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Der Markt

Stichworte: Platz
1452 bis 1950-1959

Der Markt ist jetzt der zentrale Punkt der Stadt. Ob er allerdings immer der wichtigste war, ist nicht sicher, weil alte Quellen den Johannismarkt als den „alten Markt“ und den Markt als „neuen Markt“ bezeichnen.

© Archiv Heimatverein | Josef Dressen nach einer alten Katasterkarte | Stadtplan 1819

Dagegen spricht aber, dass hier auch schon vor dem verheerenden Stadtbrand von 1540 das Gewandhaus oder Stadthaus stand. Noch frühere Erwähnung findet der Markt 1452 = ,op deme Wolmart‘ und 1480 = ,niewermart‘ im Rheinischen Städteatlas.

Das Gewandhaus wurde Opfer der Flammen, aber bis 1546 wurde an gleicher Stelle ein „neues“ Rathaus gebaut, welches heute noch vorhanden ist.

Bebauung

© Archiv Heimatverein | unbekannt | Altes-Rathaus-vor-1914
Markt mit Rathaus, Kirche, Schul- und Spritzenhaus und Häusern an der Westseite, etwa 1900.

Der Markt wird beherrscht von der Pfarrkirche Sankt Lambertus an der Nordseite. Im 9. Jahrhundert wird die erste Kirche erwähnt, es folgen weitere. Die gotische Kirche wurde ab 1418 gebaut, der Turm ab 1458. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden Chor und Schiff ab 1947 neu gebaut, der Turm wurde wiederherstellt.

Wie in alten Städten früher üblich, gab es auch hier rund um die Kirche den Kirchhof. Er wurde bis zur Einrichtung des Friedhofes an der Brückstraße benutzt, der 1825 geweiht wurde. Ein steinernes Friedhofskreuz stand bis zur Neugestaltung des Marktes im Jahr 1957 in der westlichen Ecke.

Das zweite bedeutende Bauwerk ist das Alte Rathaus, welches im Jahre 1546 erbaut wurde. Das vorherige Foto zeigt den Zustand um etwa 1900. Die Laubengänge waren Mittte des 18. Jahrhunderts geschlossen worden. In den Laubgängen entstanden eine Wohnung für einen Ordnungsbeamten und zwei Arrestzellen. Zu sehen ist auch das Schwungrad des Brunnens, der zur Wasserversorgung der Nachbarschaft diente. 1

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Alte Rathaus wiederhergestellt.

© Archiv Heimatverein | Altes Spritzenhaus auf dem Markt

Das Schul- und Spritzenhaus zwischen Kirche und Altem Rathaus wurde 1734 erbaut, war bis 1828 Schulhaus, danach Lehrerwohnung und Spritzenhaus. Im Jahre 1926 wurde es abgebrochen.

© Archiv Heimatverein | Lambert Schwingens | Südseite des Marktes
Der Markt (Süd-Ostseite) vor der Zerstörung, etwa 1942/1943
© Stadtarchiv Erkelenz | 024_Haus_Herle_Jahr-1940_Stadtarchiv-Erk

Die Katasterkarte von 1819 (siehe oben) zeigt um den Markt noch eine ganze Reihe von Häusern, die auf landwirtschaftliche Betriebe (mit Scheunen und Stallungen) schließen lassen. Kurz vor und um 1900 erhielten hier die meisten Häuser, der Mode der Zeit entsprechend, mehr oder weniger schmuckreiche Zementstuckfassaden oder wurden durch Neubauten ersetzt.

© Archiv Heimatverein | Wilhelm Schmitter | Markt, 1926

Neben Kirche und Rathaus war das beherrschende Haus am Markt (im Bild rechts) das sogenannte Jungbluth’sche Haus. Im Jahre 1792 ließ sich hier Johann Adam Gormanns als Notar nieder. Er war in der Franzosenzeit u. a. Bürgermeister in Erkelenz. Sein Sohn Hermann-Josef Gormanns führte das Notariat ab 1828 (zwischenzeitlich war Jansenius Notar in Erkelenz, doch er wohnte nicht hier) und übergab es 1863 an seinen Neffen Leonard Jungbluth.

Hermann-Josef Gormanns hinterließ der Stadt testamentarisch Geld und Grundbesitz am Zehntkamp und schuf damit die Grundlage für ein 1871 fertiggestelltes Krankenhaus, aus dem die heutige Hermann-Josef Stiftung hervorgegangen ist.

© Archiv Heimatverein | Wilhelm Schmitter | Einweihung Kaiser Wilhelm Denkmal, 1898

Am 10. Mai 1898 wurde auf dem Markt ein Bronze-Standbild von Kaiser Wilhelm I. enthüllt. Bei dieser Gelegenheit gab es das erste elektrische Licht in Erkelenz, initiiert von Anton Raky.

Das Denkmal wurde im ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Der Sockel blieb bis 1926 leer und bekam dann, anlässlich der 600-Jahrfeier der Stadt Erkelenz, einen obeliskartigen Aufsatz mit Adler. 1934 wurde die ganze Anlage zur Westpromenade (vor der Badeanstalt) versetzt.

© Archiv Heimatverein | Wilhelm Schmitter | Altes-Rathaus-1944-1945

Bei einem Bombenangriff im Januar 1940 wurde der Dachstuhl des Alten Rathauses durch eine Brandbombe zerstört. Auf dem Markt befand sich seit 1941 ein Löschteich.

Zerstörung

Bei dem schweren Bombenangriff am 23. Februar 1945 wurden die Kirche, das Alte Rathaus und viele Gebäude am Markt zerstört.

© Archiv Heimatverein | Lambert Schwingens | Markt, 1945
Der Markt mit Kirche, Altes Rathaus und Häusern an der Westseite, Frühjahr 1945
© Archiv Heimatverein | Wilhelm Schmitter | Markt, 1945
Markt, etwa 1946
© Archiv Heimatverein | Wilhelm Schmitter | Markt, 1945
Häuser an der Ostseite, Frühjahr 1945

Der Wiederaufbau

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | Altes Rathaus 1950

Ab 1946 erfolgte der Wiederaufbau der Kirche, die Wiederherstellung des Alten Rathauses (ab 1956) und der Wohnhäuser.

© Archiv Heimatverein | Lambert Schwingens | Markt, etwa 1950
Der Wiederaufbau der Pfarrkirche, etwa 1950
© Archiv Heimatverein | Lambert Schwingens | Markt, etwa 1950

So zeigte sich der Markt mit Blick zur Kölner Straße in der Weihnachtszeit Anfang der 1950er Jahre.

Der Markbereich einschließlich der Kölner Straße bis zur Promenade wurde Ende 1980 als Fußgängerzone ausgebaut. Der Parkplatz sollte vorübergehend erhalten bleiben, dies ist heute noch so. In den kommenden Jahren soll der Markt neu gestaltet werden, dabei sollen die Parkplätze weitgehends verschwinden. Im Jahre 1981 wurde das Glockenspiel aufgestellt.

(Stand: 09. 2022) [/fussnote].2

  1. Freundlicher Hinweis von Wilhelm Borgs
  2. Text von Günther Merkens 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande unter Benutzung des Berichtes von Josef Lennartz/Theo Görtz „Erkelenzer Straßen“, Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande, Band 3, Seite 82ff
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 3, 1982. Josef Lennartz, Theo Görtz: Erkelenzer Straßen. Materialien zu Namen und Geschichte.

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