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TuS Keyenberg 1911

Stichworte: Verein
1911 bis 2019

Geschichte

Anfänge

Wie sah es um die Jahrhundertwende in unserem Dorf mit dem Fußball­spiel aus? Fußballvereine bestanden noch nicht, denn das Spiel wurde von älteren Generationen gerade leidenschaftlich abgelehnt. Glaubte sie doch, daß das neue Spiel der Jugend nur Gesundheitsschäden, nicht aber eine Körperertüchtigung bringen würde.“1 So beschreibt der Chronist die Situation des Fußballsports in Keyenberg kurz nach der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Was der älteren Generation suspekt war, fand allerdings bei der Jugend immer mehr Anhänger und Begeisterung. Sie spielten auf den Straßen, verfeinerten den Umgang mit dem Ball und eigneten sich Regelkenntnisse an. Auch in Keyenberg folgte man dem Beispiel vieler umliegender Orte und gründete 1911 den VfB Keyenberg. 16 junge Männer trafen sich in der Gaststätte „Mogge Bäcker“ (späterer Quellenhof) im Frühjahr des Jahres zur Gründung. Dies waren: J. Greven, P. Überwolf, P. Weynen, H. Rademacher, P. Heymers, P. Greven, J. Meisen, J. Porten, J. Classen, E. Dohmen, H. Pohlen, H. Rütten, J. Über­wolf, H. Hurtz, P. Jussen und W. Knappers.2 Der Landwirt Zillekens stellte Gelände für den Sportplatz zur Verfügung und ein richtiger Lederfußball wurde angeschafft.3 Man spielte zunächst vorwiegend auf Sportfesten, auf denen die Turniere im K.O.-System ausgetragen wurden. Auch Wettkämpfe im Fußballweit- und Zielstoß wurden ausgetragen.4 Der Verein war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in einem Verband organisiert. Daher gab es auch noch keine in Ligen organisierte Spiele.

© TuS 1911 Keyenberg | Wolfgang Lothmann | Fussballmannschaft vor 1914
Mannschaft vor dem 1. Weltkrieg


Im Jahre 1914 musste der VfB Keyenberg den Spielbetrieb einstellen, da infolge des Ersten Weltkrieges die jungen Männer eingezogen wurden. Bei der Gründung des Vereins hatte man ausschließlich den Ballsport im Auge. Die Umbenennung in Turn- und Spielverein erfolgte erst 1927.

Ende und Neubeginn

1919 konnte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Der VfB schloss sich dem Westdeutschen Spielverband (WSV) an und trug Meisterschaftsspiele gegen Mönchengladbacher Mannschaften aus. Gegen Eicken muss es zu einer vernichtenden Niederlage gekommen sein. (Der Chronist spricht von einer „pro Mann 1 : 0 Niederlage“5) Diese Schlappe konnte die Mannschaft nicht überwinden. 1920 wurde sie vom Spielbetrieb abgemeldet, richtete noch einige Freundschaftsspiele aus und stellte den Betrieb dann ein.

In Keyenberg konnte daher fortan kein offizieller Sport mehr betrieben werden, was einigen jungen Männern nicht behagte. Sie schlossen sich deshalb dem benachbarten Turnverein in Borschemich an. 1924 entschied man sich, auch in Keyenberg einen Turnverein zu gründen. Der TV Keyenberg 1924 war geboren. Martin Amend wurde sein 1. Vorsitzender. Der Verein besaß nicht nur Turner, sondern auch exzellente Leichtathleten. Die 4 x 100-m-Staffel wurde aufgrund ihrer Leistungen über die Grenzen des Kreises und Bezirkes bekannt. Besonders herausragend waren die Leistungen von Josef und Peter Pisters.

Einige junge Männer wollten auch wieder Fußball spielen. In einem Turnverein konnte man allerdings nicht gleichzeitig Mitglied der Deutschen Turnerschaft und des Westdeutschen Spiel-Verbands sein. Man löste das Problem, indem man dem Turnverein eine Spielabteilung angliederte und den Verein im Frühjahr 1927 in Turn- und Spielverein Keyenberg umbenannte. Seither existierte der Name TuS 1924 Keyenberg. (1924 wegen der ursprünglichen Gründung des Turnvereins.)

