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Das Kasino in Erkelenz

Vorbemerkung

An der Ecke Glück-auf-Straße / Anton-Heinen-Straße stand bis zum Jahre 2015 ein Gebäude, das in Erkelenz früher als das Kasino, auch Raky-Kasino, oder Winkelnkempersche Haus bekannt war. Es ergänzte das Bauvorhaben, das der Gemeinnützige Bauverein 1904 -1906 am nordöstlichen Rand der Kernstadt Erkelenz errichten ließ. Der Bauverein ließ 52 Wohnhäuser mit 60 Wohnungen bauen, die den Arbeitern der Internationalen Bohrgesellschaft Erkelenz (IBG) zu niedrigen Mietpreisen angeboten wurden. Die neu errichtete Siedlung wurde in der Stadt „Kairo“ genannt.1

Geschichte

Anton Raky, Generaldirektor der IBG, plante für seine Arbeiter, für die er bereits die im „Kairo“-Viertel gebauten Häuser angemietet hatte, eine „Konsumanstalt für die Arbeiterschaft“ zu errichten. Sie sollte eine „preiswerte und nahe Einkaufsgelegenheit“, eine Gaststätte mit Kegelbahn und eine Außenterrasse2 enthalten. Im oberen Stockwerk sollte ein Gästehaus für die Firma eingerichtet werden. Das Haus wurde zwar 1907/1908 gebaut, aber nicht der ursprünglichen Bestimmung übergeben. Nach dem Ausscheiden Anton Rakys aus der IGB im Jahre 1907 verkaufte die Gesellschaft das Gebäude im Jahre 1908 nach seiner Fertigstellung.

© Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. | Grundriss Laumen und Winkelnkemper
Atelierräume

Das „Atelier für kirchliche Kunst – Laumen und Winkelnkemper“ kaufte das Gebäude. Das Haus bot genügend Platz für die Bildhauerei (1), die Polychromie3 (2), das Holzlager (4) und einen Maschinenraum (3).4 Im Jahre 1911 vermieteten Laumen und Winkelnkemper den ursprünglich als Geschäftslokal konzipierten Teil des Hauses an die „Konsum- und Produktivgesellschaft christlicher Arbeiter e.G.m.b.H. für Rheydt und Umgebung“. Zunächst für fünf Jahre wurde in diesen Räumen ein Konsum eingerichtet. Das Geschäft blieb aber länger in den Räumen, wie lange, ist nicht bekannt. Im Jahre 1935 war der Konsum jedenfalls nicht mehr in dem Haus. Ab diesem Jahr betrieb Willi von Wirth im linken Teil des Gebäudes bis in die 1950er Jahre ein Lebensmittelgeschäft im Kasino. Danach führte Arnold Gatzen dort einen Drogeriegroßhandel. Zu dem Zeitpunkt zog auch wieder der Konsum ein.

Von 1920 bis 1930 hatte das Finanzamt Erkelenz Räume angemietet.

Auch das Postamt zog nach der Ausbombung der alten Post in den letzten Monaten des 2. Weltkrieges übergangsweise ins Kasino, bis das neue Postgebäude 1950 erbaut war.

Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude an der Anton-Heinen-Straße teilweise zerstört, aber nach dem Krieg wieder aufgebaut. Dabei veränderte man den Gebäudeteil an der Glück-auf-Straße völlig. Im Parterre entstanden Schaufenster, der Hauserker verschwand, das Dach wurde abgeflacht.


Im Gebäudeteil, in dem zeitweilig die Post untergebracht war, waren danach u. a. eine private Handelsschule und eine Heißmangel. In den 60ziger Jahren wurde der gesamte rechte Gebäudeteil zu einem Geschäftslokal ausgebaut und der Konsum, der bis dahin gegenüber (Ecke Vereinsstraße/Anton-Heinen-Straße und Glück-Auf-Straße) war, zog in diese Räume.

Nach der Schließung des Konsums befanden sich im Erdgeschoss zuletzt eine Videothek und ein Gemüsegeschäft, im ersten Stock Mietwohnungen.

Das Gebäude verkam im Laufe seiner letzten Jahre. Es wurde 2014 von örtlichen Investoren aufgekauft und 2015 abgerissen. Anstelle des alten Gebäudes entstand ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen, Tiefgarage und begrüntem Innenhof.5 Das Relief des Kasinos wurde an der Westfassade wieder angebracht.

Baubeschreibung

Das ursprüngliche Haus war ein zweigeschossiges Satteldacheckhaus, mit zwei zusätzlichen Geschossen im Dach selbst. Es stand an der Glück-auf-Straße mit Giebelfront zur Anton-Heinen-Straße (früher Vereinsstraße). Die Giebelfront enthielt fünf Achsen. Daran war noch ein weiteres Gebäudeteil mit dem Sattel im 90°-Winkel zum größeren Haus angebaut. Dieser Gebäudeteil war ebenfalls zweigeschossig und wies vier Achsen auf. Die Seite zur Glück-auf-Straße hatte neun Achsen. Hier befanden sich zwei Eingänge ins Haus. Die erste Achse in Richtung Anton-Heinen-Straße enthielt einen Erker. Über die gesamte Breite des Hauses an der Anton-Heinen-Straße befand sich eine Terrasse mit einer Steinmauer als Begrenzung.

Wolfgang Lothmann | Anton-Raky-Haus
Relief an der Westwand

Am westlichen Hausgiebel war ein großes Stuckrelief über einem Fenster angebracht. Es zeigt zwei Arbeiter mit bloßem Oberkörper, die je einen Schmiedehammer halten, und wichtige Arbeitsgeräte für Bohrungen. Die Arbeiter schauen auf diese Arbeitsgeräte, die aus einem Rad, einem Zahnrad und einem Kranhaken bestehen. Die Räder sind mit einer Eisenkette verbunden, die an einer Platte mit dem Namen der Bohrgesellschaft (IBGE) eingehängt ist. Der rechte Arbeiter legt seine Hand auf das Rad. Das Relief wird seitlich und im oberen Teil durch Lorbeerblätter und Eichenbaum und -laub sowie Eicheln verziert. Unter den Arbeitsgeräten befinden sich geschwungene Bänder. Im Hintergrund sind drei Bohrtürme zu sehen.

Kasino-Westwand

Über dem Relief befand sich ein halbrundes Fenster, von dessen Rand Strahlen zum Dach laufen, so dass dadurch ein halber Sonnenkranz angedeutet wird.6

  1. Es wurde „Ka-iro“ gesprochen. Einzelheiten im Artikel zu Anton Raky.
  2. Hubert Rütten, a. a. O., Seite 93
  3. Vielfarbigkeit in Malerei, Kunsthandwerk, Skulptur und Baukunst
  4. siehe Rütten, a. a. O., Seite 99
  5. siehe https://rp-online.de/nrw/staedte/erkelenz/ein-neues-anton-raky-gebaeude-entsteht_aid-20538329 vom 23.11.2015 (Stand: 06.2022)
  6. Text von Wolfgang Lothmann 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V. in Anlehnung an Hubert Rüttens Beitrag „Das Kasino an der Glück-auf-Straße“ in der Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e. V., Band 30
  1. Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V. (Hrsg.), Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V.. Band 30, 2015. Paul Rütten: Das Kasino an der Glück-auf-Straße, Seite 90 bis 103
  2. Rheinische Post, online. https://rp-online.de/, https://rp-online.de/nrw/staedte/erkelenz/ein-neues-anton-raky-gebaeude-entsteht_aid-20538329 vom 23. November 2015 (Stand. 06.2022)

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