das Pilgertagebuch des Ritters Arnold von Harff. Köln, Weimar, Wien, ISBN: 978-3-412-20026-8, 2007, Seite 1 ff.
  2. Walter Delabar, Aus der Geschichte des Erkelenzer Landes. Band 9 der Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V. , 1989, Arnold von Harff, Seiten 13 bis 42

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