© TuS 1911 Keyenberg | Wolfgang Lothmann | Mannschaft 1927
Fußballmannschaft 1927

Die Keyenberger Fußballmannschaft spielte fortan in der Erftgruppe und stieg bereits im 2. Jahr in die 1. Kreisliga auf. Sorgen machte dem Verein der Nachwuchs. Zeitweilig kamen Spieler aus Borschemich und komplettierten die Mannschaft.

Weltkriege

Hatte der 1. Weltkrieg bereits durch den Einzug der jungen Männer zu einer Einstellung des Sportbetriebes geführt, so schlug auch der 2. Weltkrieg große Wunden im Sportverein. 1935 trug die allgemeine Wehrpflicht dazu bei, dass die Mannschaft nicht mehr genügend Spieler hatte. So beschloss man 1936 eine Fusion mit dem Verein Niersquelle Kuckum unter dem Namen Spielvereinigung Keyenberg-Kuckum. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges brachte eine Pause des Spielbetriebes. Viele ehemalige Spieler und Turner fielen den Kämpfen zum Opfer.

Aufbau nach dem 2. Weltkrieg

Fußballabteilung

Am 27.01.1946 beschloss die Generalversammlung die Wiederaufnahme des Spielbetriebs der Fußballabteilung. Unter schwierigsten Umständen konnte man sich die Spieleruntensilien besorgen. 1946/47 konnte die Mannschaft wieder an der Meisterschaftsrunde teilnehmen. Man spielte in der 1 Kreisliga.

Nach wie vor kämpfte die Abteilung damit, genügend Spieler für die Meisterschaftsspiele zu stellen. Ab 1949 waren einige Abgänge zu verzeichnen, die Jugendlichen des Dorfes waren erst in 3 bis 4 Jahren in der 1. Mannschaft spielberechtigt. So konnte man nur mit „abgezähltem Spielermaterial“6 den Betrieb aufrecht erhalten. 1952 stieg man in die 2. Kreisliga ab. In diesem Jahr musste die Mannschaft größtenteils auswärts spielen, da in Keyenberg ein neuer Platz in den Niersauen gebaut wurde. Der konnte im August 1952 in Betrieb genommen werden.

Mittlerweile baute man die Jugend auf. Sie wurde in die 1. Mannschaft integriert. Diese Mannschaft stieg in der Meisterschaftssaison 1960/61 wieder in die 1. Kreisklasse auf. Unter dem Trainer Heinz Pilatus gelang ihr 1961/62 eine Siegesserie von 20 Spielen in Folge. Sie stand am Ende punktgleich mit Holzweiler in der Tabelle. In zwei Entscheidungsspielen konnte der TuS sich durchsetzen und wurde Kreismeister 1962.

© TuS 1911 Keyenberg | Wolfgang Lothmann | Aufstiegsmannschaft 1961
Aufstiegsmannschaft 1961

In den folgenden Aufstiegsspielen zur Bezirksklasse, konnte sich die Mannschaft nicht durchsetzen. Der Erfolg in der Kreisliga bewirkte aber einen Aufschwung im Verein. Eine 2. Mannschaft, eine A- und eine C-Jugendmannschaft nahmen den Betrieb auf.

© Wolfgang Lothmann | Kreismeister1962
Kreismeister 1962

1961 beschloss man auf der Generalversammlung, den TuS 1924 in TuS 1911 Keyenberg e. V. umzubenennen, da der Fußballverein nachweislich ab diesen Jahr existierte.

Nach einigen erfolgreichen Jahren in der 1. und 2. Kreisklasse stieg man in der Spielzeit 1972/73 in die 3. Kreisklasse ab, im nächsten Jahr erfolgte aber der Wiederaufstieg. Bis 1980 konnte die 1. Mannschaft die Klasse halten. Sie spielte anschließend vier weitere Jahre in der Kreisklasse C, wie die 3. Kreisklasse nun hieß, stieg 1985 wieder auf und spielte in der Folgezeit regelmäßig um den Wiederaufstieg in die Kreisliga A.

© TuS 1911 Keyenberg | Wolfgang Lothmann | Alte Herren 1977
Alte Herren 1977

Seit Anfang der 1980er Jahre kümmerte man sich verstärkt um die Jugendarbeit. Im Verein spielten teilweise A- bis F-Jugendliche, die nicht nur auf dem Rasen betreut wurden, sondern auch sonstige Freizeitaktivitäten miteinander teilten.

© TuS 1911 Keyenberg | Wolfgang Lothmann | Mannschaft 2011
1. Mannschaft 2011

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde es für den Verein immer schwerer, einen geordneten Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Am Ende der Spielzeit 1999/2000 musste die Reservemannschaft den Spielbetrieb einstellen. Die erste Mannschaft stieg am Ende der Spielzeit 2017/18 in die Kreisliga D ab. Sicherlich hat auch die Umsiedlung mit dem Einbruch des Spielbetrieb zu tun. Im Jahre 2021 wurde der neue Sportplatz im Neubaugebiet eingeweiht und es ist zu hoffen, dass im Verein wieder ein Zuwachs an aktiven Spielern erfolgt.

Weitere Abteilungen

Gerade in der Anfangsphase des Vereins wurde auch geturnt und Leichtathletik betrieben. Nach dem 2. Weltkrieg verlagerten sich die Aktivitäten aber weitestgehend auf die Sparte Fußball. In den 1970er Jahren bildete sich mehrere Freizeitgruppen, unter anderem eine Gymnastik- und Hobbyfussballgruppe, die in der Turnhalle der Grundschule übten. 2006 schloss sich eine Ju-Jutsu-Gruppe dem TuS an.

Der Sportplatz

Der Sportplatz lag seit jeher in den feuchten Niederungen des Niersquellengebiet. Er zeigte sich stets als nasse Wiese und war nur schwer bespielbar. Im Jahr 1959 wollte der Verein den Platz durch Eigenleistung trocken legen. Dazu sollten sich alle Mitglieder an den Arbeiten beteiligen. Die Annalen berichten, dass 250 m Entwässerungsgräben ausgehoben wurden, die Arbeiten aber ins Stocken gerieten, weil in der 2. Woche bereits der Arbeitseifer nachließ.7 Dennoch gelang es, den Platz einigermaßen trocken zu legen und wiederherzustellen.

Bereits 1966 hatte der Gemeinderat den Bau eines neuen Sportplatzes mit 400 m-Laufbahn beschlossen. Der neue Platz konnte aber erst 1977 eingeweiht werden. Dieser Sportplatz wurde als Rasenplatz angelegt und konnte dank guter Pflege bis zur Umsiedlung benutzt werden.

Durch die Umsiedlung der Gemeinden Keyenberg, Kuckum, Berverath und Westrich erhielten der TuS Keyenberg 1911 und der SV Niersquelle Kuckum in dem Umsiedlungsgebiet im Erkelenzer Osten eine Außensportanlage für beide Vereine. Im September 2021 wurde sie feierlich übergeben. Der Sportpark besteht aus zwei Fußballplätzen und einem gemeinsamen Vereinsheim.8 Die Ortschaften besitzen keine Turnhalle mehr. 9

© Wolfgang Lothmann | Sportpark Keyenberg
Neuer Sportpark
  1. TuS Keyenberg 1911(Hrsg.):Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des TuS Keyenberg 1911, 1962, Seite 3
  2. Festschrift 1962, a. a. O. Seite 4
  3. Festschrift 1962, a. a. O. Seite 4
  4. Festschrift 1962, a. a. O. Seite 4
  5. Festschrift 1962, a. a. O., Seite 6
  6. Festschrift 1962, a. a. O., Seite 5
  7. TuS Keyenberg 1911 (Hrsg.): 100 Jahre Turn- und Spielverein TuS Keyenberg, 2011, Seite 23
  8. siehe https://rp-online.de/nrw/staedte/erkelenz/erkelenz-neuer-standort-fuer-sv-kuckum-und-tus-keyenberg_aid-62513317 (Stand 05.2022)
  9. Text von Wolfgang Lothmann 2022 für den Heimatverein der Erkelenzer Lande e. V.
  1. TuS 1924 Keyenberg (Hrsg.), Festschrift zum 25-jährigen Stiftungsfest des TuS Keyenberg 1924. Keyenberg, 1952
  2. TuS 1911 Keyenberg (Hrsg.), Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des TuS 1911 Keyenberg. Keyenberg, 1962
  3. TuS Keyenberg 1911 e. V. (Hrsg.), 100 Jahre Turn- und Spielverein TuS Keyenberg. Keyenberg, 2011
  4. Rheinische Post, online. https://rp-online.de/

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